Fairreisen: Darauf kann man bei einem nachhaltigen Urlaub achten

Urlaub muss sein. Mal raus aus dem Alltag, dem Gewohnten Entfliehen und der Gewohnheit die Stirn bieten. Jeder, der sich mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ im weitesten Sinne auseinandersetzt, weiß, dass ein Urlaub schnell zu einer Katastrophe für die (persönliche) Ökobilanz werden kann. Stichwort Flugreisen. Das muss aber nicht sein.

Wohin solls gehen?

Die erste Frage, die im Rahmen der Urlaubsplanung geklärt werden muss, ist die des Reiseziels. Die zweite Frage, nämlich wie man zum Urlaubsort gelangt, soll zwar erst im kommenden Absatz näher behandelt werden, ist aber für die Wahl des Urlaubsortes nicht ganz irrelevant. Wenn man einen nachhaltigen Urlaub plant sollte nämlich das Reiseziel so liegen, dass man es umweltfreundlich, sprich mit der Bahn/dem Fernbus/vollbesetztes Auto erreichen kann. Da wir – ich spreche bewusst auch dich als Leser an, da ich davon ausgehe, dass du auch in Europa Zuhause bist – in Europa in der luxuriösen Position sind, massenweise spannende Länder mit unterschiedlichen Kulturen ganz nahe beieinander vorzufinden, lohnt es sich, ein Reiseziel auf dem europäischen Festland anzusteuern. Das ist nämlich ohne Flugzeug zu erreichen (es gibt auch einige Inseln, die bspw. mit der Fähre zu erreichen sind, wie Mallorca). Und Europa ist eigentlich so vielseitig, dass man in seinem ganzen Leben nicht dazu kommen wird, wirklich jeden Winkel gesehen zu haben.

Trotzdem verstehe ich natürlich, dass es Menschen gibt, die auch gerne mal durch Asien reisen, Australien erleben und Südamerika sehen wollen. Mein Vorschlag an dieser Stelle: Mehrere Wochen Urlaub zusammen legen und wirklich lange die auserwählte Region bereisen. Das ist auf jeden Fall ökologischer, als vier Mal in einem Jahr die gleiche  (oder auch irgendeine andere, weit entfernte) Region anzusteuern und jedes Mal tonnenweise CO2/andere Treibhausgase in die Luft zu befördern.

Wie komme ich dahin?

Ist das Reiseziel gefunden muss im nächsten Schritt die Anreise organisiert werden. Unser letzter Urlaub war eine kleine Bayern-Rundreise, wobei wir auch nach Zürich gefahren sind. Ich werde euch in den kommenden Absätzen meine damaligen Überlegungen zu den einzelnen Verkehrsmitteln skizzieren.

Variante 1: Flugzeug

Das Flugzeug zu nehmen stand für uns gar nicht zur Debatte, weil wir mehrere Stationen bei Freunden und Verwandten hatten und das Flugzeug auch für die kurze Distanz einfach einen zu hohen ökologischen Fußabdruck verursacht hätte. Wenn ihr euch für eine Flugreise entscheidet, dann solltet ihr zumindest die Emissionen, die der Flug verursacht, kompensieren. Das bedeutet, dass ihr der Menge an Emissionen entsprechend, die euer Flug verursacht hat, Geld an Projekte spendet, die CO2 kompensieren. Das geht natürlich auch bei anderen Verkehrsmitteln. Seriöse, gemeinnützige Anbieter dafür sind beispielsweise Atmosfair, myclimate (nur, wenn nicht über Lufthansa berechnet) und die Klima-Kollekte. Das Problem bei myclimate via Lufthansa ist, dass die Emissionen kleiner gerechnet werden, als sie eigentlich sind. Bei einem Flug wird nämlich nicht nur CO2 in die Luft geblasen, sondern auch andere Treibhausgase. Die werden bei den Anbietern mit einem unterschiedlichen Faktor dazu gerechnet, bei myclimate via Lufthansa wird der geringste Betrag addiert. Ihr solltet außerdem darauf achten, dass euer Geld an Gold Standard-Projekte geht. Dabei handelt es sich um zertifizierte Projekte, die besonders effektiv sind.

Variante 2: Bahn

Die Bahn ist neben einer Reise zu Fuß oder mit dem Rad die klimafreundlichste Variante, weil sie am wenigsten Emissionen verursacht und mit Ökostrom läuft. Der Nachteil: Im Gegensatz zu Flugreisen werden Bahnreisen nicht staatlich subventioniert und die Bahn muss für sein Antriebsmittel, den Strom, Steuern zahlen. Anders ist es bei Kerosin, dem Antriebsmittel für Flugzeuge. Dementsprechend teuer sind die Tickets, wenn man nicht dolle Glück hat. Uns wären die fünf Bahnfahrten, die wir dann vor uns gehabt hätten, sehr teuer zu stehen gekommen. Deshalb ist eine Reise mit der Bahn für uns aus finanzieller Sicht nicht in Frage gekommen. Wenn man nur ein Reiseziel hat, kann das anders sein!

Variante 3: Auto

Wir haben uns letztendlich für das Auto entschieden. Es war die Variante, die für uns finanziell realisierbar und trotzdem noch mit meinem ökologischen Gewissen zu vereinbaren war. Denn: Weil unser Auto durchgängig voll besetzt war, unterschieden sich die Emissionen nur minimal von den Werten eines ICEs. Das habe ich damals mit dem CO2-Rechner des WDR berechnet, der leider aktuell nicht mehr online ist. Wir haben unser Auto dauerhaft voll bekommen, indem wir über Blablacar andere Menschen mitgenommen haben. Neben der Reduktion des Fußabdrucks bekommt man außerdem was zum Springend dazu und bestenfalls noch ein paar gute Gespräche, ich kann diese Variante wirklich empfehlen. I Nachhinein haben wir unsere Emissionen dann bei Atmosfair kompensiert.

Variante 4: Kreuzfahrtschiff

Stand für uns nicht zur Debatte, ist aber auch ökologisch gesehen eine Katastrophe. Mal abgesehen davon, dass die Betreiber meist katastrophale Arbeitsbedingungen bieten. Es wird weiterhin Schweröl eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein sehr giftiges Abfallprodukt, das eigentlich im Sondermüll entsorgt werden müsste. Stattdessen wird es günstig an Reedereien abgegeben, die es dann dem Treibstoff beimischen. Außerdem sorgen Kreuzfahrtschiffe für eine maximal hohe Feinstaubbelastung in Hafenregionen, sobald sie irgendwo Rast machen, denn der Diesel läuft weiter. Schließlich müssen Licht, Heizung etc. ja weiterlaufen.

Wie siehts mit der Unterkunft aus?

Couchsurfing bei Freunden spart nicht nur Geld, sondern macht auch unglaublich viel Spaß und man kann seinen ökologischen Lebensstil weitestgehend beibehalten. Trotzdem wählt man sein Urlaubsziel auf Dauer höchst wahrscheinlich nicht danach aus, wo die eigenen Freunde leben. Es gibt aber einige Möglichkeiten, trotzdem nachhaltig zu wohnen. Beispielsweise Bio-Hotels. Dort wird – je nach Hotel – sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Die Lebensmittel sind Bio und zum Teil auch unverpackt, es gibt keine kleinen Pröbchen auf den Zimmern, es wird Ökostrom genutzt oder das Hotel ist gar autark. Das Ausmaß der Nachhaltigkeit muss man natürlich vorher für die in Betracht gezogenen Hotels einzeln prüfen, darüber kann man keine Pauschalaussage treffen. Aber gerade in Deutschland und Österreich findet man einige tolle Bio- oder Natur-Hotels. Besonders oft geschwärmt wird immer von Der Daberer in Österreich.

Weniger einfach ist die Suche nach ökologischen Unterkünften in fernen Ländern, wie beispielsweise Ägypten. Dort rauben die großen Hotelanlagen den Einheimischen das Wasser durch ihre pompösen Poolanlagen. In Südafrika gab es Anfang 2018 sogar eine Dürre. Es mangelte an Wasser, sodass das lebenswichtige Gut rationiert und die Einheimischen korrekterweise bevorzugt wurden. Ich finde, dass dieses Beispiel zeigt, dass Wasser nicht überall so selbstverständlich ist, wie bei uns. Dementsprechend sollten wir vorher prüfen, wie es in unseren anvisierten Urlaubsland aussieht und vielleicht auf die monströsen Hotelanlagen verzichten und stattdessen in eine Pension ziehen, die auch tatsächlich von einem Einheimischen geführt wird. Diese kriegen nämlich nicht selten fast gar nichts vom fetten Touristen-Kuchen ab.

Apropos: Ein Airbnb ist auch nicht unbedingt die sozial verträglichste Variante. Es gibt einige Städte, in denen Menschen, deren Familien seit Generationen in der Stadt leben, keine Wohnungen mehr finden, weil es für die Vermieter profitabler ist, sie wochenweise an Touristen zu vermieten. Deshalb sollte man vorher prüfen, ob es sich wirklich um ein Privatzimmer handelt. Man kann das zum Beispiel daran erkennen, wie die Verfügbarkeit eines Zimmers/Apartments ist. Wenn es ständig buchbar ist, dann ist es eigentlich sehr klar, dass diese Wohnung dem lokalen Wohnungsmarkt entzogen und womöglich illegal genutzt wird, um Touristen unterzubringen.

Umgang mit Einheimischen

Nachhaltig urlauben bedeutet zumindest für mich auch, sozial verträglich zu urlauben. Darunter verstehe ich, dass diejenigen, in deren Land ich zu Gast bin, auch etwas davon haben, und nicht nur der Reiseveranstalter aus Deutschland davon profitiert. Auch wenn 14 Tage Ibiza für 300 Euro All-Inclusive verlockend wirken: Wie wäre es, aus Halbpension zu gehen und stattdessen in einem lokalen Restaurant etwas zu essen? Schließlich geht es doch bei Urlaub auch um kulturellen Austausch. Und den bekommt man sicher nicht im Club-Hotel. Oder nicht in Barcelona im H&M shoppen gehen, den ich auch in Deutschland habe, sondern stattdessen von einer lokalen Manufaktur ein Mitbringsel erstehen? Das sind zwar Kleinigkeiten, aber in der Masse können sie durchaus etwas bewegen.

Ein weiteres Thema, welches man im Kontext von verantwortungsvollem Tourismus bedenken muss, ist der Umgang mit indigenen Völkern. Wer Ureinwohner treffen möchte, der sollte sich informieren, an welchen Orten der Welt die Ureinwohner selbst die Hoheit über das haben, was touristisch gesehen mit ihnen passiert. Oftmals ist es nämlich so, dass solche Begegnungen gegen den Willen dieser Menschen stattfinden und sie dann nicht einmal Geld dafür erhalten, dass sie für Fotos zur Verfügung stehen und Einblicke in ihre Kultur gewähren. Zum Teil gibt es sogar gesetzliche Verbote, einfach so in die Gebiete der indigenen Völker einzudringen. Diese werden aber von Reiseveranstaltern missachtet, weil der Profit stimmt. Viele Völker protestieren zwar für mehr Mitspracherecht darüber, was mit ihren kulturellen Gütern passiert. Diese Proteste werden aber oft nicht gehört. Ein Positivbeispiel kommt dabei aus Chile: Nach Jahren des Protests verwalten nun endlich die Indigenen den Nationalpark Papa Nur auf der benachbarten Osterinsel. Das ist aber längst nicht die Regel, sondern leider immer noch die Ausnahme. Das Ziel von verantwortungsvollem Tourismus sollte immer sein, den Nutzen für die Einheimischen zu maximieren, während man den Schaden an der Umwelt minimiert. Dazu gehören übrigens auch Tiere. Auch sie leiden zum Teil sehr unter dem Tourismus, der ihnen entweder die Lebensgrundlage nimmt, sie selbst zu Schauobjekten macht oder gar in Befangenheit zwingt, damit sie Kunststücke lernen können, was wiederum Geld bringt.

Ihr seht, dass es vieles zu Beachten gilt, wenn man einen wirklich nachhaltigen Urlaub planen will. Was ich euch wirklich ans Herz legen kann, wenn euch das Thema interessiert, ist das Buch FAIRreisen von Frank Herrmann. Er geht wirklich sehr tief ins Detail und erschlägt einen schon fast mit Zahlen und Fakten. Ich habe es in unserem Urlaub gelesen und war sehr begeistert. Ihr könnt es gebraucht zum Beispiel bei medimops kaufen (keine Affiliate-Links).

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