So war die Fashion Revolution in Leipzig

Letzte Woche feierte die Fashion Revolution Week in Leipzig Premiere! Die ganze Woche über wurden vor allem Dank Ulrike Biller von ‚Leipzig handelt Fair‘ (ich drücke dich dolle, falls du das liest) Veranstaltungen zum Thema faire Mode angeboten. Ich konnte zwar nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen, habe mir aber das ganze Wochenende genommen, um mich mit dem Thema und insbesondere den Veranstaltungen in Leipzig auseinander zu setzen. Und ich kann schon vorab sagen: Es war ein total tolles Programm!

Kurz zum Hintergrund: Fashion Revolution ist eine Organisation bzw. Bewegung, die sich nach dem Unglück von Rana Plaza in Bangladesch am 24. April 2013 gegründet hat. Damals starben mehr als 1000 Menschen, 2000 wurden verletzt. Das Unglück erlangte weltweit viel mediale Aufmerksamkeit und steht seitdem symbolisch für die Ausbeutung in der textilen Wertschöpfungskette. Das perfide an dem Unglück ist, dass die Betreiber der Fabrik von den Baumängeln, die letztlich zum Einsturz führten, bereits wussten, diese aber schlichtweg ignorierten. Fashion Revolution fordert seitdem, dass sich etwas ändert. Und zwar grundlegend. Deshalb veranstalten sie weltweit in der Woche um den Jahrestag des Einsturzes Aktionen zum Thema Fair Fashion. Besonders bekannt wurde Fashion Revolution durch die „Who made my clothes?“-Kampagne. Dabei fragen Privatpersonen die großen Hersteller, wer ihre Kleidung gemacht hat, um Druck auf diese auszuüben. Inzwischen gibt es allein auf Instagram mehr als 450.000 Posts mit dem Hashtag #whomademyclothes.

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Ich habe wie gesagt nur einen Teil des Programms besucht, das gesamte Programm könnt ihr aber auch noch einmal hier nachlesen, falls es euch interessiert.

Der Freitag: Fair Traders

Am Freitag wurde in der Kinobar Prager Frühling der Film „Fair Traders“ gezeigt. Die Dokumentation von Regisseur Nino Jacusso portraitiert drei Unternehmer*innen, die ihr Leben dem fairen Business gewidmet haben. Die Protagonisten der Dokumentation könnten nicht unterschiedlicher sein: Sina Trinkwalder hat sich irgendwann in ihrem Job in einer Werbeagentur nicht mehr wohl gefühlt und deshalb beschlossen, etwas anderes zu machen. Ohne Business-Plan, dafür aber mit viel Mut und Kreativität ging sie zur Bank, um Geld für ihre Geschäftsidee zu bekommen: Sie will eine Näherei eröffnen und Menschen einstellen, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben. Ohne jegliche Vorerfahrung in der Textilindustrie, lehnt die Bank ihr Gesuch ab. Sie startet trotzdem durch und ist heute geschäftsführende Gesellschafterin von insgesamt vier GmbHs. Alles, was sie produziert, wurde von ersten bis zum letzten Arbeitsschritt in Deutschland gefertigt. Ihre Brich Bag – ein Rucksack, der äquivalent zu den gekauften Exemplaren gefüllt mit nützlichen Dingen an Obdachlose verschenkt wird – ist ein Abfallprodukt, denn es wird aus den Resten einer Markisen-Fabrik produziert.

Patrick Hohmann ist Textilingenieur und Pionier im Bio-Baumwolle-Anbau. Er hat in Indien und Tansania zwei Projekte auf die Beine gestellt, bei denen die Landwirte ohne schädliche Chemikalien und mit fairer Bezahlung Baumwolle anbauen. Claudia Zimmermann ist gelernte Pädagogin und hatte irgendwann die Nase voll von ihrem Job. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie deshalb einen Bio-Bauernhof mit Hofladen. Produkte, die sie nicht selbst anbauen (können), kaufen sie ein. Als sie die anderen Landwirte fragt, wie viel sie für ihre Produkte haben wollen, sind diese ganz geschockt. Denn eigentlich ist es Gang und Gebe, dass der Preis nach unten gedrückt wird. Zimmermann hat aber einen anderen Weg gewählt.

Insgesamt inspiriert der Film dazu, selbst etwas Soziales auf die Beine zu stellen und sich viel mehr zu engagieren. Es ist toll zu sehen, dass fairer, erfolgreicher Handel möglich ist – mit einem Benefit für beide Seiten.

Fashion Revolution Night

Der Höhepunkt der FRW war definitiv die Fashion Revolution Night, die in der Moritz Bastei stattfand. Hier gab es neben Verkaufs- und Informationsständen einen Kleidertausch von Greenpeace, die Möglichkeit, sich den „Who made my clothes?“-Slogan auf sein Shirt zu drucken sowie eine Modenschau mit Leipziger Händler*innen und Designer*innen. Viele der Händler*innen und Designer*innen findet ihr auch in meinem Fair Fashion Guide für Leipzig.

Der Höhepunkt war definitiv die Fashion Show. Es war sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Labels sind und auch wie unfassbar kreativ und breit aufgestellt faire Mode in Leipzig ist. Mit dabei waren Fanö, Weltladen ConnewitzSchleifenfänger, Studio JIRO, Ihm Geist Design, Rosentreter Modedesign, Grünschnabel Leipzig , hej.mom Leipzig, Kunst und Katze  sowie Robyn Chamberlaine.

Auf die Hochzeitsmode von Schleifenfänger hatte ich mich aus gegebenem Anlass schon im Vorhinein total gefreut und wurde auch nicht enttäuscht: Es waren echt zwei schöne Kleider bzw. Oberteil-Rock-Kombinationen, die Laura für die Show ausgesucht hat. Fanö hat aus meiner Sicht vor allem mit einem skandinavisch angehauchten Stil überzeugt und auch alle anderen haben wirklich interessante Looks kreiert. Aber macht euch einfach ein eigenes Bild:

Darüber hinaus wurde man von Seiten der MB bestens bewirtet. Die Stimmung war ziemlich gut, neugierig und interessiert. Es gab auch einen kleinen Rundgang mit Hintergrund-Infos zur Fashion Revolution sowie einen Überblick über gängige Siegel. Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, wie ich finde! Und: Endlich mal Models, die aussehen wie ganz normale Leute. Ich fand das sehr erfrischend!

Abschluss: The True Cost

Am Sonntag Abend haben wir dann The True Cost gezeigt – wieder in der Kinobar Prager Frühling. Diesmal war auch Tim Zahn von Femnet da, sodass im Nachgang viel gesprochen wurde, was sehr interessant war. The True Cost ist für mein Empfinden so DER Film, wenn es um faire Mode und die Zustände der Fashion-Industrie geht. Der Film geht verschiedene Stationen ab, von der Arbeiter*in in Bangladesh, die ihre Tochter bei ihren Eltern abgeben muss, damit sie ihren Job weiterhin machen kann, bis hin zur Designerin Stella McCartney, die sich auch besorgt gibt. Vor allem aber nehmen einen die Bilder des Einsturzes von Rana Plaza mit, das ist, wie soll ich es ausdrücken, wirklich harter Tobak. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie es um die textile Wertschöpfungskette steht. Nämlich schlecht. Und das illustriert der Film mehr als eindeutig, sodass man den Kinosaal verlässt und am liebsten der ganzen Welt davon erzählen möchte. Falls ihr den Termin nicht wahr nehmen konntet, findet ihr den Film auch bei Netflix. Ich würde ihn wirklich am liebsten jedem erste Welt-Bürger zeigen, damit endlich alle aufwachen.

Falls es in eurer Stadt keine Aktionen zur Fashion Revolution Week gab, ihr euch aber ein Programm wünscht, dann stellt es doch selbst gemeinsam mit lokalen Alternativen auf die Beine – selbst, wenn es ’nur‘ Die Ausstrahlung von The True Cost im Bürgersaal ist. Klärt andere auf, macht mit und vor allem: Lasst uns nicht nur die eine Woche im Jahr an der Fashion Revolution arbeiten. Sondern auch die anderen 51 Wochen!

 

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