Was einen wirklich nachhaltigen Job aus macht

Sich online wie auch auf der Straße für den Kohleausstieg vor 2038 engagieren, gleichzeitig aber bei einem Ölkonzern die PR machen? Das passt nicht nur nicht zusammen, sondern frustriert auf Dauer auch. Schließlich verbringt jede*r Arbeitnehmer*In das gesamte Leben betrachtet mehr als 3.700 komplette Tage in seinem Job. Grund genug, eine Arbeitsstelle zu finden, die zur eigenen Lebensphilosophie passt. Aber was macht einen nachhaltigen Job eigentlich aus?

Die Branche ist eigentlich egal

Ein nachhaltiger Job wird zwar primär dadurch charakterisiert, dass er sich nicht negativ auf die Umwelt auswirkt und sich bestenfalls auch für deren Erhalt einsetzt. Es ist aber mindestens genau so wichtig, dass er einen selbst bestärkt, inspiriert und motiviert, statt auszulaugen und zu deprimieren. Von daher ist folgendes für die Suche nach einem nachhaltigen Job zentral: In welcher Branche der Job verortet ist, spielt eigentlich (bis auf wenige Ausnahmen) keine Rolle. Das bedeutet, dass man sich bei seiner Suche ganz auf die eigenen Fähigkeiten und Interessen konzentrieren kann. Die Branche ist nämlich insofern egal, als dass man in jedem Bereich nachhaltige(re) Lösungen suchen und finden kann. Unsere Gesellschaft braucht in allen Bereichen Pioniere, die dabei helfen, eine zukunftsfähige Wirtschaft zu bauen. Und mit zukunftsfähig ist hier immer klimafreundlich gemeint.

Inwiefern man selbst einen Unterschied machen kann, das hängt natürlich auch von der eigenen Position im Unternehmen ab. Als Geschäftsführer kann man selbstverständlich einfacher gewisse Veränderungen durchdrücken als ein Angestellter es kann. Trotzdem kann man aus jeder Position heraus Gedankenstöße geben und die Kollegen wie auch den Chef dazu inspirieren, in Richtung Umwelt zu denken. Dadurch kann man sich unter Umständen einen ganz eigenen, nachhaltigen Job kreieren, indem man beispielsweise vom Vorzimmer-Herrn zum Nachhaltigkeitsbeauftragten lanciert. Egal ob inoffiziell oder mit entsprechender Bezeichnung im Arbeitsvertrag. Es geht darum, einen Unterschied zu machen.

Als Angestellte*r: Einfach mal die Initiative ergreifen und selbst gestalten

Selbst, wenn man ’nur‘ Angestellte*r in einem Unternehmen ist, bieten sich immer wieder unterschiedliche Gelegenheiten, um die Vorgesetzten wie auch die Kollegen auf Aspekte der eigenen Arbeit aufmerksam zu machen, die der Umwelt schaden. So hat es auch Julia (@zerowastepiration) gemacht. Sie arbeitet als Aushilfe in einem gastronomischen Betrieb und hat dort für Veränderungen gesorgt. Ihr Weg, sich einzubringen, ging über ein ganz besonderes Tool: Einen anonymen Briefkasten, durch welchen sich Mitarbeiter*Innen zu Wort melden können. „Ich habe dort ein paar Ideen eingeschmissen, aber auch so immer mal wieder ein paar Kleinigkeiten erwähnt und versucht aufzuzeigen, dass ein paar kleine Veränderungen nicht schwer sind“, erzählt sie. Deshalb gibt es in ihrem Betrieb beispielsweise keine Plastikstrohhalme mehr. „Es gibt jetzt welche aus Papier, aber auch nur, wenn danach gefragt wird. Wenn am Ende des Tages Lebensmittel über sind, wurden sie bislang eingeschweißt und den Mitarbeitern mitgegeben. Jetzt bringt jeder seine eigene Box mit“, sagt Julia.

Und sie hat auch schon weitere Pläne, um die Veränderung in ihrem Betrieb voranzutreiben: Sie will ihrem Chef vorschlagen, sich der „Einmal ohne, bitte!“-Initiative anzuschließen. Das Projekt will Gastronomen helfen, auf ihr unverpacktes Angebot beziehungsweise die Möglichkeit, alles in eigene Boxen gepackt zu bekommen, aufmerksam zu machen. Deshalb vergeben sie Sticker an Restaurants, die Essen To Go auch in eigene Gefäße füllen.

Wenn alle Stricke reißen: Finanzielle bzw. Image-Vorteile ins Spiel bringen

Auch wenn es nicht der Sinn von Nachhaltigkeit ist, einem Unternehmen zu mehr Sales zu verhelfen: Das sind leider die Kategorien, in denen viele Chefs denken. Und damit ein guter Anknüpfpunkt, um über nachhaltigere Lösungen für gewisse Probleme zu diskutieren. Was man in solchen Diskussionen erwähnen kann:

  • Positiver Aspekt für den alljährlichen Nachhaltigkeitsbericht im Sinne der Corporate Social Responsibility (CSR)
  • Öffentlichkeitswirkung/mediale Aufmerksamkeit
  • Pionier-Rolle (und damit einher gehende Aufmerksamkeit)
  • Wenn man frühzeitig auf gesellschaftlich diskutierte Themen reagiert, dann erspart man sich unter Umständen böse Überraschungen (z.B. CO2-Steuer, frühzeitig Produktion umstellen, damit man Preis halten kann)
  • Finanzielle Vorteile durch Mehrweg-Lösungen

Wenn ein Unternehmen seine CSR authentisch lebt, stärkt das übrigens nicht nur die Beziehungen zu den Stakeholder des Unternehmens, sondern sorgt auch dafür, dass insbesondere die Angestellten zufriedener sind. Sowas kann dann unter Umständen auch dazu führen, dass ein echtes Umdenken statt findet.

Freelancer haben es da einfacher – oder?

Freelancer oder Selbstständige sind ihre eigenen Chefs und können deshalb in der Regel selbst festlegen, in welchem Maße sie auf Nachhaltigkeit achten (oder eben nicht). Das fängt bei der Homeoffice-Policy zum Drucken an und endet bei Fragen wie dem Stromanbieter oder den Bezugsquellen für Arbeitsgeräte wie Laptops.

Problematisch wird es für Freelancer erst, wenn es um die preisliche Gestaltung der eigenen Leistungen geht. Denn die Kosten für nachhaltig produzierte Materialien können die Preise für konventionelle Produkte je nach Bereich deutlich übersteigen. Und ein Anfahrtsweg mit der Bahn ist je nach Buchungszeitpunkt deutlich teurer, als mit dem Auto, bei welchem der Preis stabil bleibt. Ein Problem, wenn ein möglicher Kunde Informationen zur Anfahrtspauschale haben möchte. Bei Freelancern ist es also immer eine Balance zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit, die sich unter Umständen sehr unmittelbar auf das eigene Leben auswirkt, wenn man sich verkalkuliert. Positiv zu beobachten ist in den letzten Jahren allerdings, dass die Kund*Innen zunehmend dazu bereit sind, für nachhaltige Produkte auch mehr zu zahlen und sogar explizit nach nachhaltigen Dienstleistern suchen, wie beispielsweise grünen Hochzeitsfotografen.

Nachhaltiger Job gesucht: Wo werde ich fündig?

Auch wenn es möglich ist, so kann es doch sehr mühsam sein, einen ganzen Betrieb umzukrempeln und das ist sicher eine Aufgabe, an welcher man sich auch die Zähne ausbeißen kann. Die Plattform goodjobs.eu macht die Suche nach einem fairen, sozialen Job einfacher – in der Suchmaske der Plattform kann man auswählen, welche Art von Job man sucht: Will man die Umwelt schützen, Wissen vermitteln, die Gesellschaft fair gestalten oder doch nachhaltig wirtschaften? Einfach eingeben und schon werden einem diverse Jobs vorgeschlagen. „Um aus allen offenen Stellen GoodJobs herauszufiltern, haben wir uns an den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN orientiert“, sagt Sarah Brunner, die bei GoodJobs arbeitet, „daraus haben sich fünf Kategorien ergeben, die die Themen beschreiben, um die es sich bei den Jobs dreht.“ Aber nicht nur die Art des Jobs entscheidet darüber, was letztlich auf der Seite landet: „Flache Hierarchien, Entwicklungsmöglichkeiten, Feedback-Prozesse – auch das gehört alles zu einem GoodJob. Dass es dabei keinen Algorithmus gibt, der uns bei der Auswahl hilft, ist klar – alle Jobs und Unternehmen durchlaufen einen Screeningprozess und werden ‚per Hand‘ vom Team ausgesucht.“

Das Leben ist zu kurz für einen „Bad Job“. Lasst euch von konventionellen Lebensläufen oder Erwartungen nicht einschüchtern und versucht die Arbeitswelt gemeinsam mit uns zu verändern: Hin zu mehr Sinn und mit weniger Gewinnmaximierung im Fokus! 

– Sarah Brunner, GoodJobs
So sieht die Suchmaske bei Goodjobs.eu aus. Screenshot: Goodjobs.eu

Die Jobs, welche auf der Seite angeboten werden, sind größtenteils Bürojobs. Ein Platz an einem Schreibtisch ist aber keine Voraussetzung dafür, die Welt ein bisschen besser zu machen. Es kommt nämlich auf den Willen und die Kreativität an, findet auch Sarah Brunner von GoodJobs: „Das Schöne, was wir immer wieder bei unserer Arbeit feststellen, ist, dass egal ob Tech, Fashion oder sogar Finanzen – für jeden Bereich der „alten Wirtschaft“ gibt es mittlerweile mindestens ein Pendant in der „Good Economy“. Am naheliegendsten sind natürlich die Jobs bei „klassischen“ Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wie Greenpeace und Unicef oder schlicht jene, die das Klima retten: von der Mobilitätsbranche bis hin zur Agrarwirtschaft gibt es viel zu tun. Und wer doch eine Lücke entdeckt, wird am besten selbst Unternehmer*in und gründet eines der bereits vielen Social oder Green Start-ups, die auch interessante und spannende Jobs anbieten.“ Na dann, worauf warten wir noch?


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