So war die Berlin Fashion Week 2019 @Neonyt

Foto: Messe Frankfurt GmbH / Patrice Brylla

Abseits der großen Laufstege a la Michael Michalsky, Marc ‚O Polo & Hugo Boss kommen auch Fans der fairen Mode auf der Neonyt (ehemals Green Showroom) während der Fashion Week auf ihre Kosten. Mehr als 100 faire Brands präsentierten vor Ort ihre Kollektionen für das Frühjahr und den Sommer 2020. Aber nicht nur die Tatsache, dass ausschließlich faire Brands ausstellen, macht diesen Teil der Fashion Week besonders: Neben den Unternehmen stellten sich auch Initiativen & Textilsiegel vor und diverse Themen-Panels und Vorträge rundeten das Programm der Messe ab.

Pastellene Töne leiten den Frühling ein

Farblich scheinen im Frühjahr/Sommer 2020 die pastellene Töne wieder total in Mode zu kommen, ein sehr großer Teil der Kollektionen enthielt Teile in pastell-/senf-gelb („Banana Sorbet“), einem gedämpften Aqua/Türkis und einem nude-roten Pastell-Ton. Kombiniert werden diese Farbtöne nächstes Jahr mit vielen wilden Mustern. Dabei haben sich die Designer keine Grenzen setzen lassen: Von verhältnismäßig schlichten Karo-Mustern bis hin zu ganzen Gemälden, welche auf Kimonos gedruckt wurden, ist wirklich alles dabei. Der Schnitt bleibt dabei oftmals klassisch und mit klaren Linien, ganz ohne Schnörkel.

Besonders interessant ist die neue Kooperation zwischen MUD Jeans und Sea Watch. Hier haben sich zwei wirklich starke Partner zusammengetan und gemeinsam eine kleine, aber feine Kollektion herausgebracht. Insgesamt umfasst sie zwar nur drei verschiedene Styles, dafür handelt es sich aber definitiv um Statement-Pieces, natürlich aus Denim gefertigt. Wie MUD schon jetzt, aber auch in Zukunft seine Jeans recycelt, das hat das niederländische Label auf der Neonyt ebenfalls vorgeführt und dadurch definitiv die Blicke auf sich gezogen. Außerdem warb das Label weiter für sein Leasing-System, womit MUD der Konkurrenz definitiv einen Schritt voraus ist. Man kann die Jeans des Labels nämlich für 7,50 Euro im Monat leasen, nach einem Jahr kann man dann entscheiden, ob man die Jeans weiterhin behalten möchte (dann wird es kostenfrei) oder aber eine neue Jeans leasen möchte. Wichtig ist, dass der Stoff während der Leasing-Zeit Eigentum des Unternehmens bleibt. Deshalb muss die Hose am Ende an MUD zurückgegeben werden, wo sie dann recycelt wird. Wir finden: Ziemlich fortschrittlich!

Neues, starkes Team: mud Jeans und Sea Watch. Foto: Marisa Becker

Ein weiteres, wenn auch eher dezentes Highlight war definitiv die Unterwäsche-Kollektion von LOVJOI. Für die Teile der Frühjahr/Sommer-Kollektion wurde insgesamt sehr viel mit Spitze gearbeitet, was die Looks sehr sinnlich, aber auch verspielt macht. Farblich wagt LOVJOI mit schwarz nicht besonders viel – dafür können die Teile von jedem getragen werden und kommen definitiv nicht aus der Mode. Im Sinne von Slow Fashion wurde hier also alles richtig gemacht.

Schöne, sinnliche Unterwäsche von LOVJOI – wir freuen uns drauf! Foto: Marisa Becker

Bequeme Schuhe sind das A und O. Wenn sie dann auch noch gut aussehen, dann ist es der absolute Jackpot. Genau das bringen die Schuhe des spanischen Labels RayMusgo mit, welche wir beim PrePeek anprobieren durften. Neben pastellen Tönen werden die Schuhe u.a. auch in schwarz auf den Markt gebracht, was sie nicht nur zum Begleiter für eine Veranstaltung, sondern zum Go-To Paar Schuhe für jedes Event macht. Denn so bequem, wie diese Schuhe sind, will man definitiv nichts Anderes mehr tragen.

Auch fairer Schmuck wurde auf der Neonyt vorgestellt – und zwar von Wild Fawn Jewellery. Für die Teile des Labels wird entweder recyceltes Sterling Silber oder Fair Trade Gold verwendet. Das Design und die Fertigung der Stücke findet in London statt. Wild Fawn setzt auf simple, zeitlose Designs, die trotzdem modern und zeitgemäß sind. Am besten, ihr überzeugt euch selbst.

Stellt wunderschönen, fairen Schmuck her: Wild Fawn Jewellery. Foto: Marisa Becker

Eine neue, clevere Versandlösung für Händler bietet das junge Unternehmen RePack. Das produziert nämlich wiederverwendbare Versandtaschen. Die sind im Gegensatz zu Mehrweg-Versandkartons, wie man sie beispielsweise von memo kennt, deutlich leichter und nehmen weniger Platz weg. Deshalb kann man sie als Verbraucher, wenn man seine Kleidung in einer solchen Versandtasche erhalten hat, einfach in den Briefkasten schmeißen. So gelangt sie zurück zu RePack, wo sie gesäubert und anschließend an die Händler zurückgesandt wird.

Smarte Versandtasche: RePack. Foto: Marisa Becker

Und abseits der Brands?

Ein Stand, der uns besonders angezogen hat, war der des Grünen Knopfes, also des ersten staatlichen Textilsiegels. Eigentlich – so hieß es zumindest auf der Greenstyle im April – sollte das Siegel zur Neonyt bereits in die richtige Pilotphase starten. Sprich, es sollten die Kriterien im Detail bereits bekannt sein und alles, was man über das Siegel als Verbraucher wissen muss, auch zugänglich sein. Das ist bisher leider nicht passiert. Stattdessen gab es nur eine allgemeine Broschüre dazu, was der Grüne Knopf leisten soll. Aber wir haben auf der Messe bereits aufgeschnappt, dass melawear als eines der ersten Unternehmen mit dabei sein wird! Es geht also voran. Wir sind gespannt, wie es mit dem Textilsiegel weiter geht.

Der Konferenz-Teil der Messe bot eine ziemliche Bandbreite an Themen rund um den Status quo der Fashion-Industrie. Weil „Wasser“ das Hauptthema der Konferenz war, gab es speziell zum Water-Impact der Fashion Industry und wie man ihn verbessern kann, einige Programmpunkte. Darüber hinaus spielten diverse weitere Themen eine Rolle, zum Beispiel, wie man faire Mode für den Massenmarkt tauglich machen kann oder wie man nachhaltige Inhalte monetarisieren kann. Die Vorträge, die wir besucht haben, kratzten leider eher an der Oberfläche. Wir hätten uns mehr (oder überhaupt) Inhalte zum Thema Postkonsum gewünscht – schließlich wird immer davon gesprochen, dass wir weniger konsumieren sollen, dass das aber jetzt unrealistisch sei, weil sich das einfach nicht so schnell ändere. Um eine Änderung zu bewirken, brauchen wir aber nicht nur das Mindset der Konsumenten, sondern auch andere Angebote, beispielsweise, um Kleidung zu leihen. Wie eine solche Wirtschaftsform profitabel betrieben werden kann, das wäre ein sehr spannendes Thema für ein Panel oder einen Talk gewesen.

Trotzdem ist es extrem cool und wichtig, dass es diesem Konferenz-Teil gibt. Schließlich gehört zum nachhaltigen Handeln immer auch das Wissen um die Problematik. Und das kam definitiv nicht zu kurz.


Mehr zur Neonyt findet ihr hier.

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