Lose einkaufen ohne Unverpackt Laden – so funktionierts!

Der Traum vom unverpackten Einkauf – bei einer Großzahl von Produkten wie Nudeln, Reis oder Mehl war er bislang an die Prämisse gebunden, dass eine engagierte Person in der Nähe sich ein Herz gefasst und einen Unverpackt Laden eröffnet hat. Ansonsten waren die Möglichkeiten in einigen Regionen Deutschlands, vor allem im ländlichen Raum, eher beschränkt. Das ändert sich aber nun, und zwar dank dem ersten Unverpackt-Versand Deutschlands: Kornkiste.

So funktionierts

Die Oberfläche ist im Endeffekt ein ganz normaler Onlineshop. Im Warenkorb landen hier diverse „trockene“ Bio-Lebensmittel – also alles, was lange haltbar ist. Das Sortiment umfasst diverse Getreidesorten, Trockenfrüchte, Süßigkeiten, aber auch Nudeln und sogar Reinigungsmittel. Der Versand ist komplett müllfrei, denn die Betreiber*innen Olivia und Absalom haben sich ein ziemlich praktisches System überlegt: Alles wird in Stoffbeutel gepackt. Diese werden wiederum in memo-Mehrwegversandboxen gepackt. Dabei handelt es sich um Plastik-Versandboxen, die immer wieder verwendet werden können, also quasi wiederverwendbare Kartons. Wenn die Kornkiste-Lieferung Zuhause an kommt, dann füllt man die Waren in seine Gläser um und gibt die Versandbox mit den Beuteln ganz einfach wieder beim dpd-Shop des Vertrauens ab. Olivia und Absalom reinigen die Beutel anschließend und schon sind sie wieder einsatzbereit!

Die Initialzündung zu ihrer Idee lieferte Olivia und ihrem Mann eine Tüte Milchreis. Sie öffnete für ihre Kinder die Tüte, kippte sie in den Topf und warf die Tüte weg. Das frustrierte sie. „Und an einem Abend setzten wir uns zusammen und begannen zu träumen. Es gibt doch diese Gemüsekiste, genau das gleiche sollte es mit anderen Lebensmitteln auch geben. So ist auch der Name Kornkiste entstanden“, erinnert sich Olivia, „Als wir an diesem Abend ins Bett sind, konnte ich nicht schlafen. Ich habe mich gefühlt als sei ich verliebt. Es gab so viel zu tüfteln und Probleme zu lösen. Ich lag im Bett und plante und verwarf und plante wieder und war völlig euphorisch. Ich spürte genau, das ist es was ich tun werde. Das ist jetzt ganz genau ein Jahr her.“

Kostenfaktor

Was einem gegebenenfalls erst einmal viel vorkommen mag, dass ist der Pfand, den man bei der Eröffnung eines Kundenkontos hinterlegen muss. Für die Beutel und die Mehrweg-Versandbox muss man nämlich 50 Euro vorstrecken – allerdings nur einmalig und man kann seinen Pfand jederzeit zurückfordern. „Für Erstbesteller gibt es außerdem aktuell ein vergünstigtes Pfand von 20 € – dabei wird die Bestellung dann erstmal in bereits benutzter Kartonage versendet. Bei der nächsten Bestellung kann das Pfand dann aufgestockt werden“, sagt Olivia. Die Preise für die Lebensmittel sind teilweise sogar günstiger, als im stationären Unverpackt Laden, was sicher auch daran liegt, dass kein Personal zur Betreuung der Kundschaft eingestellt und kein Laden inklusive Miete unterhalten werden muss. Wir haben die Preise mit einem lokalen Unverpackt Laden verglichen.

KornkisteLokaler Unverpackt Laden
Haferflocken, 500g 1,42 Euro1,90 Euro
Nudeln, 500g2,00 Euro1,75 Euro
Kidneybohnen, 500g3,36 Euro3,10 Euro
Rote Linsen, 500g 2,17 Euro2,25 Euro

Die Kornkiste kann preislich also mit den bereits eingesessenen Unverpackt Läden mithalten und die Preise teilweise sogar unterbieten. Mit Discounter-Preisen ist auch dieses unverpackte Angebot aber nicht vergleichbar, man bezahlt hier selbstverständlich, wie in den anderen Geschäften auch, die höhere Qualitätsstufe mit.

Wir wollen von unserem Geschäft leben können – aber mehr auch nicht. Das wichtigste ist für uns tatsächlich die Sache. Wir haben drei Kinder und tun unser Möglichstes, dass sie als Erwachsene gut auf unserer Erde leben können. Daher nehmen wir nicht was wir können, sondern was wir brauchen. Dieser Grundsatz spiegelt eigentlich auch sehr gut unsere Lebenseinstellung wieder.

– Olivia, Gründerin der Kornkiste

Die Verpackungs-Frage

Ganz unverpackt geht es bei der Kornkiste aber nicht, was übrigens auch bei den stationären Unverpackt Läden der Fall ist. Die Ware muss schließlich angeliefert werden. Damit gehen Olivia und Absalom aber offen um. „Bei uns fällt der ‚Standard‘ Müll an. Die Paletten sind in Plastikfolie umwickelt und teilweise sind Produkte in Plastiksäcken oder in Papiersäcken, in denen innen dann noch ein Plastiksack zum Vorschein kommt“, erzählt Olivia. Das Plastik, was bei Ihnen anfällt, ist allerdings sortenrein und wird gewissenhaft entsorgt: „Bei uns fallen keine verschmutzten Joghurtbecher an und auch keine kleinen Packungen, sondern nur große, zusammenhängende Stücke. Diese packen wir einmal im Monat in einen großen Second Hand Karton und schicken diesen an eine Firma, die daraus neues Plastik herstellt. Eigentlich relativ einfach zu machen. Wir hoffen, dass diese Herangehensweise auch von anderen Unverpackt Läden aufgegriffen wird.“

Was ein bisschen schade ist, das ist die Tatsache, dass man nur bis zu einem gewissen Grad selbst entscheiden kann, wie viel man von einer Zutat kaufen möchte. Man ist wieder an die vom Handel vorgegebenen Gebinde gebunden. Dass das beim unverpackten Einkaufen nicht mehr der Fall ist, das war ursprünglich mal einer der Aspekte, die das unverpackte Einkaufen attraktiv gemacht haben. Wenn auch nur einer von vielen. Trotzdem scheint es verständlich, dass Olivia und Absalom mit vorgegebenen Mengen starten – das ist bei diesem Mammut-Projekt definitiv einfacher. Was sie mit ihrem Startup auf jeden Fall liefern ist die Antwort auf ein Problem, das die Nachhaltigkeit-Community bislang nicht lösen konnte. Nämlich die Frage, die man sich abseits von Unverpackt Läden mit Lebensmitteln ohne Plastik versorgt.


Ihr seid neugierig geworden? Dann schaut doch einmal hier bei der Kornkiste vorbei.

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