Rezension: „Der Palmöl Kompass“ von Frauke Fischer und Frank Nierula

Bild von tk tan auf Pixabay

Weltweit wird ein ‚Weiter so‘ beim Ölpalmanbau den Klimawandel befördern – mit allen negativen Effekten, die Wissenschaftler hier voraussehen können.

– Frauke Fischer & Frank Nierula, Kapitel ‚Ein Blick in die Zukunft‘

„Der Palmöl Kompass“ von Frauke Fischer und Frank Nierula ist eine Mischung aus Ratgeber und Sachbuch, welches Verbraucher*innen aufzeigen will, wo genau die Probleme bei der Verwendung des Tropen-Rohstoffs liegen. Dafür beleuchten die Autor*innen in sechs Kapiteln die Causa Palmöl aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Angefangen bei der Produktion von Palmöl arbeiten Fischer und Nierula sich vorbei an den Auswirkungen des Palmöls hin zur Rolle, die das Öl in unserem Alltag spielt. Am Ende steht die Frage danach, wie jede*r einzelne selbst aktiv werden kann, um die Palmöl-Problematik zu lösen.

Palmöl wirkt! Traurig, aber wahr

Frauke Fischer und Frank Nierula liefern mit „Der Palmöl Kompass“ die beste Argumentationsgrundlage dafür, nie wieder Produkte mit Palmöl zu konsumieren. Sie decken minutiös auf, wo genau die Probleme bei der Produktion von Palmöl liegen und erklären, wie sich der Anbau auf die Biodiversität, das Klima und die Menschen auswirkt. Dabei bleiben sie sprachlich gesehen in der Alltagswelt der Leser*innen, was definitiv hilft, die vielen, teils komplizierten Zusammenhänge zu verstehen. Vor allem das zweite Kapitel „Palmöl wirkt“ sorgt dafür, dass man ein Bild von der Welt bekommt, auf die wir zusteuern, wenn wir unseren Umgang mit Palmöl nicht drastisch ändern.

Das wird beispielsweise durch die Tatsache illustriert, dass inzwischen nur noch fünf statt 12 Prozent der Erdoberfläche mit Regenwald bedeckt sind. Zwar ist nicht der gesamte Rückgang auf die Palmöl-Produktion zurückzuführen. In Malaysia war die Industrie aber zwischen 1985 und 2000 für 87 Prozent der Entwaldung verantwortlich. Die zunehmende Abholzung des biodiversen Regenwaldes sorgt dafür, dass gewisse Ökosystemdienstleistungen nicht mehr erbracht werden können. Dazu zählt beispielsweise auch, dass Trinkwasser zur Verfügung gestellt wird. Langfristig, so die Autor*innen, führe das zu Krieg. Egal ob man sich vor der Lektüre bereits sehr viel oder eher weniger mit den Umständen der Palmöl-Produktion auseinander gesetzt hat: Man wird hier definitiv noch etwas dazu lernen.

Ihren Namen und Abwandlungen davon können wir jeden Tag lesen; wir müssen nur die Verpackung der Produkte umdrehen, die unseren Schränken stehen, egal ob Schokolade oder Duschgel

– Frauke Fischer & Frank Nierula, Kapitel „Pflanze und Produkt“

Palmöl in unserem Alltag

Selbst wenn man vielleicht schon aufmerksam die Packungsrückseiten nach Hinweisen auf Palmöl absucht, wird man während der Lektüre sehr wahrscheinlich davon überrascht werden, in wie vielen Produkten das Öl letztlich enthalten ist. Und zwar ohne, dass wir es merken. Besonders pikant erscheint es, dass Hersteller mit „Tensiden auf pflanzlicher Basis“ werben, die aber aus Palmöl hergestellt werden. Waschaktive Substanzen auszumachen, die nicht aus Palmöl hergestellt wurden, scheint fast unmöglich – schließlich bestehen sie (fast) immer aus Pflanzenöl und Palmöl ist sehr günstig im Vergleich zu den Alternativen. Die Autor*innen sind aber bemüht, einem ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie man Produkte mit Palmöl entlarven kann. Auch, wenn der Hersteller das nicht deklariert (und das auch nicht muss!). Dabei sollen die Leser*innen durch die zahlreichen Listen im Buch selbst, aber auch durch den beiliegenden Einkaufshelfer unterstützt werden. Eine wie wir finden sehr schöne Idee, denn all die Namen und INCI-Bezeichungen zu behalten, die Palmöl enthalten oder aus ihm hergestellt sein könnten, ist schier unmöglich.

Fazit: Ein Nachschlagewerk, das sich lohnt

Copyright: Oekom Verlag

„Der Palmöl Kompass“ von Frauke Fischer und Frank Nierula gehört aus unserer Sicht in jede gut sortierte Umweltbibliothek. Palmöl ist eines der Themen unserer Zeit, welches eng mit anderen großen Problemfeldern verknüpft ist bzw. diese befeuert. Den Kompass sollte man am besten häppchenweise lesen, denn die Wissensbasis, die das Buch liefert, ist sehr breit. Hier reicht es auch nicht, das Buch einmal zu lesen und dann weiterzugeben, denn die ganzen (Detail-)Informationen dazu, wo Palmöl unter welchem Namen enthalten ist, kann man schlichtweg nicht behalten. Besonders hervorzuheben ist außerdem das Kapitel, welches sich dem Thema „Siegel“ widmet. Hier haben die Autor*innen ganze Arbeit geleistet und wirklich sehr detailliert und alltagsweltlich beschrieben, wo die Knackpunkte bei diesem Thema liegen. Von uns gibt es dafür eine große Empfehlung!


‚Der Palmöl Kompass‘ von Frauke Fischer und Frank Nierula ist im oekom Verlag erschienen.

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