Index-System für die Verpackungsindustrie

Photo by Daria Shevtsova from Pexels

Mit seiner Abschlussarbeit einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten? Das schaffen heutzutage die Wenigsten und sind froh, wenn ihre Arbeit immerhin in Fachkreisen publiziert und diskutiert wird. Bei Carla Maria Scagnetti aus Stuttgart ist das anders. Sie arbeitet für ihre Masterarbeit an einem Index-System für die Verpackungsindustrie und trifft damit den Zahn der Zeit. Kein Wunder also, dass die ursprünglich aus Mexico stammende Studentin in Juni mit dem ersten Preis der Dopper Changemaker Challenge ausgezeichnet wurde. Die endgültige Version ihres Index-System wird Carla erst im Dezember fertig stellen können. EKOLOGISKA hat sie aber einen kleinen Vorgeschmack auf das, was kommt, gegeben. Das Interview wurde in Englisch geführt und von der Autorin übersetzt.

EKOLOGISKA: Wie funktioniert das Index-System, welches du für die Verpackungsindustrie entwickelst?

CARLA MARIA SCAGNETTI: Das Hauptaugenmerk liegt auf der Wahrscheinlichkeit, mit welcher diese Verpackung im Meer landen wird. Aber das System soll es auch ermöglichen, den gesamten ökologischen Fußabdruck individuell beurteilen zu können. Ich arbeite aktuell aber auch noch an dem Index.

EKOLOGISKA: Anhand welcher Kriterien ergibt sich das denn?

SCAGNETTI: Das hängt vom Typ der Verpackung ab, von der Menge des enthaltenen Plastiks, den restlichen Materialien, der Recyclingfähigkeit und dem GWP, also dem Global Warming Potential, sprich der CO2 Emissionen. Hinzu kommen Aspekte wie der Rohstoffverbrauch in der Produktion und die Wahrscheinlichkeit, dass diese Verpackung als Müll im Meer landet (marine bitter rate). Die ersten Aspekte sind die Basiskategorien der Life Cycle Assessment (LCA)-Analyse. Was mein Projekt besonders und innovativ macht ist, dass eben auch die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Verpackung als Müll im Meer landet, berücksichtig wird. Das wurde so vorher noch nie gemacht.

EKOLOGISKA: Wie kamst du denn generell auf die Idee, einen Index zu entwickeln?

SCAGNETTI: Das Institut, an welchem ich meine Abschlussarbeit schreibe und auch arbeite, nimmt am VerPlaPoS Projekt des BMBF teil. Für dieses Projekt haben wir ursprünglich einen Plastik Index entwickelt. Dieser hat aber nicht den gesamten ökologischen Fußabdruck der Verpackung berücksichtigt, sondern eben nur das Plastik. Und auch die Frage nach der Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Verpackung als Abfall im Ozean landet, wurde nicht beantwortet. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den bestehenden Index zu erweitern.

EKOLOGISKA: Wie soll der Index letztlich den Verbraucher*innen in der Praxis helfen, bessere Kaufentscheidungen zu treffen?

SCAGNETTI: Mein ultimatives Ziel ist es, dass Konsument*innen abwägen können zwischen Food Waste, also Nahrungsmitteln, die vor oder nach dem Kauf im Müll landen, was einen sehr großen CO2 Fußabdruck hat, und dem Plastikmüll, der verursacht wird und gegebenenfalls im Müll landet. Ich finde, dass sich das Gurken Dilemma gut als Beispiel dafür eignet: Die Plastikfolie sorgt bei der Gurke dafür, dass sie länger frisch bleibt, was gut ist für die Umwelt – sie landet schließlich nicht so schnell im Müll, der Wasser-Fußabdruck ist dadurch besser etc. Das würde bedeuten, dass in Plastik eingepackte Gurken besser sind, richtig? Das wurde inzwischen auch wissenschaftlich bewiesen. Wenn wir jetzt aber die marine Liter rate in diese Berechnungen des LCA miteinbeziehen, die jede Region/jedes Land der Welt für eine spezifische Plastikverpackung hat, dann könnte sich die Antwort verändern und die Gurke ohne Plastik besser sein. Und der LCA ist immerhin der ganzheitliche, interdisziplinäre und internationale Umweltreport, die Implikationen sind global und lassen sich auf jedes Produkt anwenden.

EKOLOGISKA: Eine letzte Frage haben wir noch, nämlich, wie man eigentlich letztlich zu so einem Ergebnis kommt! Wie sah deine Recherche aus?

SCAGNETTI: Ich habe eine extensive Literaturrecherche mit verschiedenen Index-Modellen durchgeführt und sie verglichen. Um eine Datenbasis zu erhalten arbeiten wir mit verschiedenen Partnern wie beispielsweise EDEKA zusammen, ich habe aber auch eigene Beispiele für Lebensmittelverpackungen genutzt.
  


Wenn ihr mehr über die Ergebnisse und Preisträger der Dopper Changemaker Challenge 2019 lesen wollt, dann könnt ihr das hier tun!

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