Der Regenwald brennt – was interessiert mich das?

Photo by Tom Fisk from Pexels

Eigentlich hat man es schon überall gelesen. Große, flächendeckende Brände in einem Wald, der tausende von Kilometer von Europa weg ist. Die Bilder sind traurig, jeder fordert zum Spenden auf und irgendwie ist da auch ein ungutes Gefühl, wenn man daran denkt. Aber sowohl das Ausmaß, als auch den Einfluss auf unseren Alltag zu verstehen ist schwer. Die Sache ist nämlich leider gar nicht so einfach, sondern ganz schön kompliziert.

Um welchen Wald geht es eigentlich?

Der größte noch vorhandene Regenwaldblock der Erde erstreckt sich über neun südamerikanische Staaten. Den größten Anteil daran hat Brasilien mit einer Fläche, die größer ist als Westeuropa. Dieser Regenwald liegt im Amazonas-Becken, das sich über eine Entfernung erstreckt, die von Berlin bis Bagdad reicht. Der Wald wird oft nicht nur als das Kronjuwel der Natur, sondern auch als die grüne Lunge der Erde bezeichnet (wie andere Wälder auch). Das besondere an diesem Regenwald ist aber nicht nur seine Größe, sondern auch, was er in sich birgt:
Forscher haben bisher etwa über 40.000 Pflanzenarten, 427 Säugetierarten, 1.294 Vogelarten sowie über 3.000 verschiedene Fischarten identifiziert. Und das, obwohl ein Großteil der Gebiete noch unerforscht sind. Neben Tieren und Pflanzen leben aber auch Menschen dort. Etwa 320 indigene Bevölkerungsgruppen sind im Regenwald angesiedelt und leben dort zumeist auf eine traditionelle Art, die sich in einem Großteil der Welt nicht finden lässt.

Die Ausmaße sind gigantisch

Eigentlich gehört der feuchte Regenwald zu den Gebieten auf der Welt, die am wenigsten brandgefährdet sind. Dennoch brennt es in Südamerika jedes Jahr. In diesem Jahr haben die Waldbrände in Brasilien, aber auch in Paraguay und Bolivien, ein gigantisches Ausmaß angenommen. Hunderte Quadratkilometer stehen in Flammen oder sind schon abgebrannt und das innerhalb einer kurzen Zeit. Im Vergleich zu den Bränden im vergangenen Jahr ist das ein Anstieg um 83 Prozent. Außerdem sind ungefähr die Hälfte der Feuer in diesem Jahr in den letzten 20 Tagen aufgetreten (ausgehend vom 21.08.2019). Das alles zeigt eine Auswertung von Satellitendaten durch das brasilianische Weltraumforschungsinstitut (Inpe). Die Waldbrände sind sogar so groß, dass sie vom Weltraum aus deutlich zu sehen sind.

Quelle: NOAA Environmental Visualization Laboratory

Das Klima ist nicht alleine Schuld

Jedes Jahr brennt es im Regenwald in Amazonien. Mal mehr mal weniger. Am 22. August hat die brasilianische Nichtregierungsorganisation IPAM (Institute of Environmental Research in Amazonia) einen Bericht veröffentlicht. Aus diesem Bericht geht hervor, dass es keine bis wenige Hinweise gibt, dass die Feuer in diesem Jahr aufgrund von zu geringem Regenfall entstanden sind wie so oft davor. Daten aus den Jahren 1998, 2005 und 2015 stellen eine direkte Verbindung her zwischen großen Dürren oder meteorologischen Ereignissen im Amazonas und einer größeren Anzahl an Waldbränden. In diesem Jahr ist das aber anders und das Problem gestaltet sich komplizierter.

Während die Gefahr für einen Waldbrand in der Dürrezeit sehr hoch ist, gibt es in den Regenwäldern eine weitere Gefahr: Die Abholzung und Aufbereitung für die Landwirtschaft durch Feuer. In Brasilien ist die Verwendung von Feuer typisch, um umgestürzte oder gefällte Bäume zu entsorgen und dadurch landwirtschaftliche Acker- und Weideflächen zu schaffen. Durch das Abbrennen sollen die Böden fruchtbarer gemacht werden, um direkt mit der weiteren Nutzung beginnen zu können. Dabei sollen eigentlich keine bestehenden Waldbestände abgebrannt, sondern die Bäume erst gefällt werden. Diese Feuer sind aber oft unkontrolliert und können sich so leicht auf den bestehenden Regenwald ausbreiten.

Um eine geregelte Abholzung zu ermöglichen und diese zu kontrollieren, hat die brasilianische Regierung eine Steuer eingeführt, die „taxa de desmatamento“. Dadurch sollte die Brandrodung eigentlich eingedämmt werden. Leider werden diese Steuern oft umgangen und Waldflächen illegal abgebrannt. Zahlen zeigen, dass die Brandrodung seit es die Steuer gibt zurückgegangen ist. Von 2017 bis 2018 gab es aber mehr Brandrodungen und weniger Steuern. Was genau das bedeutet, lassen die staatlichen Quellen offen. Ein realistischer Grund wäre aber, dass illegale Feuer gelegt werden. Zusätzlich zeigten Daten der IPAM, dass in den 10 Gemeinden mit der höchsten Brandrodungsrate in diesem Jahr auch die meisten Brände auftauchen.

Photo by Tamis Souza from Pexels

Aber wie kann das sein, dass der Staat zwar eine Steuer hat, die Rodung regulieren soll, die Zahl der Brände aber steigt, während die Steuereinnahmen sinken?
Verschiedene Organisationen vermuten einen direkten Zusammenhang mit Aussagen und Handlungen des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro direkt nach seiner Amtseinführung Anfang 2019. Er übertrug die Verantwortung für die Schutzgebiete der indigenen Gemeinschaften dem Landwirtschaftsministerium. Minister und Leiter von Ressorts, die er einsetzte, sind zu einem Großteil bekannt für ihren Einsatz in der Wirtschaft, aber wenig für ihren Einsatz im Umweltschutz. So wurde zum Beispiel die Agrarlobbyistin Tereza Cristina Leiterin der oben genannten Gruppe. Wie auch Bolsonaro setzt sie auf eine intensive wirtschaftliche Nutzung des Amazonas.

Was interessiert mich das?

Das Gebiet Amazonien hat eine Schlüsselrolle für das Weltklima: Es hat einen immensen Wasserhaushalt und damit einen enormen Einfluss auf die Erdatmosphäre. Die vielfältige und natürliche Vegetation und das Dach aus Wolken schützt vor einer stärkeren Aufheizung der Erde. Deshalb sinkt der Kühleffekt auch durch die Zerstörung der Regenwälder. Mark Parrington, ein leitender Wissenschaftler, der sich am Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage mit den Emissionen von Flächenbränden beschäftigt, nannte der vice konkrete Zahlen. In einer nach seinen Angaben typischen Saison verursachen Waldbrände im Regenwald Amazoniens um die 500 bis 600 Tonnen CO2. In diesem Jahr seien bereits 200 Tonnen Treibhausgas entstanden und dabei hat die Saison gerade erst begonnen. Aber es ist nicht nur so, dass mehr CO2 entsteht. Durch die Zerstörung des Regenwalds wird auch unsere größte Rettung zerstört.
Die Bäume und der Boden in Amazonien binden nämlich eine unglaubliche Menge an Kohlendioxid und speichern den Kohlenstoff. Laut WWF (World Wildlife Fund) wird „…bei diesem Prozess […] so viel Kohlenstoff gespeichert, wie in rund zehn Jahren auf der ganzen Erde freigesetzt wird.“

Aber es gibt nicht nur diesen direkten Einfluss auf das Leben auf der Erde. Die meisten Menschen haben auch ein indirekte Verantwortung für diese Brände. Die Rodung des Regenwalds findet nicht statt, damit Tische und Stühle oder auch Häuser aus Holz gebaut werden können. Die abgebrannten Flächen werden der Landwirtschaft zugeführt. Ganz konkret geht es dabei um genmanipuliertes Soja, das für die Viehhaltung auf der ganzen Welt verwendet wird, und auch um Zuckerrohr.

Was können wir dagegen tun?

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🚨Amazon S.O.S. Part II🚨 Many members of our alliance have been asking what actions we are taking in response to the crisis in the Brazilian Amazon (which is now spreading into Bolivia and a region of the Peruvian Amazon where our longstanding partner communities live; 🔥 knows no borders). In addition to redirecting 100% of donations made in August via link in bio to frontline groups in the Brazilian Amazon, we are mobilizing our global alliance for a vigorous, multi-faceted crisis response. We’re working with our partners—including multi-national companies, farmers, governments, scientists, and Indigenous and forest communities around the world—to put pressure on the Brazilian government to conserve the Amazon for the good of people and nature. 🌎That means, first and foremost, defending it against illegal logging, destructive slash-and-burn agriculture, and other existential threats. In addition, we’re harnessing international concern over the fires to intensify our ongoing advisory work with companies that source commodities from Brazil; leveraging our position as respected expert-advocates to advance responsive policy and regulation within the European Union to influence the Brazilian government; and urging business leaders around the world to embrace the Accountability Framework initiative, which provides guidance and benchmarks for sustainable supply-chain transformation. 💚 Work is love made visible, and we have infinite love for the Amazon. 🌳 📷 @mohsinkazmitakespictures (Amazon, Brazil-Peru border, 2015) #prayforamazonia #savetheamazon #rainforestalliance #climatejustice #climateaction

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Die rainforestalliance hat das Ganz sehr gut zusammengefasst.

  1. Natürlich helfen Spenden an alle Organisationen, die an vorderster Front im amazonischen Regenwals um die Erhaltung kämpfen und daran arbeiten.
  2. Teile die Informationen mit anderen und berichte Ihnen, was dort gerade passiert und warum es auch uns betrifft. Wichtig ist dabei, nicht belehrend auf andere einwirken zu wollen. Viele Menschen fühlen sich dadurch abgeschreckt und blocken dann alles ab. Wir haben alle eine große Verantwortung und die kann jeden von uns manchmal erschlagen.
  3. Konsumiere bewusst. Unterstütze Unternehmen, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben und die verantwortungsbewusst mit Ressourcen umgehen. Reduziert oder vermeidet Fleisch. Vor allem, wenn Ihr nicht wisst wo es her kommt oder wie die Tiere ernährt werden. Viehhaltung auf der ganzen Welt ist einer der Hauptgründe, warum es die großflächige Abholzung im Regenwald gibt.
  4. Zu guter Letzt: Geht wählen! Ihr habt eine Stimme um auch bei Wahlen zu entscheiden, wie die Zukunft auf unserem Planeten aussieht. Wählt Menschen, die verstehen wie dringend notwendig es ist einzugreifen und das auch tun.

Wer veranschaulicht sehen will, wie schlimm die Situation gerade ist, kann sich auf der Seite von Global Forest Watch Fire die interaktive Karte ansehen, auch der fast in Echtzeit die Waldbrände auf der ganzen Welt angezeigt werden.

Übersetzung der Quellen aus dem Portugiesischen: Tonio Trespe

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