Warum wir alle die Fridays for Future-Streiks am 20. September unterstützen sollten

Bild von Goran Horvat auf Pixabay

Vor rund einem Jahr startete die Fridays for Future-Bewegung in Schweden. Am 20. August 2018 streikte die damals 15-jährige Aktivistin Greta Thunberg erstmals an einem Freitag vor den schwedischen Parlament. Ihr Streik schlug schnell große, mediale Wellen: Nur eine Woche später berichtete bereits die taz über Gretas Engagement, am 7. Dezember fanden die ersten Schulstreiks in Deutschland statt.

Die Streiks sorgen von Anfang an für gespaltene Reaktionen

Seitdem streiken jeden Freitag bis zu 300.000 Schüler*innen deutschlandweit (wohlgemerkt auch in den Ferien, was der These, die Streiks seien für die Schüler*innen eine willkommene Gelegenheit, die Schule zu schwänzen, widerspricht). Aus dem Streik einer Einzelkämpferin wurde eine globale Bewegung, der sich auch einige Erwachsene anschlossen, beispielsweise in Form von Scientist for Future (28.000 Wissenschaftler*innen) oder Parents for Future. Längst kann also nicht mehr von einer reinen Jugendbewegung gesprochen werden, die FFF-Proteste spalten die Gesellschaft. Die Bandbreite reicht dabei von Klimawandel-Leugnern, die in Greta das Böse sehen, bis hin zu prominenten Unterstützer*innen der Bewegung, wie Juso-Chef Kevin Kühnert, der sich unter anderem auf die Seite der Demonstranten schlug, als FDP-Chef Lindner im März die Daseinsberechtigung der Bewegung in Frage stellte. Schließlich sei das, was sie da versuchten, „eine Sache für Profis“. Kühnert widersprach dem gemeinsam mit anderen Politiker*innen wie Svenja Schulze (SPD) gehörig.

Konkrete Forderungen an die Politik

Um die Ernsthaftigkeit ihrer Bewegung zu untermauern, formulierten Vertreter*innen der Bewegung im April erstmals konkrete Forderungen an die Politik. Was sofort auffiel: Die Forderungen sind deutlich ambitionierter als alles, was in den letzten Jahren an Zielen von der Politik gesteckt, aber nicht erreicht wurde. So verlangen sie beispielsweise, dass ein Viertel der Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, die Subventionen für fossile Energieträger enden und, dass eine Steuer auf Treibhausgasemissionen erlassen wird. Und das alles bis Ende des Jahres 2019. Sie fordern eine Höhe von 180 Euro pro Tonne CO2. Das Umweltbundesamt selbst berechnete diesen Wert und alle Forderungen wurden in Kooperation mit unterschiedlichen Wissenschaftler*innen erarbeitet, und zwar in Hinblick auf die Problematik, die CO2-Emissionen so weit zu senken, dass das 1,5 Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen eingehalten werden kann. Und trotzdem: Wirklich ernst nimmt die Politik die Forderungen augenscheinlich nicht.

Die CO2-Steuer: Aktuell ist sie fast aus der öffentlichen Diskussion verschwunden, nachdem sie Mitte des Jahres für zahlreiche Diskussionen sorgte. Eine Einigung konnte allerdings nicht erzielt werden. Und selbst wenn, die tatsächliche Höhe hätte weit unter dem von Fridays for Future geforderten Preis pro Tonne gelegen. Zur Erinnerung: Die Forderung lag bei 180 Euro pro Tonne, die Diskussionen kreisten aber um die 40 Euro pro Tonne CO2. Ein Ende der Subvention von fossilen Energieträgern ist ebenfalls nicht in Sicht. Laut der Map von ProPlanta gibt es aktuell rund 131 Kohlekraftwerke in ganz Deutschland. Und die sollen laut Einigung der Kohlekommission erst bis 2038 vom Netz genommen werden.

Bisher konnte die Bewegung also vor allem für Diskussionen innerhalb der Politik sorgen. In konkrete Handlungen und Maßnahmen hat die Politik die Forderungen von FFF bisher aber nie übersetzt. Ob es daran liegt, dass es sich um Schüler*innen handelt? Vielleicht. Dass einige Politiker das Engagement der Bewegung nicht ausreichend ernst nehmen, haben sie bereits des Öfteren durch einschlägige Äußerungen in der Öffentlichkeit demonstriert. Ob die Forderungen von 300.000 streikenden Erwachsenen genauso ignoriert würden, bleibt offen. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht.

Der 20. September könnte einen Wendepunkt markieren

Bisher haben die Forderungen also bis auf leeren Zuspruch in der Politik leider wenig bewirken können. Das kann sich aber bei den Demonstrationen in der Woche um den 20. September ändern. Warum? Erstens finden in der gesamten Woche um diesen Termin diverse Aktionen statt. Die Power der Bewegung ist so zwar weniger konzentriert, aber bietet eine enorme Bandbreite. Den Höhepunkt der Woche bildet ein globaler Klimastreik, wie er bereits im Mai stattfand.

Warum aber sollen die Proteste diesmal mehr bewegen, als das gesamte letzte Jahr über? Nun, darum: Diesmal sind die Rahmenbedingungen anders. Am 20. September werden die Ergebnisse des Klimakabinetts vorgestellt. Die Vorhaben, die von dem Gremium an diesem Tag formuliert werden, müssen im Anschluss in konkrete Gesetze übersetzt werden. Da hier auch über Teile der Forderungen on Fridays for Future – wie beispielsweise die CO2-Steuer – diskutiert wird, ist dieser Tag ein besonderer Termin für die Bewegung. Auch, weil das Kabinett über die Grundpfeiler der künftigen Klimapolitik in Deutschland entscheiden wird. Und dort fließen – hoffentlich – endlich auch Forderungen der FFF-Bewegung ein.

In dieser Woche findet außerdem am 23. September die UN Climate Summit Action in New York statt. Zu diesem Anlass ist auch die Initiatoren der Bewegung, Greta Thunberg, als Speakerin geladen und sorgt durch ihre Anreise per Segelschiff schon jetzt, vier Wochen vorher, für heftige Diskussionen. In dieser Woche wird sich also (weltweit) die gesamte Berichterstattung um klimapolitische Maßnahmen drehen. Wenn Fridays for Future sich hier gut positionieren kann, könnte es möglich sein, dass die Bewegung ENDLICH von der Politik ernst genommen wird. Vor allem, wenn möglichst viele Erwachsene der Forderung nach Unterstützung nachkommen. Denn der 20. September ist nicht nur ein Streik für Schüler*innen, sondern für alle. Und jeder, der sich halbwegs mit den Zielen von Fridays for Future identifizieren kann, sollte an diesem Tag die Chance nutzen und Flagge zeigen. Denn offensichtlich braucht es aus Sicht unserer Politik die Erwachsenen, um ernst genommen zu werden.

300.000 Schüler*innen allein sind offensichtlich nicht genug.


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