Nachfrageorientierte Mode: Hier wird nur produziert, was bereits bestellt wurde

Foto: Pressebild somskat

Auch mal auf ein Kleidungsstück warten – das kennen die meisten nur, wenn etwas online bestellt wurde und das Paket 2-3 Tage braucht, bis es den Empfänger erreicht. Charlotte und ihr Freund Max wollen das ändern, und zwar mit ihrem Label somskat. Hier müssen die Kunden auch einmal warten, bis sie das gewünschte Kleidungsstück in den Händen halten. Denn die Produktion startet erst, wenn eine Mindestmenge vorbestellt wurde. Wie genau das funktionieren soll, das erzählt Charlotte im Interview mit EKOLOGISKA.

EKOLOGISKA: Mit somskat habt ihr zwei ein neues Mode-Label gegründet. Was macht eure Kleidung nachhaltig und fair?

CHARLY: somskat ist ein Slow Fashion Label, das nachhaltige und minimalistisch schlichte Kleidungsstücke anbietet –  ressourcenschonend, verantwortungsbewusst und transparent. Wir setzen auf schlichte, zeitlose Schnitte, folgen keinen klassischen Saisonzyklen und verwenden nur nachhaltig-zertifizierte Materialien. Nachhaltigkeit und Fairness verstehen wir grundlegend, das umfasst bei somskat verschiedene Aspekte wie die nachfrageorientierte Produktion, unsere Workshops, aber auch die Herkunft der Materialien und Betriebe, in denen produziert wird. 

EKOLOGISKA: Wie funktioniert euer Ansatz der nachfrageorientierten Produktion?

CHARLY: somskat steht vor allem für eine neue Art, Kleidung einzukaufen, denn unsere Vision ist es, Kleidung erst zu produzieren, wenn es die Rechtfertigung der Kunden erhalten hat. So soll bei neuen Designs nur produziert werden, was vorab vom Kunden gekauft wurde. Die Community wird so Teil der Wertschöpfungskette und übernimmt aktiv Verantwortung. Ist die Mindestmenge zur Produktion erreicht, kann es losgehen – wir geben nur in Auftrag, was vorab bestellt wurde. Sollte die Mindestmenge mal nicht erreicht werden, nehmen wir auch keine unnötigen Ressourcen in Anspruch. Dieses System sind unsere somskat ‚Workshops‘. Daneben bieten wir eine dauerhafte Basis-Kapselkollektion an, die ganz normal im Online-Shop verfügbar sein soll und auch bald im Crowdfunding vorbestellt werden kann. Unsere ’Timeless Fundamentals’.

80% der Umweltauswirkungen eines Kleidungsstückes werden bereits durch die Entscheidungen in der Designphase bestimmt. Daher betrachten wir Schnittkonstruktion und Stoffauswahl schon unter dem Nachhaltigkeitsaspekt: Unsere Stoffe sind GOTS- und teils sogar IVN-Best zertifiziert, d.h. unter anderem wir verzichten auf Polyester-Gemische. Das Spektrum an umweltschonenden Stoffen werden wir stetig erweitern, momentan arbeiten wir z.B. mit kontrollierter Bio-Baumwolle aus Fairtrade-Projekten in Uganda und Kirgistan. Die Designs an sich sind unter dem Aspekt der Zeitlosigkeit designed, das heißt klare, simple Schnittführung, maximale Kombinationsfähigkeit und non-saisonale Looks. Wir denken nicht in trendigen Kollektionsrhythmen, sondern in Kleidungsstücken, die länger als zwei Saisons Spaß machen. Denn Langlebigkeit ist die schönste Form der Nachhaltigkeit!

EKOLOGISKA: Wie geht es dann weiter, wenn die Mindestmenge erreicht ist?

CHARLY: …dann stoßen wir die Produktion an, denn nun ist sichergestellt, dass das Kleidungsstück auch Abnehmer findet und nicht für Lagerräume hergestellt wird! Wir arbeiten mit einem kleinen Familienbetrieb in Polen zusammen, in einem der früheren Textil-Hochburgen Europas. Das Team vor Ort teilt unsere Überzeugung einer fairen und transparenten Industrie, sie zahlen deutlich über dem Mindestlohn und sorgen für ein freundschaftliches Arbeitsklima – davon haben wir uns selbst vor Ort ein Bild machen können. 

Wir kommunizieren transparent, denn unsere Kunden sollen wissen, wofür sie zahlen und woher ihre Produkte stammen! Wir möchten unsere Wertschöpfungskette soweit wie möglich offenlegen, von Produktion bis Preisgestaltung. 

Es gibt noch weitere Aspekte aus dem Bereich Nachhaltigkeit und Fairness, die wir in unser Konzept mit einfließen lassen: So planen wir beispielsweise wiederverwendbare Versandtaschen für den Online-Versand zu benutzen, und pro Bestellung im Online-Shop einen Teilbetrag an soziale Projekte zu spenden – da uns nicht nur Ressourcenschonung, sondern auch die Wertschätzung der Gesellschaft am Herzen liegt.

EKOLOGISKA: Was meinst du, wenn du sagst, dass euch die Wertschätzung der Gesellschaft am Herzen liegt?

CHARLY: Naja, in der Modebranche reden wir viel über nachhaltige und umweltschonende Materialien. Auch unser geplantes Workshop-System zielt darauf ab, ressourcensparend zu produzieren, indem nicht unnötig Ware hergestellt wird. 

Nachhaltigkeit bezieht sich aber auch auf einen fairen und respektvollen Umgang mit unseren Mitmenschen, das betrifft zum Beispiel die Sicherstellung der sozialen Arbeitsbedingungen in der Herstellung. Es hört für uns dort aber nicht auf. Dafür unterstützen wir zukünftig soziale Projekte, die von jedem Kauf im Online-Shop profitieren, indem wir einen Teilbetrag an ein ausgewähltes Projekt spenden. 

Für den Start haben wir uns den Verein Taste of Malawi e.V. ausgesucht. Mit der Arbeit des Vereins werden Frauen in Schneiderwerkstätten im Malawi unterstützt, sich mit ihrem Können selbstständig zu machen und damit finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen – in einer Umgebung, in der das nicht selbstverständlich ist. 

EKOLOGISKA: Ihr wollt euch über Crowdfunding finanzieren – das sieht man zwar immer mal bei einem Modelabel, die meisten wählen allerdings einen anderen Weg. Warum habt ihr euch fürs Crowdfunding entschieden?

CHARLY: Crowdfunding ist eine demokratische Möglichkeit, gemeinschaftlich Projekte zu realisieren, die mit erfolgreich abgeschlossener Kampagne auch bewiesen haben, dass es den Markt dafür gibt. Dem möchten wir uns stellen, denn der Crowdfunding-Ansatz ist genau auch unsere Vision von Mode – erst zu produzieren, wenn die Nachfrage sichergestellt ist. Neben der Produktion der Basiskollektion, den Timeless Fundamentals, möchten wir mit der Kampagne möglichst viele Menschen erreichen, die ein ähnliches Verständnis von verantwortungsbewusstem Konsum haben, um so das Konzept der somskat ‚Workshops‘ langfristig realisieren zu können.

EKOLOGISKA: Durch eure Timeless Fundamentals in Kombination mit den Stücken der Workshops entsteht ja eine Art Capsule Wardrobe. Die kennt man ansonsten klassischerweise eher für den privaten Raum. Wie wollt ihr das Konzept als Label umsetzen?

CHARLY: Der Kapselgedanke drückt aus, dass wir eigentlich gar nicht so viel brauchen, um gut angezogen zu sein – es stattdessen nur auf die Kombinierfähigkeit und Vielseitigkeit der einzelnen Kleidungsstücke ankommt. Unter dieser Prämisse haben wir die ersten somskat Produkte designed und werden sie stetig erweitern – die Kleidungsstücke können farblich wie auch stilistisch miteinander kombiniert werden, statt als einzelne Highlight-Pieces im Schrank zu versauern. Nur so kann ein verantwortungsbewusster Konsum sichergestellt werden. Die ersten vier somskat Styles – Hose, Bluse, T-Shirt und Pullover zeigen in den verschiedenen Looks bereits, wie das aussehen kann. Außerdem wird es sie länger als nur eine Saison bei uns zu kaufen geben, denn nur weil ein Kleidungsstück aus einer ‚alten‘ Saison ist, verliert es noch lange nicht seinen Wert!

Die tendenziell saisonalen Highlights werden wir stattdessen über das Workshop-System launchen – denn hierfür benötigt unsere Umwelt erst die Bestätigung der Kunden, bevor produziert werden kann!

EKOLOGISKA: Wie kann man sich saisonale Highlights vorstellen? Nehmen sie die Rolle der „Statement Pieces“ in der privaten Capsule Wardrobe ein? 

CHARLY: Das kommt sogar ganz gut hin. Die Teile der Timeless Fundamentals bestehen aus Stoffen, die weder in Form noch Farbe einer einzigen Saison zugeschrieben werden können. Sobald wir aber Kleidungsstücke kreieren, die einen bestimmten Trend oder eine saisonale Farbe aufgreifen, möchten wir sie über das Workshop-System ‚funden‘ lassen. So können wir dennoch sicherstellen, dass sie erst produziert werden, sobald die Nachfrage bestätigt worden ist. Wir haben hier schon einige Ideen in der Hinterhand, müssen uns aber noch gedulden, bis wir den Start der Capsule Kollektion mit dem Crowdfunding finanziert haben. Aber genau richtig, sie fallen mehr auf, zeigen auch andere Farben und sind quasi die Hingucker der Kollektion – orientieren sich dabei aber natürlich an unserer geradlinigen Design-Handschrift, die wir mit den ersten somskat Styles präsentieren. 

EKOLOGISKA: Wer steckt eigentlich hinter somskat? 

CHARLY: Hi, das sind wir – Charly und Max. Wir haben uns vor knapp 5 Jahren hier in Stuttgart kennengelernt und sind nicht nur als Gründerteam, sondern auch als Paar gemeinsam unterwegs. 

Ich, Charly, habe die letzten Jahre in einem Modekonzern im Produkt- und Markenmanagement gearbeitet, bevor ich mich für das Start-up Leben mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Social Business entschieden habe. Die Idee zu somskat gibt es schon lange, und ist durch viele gemeinsame Brainstorming-Stunden mit Max gereift und zu dem geworden, was es heute ist. Max kümmert sich um die technische Umsetzung und wir beratschlagen uns immer gemeinsam bei wichtigen Entscheidungen, er kommt aus dem Bereich der Wirtschaftsinformatik (…und die Menswear lässt er sich bestimmt auch irgendwann nicht nehmen!). Wir freuen uns täglich darüber, die kleinen Schritte gemeinsam erleben zu können und das Leben selbst zu gestalten! Neben der gemeinsamen Gründung lieben wir guten Kaffee, Ausflüge in die Natur – die in letzter Zeit leider etwas zu kurz gekommen sind! –  genauso wie das bunte und abwechslungsreiche Stadtleben hier in Stuttgart! 

Foto: Pressebild somskat

Die Crowdfunding-Kampagne startet am 1. Oktober auf der Crowdfunding-Plattform startnext – und jede/r Unterstützer/in hilft Charly und Max ein kleines Stückchen näher zum Ziel zu kommen! Zur Website von somskat geht es hier.

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