Warum wir mit ‚Digital Detox‘ nicht nur etwas für die Seele tun, sondern auch für die Umwelt

Bild von Ylanite Koppens auf Pixabay

Vierundzwanzig sieben erreichbar sein, ständig durch Likes bewertet werden und zu jeder Lebensentscheidung Feedback aus der Community bekommen – so sieht der Alltag vieler (junger) Menschen heutzutage aus. Dass sich bei wichtigen Lebensentscheidungen wie der Familienplanung die Verwandten einmischen, damit haben sich bereits Generationen vor uns irgendwie arrangiert oder zumindest einen Weg gefunden, darüber hinweg zu sehen und trotzdem den eigenen Weg zu gehen. Kommt das Feedback plötzlich aber zum Teil von hunderten von Fremden, ist es gar nicht mehr so leicht, einfach darüber zu stehen. Einmal macht natürlich die reine Masse einen Unterschied, andererseits macht auch hier der Ton die Musik. Und der ist im Netz in der Regel rauer, als im familiären Kontext. Hinzu kommen tausende von Impressionen, die man tagtäglich verarbeiten und in Teilen auch verkraften können muss. Schließlich sind in den sozialen Medien alle perfekt, führen ein schwereloses Leben und kennen nur die Ups, nicht die Downs einer Achterbahnfahrt.

Der ‚Digital Detox‘ als Weg, dem Druck zu entfliehen

Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen sich ganz bewusst für eine Auszeit von dem ganzen Irrsinn entscheiden: den Digital Detox. Einfach mal alles Negative, was sich durch die sozialen Medien in einem gesammelt hat, aus dem Kopf lassen und stattdessen Platz für Positivität schaffen. In weit mehr als 100K Posts wird auf Instagram inzwischen vor oder nach einem solchen Detox auf dessen positive Wirkung hingewiesen. Es gibt also einen großen Bedarf, sich über die Zeit abseits vom Smartphone austauschen. 

Übers Smartphone. 

Kurios, oder? 

Auch wenn es zunächst seltsam scheint, den Diskurs darüber, das Smartphone ruhen zu lassen, über das Smartphone zu führen, hat das ganze bei näherer Bettachtung durchaus einen Sinn: Nur so wird nämlich die Zielgruppe, die Adressaten der ganzen Message, erreicht. Denn wo wenn nicht im Netz findet man Menschen, die eine digitale Auszeit dringend nötig haben? 

Vom Algorithmus abgestraft

Wer einen Blog betreibt, der kennt das Phänomen: Gönnt man sich eine digitale Auszeit, dann straft einen der Algorithmus schnell ab. Weniger Klicks, weniger Reichweite, weniger digitales Kapital, auf welches man zurückgreifen kann. Das muss einen nicht weiter stören, wenn man ein dickes Fell hat oder nicht finanziell von seinem Erfolg im Netz abhängig ist. Für wen die eigene Reichweite aber sehr wohl das Kapital ist, welches es kommerziell zu vermarkten gilt, der leidet unter Umständen nicht nur psychisch unter dem Druck durch Klicks, sondern merkt es auch am Posteingang, der plötzlich nicht mehr voller Anfragen ist. Es fehlen aber nicht nur die Nachrichten, sondern auch die Einnahmen. Eine belastende Situation. Vor allem, wenn man sonst viel Zeit und Herzblut in sein Projekt steckt. Manch einer heuert aus diesem Grund sogar eine Urlaubsvertretung an. Bloß nicht den Algorithmus verärgern, lautet hier die Devise. 

Soziale Medien machen uns krank – bloß eine gefühlte Wahrheit?

Ja, die sozialen Medien können uns krank machen. Genauer gesagt der ständige Vergleich, das hat die Royal Society for Public Health in einer Studie herausgefunden. Die Forscher*innen haben den Einfluss der sozialen Medien auf die psychische Gesundheit von Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren untersucht. Das Ergebnis: Die sozialen Medien haben positive wie auch negative Effekte auf unsere Gesundheit. Positiv ist, dass wir Menschen treffen, die unser Schicksal teilen und uns durch schwere Zeiten helfen. Die Studie zeigt aber auch, dass uns vor allem der ständige Vergleich mit anderen krank macht. Urlaubsbilder, die unseren Feed ganzjährig überschwemmen, verzerren unser Bild von der Realität. Mit Photoshop & Co. bearbeitete Bilder nagen an unserem Selbstbewusstsein. Genau deshalb tut eine digitale Auszeit auch so gut: Man ist endlich wieder unter “echten” Menschen, die die gleichen “Makel” wie wir haben und alles andere als perfekt sind (was wunderbar ist!). Das holt einen ungemein auf den Boden der Tatsachen zurück und hilft, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen. 

Der Digital Detox, er ist also wirklich gut für die Seele. Aber es profitiert noch jemand davon: Unsere Umwelt. Denn der viele Datenverkehr, der durch die sozialen Medien erzeugt wird, frisst Energie. Und Serverressourcen. Viele Server benötigen wiederum viele (seltene) Rohstoffe. Und so weiter. Und so fort. Weniger ist hier definitiv mehr. Es hilft schon, wenn man auf seinem eigenen Account darauf achtet, Bilder mit einer möglichst geringen Dateigröße hochzuladen, nur zu posten, wenn es nötig ist und bei der Verlinkung von Videos darauf hinzuweisen, dass sie möglichst in der geringsten Qualität angesehen werden sollten. All das spart Datenvolumen und damit energetische wie physikalische Ressourcen. Und wenn jeder darauf achtet, dann ist definitiv ein erster, großer Schritt getan. 


Ihr wollt mehr zum Thema Digitale Medien und Nachhaltigkeit lesen? Dann schaut euch doch die EKOLOGISKA Publikation “Social Network 2.0” an. Die könnt ihr hier kostenlos lesen. Wir freuen uns aber auch über eine kleine Spende. 

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