Studium mit Kind: Die perfekte Zeit, um eine Familie zu gründen?

Das Studium – die perfekte Zeit, um eine Familie zu gründen? Photo by Daria Shevtsova from Pexels

Ich hatte schon immer das Idealbild der jungen Mutter vor Augen, die sich voller Energie ihrem Kind widmet, währenddessen irgendwie die Welt rettet und gleichzeitig ein super feministisches Vorbild für ihren Nachwuchs ist. Das Problem: Abitur, Studium, vielleicht noch ein Master, dann erst einmal arbeiten… und schon war es irgendwie hin mit dem Bild der (zumindest sehr) jungen Mutter, weil die dreißig vor der Tür steht und man irgendwie dann doch im typischen alle-kriegen-Kinder-Alter gelandet ist. Mal abgesehen davon, dass man dazu ja auch noch den passenden Partner finden muss. Klar, theoretisch würde es auch ohne gehen, aber mal ehrlich: Wenn man die Wahl hat, dann stellt man sich so einer Aufgabe dann doch lieber im Team, oder? Und auch für das Kind ist es schön, eine zweite Bezugsperson zu haben. Ich zumindest habe das immer sehr genossen.

Den Gedanken des jung-Mama-werden also so gut wie verabschiedet, lief er mir dann über den Weg: der passende Partner. Und siehe da, auch er hatte ursprünglich mal den Traum gehegt, früh Papa zu werden. Nur nun steckte ich mitten im Studium, ein Ende zwar in Sicht, aber noch in weiter Ferne. Danach? Voraussichtlich selbstständig, als Journalistin. Nicht so wirklich prickelnd diese Aussicht. Zumindest in finanzieller Sicht. Und wer sichert mich ab, wenn ich durch die Schwangerschaft monatelang ausfalle? Viele Fragezeichen, die mir damals im Kopf herumschwirrten. Das Studium hingegen schien mir als Raum, in dem man sowas wie ‚Nestschutz‘ für sich beanspruchen konnte. In welchem man abgefedert wird, sollte man gesundheitsbedingt ausfallen oder gar unterbrechen müssen. Und so kam der Gedanke auf, das erste Kind noch im Studium zu bekommen. Genauer gesagt gegen Ende des Masters. Und hier sitze ich nun: Das dritte Master-Semester abgeschlossen, die Abschlussarbeit begonnen und schwanger in der 38. Woche. Gerade beginnt die Rufbereitschaft der Hebamme und ich freue mich, bald mein Glücksbündel in den Armen zu halten!

Die Studienorganisation war das geringste Hindernis

Bis dahin war es aber ein langer und manchmal auch nervenaufreibender Weg, da hat man es als Arbeitnehmerin wahrscheinlich leichter. Wobei ich sagen muss, dass die Organisation des Studiums in meinem Fall das geringste Hindernis war. Das lag aber nicht zuletzt am Geburtstermin gegen Ende des Semesters, der vieles möglich gemacht hat, und auch an meinen großartigen Dozent*innen, die von Anfang an sehr verständnisvoll waren. Ich habe das dritte Semester verhältnismäßig normal durchstudiert, meine Prüfungsleistungen allerdings früher erbracht als meine Kommiliton*innen. Und ein paar Praxis-Termine gegen Ende des Semesters habe ich auch nicht mehr wahr genommen, ansonsten lief aber alles ganz normal.

Bei der Planung des Semesters geholfen hat mir auf der einen Seite unser Studienbüro. Hier klärt man alle Formalia zum Mutterschutz ab. Auf den haben Student*innen nämlich seit dem 1. Januar 2018 Anspruch. Das heißt, dass Mütter sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt nicht an Prüfungen teilnehmen müssen und die Universitäten dazu angehalten sind, einen normalen Studienverlauf möglich zu machen (zum Beispiel durch alternative Prüfungstermine). Ausnahmen gibt es bei Studiengängen mit Laborpraktika – hier kann es sein, dass man aus Sicherheitsgründen ein ganzes Semester aussetzen muss oder gar die Stillzeit. Dafür füllt man einen Gefahren-Bewertungs-Bogen aus. Die Studienkoordinator*innen werden dann im Einzelfall entscheiden, was besucht werden darf und was nicht.

Hilfreich waren außerdem die Beratungsangebote des Studierendenwerks. An meiner Hochschule, der Universität Leipzig, gibt es die Möglichkeit, einmal im Monat an einem allgemeinen Informationsabend teilzunehmen. Darüber hinaus kann man sich aber auch einzeln beraten lassen. Auch das habe ich in Anspruch genommen. Hier haben wir für meinen speziellen Fall besprochen, was mir an Sozialleistungen zusteht und auch gemeinsam gerechnet. Ein Thema, das sich als sehr leidig herausstellen würde.

It’s all about the money

Weniger easy to handle waren die finanziellen Fragen. Das liegt nicht zuletzt an meiner komplizierten Ausgangssituation, die so aber sicher nicht einzigartig ist: Ich bin Vollzeitstudentin, verheiratet, familienversichert, beziehe Bafög und hatte im letzten Jahr sowohl einen Job als 450 Euro Kraft als auch eine freiberufliche Selbstständigkeit, gleichzeitig. Weil nicht nur mir, sondern auch der Dame aus der Sozialberatung des Studierendenwerks diese Ausgangslage zu kompliziert war, habe ich mir Hilfe geholt, und zwar bei der Schwangerenkonfliktberatung des Gesundheitsamtes.

Als Studierende hat man theoretisch Anspruch auf viele Leistungen: Man kann sich an das Arbeitsamt wenden, um den Schwangerenzuschlag („Mehrbedarf“) zu beantragen sowie einen einmaligen Zuschuss zur Erstausstattung. Dafür waren mein Mann und ich aber zu ‚reich‘. Man kann bei der Stiftung Mutter und Kind bei einem Ablehnungsbescheid vom Arbeitsamt Zuschüsse zur Erstausstattung beantragen. Allerdings erst sehr spät und die vorab Berechnung hat ergeben, dass ich hierfür sehr sicher auch zu wohlhabend bin (das klingt so falsch, wenn ich bedenke, dass ich zu dieser Zeit 450 Euro verdient habe).

Als familienversicherte Person habe ich außerdem keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Nach der Geburt ist das kein Problem, da ich dann für die ersten beiden Monate nach der Geburt stattdessen Elterngeld bekomme. Vor der Geburt einfach frei machen ist allerdings nicht möglich. Man kann in dieser Situation beim Bundesversicherungsamt Mutterschaftsgeld beantragen. Allerdings wären das in meinem Fall einmalig 210 Euro gewesen, die ohnehin vom Elterngeld wieder abgezogen werden. Dafür war mir ehrlich gesagt der Papierkram zu aufwändig. Mal abgesehen davon, dass ich gerne bis zum Schluss weiterarbeiten wollte – ich hatte und habe nach wie vor wirklich Hummeln im Arsch, still Sitzen ist nicht möglich.

Die Organisation des Studiums selbst war für mich kein Problem. Komplizierter war es mit dem Drum-Herum.

Der Bafög-und-Sparen-Konflikt

Meine finanzielle Versorgung vor der Geburt war also gesichert. Ich würde ganz normal arbeiten gehen, bis zur Geburt eben, dachte ich. Und so habe ich es bisher auch gehalten. Allerdings wissen diejenigen, die sich schon einmal mit dem Thema Elterngeld auseinander gesetzt haben, dass das leider nicht pünktlich nach der Geburt kommt, schließlich kann man das erst beantragen, wenn man die Geburtsurkunde in den Händen hält. Ab da dauert es dann 2-3 Monate, bis die erste Zahlung auf dem Konto eingeht. Arbeiten direkt nach der Geburt ist rein rechtlich gesehen schon nicht drin, als Mutter unterliegt man einem achtwöchigen Beschäftigungsverbot. Was also tun?

Ich habe, um genügend Geld für diese Zeit anzusparen, die letzten drei Monate vor der Geburt doppelt bis dreifach so viel gearbeitet wie sonst. Schließlich musste auch eine Erstausstattung finanziert und ein finanzielles Polster angelegt werden, um die Hebammenrufbereitschaft und eben die Zeit nach der Geburt zu finanzieren. Man weiß ja auch nicht, wann man wieder arbeiten kann. Ich schätze, dass mich das im nächsten Jahr einiges an Bafög kosten wird von meinem ohnehin nicht prallen Bescheid. Eine Möglichkeit, sowas zu berücksichtigen, gibt es in dem Antrag schlichtweg nicht. Aber aus meiner Sicht ist es verständlich, dass man ein finanzielles Polster anlegen muss, wenn man eine Geburt plant – schließlich kann es immer sein, dass irgendwas dazwischen kommt und man eben nicht wieder fristgerecht in den Beruf einsteigen kann. Ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie das ausgehen wird – ich ahne nichts Gutes, wenn ich ehrlich sein soll.

Eine ebenfalls unbekannte Variable ist die Frage, ob ich überhaupt wieder Bafög bekomme. Zwar steht einem für die Schwangerschaft wie auch für jedes Lebensjahr des Kindes theoretisch ein Semester mehr zu. Die Bedingung hierfür ist aber, dass man die Hälfte der Leistungen pro Semester erbringt. Die Masterarbeit kann ich aber nicht aufteilen. Ich werde im nächsten Semester, sobald ich wieder einsteigen kann, an ihr arbeiten. Allerdings werde ich sie noch nicht anmelden, da ab diesem Zeitpunkt die fünf Monate Bearbeitungszeit laufen – Kind hin oder her. Das mache ich erst, wenn ich sicher sein kann, dass ich sie auch wirklich in diesem Zeitraum beenden kann.

Es ist also mitunter nicht ganz leicht, die finanzielle Absicherung nach der Geburt sicher zu stellen. Ich bin aber optimistisch, dass wir das schaffen werden. Mir ist klar, dass das hier sehr individuelle Erfahrungen sind, die ich hier schildere und dass es im Einzelfall ganz anders sein kann. Ich aber würde mich trotz allem immer wieder dafür entscheiden, im Studium ein Kind zu bekommen. So zumindest der Stand heute, vor der Geburt. Ich bin gespannt, wie ich darüber in ein paar Monaten denke, wenn unsere kleine Gurke endlich bei uns ist und sich wahrscheinlich einige der Fragezeichen, die ich hier formuliert habe, gelöst haben. Ich werde berichten.


Habt ihr auch im Studium ein Kind bekommen? Dann teilt eure Erfahrungen zu diesem Thema doch gerne in den Kommentaren. Wir sind gespannt, davon zu lesen.

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