Sinnvoll ausmisten – So funktioniert's

So clean wünschen sich viele ihre Wohnung. Das Mittel der Wahl ist da oft das Ausmisten. Aber wie miste ich eigentlich sinnvoll aus? Bild von giovanni gargiulo auf Pixabay

Immer dann, wenn viele Menschen viel Zeit Zuhause verbringen, werden die Müllsäcke voller und die Schlangen an den Wertstoffhöfen länger: Es wird ausgemistet! Gerade jetzt, in einer Zeit, in welcher viele Menschen freiwillig auf den Ausgang verzichten, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, wird diese Entwicklung für die Mitarbeiter*innen der Stadtreinigungen deutscher Städte spürbar, die sich um die Wertstoffhöfe kümmern. Kein Wunder also, dass sich beispielsweise die Leipziger Stadtreinigung bereits an die Bürger*innen wandte und um Verständnis dafür warb, dass die aussortierten Dinge bitte so lange Zuhause aufzubewahren sind, bis die Pandemie ausgestanden ist. Wahrscheinlich machen wir es uns aber auch zu einfach, wenn wir einfach alles Aussortierte entsorgen. Schließlich sind für die Produktion der Waren mitunter wertvolle Rohstoffe und Energie aufgewandt worden. Aber wohin soll man das ganze aussortierte Zeug dann sinnvollerweise bringen? Also so, dass es noch jemandem nutzt? Wir verraten es euch.

Was muss gehen, was darf bleiben?

Am Anfang des Ausmistens steht immer eine zentrale Entscheidung. Nämlich die über diejenigen Kriterien, nach denen man aussortiert. Muss das weg, was im letzten Jahr nicht benutzt wurde? Oder ziehe ich emotional aufgeladen durch die Wohnung und vertraue ganz auf mein Gefühl? Letzteres entspricht zumindest in seinen Grundzügen der im letzten Jahr viel gehypeten Marie Kondo-Methode. Denn für sie zählt als einiges Kriterium, das über gehen und bleiben entscheidet, ob ein Gegenstand uns glücklich macht. Und obwohl sich wohl alle einig darüber sind, dass eine Klobürste keine exorbitanten Glücksgefühle auslöst, aber trotzdem bleiben muss, ist das durchaus ein Weg, um seinen Hausstand zu entzerren – sofern man ein paar rational getroffene Entscheidungen zulässt. So stellt man sicher, dass man funktionale Dinge nicht einfach wegwirft, weil sie einen nicht glücklich machen und dann letztlich im Geschäft endet, um entsprechendes Produkt erneut zu kaufen, weil man es eben doch benötigt.

Tipp: Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr etwas wirklich braucht oder nicht, dann schnappt euch einen Umzugskarton und packt die Dinge, bei denen ihr euch unsicher seid, hinein. Lasst die Kiste für drei Monate im Keller stehen und schaut, ob ihr den Inhalt der Kiste vermisst. Ist das nicht der Fall, könnt ihr euch wahrscheinlich guten Gewissens von den Dingen trennen.

Wohin mit dem, was gehen muss?

Wenn ihr euch überlegt habt, nach welchen Kriterien ihr entscheiden wollt, was aussortiert wird und durch eure Wohnung gezogen und euren Katalog fein säuberlich angewandt habt, dann dürftet ihr jetzt wahrscheinlich auf einem Haufen von Dingen sitzen, die gehen müssen. Nur wohin mit dem ganzen Kram? Wir haben fünf Fragen formuliert, deren Antworten euch dabei unterstützen sollen, die richtige Entscheidung zu treffen! Immer verbunden mit dem Ziel, den Lebenszyklus der Dinge zu verlängern.

Die Reuse-Frage: Was davon kann ich selbst weiterverwenden?

Seinen aussortierten Sachen im eigenen Haushalt eine neue Funktion zu verleihen ist wohl der kürzeste Weg der Wiederverwendung. Vielleicht werden aus den alten Blumentöpfen in Kombination mit einem neuen Anstrich ja hübsche Utensilos. Oder die alten Weinkisten zu einem schicken Bücherregal. Inspiration rund um das Thema #upcycling findet ihr beispielsweise bei Instagram oder Pinterest. Empfehlenswert sind auch die Bücher aus dem TOPP-Verlag. Das „Zero Waste Nähbuch“ enthält beispielsweise viele Anleitungen zur Wiederverwendung alter Textilien. So wird aus alten Handtüchern und T-Shirts beispielsweise ein ’neuer‘ Bezug für den Schrubber.

Vielleicht ist das Stück, was ihr aussortiert, aber auch nur deshalb in der Kiste gelandet, weil es defekt ist. In diesem Fall sollte man sich unbedingt die Frage stellen, ob eine Reparatur keine gute Idee wäre. So spart man nicht nur Geld, weil man kein Ersatzprodukt kaufen muss, sondern unterstützt bestenfalls einen lokalen Tüftler oder Betrieb.

Die Resell-Frage: Wo lohnt sich ein Verkauf?

Nach der Verwendung im eigenen Haushalt ist der Verkauf wohl der nächst kürzere Weg, um zum Ziel der sinnvollen Wiederverwendung zu gelangen. Hierfür eignen sich vor allem solche Dinge, bei denen ein verhältnismäßig hoher Gewinn zu erwarten ist für den Aufwand des Einstellen und Versenden. Was im realen Leben Flohmärkte sind, dafür gibt es im Netz zahlreiche Plattformen, denen man seine aussortierten Dinge verkaufen kann. Oder man verkauft alle Teile einzeln an Privatpersonen auf Plattformen wie zum Beispiel eBay Kleinanzeigen.

Elektronik: rebuy, flip4new, wirkaufens, rankauf

Bücher: booklooker, rebuy, momox, zoxs, sellorado, buchmaxe, studibuch

Kleidung: momox-fashion, Kleiderkreisel, Mamikreisel, Mädchenflohmarkt

Gemischtes: eBay Kleinanzeigen, Quoka, Shpock, Facebook- und Telegramm-Gruppen

Das tolle an Plattformen wie eBay Kleinanzeigen oder den Facebook-Gruppen ist, dass man hier mitunter auch Dinge los wird, die defekt sind. Diese kann man dann günstig oder zu verschenken an Tüftler*innen abgeben. Hilfreich sind hier auch sogenannte „Free your Stuff“-Gruppen, in denen die Nutzer*innen ausschließlich Dinge zum Verschenken anbieten.

Die Donate-Frage: Was ist für eine Spende geeignet?

Viele Menschen entlasten nicht nur ihre Wohnung, sondern auch ihr Gewissen, indem sie alles Aussortierte einfach spenden. Vor allem bei Kleidung lässt sich dieses Phänomen buchstäblich beobachten. Nämlich dann, wenn man einen Altkleider-Container in seiner Nähe hat, an dem man ab und an vorbei kommt. Hier stapeln sich die vermeintlich gut gemeinten Spenden.

Allerdings landet nur ein Bruchteil der Kleidung, die bei den Altkleider-Containern abgegeben wird, wirklich bei Bedürftigen. Das liegt daran, dass einfach viel zu viel gespendet wird. Der Großteil wird daher sortiert und weiterverkauft, sowohl in osteuropäische Länder, als auch in Länder in Afrika. Was die Kleider hier zum Teil anrichten ist fatal. Die Dokumentation „Die Altkleider-Lüge“ der ARD hat das schon vor einigen Jahren aufgedeckt: Die Altkleider sorgen nämlich dafür, dass lokale Textilindustrien zum Teil zerstört werden. Der Grund dafür sind die günstigen Preise, mit denen die Textilproduzenten vor Ort nicht mithalten können. Was können wir also alternativ mit aussortierter Kleidung tun?

Zunächst einmal: Bitte nur die gut erhaltenen Stücke weitergeben und nicht alles spenden, nur weil es einfach erscheint. Auch die Spendennehmer möchten in ordentlicher Kleidung herumlaufen und Dinge in minderer Qualität zu spenden sorgt im Zweifelsfall für viel Sortieraufwand. Geld, das man besser für die Bedürftigen hätte benutzen können. Wenn es der Altkleider-Container sein soll, dann hilft das FairWertung-Siegel bei der Orientierung. Der Dachverband der gemeinnützigen Kleidersammlungen verpflichtet seine Mitglieder dazu, verantwortungsbewusst mit den gesammelten Textilien umzugehen. Das bedeutet unter anderem, dass das Geld ausschließlich diakonischen, karitativen oder gemeinnützigen Zwecken zugeführt und die Buchführung transparent gemacht wird.

Andere mögliche Anlaufstellen für Kleidung und andere Hilfsgüter sind Sozialwarenhäuser, Diakonien, SOS-Kinderdörfer, Frauenhäuser, Kinderheime und ähnliche Einrichtungen. Hier gibt es zum Teil Sachspendenbeauftragte, an die ihr euch wenden könnt. Fragt nach, was aktuell gebraucht wird oder bietet eure gut erhaltenen Stücke an. Sollten sie eure Spende entgegen nehmen könnt ihr sicher sein, dass sie an der richtigen Stelle helfen. Einen Überblick über gemeinnützige Spendenstellen findet ihr bei wohindamit.org.

Die Recycle-Frage: Was sollte dem Recycling-Kreislauf zugeführt werden?

Alles, was ihr bis jetzt nicht losbekommen habt, sollte auf seine Recyclingfähigkeit hin geprüft werden. Hilfreich sind die Überblickslisten der Stadtreinigungen, die eigentlich alle städtischen Entsorgungsbetriebe anbieten. Der Überblick der Stadtreinigung Leipzig ist sehr umfangreich und kann euch als Orientierung dienen. Auch, wenn es je nach Dienstleister leichte Unterschiede geben kann. Im Zweifelsfall könnt ihr aber auch dem lokalen Wertstoffhof einen Besuch abstatten. Hier werdet ihr von fachkundigem Personal angewiesen und bekommt unmittelbar mitgeteilt, was in welche Tonne beziehungsweise zu welcher Sammlung muss.

Die Dispose-Frage: Was muss anderweitig entsorgt werden?

Einige Dinge dürfen nicht über die heimische Mülltonne dem Recycling zugeführt werden, sondern müssen anderweitig entsorgt werden. Dazu zählen neben Batterien und Glühbirnen auch Elektrogeräte sowie Farb- und Lackreste. Batterien und Glühbirnen werden beispielsweise bei Drogerien oder in Baumärkten gesammelt. Altmedikamente kann man bei einigen Apotheken abgeben, Elektrogeräte müssen von den Verkaufsstellen zurückgenommen werden, können aber auch zum Wertstoffhof gebracht werden. Lack- und Farbreste sowie andere Schadstoffe müssen zu Schadstoffsammelstellen. Informationen hierzu findet ihr auf den Seiten eures lokalen Entsorgungsdienstleisters.

Wir hoffen, dass wir euch einige Anregungen zum sinnvollen Ausmisten geben konnten. Das oberste Credo sollte immer sein, den Lebenszyklus der Dinge möglichst lange zu verlängern, damit die eingesetzten Ressourcen bestmöglich genutzt wurden. Damit das auch in Zukunft gelingen kann, sollte jede*r einzelne bereits vor dem Kauf prüfen, ob er*sie das entsprechende Teil wirklich braucht. Dann muss auch nicht so häufig ausgemistet werden. Für die Zeit mit dem Coronavirus gilt: Sammelt die aussortierten Dinge an einer geeigneten Stelle und wartet mit der Entsorgung, bis sich die Lage entspannt hat. Wertstoffhöfe sollten in dieser Zeit nicht zu Treffpunkten werden, an denen Menschen eng an eng stehen. Vielleicht hat der*die ein oder andere in der Zwischenzeit ja eine findige Idee zur Weiterverwendung der aussortierten Dinge – das würde den Gang zum Wertstoffhof komplett überflüssig machen.


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2 thoughts

  1. Hallo Marisa,

    sehr schöner, informativer Blogpost ! Bei mir stand Ausmisten diese Woche auch auf der To-Do-Liste – tut einfach mal sehr gut, alte Dinge loszuwerden und speziell den Kleiderschrank zu minimieren 🙂

    Liebe Grüße
    Jule von https://dieduli.com

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  2. Hehe, ein tolles Thema in Zeiten der Ausgangssperren 🙂 Ich habe mir für heute noch meinen Kleiderschrank, für kommende Woche den Keller vorgenommen. Danke für die Liste, das wird sicherlich eine tolle Hilfe sein!

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