How To: Ökologisches Spielzeug finden

Ökologisches Spielzeug finden: Wie geht das? Foto von cottonbro von Pexels.

Kistenweise Barbiepuppen mit Zubehör, zahllose Spielzeugautos und viel anderer, überflüssiger Krimskrams: So sah mein Kinderzimmer aus. Der Großteil made in China, Ökobilanz egal. Dass mein Kinderzimmer keine Ausnahme darstellte, das weiß ich, weil ich schon damals viel rumgekommen bin und einige Kinderzimmer gesehen habe, die genau so aussahen. Seit ich mir darüber im Klaren bin, unter welchen Bedingungen Spielzeuge mitunter produziert werden und welche Umweltfolgen maßloser Konsum hat, denke ich mit Demut an diese Zeit zurück – fest entschlossen, es bei meinen eigenen Kindern anders zu machen. Besser. Ökologischer.

Da es aber ganz ohne Spielzeug nicht geht und auch gar nicht gehen soll, weil Kinder durch Spielzeug die Welt kennen und erleben lernen, stand für mich von Anfang an fest, dass nachhaltige Alternativen gefunden werden müssen. Und die gibt es Gott sei Dank, so viel kann ich schon einmal vorweg nehmen. Aber was bedeutet Nachhaltigkeit in Bezug auf Spielzeug eigentlich genau?

Öko-Spielzeug: Was ist das eigentlich genau?

Im Prinzip ist es bei Öko-Spielzeug wie bei allen anderen Bereichen, in denen es nachhaltige Alternativen gibt: Sie werden immer im Hinblick auf die Bedürfnisse nachfolgender Generationen gefertigt. Es geht darum, nur die Rohstoffe zu verbrauchen, die auch in Zukunft wieder bereitgestellt werden können.

Deshalb spielt die Produktion des Spielzeugs eine entscheidende Rolle. Während Spielzeug aus Plastik erdölbasiert ist und damit nicht-erneuerbare Ressourcen in der Produktion verschlingt, wachsen die Rohstoffe für Spielzeug aus Materialien wie zum Beispiel Holz wieder nach, weshalb dieses Spielzeug ökologischer ist. Neben dem Rohstoff spielen aber auch die Produktion selbst und der Produktionsort eine wichtige Rolle. Ein Großteil des Spielzeugs wird in Billig- und Niedriglohnländern produziert. Der Löwenanteil des weltweit produzierten Spielzeugs stammt mit mehr als 70 Prozent aus China. Hier sind die Standards für Arbeitssicherheit deutlich niedriger angesetzt, als in Deutschland. Es sind andere Chemikalien erlaubt, die mitunter ohne Schutzkleidung angewandt werden und so für Erkrankungen bei den Arbeiter*innen sorgen. Der „Toys Watch Report“ aus dem Jahr 2017 macht deutlich, unter welchen furchtbaren Bedingungen in chinesischen Spielzeugfabriken gearbeitet wird: Inmitten von chemischen Dämpfen, ohne Schutzkleidung und in 12 bis 14 Stunden-Schichten.

Das Spielzeug aus Fernost legt also nicht nur einen langen Weg zurück, bis es in deutschen Kinderzimmern landet, sondern sorgt bei den Arbeiter*innen in der Fertigung auch für gesundheitliche Probleme und viel Leid. Besser ist es deshalb, auf fair gehandeltes Spielzeug zurückzugreifen – oder auf solches, das in Deutschland bzw. der EU produziert wurde. Das ist auch sicherer in Bezug auf die Schadstoffgehalte der Spielzeuge. Die Grenzwerte wurden nämlich vor allem bei chinesischen Importen immer wieder überschritten. Kurzum: Ökologisches Spielzeug ist primär aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt, wird unter fairen Bedingungen (in Deutschland) produziert und ist frei von Schadstoffen.

Ob ein Spielzeug schadstofffrei ist, das verrät einem unter anderem das Öko-Text Siegel für textile Produkte oder das GS-Siegel. Das CE-Zeichen ist weniger verlässlich, weil dessen Einhaltung nicht unabhängig kontrolliert wird. Weitere Siegel und Zeichen, die einem bei der Kaufentscheidung helfen können, sind das fair spielt-Logo (menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei Spielzeug aus dem Ausland), der Blaue Engel (umweltfreundliche Produkte, auch Schadstoff-Werte werden geprüft) und das Spiel gut-Siegel (bewertet wird der pädagogische Wert eines Produktes).

Um zu prüfen, ob ein Spielzeug frei von Schadstoffen ist, helfen einem neben Siegeln auch die eigenen Sinne. Vor allem der Geruch hilft dabei, eine Kaufentscheidung zu treffen.

Unabhängig davon, wie ein Spielzeug produziert wurde, spielt die Langlebigkeit eines Produktes eine entscheidende Rolle in der Ökobilanz. Denn auch nachhaltig produzierte Spielzeuge benötigen einiges an Ressourcen, bis sie im Kinderzimmer landen. Deshalb sollte man auf folgende Punkte achten:

  • Das Spielzeug ist wandelbar und deshalb für viele Altersgruppen einsetzbar (zum Beispiel Holzeier, Stoffbänder, Bälle)
  • Das Spielzeug besteht aus einem Material wie zum Beispiel Holz, das man später noch anderweitig nutzen kann (zum Beispiel zum Schnitzen, basteln etc.)
  • Das Spielzeug nutzt sich nicht schnell ab, sondern ist robust und damit über mehrere Genrationen hinweg bespielbar oder aber gut weiterzuverkaufen
  • Es gibt Ersatzteile für das Spielzeug oder eine Reparatur-Garantie des Herstellers
  • Das Spielzeug ist biologisch abbaubar

Diese Punkte sind nicht ausnahmslos für alle Spielzeuge anwendbar. Ausnahmen sind zum Beispiel Beißringe – diese sollten aus hygienischen Gründen im Anschluss nicht weitergegeben werden. Allerdings kann man auch hier darauf achten, eine biologisch abbaubare Variante zu wählen.

Eng einher mit der Frage nach Langlebigkeit geht die Frage des Afterlife, denn jedes Spielzeug wird wahrscheinlich früher oder später an seine Grenzen kommen und muss dann entsorgt werden. Gut sind solche Spielzeuge, die man leicht in seine Bestandteile aufteilen und damit korrekt entsorgen kann. Dazu zählen beispielsweise unlackierte Holzspielzeuge (Biomüll) oder plastikfreie Mal- und Bastelbücher (Papiertonne). Am schönsten ist es aber, wenn die Spielzeuge reparabel sind und nie im Müll landen müssen. Dann kann man sie auch als Second Hand-Ware anbieten.

Besser als neu: Second Hand Spielzeug

Wie bereits geschrieben ist nichts besser für die Ökobilanz eines Gegenstandes, wie wenn er möglichst lange benutzt wird. Deshalb ist Second Hand Spielzeug eine tolle Alternative zu neuen Produkten. Vor allem bei Klassikern wie Lego oder Playmobil spart man nicht nur Massen an Ressourcen ein, sondern auch bares Geld. Neben den üblichen Seiten für Gebrauchtwaren wie Ebay Kleinanzeigen wird man bei Spielzeug auch im Lila Laune Shop oder in lokalen Gebrauchtwarengeschäften wunderbar fündig. Daneben sind Kinderflohmärkte oder -basare eine tolle Anlaufstelle für gebrauchte Spielwaren. Pluspunkt: Bei Second Hand Spielzeug sind die Schadstoffe in der Regel schon ausgedampft.

Gerade, wenn die Kinder noch sehr jung ist, muss man nicht einmal zwangsläufig extra Spielzeug kaufen. Sie interessieren sich prinzipiell für alles, was man ihnen in die Hand gibt! Man sollte allerdings darauf achten, dass das Kind nichts verschlucken kann. Aber dann kann auch ein Kochlöffel ein großartiges Spielzeug sein und eine Toilettenpapierrolle wird zur Rassel. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Eine andere Variante, die sich meist ganz natürlich ergibt: Spielzeug von Freunden, der Familie oder Bekannten weiter nutzen. Diese sind meist froh, wieder Platz in der Spielzeugkiste zu haben, und man selbst muss nicht alles neu kaufen – eine Win-Win-Situation, solange man Grenzen setzt und nur das nimmt, was man wirklich braucht.

Ausnahmen bestätigen die Regel und sind in Ordnung

Egal wie umweltbewusst man seine Kinder erzieht und wie lange man es schafft, sie von ökologischen Alternativen zu überzeugen: Irgendwann wird er kommen, der Tag, an dem etwas Trend in der Schule wird, was einem so gar nicht in den Kram passt, weil es gegen alle guten Vorsätze verstößt. Und auch wenn man seinem Kind lange erklärt hat, warum etwas nicht gut ist, will es partout nicht von dem Wunsch ablassen. Und wenn wir ehrlich sind, haben wir alle als Kinder und Jugendliche doch den ein oder anderen Trend mitgemacht, nur, um dazu zu gehören, oder?

Deshalb sollte man in dieser Situation nicht direkt auf Abwehr schalten und versuchen, den Wunsch so nachhaltig wie möglich zu erfüllen, indem man zum Beispiel nach Second Hand Alternativen sucht. Und wenn das einmal nicht hinhauen sollte, es aber weiterhin der sehnlichste Wunsch des Kindes ist, dann wird es sicher das ein oder andere Mal heißen müssen: Augen zu und durch! Wir sind alle nicht perfekt und das ist in Ordnung so. Wichtig ist, dass man dran bleibt und immer im Dialog mit seinen Kindern – nur so verstehen sie nachhaltig, warum man an einigen Stellen Grenzen setzt.

Anlaufstellen: Hier kann ökologisches Spielzeug gekauft werden

Hier noch einige Tipps, wo man ökologisches Spielzeug kaufen kann*.

  • Maas Natur
  • Grimms Wooden Toys
  • Hans Natur
  • hessnatur
  • greenstories
  • Echtkind
  • Lilalämmchenshop
  • Haekeluni
  • Lelo Karli 123
  • Littlegreenie

*Werbung ohne Auftrag


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