Was wir alle aus der Corona-Krise lernen können

Die Corona-Krise betrifft die Welt – und alle handeln! Können wir das auch für die Klimakrise nutzen? Foto von Anna Shvets von Pexels

Sie ist noch nicht vorbei, genauer gesagt stehen wir sogar noch am Anfang: Die Rede ist von der Corona-Krise. Wir haben gerade den ersten Höhepunkt der Infektionen überschritten, womöglich den einzigen, wenn wir uns an die von der Bundesregierung vorgeschrieben Maßnahmen halten. Zum Alltag zurückkehren, dafür ist es zwar noch zu früh. Trotzdem finden wir, dass es Zeit für eine Zwischenbilanz ist. Zeit dafür, zurückzublicken und das Gelernte mit in die Zukunft zu nehmen. Um andere Krisen meistern zu können. Um es genauer zu machen: Eine andere Krise, nämlich die Klimakrise. Diese wird uns nämlich noch sehr lange begleiten. Auch dann noch, wenn Corona längst Seiten in Geschichtsbüchern füllt.

Learning Nummer eins: Die Bundesregierung ist handlungsfähig

Zumindest theoretisch. Das hat sie im Falle von Corona bewiesen. Es ist Mitte März, es haben sich gerade etwas über 7000 Menschen in Deutschland mit dem neuartigen Virus infiziert. Die Bundesregierung beschließt, dass ab dem 23. März bundesweit Kontaktbeschränkungen gelten. Knapp zwei Wochen nach dem Beschluss ist die Zahl der Infizierten schon auf über 70.000 gestiegen. Die Beschränkungen kamen also zur rechten Zeit. Jetzt, knapp einen Monat später, sinkt die Zahl der aktiven Erkrankungen stetig, wir haben im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zahlenmäßig wenige Tote zu beklagen. Irgendwas scheint die Regierung in unserem Land gut gemacht zu haben, sonst würden wir sicher nicht so gut darstehen. Ob es die enge Zusammenarbeit mit den Experten des RKI ist? Die Tatsache, dass wir mit Prof. Dr. Christian Drosten einen Corona-Experten haben, der uns die Problematik in unserer Muttersprache genau erklären kann? Oder die Tatsache, dass wir schon Daten aus anderen Ländern haben?

Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen ist, dass all diese Faktoren, die zumindest in Summe einen Einfluss auf die Reaktion der Regierung hatten, auch für die Klimakrise vorliegen:

Plus: Die Klimabewegung wird immer größer. Und trotzdem ist das, was die Bundesregierung bisher gegen den Klimawandel verabschiedet hat, gelinde gesagt viel zu lasch. Aber ihr bietet sich aktuell eine Chance: Die Milliarden an Hilfen, die die Regierung aktuell auszahlt, um die Wirtschaft zu retten, kann sie an Bedingungen zum Klimaschutz knüpfen. Das forderten zum Auftakt des Petersberger Klimadialogs rund 70 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Und auch Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan sieht hier großes Potenzial. Die Möglichkeit, ganz grundlegend etwas zu ändern, ist also da. Sie wird der Regierung quasi auf dem Silbertablett serviert. Sie muss nur zugreifen. Und das kann sie auch, das hat sie gezeigt. Die Frage ist, ob sie das in diesem Fall auch will.

Learning Nummer zwei: Die Bevölkerung ist in der Lage, Einschränkungen hinzunehmen

Obwohl die Bedrohung, die von der Klimakrise ausgeht, schon lange bekannt ist, scheint das bei der Bevölkerung nicht so ganz anzukommen. Warum, dazu später mehr. Bemerkenswert ist aber, dass sich in der Corona-Krise gezeigt hat, dass es doch so etwas wie einen Überlebenswillen in der Bevölkerung gibt. Stichwort Hamsterkäufe, Desinfektionsdiebstahl, Maskenhortung. Und auch die Tatsache, dass viele trotz der neuen Lockerungen weiter Geschäfte & Co. meiden zeigt, dass die Menschen sich nicht infizieren wollen und bereit dafür sind, sich einzuschränken. Natürlich ziehen nicht alle mit (wo war das aber jemals der Fall?), die Abgeordneten der AfD gehen beispielsweise wieder einen anderen Weg und haben in Sachsen unter anderem dafür gesorgt, dass trotz Infektionsgefahr der Landtag zusammen kommt.

Aber dass die Menschen bereit sind, sich einzuschränken, um einer Bedrohung zu entgehen, ist erst einmal positiv zu bewerten. Denn der Klimawandel ist eine Bedrohung, dessen Eindämmung es erfordert, dass wir uns einschränken. Dass die Bedrohung akut ist, das muss der Bevölkerung nur anständig erklärt werden (siehe Learning Nummer drei).

Learning Nummer drei: Die Bevölkerung reagiert erst, wenn sie sich akut bedroht fühlt

Mehrere Ansprachen der Kanzlerin aus der Reihe und ein Appell des Bundespräsidenten: Spätestens jetzt haben auch die vorletzten Vollpfosten gemerkt, dass es ernst ist. Verdammt ernst. Spätestens dann verstummten auch die letzten wirklich lauten Stimmen, die behaupteten, die Reaktionen seien übertrieben und die Krise gar nicht so schlimm.

Dies ist eine historische Aufgabe – und sie ist nur gemeinsam zu bewältigen.

– Angela Merkel, Fernsehansprache vom 18. März 2020

Zur Klimakrise hingegen gab es nie eine Fernsehansprache. Die Wichtigkeit wird zwar immer wieder pro forma betont, aber es folgten nie Taten, die die Dringlichkeit des Handelns unterstrichen hätten. Im Gegenteil: Als das Klimapaket verabschiedet wurde, wurde explizit darauf geachtet, dass es keinerlei (finanzielle) Einschränkungen für die Bürger*innen gibt. Dabei wird es ohne Einschränkungen nicht gehen.

Das, was die Bundesregierung bisher an Maßnahmen zum Klimaschutz verabschiedet hat, reicht nicht aus, um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen. Quelle: Volker Quasching

Und zwar aus zweierlei Gründen: Einmal, weil wir nicht einfach so weiter machen können, wie bisher. Laut UN könnte sich die Erde dann bis 2100 (was ein absehbarer Zeitraum ist) um 3,9 Grad Celsius erwärmen. Dabei sollte man im Kopf haben: Das ist mehr als das Doppelte vom gesetzten 1,5 Grad-Ziel, ab 5-6 Grad mehr im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter wird menschliches Leben auf der Erde unmöglich. Und die Temperatursteigerung verläuft exponentiell. Zweitens braucht es drastische Maßnahmen, um das Vertrauen der Menschen auf die Beständigkeit des Klimas zu brechen und so darauf vorzubereiten, dass sie sich einschränken müssen, wenn der Planet für den Menschen bewohnbar bleiben soll. Dieses Phänomen des Klimavertrauens hat schon der Klimawissenschaftler Eduard Brückner vor rund 100 Jahren beschrieben. Er beschreibt, dass die Menschen von einer Grundstabilität des Klimas ausgehen. Klima scheint auch heute noch für die Menschen etwas Berechenbares zu sein, etwas, dem man Herr wird, auf das man sich vorbereiten kann. Mit diesem Irrglauben im Gepäck steuern wir aber genau in das, was Klimaforscher auf der ganzen Welt prognostizieren: Eine unumkehrbare Krise. Menschen werden auf der Flucht sein, ganze Städte verschwinden. Die Polarkappen schmelzen.Das Leben wird sich verändern. Und zwar nicht nur für zwei Jahre, bis ein Impfstoff gefunden wird. Sondern für immer. Es gibt dann kein zurück mehr.

Diese Botschaft muss die Politik ganz klar kommunizieren, um die breite Masse davon zu überzeugen, dass wirksame Maßnahmen wichtig und richtig sind. Nur, wenn die Menschen begreifen, welche Konsequenzen die Klimakrise für sie ganz konkret hat, werden sie die Maßnahmen akzeptieren. Und die Folgen können einschneidend sein: Ernteverluste führen zu echten Versorgungsengpässen, bei denen auch keine Hamsterkäufe helfen. Denn wo nichts ist, kann man nichts hamstern. Überhitzte Innenstädte führen bei Menschen mit Vorerkrankungen zu einem Kreislaufkollaps, im schlimmsten Fall sogar zum Tod. Hier gibt es keinen Impfstoff, keine Periode, nach der man wieder sorglos das Haus verlassen kann. Keine Perspektive. Und nicht zuletzt bedeutet ein Anstieg des Meeresspiegels für viele Menschen den Verlust ihrer Heimat. Auch in Deutschland. Bis 2100 könnte der Meeresspiegel um einen Meter steigen, was große Teile der Niederlande verschlingen würde. Steigt der Meeresspiegel um sechs Meter, ist die Küste Deutschlands bis Bremen weg.

Noch haben wir es in der Hand. Lasst uns also die Regierung auffordern, die Coronakrise zur #Klimachance zu machen. Eine entsprechende Petition zum Unterzeichnen findet ihr hier.


Keine Kinder wegen des Klimas? Unsere Autorin erklärt, warum sie sich trotz allem für Kinder entschieden hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s