Wie ein Berliner Start Up Lebensmittel im Pfandglas für alle anbieten will

Unverpackte Lebensmittel in Pfandgläsern anbieten, die man überall zurückgeben kann: Unkomplizierter geht es kaum. Foto: Unverpackt für alle.

Leonhard ist ein Macher. Als ihm vor einem Jahr die Idee kam, Lebensmittel im Pfandglas anzubieten, da zögerte er nicht, seine Idee in die Tat umzusetzen. Heute, ein paar Monate später, hat er bereits ein neunköpfiges Team hinter sich versammelt und seinen Online-Shop „Unverpackt für alle“ eröffnet.

Gemeinsam haben wir alle, dass wir uns eine nachhaltigere Zukunft für die Erde und die Menschen vorstellen können und wünschen. Und dass wir daran glauben, diese auch Stück für Stück gemeinsam erschaffen zu können.

Vanessa aus dem ‚Unverpackt für alle‘-Team

Wie bei den meisten Start Ups wird die Idee hinter „Unverpackt für alle“, wie Leonhard seine Brand getauft hat, durch ein Crowdfunding Realität. Kaum einen Monat nach der Ideenfindung beginnen er und sein Team schon, das Crowdfunding vorzubereiten. Das Konzept begeistert – und so haben sie im Dezember schon das Geld für die Umsetzung eingesammelt. Sein Team, das sind Menschen aus unterschiedlichsten Branchen, die die Idee unterstützen und ihre Erfahrung aus früheren Berufen einbringen oder ganz quer einsteigen. Was sie eint, ist die Vision, dass sie gemeinsam etwas verändern können. Und zwar, indem sie plastik- und müllfreies Einkaufen für jeden möglich machen. Dafür nutzen sie ein bereits bestehendes, aber unterschätztes System: Pfandgläser. Wie genau ihr Konzept funktioniert, das hat Vanessa aus dem „Unverpackt für alle“-Team uns im Interview erklärt.

EKOLOGISKA: Vanessa, als mein Mann und ich von dem Konzept gehört haben, da war seine Reaktion sowas wie ‚das ist genau das, worauf ich gewartet habe‘. Für ihn muss es nämlich möglichst unkompliziert sein, und das ist euer Konzept auf alle Fälle. Was unterscheidet euch denn ganz konkret von anderen unverpackten Online-Anbietern?

VANESSA: Unser Onlinehandel unterscheidet sich von anderen vor allem in zwei Dingen: Erstens benutzen wir als „Packung“ ausschließlich das Mehrwegglas, wir nennen es liebevoll das Unverpacktglas: Egal wer von wo aus bei uns bestellt, die leeren Gläser können von allen beim nächsten Supermarkt um die Ecke gegen Pfand wieder abgeben werden, ohne dass jeglicher Plastikabfall entstanden ist. Egal ob auf dem Land oder in der Stadt, das Prinzip funktioniert in ganz Deutschland. Der zweite Punkt ist unser Versand: Unser Karton ist aus Gras. Das Gras kommt von deutschen Anbauflächen und ist in der Herstellung extrem ressourcenarm. Wir fällen also keine Bäume für unseren Versand. Und selbst unsere Klebesteifen sind auf Basis von Kartoffelstärke. Unser Gras-Versand ist super nachhaltig obwohl er Einweg ist. Wir prüfen aber gerade ob und wie ein Mehrwegversand eventuell noch nachhaltiger sein kann.

EKOLOGISKA: Warum habt ihr euch dafür entschieden, die typischen Joghurt-Pfandgläser zum Abpacken eurer Produkte zu nutzen?

VANESSA: Das Pfandglas aka Unverpacktglas ist nicht aus Plastik! Das ist schonmal der erste Vorteil, denn Plastik und seine Herstellung durch Erdöl gehören nunmal leider zu den schlimmsten Umweltkillern überhaupt. Das Glas wird immer wieder verwendet und wenn es einmal nicht mehr nutzbar wird, dann wird es zu Sand oder tatsächlich recycelt und somit wieder verwendet. Glas gibt keine schädlichen Stoffe an die Lebensmittel ab und verseucht unsere Umwelt nicht. Hinzu kommt, dass wir PVC- und Weichmacher-freie Deckel aus Weißblech für unsere Unverpacktgläser benutzen. Weißblech ist magnetisch und hat deshalb mit 95% die höchste Recyclingquote. Zudem wird es nicht eingeschmolzen, sondern zu Granulat geschreddert und neu gepresst. Das spart viel Energie. Das Pfandsystem in Deutschland ist ein einzigartiges, einfaches und nachhaltiges Konzept um unsere Umwelt zu entlasten. Es wird bisher aber viel zu wenig genutzt: Das möchten wir ändern.

EKOLOGISKA: Bei vielen Produkten ist das sicher praktikabel, bei anderen, zum Beispiel Nudeln, kommt man damit ja eher nicht so weit. Tüftelt ihr dahingehend auch schon an Lösungen?

VANESSA: Unser Sortiment wird definitiv noch erweitert! Wir halten laufend Ausschau nach neuen, tollen und nachhaltigen Lebensmitteln für unsere Gläser. Außerdem wollen wir Reinigungs- und Hygieneprodukte ins Unverpacktglas und in Pfandflaschen bringen. Was gößere Mehrweggläser angeht, da arbeiten wir dran. Damit das passieren kann und gut funktioniert, müssen viele verschiedene Instanzen mitmachen.

EKOLOGISKA: Da ihr ein Versandhandel seid, müssen alle Produkte verpackt und verschickt werden. Ein ganz schöner Aufwand , der den ökologischen Fußabdruck der unverpackten Bio-Produkte verschlechtert. Für wen sind eure Produkte/euer Service gedacht beziehungsweise die ökologische Alternative?

VANESSA: Wie gesagt, unser Versand ist einer der nachhaltigsten in ganz Deutschland! Zum Vergleich: Eine Tonne Graskartonage zu produzieren braucht etwa zwei Liter Wasser, bei Karton aus Holz sind das 6000 Liter. So ähnlich verhält es sich mit dem Energieaufwand und CO2 Ausstoß: Graskarton benötigt 75% weniger CO2 und 97% weniger Energie pro Tonne. Außerdem wird keine Chemie benötigt bei der Herstellung. Und auch zu einem Supermarkt muss die Ware vorher transportiert werden! Wenn man den ökologischen Fußabdruck von Plastikpackungen, Mikroplastik und Erdöl Fracking mitrechnet, dann ist es absolut keine Frage mehr ob sich der Versand von ökologischen Mehrwegprodukten „umwelttechnisch“ lohnt. Ja, tut er! 

Nichtsdestotrotz: Unser Fokus liegt nicht auf dem online Handel. Der ist vor allem für Menschen, die keinen Laden in der Nähe haben, in dem es ein unverpacktes Angebot gibt oder die aus anderen Gründen lieber online einkaufen möchten oder sogar müssen! Unsere Unverpacktgläser finden gerade ihren Weg in zahlreiche Einzelhandel Filialen, vom kleinem Bio Laden bis zur Food-COOP. Wir wollen „für alle“ sein, deshalb gibt es uns sowohl online als auch im Laden! Unsere Vision ist, dass plastikfreies Einkaufen in ganz Deutschland zur Normalität wird und nicht Ausnahme für eine Minderheit bleibt.

Wir finden: Schön, wenn unverpacktes Einkaufen für immer mehr Menschen immer leichter möglich wird! Wenn die Produkte im normalen Supermarkt zu finden sind, werden außerdem Hemmschwellen abgebaut.


Zum Shop des Berliner Teams kommt ihr hier. Mehr inspirierende Beiträge zum Thema nachhaltig leben haben wir hier für euch.

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