So sorgst du nachhaltig vor: Hausratsversicherungen, Berufsunfähigkeit und Co.

Eine nachhaltige Versicherung finden? So schwer ist das gar nicht! Wir zeigen, wie es geht. Foto von picjumbo.com von Pexels

Was macht meine Versicherung eigentlich mit meinem Geld? Das ist eine Frage, die sich wahrscheinlich die wenigsten Bundesbürger*innen ernsthaft gestellt haben. Zumindest lässt sich anders nur schwer erklären, warum die Allianz immer noch mit Abstand die meisten Beitragszahlungen verzeichnet: Im Jahr 2018 waren es immerhin 130 Milliarden Euro. Der zweitgrößte deutsche Versicherer, die Münchner-Rück-Gruppe, verzeichnete im gleichen Zeitraum Einnahmen von rund 49 Milliarden Euro. Das ist zwar immer noch eine Menge Geld, aber deutlich weniger als die Nummer Eins. Bleiben wir also bei der Allianz. Was macht die Versicherung mit den Geldern, die die Versicherungsnehmer ihr anvertrauen?

Im Jahr 2019 investierte die Allianz mehr als 900 Millionen Dollar in die Atomwaffenindustrie. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht „Don’t Bank on the bomb“ der ICAN (International Campaign to Abolish Nuclear weapons). Das ist ein Bündnis von NGOs, das sich für die weltweite Abschaffung von Atomwaffen einsetzt. Auch im Versicherungsranking von Facing Finance kommt die Allianz nicht gut weg. Zwar hat sich der Konzern offiziell auf die Fahne geschrieben, beispielsweise den UN Global Compact einzuhalten, die Realität sieht aber weniger rosig aus. Facing Finance schätzt die Bestrebungen der Allianz zum Klimaschutz als sehr schwach ein. Ein Grund für diese Einschätzung ist die Tatsache, dass der Konzern weiterhin uneingeschränkt Investitionen in fossile Energieträger wie Öl und Gas erlaubt. Auch alle anderen Versicherungen, die sich Facing Finance genauer angesehen hat, darunter beispielsweise R+V, Debeka oder Axa, schneiden eher bescheiden ab.

Versicherungen vergleichen – so arbeitet man die Unterschiede raus

Aber wie entsteht eigentlich so ein Versicherungs-Ranking? Das haben wir Julia Dubslaff gefragt. Sie arbeitet für Facing Finance und kümmert sich unter anderen um den Bereich der Versicherungen. Sie erklärt, welche Kriterien angelegt werden und warum bei Versicherungen niedrigere Standards als bei Banken angesetzt werden.

EKOLOGISKA: Normalerweise ist Facing Finance vor allem für das Ranking von Banken bekannt, der Fair Finance Guide viel zitiert. Inwieweit unterscheidet sich die Nachhaltigkeitsbewertung einer Versicherung im Vergleich zu einer Bank?

JULIA DUBSLAFF: Im Rahmen des Fair Finance Guides haben andere Länder wie z.B. die Niederlande und Japan schon länger auch Versicherungen analysiert und damit einen Fair Insurance Guide zur Verfügung gestellt. Weitere Länder arbeiten derzeit an einem Fair Pension Guide, und im Prinzip ist auch ein Fair Asset Manager Guide denkbar. Allen Analysen liegt die selbe Methodik zugrunde – ein Set aus 23 Themen und Sektoren, die wiederum aus ca. 20 Einzelelementen bestehen. Alle Guides prüfen, ob ein Finanzinstitut Richtlinien formuliert hat, die diese Elemente abdecken. 

Insofern ist die Basis für alle „Guides“ dieselbe. Allerdings ist es möglich, nicht alle 23 Themen und Sektoren zu überprüfen, was wir für die Versicherungen genutzt haben. Denn im Vergleich zu Banken und auch zu Versicherungen in anderen Ländern stehen die hiesigen Versicherungen noch ziemlich am Anfang bei der Implementierung von ESG-Kriterien (Anm. d. Red.: „ESG“ steht für Environment, Social and Governance). Deshalb haben wir auf viele Themen und Sektoren verzichtet, in denen die Versicherungen gar keine Punkte erreicht hätten, um Raum für den Dialog mit ihnen zu lassen. 

Und schließlich wird vorausgesetzt, dass Versicherungen keine Kredite und keine Projektfinanzierungen vergeben (wobei dies durchaus auch vorkommt!). Wir prüfen daher lediglich, ob die Richtlinien für die Anlage der eigenen Gelder und der der Kunden Geltung haben. 

Übrigens ging es uns in der Analyse nur um die Investmentrichtlinien. Wir haben nicht geprüft, ob z.B. Versicherungsleistungen für bestimmte Unternehmenskunden (z.B. Erweiterung von Kohleminen) ausgeschlossen werden.

EKOLOGISKA: Was macht eine Versicherung denn nicht-nachhaltig?

JULIA DUBSLAFF: Vor allem geht es uns um die Anlage der Gelder der Kund*innen. Zwar ist auch wichtig, wie energieeffizient z.B. die Gebäude der Versicherung selbst sind oder dass die Mitarbeiter*innen gleich entlohnt werden, aber wesentlich relevanter ist die Auswahl der Unternehmen, in die die Versicherung investiert. Die Allianz Lebensversicherungs-AG verwaltete zum Ende 2018 Kapitalanlagen in Höhe von 217 Milliarden Euro. Diese enorme Summe sollte nicht in kritische Unternehmen oder Geschäftsmodelle fließen und von deren Aktivitäten profitieren. Dazu kommt, dass Versicherungen als institutionelle Investoren auch die Möglichkeit haben, auf Hauptversammlungen von Unternehmen für oder gegen progressive Entwicklungen zu stimmen, und auch im Dialog mit den Unternehmen ESG-Ziele zu erreichen. Sog. „Engagement“ wird immer öfter als Strategie genannt (z.B. im Rahmen der „Climate Action 100+“ Investoren-Gruppe oder der “ Net-Zero Asset Owner Alliance“ in Bezug auf CO2-Emissionen), allerdings gibt es kaum Berichterstattung zu den Prozessen und Zielen solcher Dialoge. Eine solche Transparenz ist m.E. aber unabdinglich. 

Dies gilt im übrigen für alle Versicherungen, und auch Pensionskassen und -fonds. Wir haben zwar 5 der größten Lebensversicherungen analysiert, aber auch andere Versicherungen legen natürlich die Beiträge der Kund*innen an. So gibt es z.B. auch einige Krankenkassen, die ESG-Richtlinien für die Kapitalanlage aufgestellt haben.

EKOLOGISKA: Im Ranking sind ja bisher nur Versicherungen, die schlecht abschneiden. Heißt das, dass es keine nachhaltigen Versicherungen gibt?

JULIA DUBSLAFF: Hierzu kann ich gar nichts sagen, denn außer „unseren“ Versicherungen habe ich mir noch gar keine andere im Detail angeschaut. Aber die Concordia Oeco wäre zu nennen, die zumindest für die Altersvorsorge einige Kriterien für die Kapitalanlage formuliert hat. Wichtig ist wie gesagt nicht, wie viel CO2 eine Versicherung durch weniger Reisen einspart, sondern ob sie weiterhin in Kohleunternehmen investiert.

EKOLOGISKA: Wenn meine Versicherung nicht im Ranking ist, wie finde ich heraus, wie nachhaltig sie ist?

JULIA DUBSLAFF: Ähnlich wie die Banken auch kann man die Versicherungen gezielt nach ihren Kapitalanlagerichtlinien für die Anlage der eigenen Beiträge fragen und am besten gleich dazu sagen, dass es um ESG-Aspekte geht. Die Versicherungen, die sich hier aufstellen wollen, haben entsprechende Informationen auch prominent auf ihren Webseiten, meist unter Menüpunkten wie „Nachhaltigkeit“ oder „Verantwortung“. Es gilt: je konkreter Formulierungen sind, desto besser. Allgemeine Aussagen wie „Wir engagieren uns für den Klimaschutz“ müssen konkretisiert werden. Und, ich wiederhole mich, es geht nicht um Bienenstöcke auf dem Dach, sondern um Investitionsentscheidungen.

Die Investitionen machen den größten Unterschied

Eine nachhaltige Versicherung unterscheidet sich von einer konventionellen Versicherung also vor allem insofern, als dass sie die Gelder, die ihre Kunden ihr anvertrauen, nachhaltig investiert. Es werden bestimmte Investitionen (wie zum Beispiel Atomwaffen, fossile Energieträger) ausgeschlossen und dafür bevorzugt in ökologische Branchen investiert, wie beispielsweise erneuerbare Energien oder ökologische Landwirtschaft. Es gibt aber auch noch weitere Punkte, in denen sich nachhaltige Versicherungen von den Konventionellen unterscheiden könne, wie beispielsweise das Leistungsspektrum oder die Führung der Mitarbeiter. Ersteres kommt vor allem bei Krankenkassen zum Tragen und meint unter anderem die Förderung einer pflanzlichen Ernährung.

Aber wie erkenne ich eine nachhaltige Versicherung? Das ist gar nicht so schwer. Inzwischen gibt es einige Anbieter und Versicherungen, die gute Angebote bereit halten. Wir haben die Besten für dich gebündelt.

Krankenkassen: BKK ProVita, Securvita BKK und BKK24

In Deutschland muss jede*r eine Krankenversicherung abschließen. Aus diesem Grund betrifft die Wahl der Krankenkasse jede*n. Über die BKK ProVita als nachhaltige gesetzliche Krankenversicherung haben wir bereits einen ausführlichen Artikel geschrieben, in dem ihr auf Infos zu Kosten & Co. findet. Sie fördert besonders eine pflanzliche Ernährung, indem sie beispielsweise Supplemente bezuschusst.

„Wir sind als erste Krankenkasse gemeinwohl-zertifiziert, das sagt schon viel aus. Gemeinwohl-zertifiziert bedeutet, dass wir uns prüfen lassen. Man kann sich das vorstellen wie eine Wirtschaftsprüfung, nur im Bereich Nachhaltigkeit, Fairness und Gemeinwohl.“

Karsten Ulbrich, BKK ProVita

Bei der Securvita BKK kann man sich sowohl gesetzlich, als auch privat krankenversichern. Darüber hinaus bietet die Versicherung auch weitere Leistungen, wie einen eigenen UmweltFond und den Natur-Aktien-Index an, in den man investieren kann. Sie wurde unter anderem für ihre Leistungen im Bereich der Alternativmedizin ausgezeichnet, so bezuschusst sie beispielsweise Homöopathie, Yoga und anthroposophische Medizin. Auch der Hauptsitz der Versicherung ist etwas Besonders: Das Gebäude entspricht dem Gold Standard der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DNGB). Die BKK24 ist die erste, nach DIN ISO 14001 zertifizierte Krankenkasse. Das schließt unter anderem ein, dass die Krankenkasse stetig daran arbeitet, sich zu verbessern. Sie bietet gesetzliche Krankenversicherungen an und lagert ihr Kapital bei Banken ein, die ausschließlich nachhaltige Investments tätigen. Außerdem beteiligt sie sich an Aufforstungsprojekten.

Wie sieht es mit anderen Versicherungen aus?

Im Durchschnitt hat ein Deutscher aber nicht nur eine Krankenversicherung, sondern fünf Policen. Auch für alles abseits der Krankenversicherung gibt es mit der Barmenia, der Concordia, der Waldenberger und schließlich der Pangaea Life einige Alternativen, die gemeinsam das gesamte Versicherungsspektrum abbilden. Welche Versicherungen die einzelnen Gesellschaften anbieten, variiert sehr stark. Was sie gemein haben ist aber, dass sie das Geld, was wir monatlich bezahlen, ausschließlich in nachhaltige Projekte investieren oder anlegen. Hinzu kommen spezielle Sonderleistungen, wie beispielsweise eine Photovoltaikversicherung bei der Waldenburger Versicherung oder aber eine KfZ Versicherung speziell für Hybrid- und Elektroautos. Wir haben einen Überblick über die gängigsten Versicherungen zusammen gestellt und geschaut, welche davon bei der jeweiligen Versicherungsgesellschaft zu haben sind.

Welche Versicherungen für Privatpersonen angeboten werden, das variiert. Wir haben einen Überblick für euch zusammen gestellt. Grafik: EKOLOGISKA.

Welche Versicherung sich im Detail für eure Lebenssituation am besten eignet, das hängt von vielen Faktoren ab. Es gibt inzwischen aber einige Beratungen, die sich auf nachhaltige Versicherungen spezialisiert haben. Zwei Anbieter wollen wir euch exemplarisch im Detail vorstellen: Grün versichert und Greensurance.

Grün versichert

Grün versichert vermittelt als Versicherungsmakler – richtig – Versicherungen. Ihr Ziel ist es, den Kapitalstrom aus nicht-nachhaltigen Industriezweigen in Zukunftsfähige umzuleiten. Aus diesem Grund konzipieren sie in Zusammenarbeit mit Versicherungsunternehmen nachhaltige Produkte, die man direkt über Grün versichert oder aber über Versicherungsmakler abschließen kann. Für ihre Arbeit wurden sie unter anderem vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung als ‚Best of the World‘ ausgezeichnet.

Konsequenterweise sind die Geschäftskonten der Grün versichert GmbH bei der Ethik Bank angelegt, sodass mit dem Geld der Kund*innen nur sozial-ökologischen Grundsätzen gearbeitet wird. Außerdem verwenden sie Recyclingpapier, beziehen Ökostrom und kompensieren ihre CO2-Emissionen. Das Portfolio umfasst bisher eine Privat-Haftpflicht, Eine Hausratsversicherung, eine Unfallversicherung, eine Hunde- und Pferdehalterhaftpflicht, eine Auslandskrankenversicherung sowie eine Krankenzusatzversicherung.

Greensurance

Bei Greensurance findet man nicht nur die klassischen Versicherungsprodukte wie eine Hausrats- oder Haftpflichtversicherung, sondern auch sehr spezielle Versicherungen für die ‚ökologische Branche‘, als beispielsweise Herstellende von Photovoltaikanlagen. Daneben bietet Greensurance auch eine grüne Rentenversicherung an sowie verschiedene andere Produkte zur Altersvorsorge.

Das besondere bei Greensurance ist zum einen, dass man mit seinen Beiträgen auch die Greensurance Stiftung finanziert, die wiederum nachhaltige Projekte fördert. Außerdem kann man bei Greensurance sogenannte Ökopunkte sammeln, durch die sich der Versicherungsbeitrag reduziert. Beispielsweise, indem man ein Foto seiner BahnCard einreicht.

Natürlich ist es auch abseits von Versicherungsmaklern, die sich explizit auf die Fahne geschrieben haben, nachhaltige Versicherungen zu verkaufen, möglich, eine solche Versicherung zu finden. Ob eine Versicherung nachhaltig ist, das könnt ihr beispielsweise anhand dieser Kriterien prüfen:

  • Ist ersichtlich, wo die Versicherungsgesellschaft ihr Geld anlegt? Zum Beispiel durch einen entsprechenden Nachhaltigkeitsbericht?
  • Wie sehen die Kriterien aus, nach denen investiert wird?
  • Wird die Einhaltung der Kriterien extern geprüft?
  • Wird ein nachhaltiger Lebensstil durch die Versicherungskonditionen gefördert, beispielsweise wenn man nach einem Diebstahl Geräte mit hoher Energieeffizienz kauft?

Es gibt also eine Menge Alternativen zu konventionellen Versicherungen, bei denen das eigene Geld nach ökologischen Gesichtspunkten investiert wird. Inzwischen gibt es auch einige Anbieter, die einen dabei unterstützen, das in jeglicher Hinsicht richtige Produkt zu finden. Jetzt liegt es nur noch am Einzelnen*der Einzelnen, das richtige Produkt zu wählen und sich nachhaltig abzusichern – in doppelter Hinsicht!


Über das Thema ’nachhaltig Geld anlegen‘ hat Autorin Marisa bereits in ihrem Podcast Fairquatscht mit Finanzoptimist Philipp Achenbach gesprochen. Die Episode findet ihr bei Apple Podcasts, Spotify, Deezer & überall da, wo es Podcasts gibt.

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