Fünf Brauereien, die leckere, nachhaltige Biere brauen

Welche Brauereien brauen nachhaltiges, leckeres Bier? Biersommelier Ludwig Reinhold stellt euch seine fünf Favoriten vor. Foto von Anna Kapustina von Pexels

Geschrieben von Biersommelier Ludwig Reinhold, Gründer von Bierkurse Leipzig

Bier ist grundsätzlich ein ziemlich nachhaltiges und natürliches Getränk: Für die Produktion werden nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser benötigt, sofern man sich an das Deutsche Reinheitsgebot halten will. Alles Zutaten, die regional in Deutschland verfügbar sind. Allerdings werden heute zahlreiche Hilfs- und Zusatzstoffe im Brauvorgang eingesetzt, darunter auch PVPP, ein Kunststoff, der für Mikroplastik-Rückstände im Bier sorgen kann. Damit aber nicht genug: Auch für den Anbau der Rohstoffe, die für den Brauvorgang nötig sind, werden teils Pestizide eingesetzt – klassische, konventionelle Landwirtschaft eben. Als Verbraucher*in hat man heute aber im Supermarkt die Qual der Wahl, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen. Biersommelier Ludwig Reinhold hat für EKOLOGISKA fünf Brauereien und Biere rausgesucht, die nachhaltig produziert wurden und geschmacklich auf ganzer Linie überzeugen.

Das Alkoholfreie der Neumarkter Lammsbräu

Die Neumarkter Lammsbräu gehört wohl zu den bekanntesten Bio-Brauereien Deutschlands. Das mag zum einen daran liegen, dass sie auf eine knapp 200-jährige Firmengeschichte zurückblicken kann. Ein weiterer Grund ist sicherlich, dass die Neumarkter Lammsbräu es schon immer sehr ernst nimmt mit der Nachhaltigkeit: Schon seit 1977 gehört Umweltschutz fest zu den Unternehmenszielen, damals gab es “bio” in dem Sinne aber noch nicht. Aus diesem Grund wurde 1984 die Erzeugergemeinschaft “Gold der Oberpfalz”, um an Bio-Rohstoffe zu kommen. 1987 wurden schließlich die ersten Bio-Biere in den Markt eingeführt. 

Die Biere der Neumarkter Lammsbräu sind aber nicht nur mit dem EU-Bio-Siegel zertifiziert, sondern tragen auch das Naturland-, Bioland- und Biokreis-Siegel. Darüber hinaus engagiert sich das Unternehmen, um andere nachhaltige Ideen zu fördern: Jedes Jahr stiftet die Neumarkter Lammsbräu ihren eigenen Nachhaltigkeitspreis, und das seit 2002. Auf die Idee kam Inhaber Dr. Franz Ehrnsperger, nachdem er selbst 2001 den Deutschen Umweltpreis gewann. Er investierte das Geld in eine neue Flaschenwaschanlage, die weniger Energie und Wasser verbraucht. Das so gesparte Geld erhalten die Gewinner des vom Unternehmen ausgelobten Nachhaltigkeitspreises – und das sind immerhin 10.000 Euro. 

Das schmeckt: Durch den Einsatz von ganzen Hopfendolden, brilliert dieses Bier mit einer frischen Hopfennote, die man sonst eher selten findet.

Weitere Marken der Neumarkter Lammsbräu sind übrigens die Limonade “now” und das BioKristall-Wasser. 

Knärzje: Das erste Zero Waste-Bier Deutschlands

Das erste Zero Waste-Bier Deutschlands: Das ist Knärzje. Die jüngste Brauerei in dieser Liste wurde 2018 gegründet und hat seitdem einen richtigen Hype erlebt. Gründer Daniel Anthes wurde für seine Arbeit beispielsweise mit dem “Zu gut für die Tonne”-Bundespreis 2019 ausgezeichnet. Seine Idee: Deutschland ist das Land des Bier und des Brotes – Warum also nicht beides zusammenbringen? Deshalb wird Knärzje – wie der Name es schon erahnen lässt – aus altem Brot gebraut. Das bezieht der in Frankfurt stationierte Anthes von einer lokalen Großbäckerei. Ersetzt wird dadurch ein Teil des Malzes. So wird nicht nur das übriggebliebene Brot als Lebensmittel wertgeschätzt, sondern auch Malz als Rohstoff eingespart. Bisher gibt es zwei Sorten Brotbier: Ein Pils und ein Helles.

Das schmeckt: Der Einsatz der Brotreste ist im Gesamtverhältnis eher gering, dennoch kann man nicht nur den grünen Gedanken sondern auch einen tollen Malz bzw. Brotgeschmack im Bier wiederfinden.

Bei Fairquatscht erzählt Anthes mehr über sein Zero Waste Bier.

Dolden Null der Riedenburger Brauerei

Bio hat bei der Riedenburger Brauerei Tradition und war 1989, als sich abzeichnete, dass die industriellen Großbrauereien bald das Ruder übernehmen würden, mitverantwortlich dafür, dass die kleine Brauerei der Kriegers überlebte. Mit der Umstellung auf ökologische Brauverfahren sicherte die Familie Krieger damals die traditionsreiche Brauerei, die seit ihrer Gründung im 18. Jahrhundert in Familienbesitz war. Heute braut die Brauerei sogar Craft Beer: Neben All-Time-Favorites wie Pils und Weizen führen die Kriegers auch ein India Pale Ale, ein hopfiges Helles als Dolden Helle, aber auch traditionsreiche Biere aus Urgetreidesorten. 

Das schmeckt: Dieses Bier vereint zwei Megatrends der Bierbranche – alkoholfreies Bier gepaart mit charakterstarken Aromahopfen.

Das Helle der Felsenbräu Umweltbrauerei

Die Umweltbrauerei Felsenbräu präsentiert sich modern und innovativ – und das, obwohl sie eine ziemlich traditionsreiche Brauerei ist. 1928 gegründet stoppte zunächst der zweite Weltkrieg das Unternehmen, weshalb 1948 ein zweiter Anlauf erfolgte. Das wichtigste Standbein der Brauerei damals, welches heute auch noch Relevanz hat: Alkoholfreie Getränke. In den 80er Jahren werden schließlich die eigenen Weizenbiere ins Sortiment aufgenommen, bereits 1993 tritt die Brauerei dem Umweltpakt Bayern bei. Es wird eine Biogasanlage eingebaut und die Rohstoffe kommen laut Angaben des Unternehmens aus “integriertem und kontrollierten” Anbau. Seit 2007 wird der gesamte Betrieb zu 98 Prozent von regenerativen Energien versorgt und erhält dafür den Titel “Erste Solarbierbrauerei Deutschlands”. Die Biere tragen übrigens ein entsprechendes “Solarbier”-Siegel, eine kleine Sonne. Solar steht hier stellvertretend für alle Formen regenerativer Energie. 

Das Sortiment umfasst neben Limonaden und Wasser natürlich Bier. Neben vielen klassischen Bierstilen wie einem Hellen, Pils, Märzen, Hefeweizen und Schwarzbier führt Felsenbräu eine Weizenbier-Auswahl und einige saisonale Biere, wie beispielsweise Kirchweih-Bier. 

Das schmeckt: Dieses Bier glänzt durch seine hohe „Drinkability“ und einer tollen Balance von Hopfen und Malz.

Nerchauers Dunkles

Die Firmengeschichte der Nerchauer Brauerei wirkt im Vergleich zu Felsenbräu ziemlich kurz: 2011 gegründet ist Nerchauer seit 2012 die erste reine Bio-Brauerei Sachsens. Hier wird noch von Hand gebraut und die Zutaten stammen, soweit möglich, aus der Region. Wenn das nicht möglich ist, dann wird der Radius auf Deutschland ausgeweitet – weiter sind die Zutaten aber nicht gereist, bis sie in Nerchau weiterverarbeitet werden. 

Ein großer Pluspunkt: Die Nerchauer Brauerei verzichtet nach eigenen Angaben auf alle möglichen Hilfs- und Zusatzstoffe, die laut Reinheitsgebot beim Brauen eingesetzt werden dürfen, wie beispielsweise PVPP, einem Kunststoff, der das Bier konserviert. Dieser muss zwar wieder herausgefiltert werden, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass Rückstände im Bier verbleiben. 

Was ziemlich besonders ist, ist, dass man das Nerchauer Bier auch regulär in einer 1-Liter-Flasche zum Teilen kaufen kann. So spart man sich Verpackungsmaterial. Im Sortiment der Brauerei sind neben Klassikern wie Pils und Schankbier auch ein rauchzartes Lagerbier oder Pumpernickel.

Das schmeckt: Hier steht das Röstmalz im Vordergrund und bringt eine tolle kaffeeartige Note in das Bier, welches den leicht süßlichen Abgang super ergänzt.


Ludwig Reinhold ist ausgebildeter Biersommelier und als solcher in Sachsen unterwegs. Vor rund einem Jahr hat er sich mit Bierkurse Leipzig selbstständig gemacht. Er veranstaltet Biertastings, Braukurse, Stadttouren rund um die Biergeschichte und bereichert Feiern mit seiner mobilen Craft Beer Bar. Mehr Informationen findet ihr hier.

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