Einwegplastik-Verbot – Und jetzt?

Ab Mitte des nächsten Jahres sind Produkte aus Einweg-Plastik, für die es Alternativen gibt, verboten. Foto by alleksana from Pexels

Ende 2018 hat die EU entschieden, dass ab dem Sommer 2021 Einwegprodukte aus Kunststoff, für die es eine nachhaltigere Alternative gibt, verboten werden sollen. Davon ausgenommen sind die Lagerbestände von Unternehmen. Diese dürfen weiter verkauft werden, bis sie aufgebraucht sind. Das allgemeine Verbot wurde jetzt in Deutschland in nationales Recht umgesetzt. Der Stichtag ist der 3. Juli 2021.

Warum das der richtige Schritt ist

Etwa 320.000 Einweg-Becher. Das ist die Zahl die nach Angaben des Bundesumweltministeriums stündlich in Deutschland verbraucht wird. Im Jahr 2017 wurden 346.000 Tonnen Eingweggeschirr und To-go-Verpackungen weggeworfen, etwa 30 % davon bestanden aus Kunststoffen. Das geht aus einer Erhebung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung für den Naturschutzbund (NABU) hervor. Leider wird dieser Müll oft nicht ordnungsgemäß entsorgt oder recycelt. Denn über 80% der Abfälle in den Meeren bestehen aus Plastik. 70 % dieser Abfälle bestehen laut der Europäischen Kommission aus den Produkten, die die EU verboten hat. Aber welche Produkte werden genau verboten? Und was sind mögliche Alternativen dazu? Wir haben das für Euch zusammengefasst.

Das ist ab Mitte nächsten Jahres verboten

Die Regeln sind eigentlich ganz einfach. Nicht mehr verkauft werden darf:

  • Plastikbesteck (Gabeln, Messer, Löffel und Essstäbchen)
  • Plastikgeschirr (Teller, Schalen)
  • Trinkhalme aus Plastik, auch Strohhalme genannt
  • Verpackungen für warme Speisen und Getränke aus Styropor 
  • Wattestäbchen aus Plastik
  • Luftballonhalter

Dabei geht es nicht nur um Produkte aus herkömmlichem erdölbasiertem Plastik, sondern auch aus sogenannten „Biokunststoffen“. Zu diesen zählen auch oxo-abbaubare Kunststoffe. Diese sind mit Additiven ausgestattet, damit sie durch Oxidation in kleine Mikropartikel (zum Teil auch Mikroplastik) zerfallen. Experten bezweifeln allerdings schon lange, dass man in diesem Fall von einer biologischen Abbaubarkeit sprechen kann. Vielmehr handele es sich um eine Fragmentieren des Kunststoffs in kleinere, unsichtbare Teilchen.

So sehen die umweltfreundlicheren Alternativen aus

Besteck

Foto by Karolina Grabowska from Pexels

Nachhaltige Alternativen zu Plastik-Einwegbesteck sind aus Holz oder Bambus.
Holz ist ein sehr robustes Material. Es ist jedoch wichtig auch auf die Herkunft zu achten. Wird das Holz zum Beispiel durch nachhaltige Forstwirtschaft gewonnen?
Auch Bambus ist sehr robust und hat darüber hinaus den Vorteil, dass es ein sehr schnell nachwachsender Rohstoff ist. Allerdings kommt dieser häufig aus Fernost. Hier sollte man also unbedingt auf die Herkunft achten.

Geschirr (Teller und Schalen)

Die Palmblätter, die für Geschirr verwendet werden, stammen von der Betelnusspalme. Diese Palmen-Art verliert zwei- bis dreimal pro Jahr ihre Blätter. Anstatt diese als Abfall zu entsorgen, können diese gesammelt, gereinigt und durch Wasserdampf in eine Form gepresst werden. Inzwischen wird aus den Palmblättern auch Besteck geformt. Das Geschirr ist für kalte und warme Speisen geeignet. Flüssige oder fettige und ölige Lebensmittel, wie zum Beispiel Suppen, sollten allerdings schnell gegessen werden. Die Teller und Schalen aus Plamblättern sollen auch für Ofen und Mikrowellen geeignet sein.

Zusätzlich gibt es auch Geschirr aus Zuckerrohrfasern. Das Material wird aus den Reststoffen der Zuckerrohrverarbeitung gewonnen. Die Fasern werden mit Wasser und natürlichen Bindemitteln zu einer feinen Masse gemahlen und schließlich in eine beliebige Form gepresst. Dadurch ergibt sich eine große Produktpalette aus Zuckerrohrfasern. Die Teller oder Schalen sind sowohl für heiße, als auch für kalte Speisen geeignet. Die Pflanze ist wie Bambus ein schnell nachwachsender Rohstoff.

Verpackungen für warme Speisen und Getränke

Die Verpackungen für Lieferdienste oder auch To-Go-Verpackungen müssen einige Kriterien erfüllen. So müssen sie nicht nur stabil, sondern auch hitzebeständig und flüssigkeitsdicht sein. Karton erfüllt nur einen Teil der Kriterien und ist vor allem für trockene Lebensmittel geeignet. Bisher sind viele der Karton-Verpackungen für Lebensmittel auf der Innenseite mit Biokunststoffen wie PLA (Polyactide) beschichtet. Ob diese auch unter das Verbot fallen, lässt sich aus dem Beschluss der EU nicht herauslesen.

Die Produkte aus Zuckerrohrfasern dagegen erfüllen viele der Kriterien. Sie sind stabil und bruchfest. Außerdem kann man sie aufgrund ihrer Hitzebeständigkeit auch in der Mikrowelle verwenden. Siehe auch Geschirr aus Zuckerrohrfasern.

Trinkhalme

Photo by Polina Tankilevitch from Pexels

Für Plastiktrinkhalme gibt es wahrscheinlich die meisten nachhaltigen Alternativen. Die wahrscheinlich offensichtlichste sind Strohhalme. Auch hier sollte man auf die Herkunft achten. Häufig werden Strohhalme in Handarbeit verarbeitet und am Ende ökologisch desinfiziert. Auch hier handelt es sich eigentlich um ein Abfallprodukt aus der Landwirtschaft, das wieder verwendet werden kann. Auch Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit müssen sich dabei keine Sorgen machen, da das Gluten nicht in den Stielen vorhanden ist, sondern in den Körnern. Bei einer starken Unverträglichkeit ist dennoch Vorsicht geboten, da man nicht immer weiß, wie die Halme gereinigt und verarbeitet wurden.

Die wohl nachhaltigste Alternative (zumindest was die Entsorgung angeht) sind essbare Trinkhalme. Neben einzelnen Produkten von Herstellern, die verschiedene Lebensmittel kombinieren, kann auch die klassische Nudeln her halten. Bestenfalls eine Makkaroni, da der Durchmesser größer ist, als der anderer Nudelsorten.

Eine weitere Alternative sind Trinkhalme aus Papier. Der große Vorteil von Trinkhalmen aus Papier ist die Vielfältigkeit der Optik. Durch Lebensmittelfarbe können die Halme, wie ihre Verwandten aus Plastik, farbig, gestreift oder mit Mustern versehen sein. Auch hier ist es allerdings wichtig auf die Herkunft des Papiers und auch auch die Herkunft und Zertifizierung der Lebensmittelfarbe zu achten.Der Nachteil der Trinkhalme aus Papier ist, dass sie nach einiger Zeit aufweichen.

Die Alternative aus Bambus ist dagegen um einiges robuster. Die Trinkhalme weichen nicht auf und sind aber häufig knickbar. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie aus Abfällen anderer Produktionen mit Bambus hergestellt werden können.

Glas und Edelstahl sind zumindest für den privaten Gebrauch die wahrscheinlich sinnvollste Alternative. Beide Produkte können in der Spülmaschine oder von Hand gereinigt werden und immer wieder verwendet werden.

Wattestäbchen

Foto by alleksana from Pexels

Wer Wattestäbchen als Ohrreiniger verwendet, findet in den Ohrstäbchen aus Bambus eine gute Alternative. Denn Wattestäbchen an sich, sind eigentlich nicht für die Ohrreinigung geeignet. Auf vielen Verpackung wird deshalb auch davor gewarnt, die Wattestäbchen nicht in den Gehörgang einzuführen.
Sollte man dennoch Wattestäbchen verwenden wollen, zum Beispiel fürs Abschminken oder auch zum Malen (ja, es gibt Menschen, die mit Wattestäbchen Kunst machen) bieten sich die Alternativen aus Bambus oder auch wiederverwendbar Wattestäbchen an.

Luftballonhalter

Auch, wenn Luftballons an sich keine nachhaltigen Produkte sind, gibt es die Ballonstäbe und die Halterung in nachhaltiger Form aus Papier.

Die besten Alternativen

Foto by cottonbro from Pexels

Einwegprodukte sind natürlich häufiger in der Gastronomie als zu Hause zu finden. Dennoch gibt es einige Dinge, die ihr tun könnt, um zusätzlich zum Verbot Euren Teil dazu beizutragen:

Wiederverwendbare Produkte. Kauft Euch lieber einen eigenen Thermobecher, als einen nachhaltigen Einwegbecher zu verwenden. Tragt ein kleines Mäppchen mit einem wiederverwendbaren Strohhalm oder Besteck mit in der Tasche. Fragt bei großen Parties, Verabredungen zum Grillen im Park oder Ähnlichem nach, welche Form von Geschirr angeboten wird und bringt euch gegebenenfalls einen Beutel mit eurem eigenen wiederverwendbaren Geschirr mit.
Und am wichtigsten: Denkt zweimal darüber nach, ob ihr den Kaffee oder das Essen mitnehmen müsst. Die Pizza geliefert werden muss oder ob das Getränk wirklich einen Trinkhalm braucht.

Was die EU noch geplant hat

Foto by ready made from Pexels

Neben dem Verbot von Einwegprodukten aus Plastik hat die EU noch weitere Maßnahmen ergriffen. Ab 2021 soll es auf einigen Produkten mit einem bestimmten Kunststoffanteil Hinweise geben, die über die negativen Umweltauswirkungen informieren. Dazu gehören zum Beispiel Feuchttücher und Zigarettenfilter. Außerdem sollen ab 2030 sämtliche Plastikflaschen zu mindestens 30 Prozent aus recyceltem Material bestehen. Die EU hat dafür eine Plastikstrategie erarbeitet.


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