No-Poo-Methode: Haare waschen ohne Shampoo

Gehört für die meisten Menschen standardmäßig dazu: Shampoo. Ute und Leila von Haarweisheiten zeigen, dass es auch ohne geht. Foto von Karolina Grabowska von Pexels

Leila und Ute lernen sich 2015 kennen, als Leila in Utes Naturfriseur-Geschäft kam. Zunächst, um sich die Haare machen zu lassen. Später dann auch, um Ute zu treffen. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb, was sie verbindet, ist unter anderem ihre Leidenschaft zu Reisen und andere Kulturen kennenzulernen. Der Kontakt bricht nie ab, auch, wenn beide in unterschiedlichen Teilen der Welt leben. Ute lebt nämlich normalerweise in Nicaragua, Leila auf Borneo. Im Moment sind beide aus unterschiedlichen Gründen in Deutschland. Hier entsteht mitten in der Corona-Krise ein besonderes Projekt: Haarweisheiten. Ute und Leila leben nämlich nicht nur ihren Traum vom Reisen, sondern haben auch ein besonderes Verhältnis zu ihren Haaren. Anders wie die meisten Menschen verzichten sie nämlich auf Shampoo. Gemeinsam sammeln sie gerade in einem Crowdfunding Geld, um einen Online-Kurs zu ihrem Herzensthema umzusetzen. Hier ergänzen sich die beiden Frauen wieder wunderbar: Ute ist als Frisörin mit mehr als 15 Jahren Erfahrung die Frau fürs Haar, Leila kümmert sich als Grafikdesignerin darum, die Welt von ihrer Idee zu überzeugen. Wir haben bei den beiden nachgefragt, warum ein Leben ohne Shampoo reizvoll sein kann.

EKOLOGISKA: No-Poo – das klingt ehrlich gesagt erstmal nicht so ’sexy‘, wenn man in einer Shampoo-Gesellschaft sozialisiert wurde. Welche Vorteile bietet der Verzicht auf Shampoo denn langfristig für meine Haare?

UTE: Das ganze ist eine Art Kreislauf. Wir beginnen irgendwann einmal, unseren Kindern die Haare mit Shampoo zu waschen. Dazu zähle ich auch festes Shampoo, Haarseife und so weiter. Und das ist dann der Startschuss, dass der Körper in seiner Talgregulierung gestört wird. Die Kopfhaut fettet nicht mehr richtig nach. Oder viel zu viel. Es bilden sich Schüppchen und Juckreiz, weil die Hautporen durch die Produkte verstopft sind und so die Zellteilung nicht mehr korrekt stattfindet. Dementsprechende Produkte helfen meist am Anfang sehr schnell, haben aber unglaublich viele Nebenwirkungen, die unserem Haar schaden. Was zu alledem noch dazu kommt ist, dass wir die falsche Waschtechnik suggeriert bekommen. So werden unsere Haarlängen und Spitzen zusätzlich noch mehr ausgetrocknet, um wieder genügend verschiedene Pflegeprodukte an den Mann oder die Frau zu bringen.

Was uns unsere Natur aber gegeben hat, um unser Haar zu pflegen, ist das Sebum, also der Talg. Wenn wir unseren Talg-Haushalt nicht beeinflussen, produziert unser wundervoller Körper genau so viel Sebum, dass es reicht, um unsere Kopfhaut geschmeidig zu halten und unsere Haarlängen und Spitzen mit genau der Feuchtigkeit zu versorgen, die sie benötigen, um gesund und kraftvoll zu sein.

Wenn wir jetzt also beginnen, unsere Haare nur noch mit Wasser zu waschen und zu bürsten, stellt sich der Körper neu ein. Deine Haare werden kraftvoll und voluminös. Du führst deinem Körper keine unnötigen Chemikalien zu und schonst die Umwelt. Einmal bei der Vermeidung von Plastik und Ressourcenverbrauch durch den ausbleibenden Produktkauf und zweitens gelangt kein Mikroplastik ins Abwasser oder unser Meer.

EKOLOGISKA: Wieso habt ihr denn initial aufgehört, auf Shampoo zu verzichten?

UTE: Ich hatte schon seit Jahren Naturprodukte von einer relativ kleinen Firma. Ich habe die Produkte sehr geliebt und hatte alles, was ich zur Pflege von Haar und Haut gebraucht hatte, von ihnen. Irgendwann war ich dann aber nicht mehr so richtig zufrieden und hatte fast Panik, weil ich wirklich nicht wusste, was ich an deren Stelle nehmen könnte, was meine Haare einfach so natürlich wie möglich lässt. Mehl hatte ich vorher auch schonmal probiert gehabt. Das war mir aber immer viel zu aufwendig. Irgendwann, viele Jahre vorher, habe ich einen Bericht im Fernsehen gesehen. In diesem ging es um eine sehr bekannte Naturfriseurin, die seit Jahren ihre Haare nicht mehr wäscht. Da dachte ich mir, das muss ich irgendwann auch mal probieren.

Und dann war es eben so weit. Ungefähr zu dem Zeitpunkt waren Leila und ich mal wieder recht intensiv im Kontakt. Wir kennen uns zwar schon sehr lange, dadurch, dass wir aber eigentlich sehr sehr weit auseinander wohnen, haben wir immer eher wellenähnlichen Kontakt gehabt. Irgendwie sind wir dann auf das Thema Haare und Kopfhaut gekommen. Leila meinte, sie hätte, seit sie wieder in Deutschland ist, starken Juckreiz und diverse andere kleine Haar Problemchen. Ich hab ihr dann erzählt, dass ich jetzt seit zwei Wochen No-Poo mache und wie es der Zufall wollte, war sie auch gerade dran. Ich habe ihr dann immer mal Tipps gegeben und kleine Anweisungen, was sie denn anders machen könnte. Alles übers Telefon! Und Leilas und meine Haare begannen sich so unglaublich zu verändern. Der Juckreiz war auch irgendwann weg! Und wenn wir mal einen kleinen Hänger hatten, hat die andere einen aufgebaut und weiter gings. Und so entstand dann Stück für Stück die Idee diese Weisheiten mit so vielen Menschen teilen zu wollen.

EKOLOGISKA: No-Poo ist ja nicht nur besser fürs Haar, sondern auch für die Umwelt. Was ist denn das Problem mit gängigen Shampoos? 

UTE: Der wohl größte Punkt ist das Mikroplastik, was durch Kosmetikprodukte in unser Abwasser und Meer gelangt. Ganz zu schweigen von den Unmengen an Verpackungsmüll, die dadurch entstehen und in der Umwelt landen. In einem einzelnen Shampoo zum Beispiel ist so viel Chemie enthalten, die eben nicht nur über die Haut in unseren Körper gelangt, sondern durch das Abspülen in unser Abwasser. Das ist bei reiner Naturkosmetik natürlich nicht der Fall. Ich bin immer Pro-Naturkosmetik, falls es ein Produkt wirklich braucht. Auf das ein oder andere will oder kann man ja auch nicht verzichten. Einfach immer ganz wichtig: Nicht lesen, was nicht mehr im Produkt enthalten ist, sondern immer, was sie auch noch enthalten! Bei DIY ist das natürlich am einfachsten zu durchschauen.

EKOLOGISKA: Unser erster Impuls war: No-Poo – na dann lasse ich doch einfach das Shampoo weg und halte das ein bisschen aus. Aber so einfach ist es nicht, oder? Was muss ich den beachten, wenn ich es mit No-Poo versuchen will? 

UTE: Oh ja, schöne Frage. Es gibt so viel zu beachten. Gerade und vor allem in der Anfangsphase. Um gleich mal den Begriff „Ausfettungsphase“ in den Mund zu nehmen: Die gibt es mit meiner Formel so nicht. Zumindest in keinster Weise so, wie man es sich vorstellt. Das klassische Haar, das wir als „ekelig fettig“ bezeichnen, sieht vorallem so „ekelig“ aus, weil der Talg, in Verbindung mit den vielen Inhaltsstoffe der Produkte, so sehr glänzt. Fast plastisch irgendwie, finde ich immer. Und wenn man mit der richtigen Bürste an der richtigen Stelle bürstet und auch die vielen anderen Kleinigkeiten beachtet, und vorallem kein Produkt mehr nachkommt, verteilt sich der Talg gut und der Körper beginnt sich zu regulieren. Ganz wichtig ist auch einfach, dass jemand im Backround da ist, der einem mal helfen kann wenn man kleine Zweifel bekommt.

EKOLOGISKA: Und da kommt euer Kurs ins Spiel, richtig?

UTE: Der Kurs ist sogar schon fertig! Er beinhaltet drei Module, Bonusmaterial und FAQ. Im ersten Modul geht es viel um die Theorie. Was ist wichtig und warum. Ich gehe darin auch etwas auf die Anatomie der Haare ein um zu zeigen, was da eigentlich mit unserem Haar passiert. Das zweite Modul bezieht sich dann einzig und allein auf das Haare bürsten. Mit was, wann und wie. Schonmal was von Bürstenreinigung gehört? Auch ein ganz wichtiger Punkt, den ich auch genau erkläre. Im letzten Modul zeige ich, wie wichtig das richtige spülen ist. Was es mit dem Mythos um das Handtuch auf sich hat und gebe Tipps und Tricks, wie man sein intuitives Haar am besten beim Stylen unterstützen kann. 

Viele No-Pooler erzählen ja auch von einer Sauren Rinse, die ich auch für sehr wichtig halte. Dabei kann man aber auch so viel falsch machen. Die Rinse ist deshalb auch ein großes Thema. Vor Kursbeginn darfst du mir ein paar Fragen zu deinen Haaren beantworten und ich schaue mir anhand einiger Bilder, die du mir schicken darfst, dein Haar genau an und bestimme so die richtige Bürste. Durch meine jahrelange Friseur-Erfahrung kann ich gut anhand von Bildern und deiner Antworten auf die Haarfragen beurteilen, wie sich das Haar anfühlt. Falls ich eventuell noch offene Fragen habe, kontaktiere ich dich nochmal direkt. Danach bekommst du dein individuelles Bürstenset zugeschickt und du kannst loslegen, dir den Kurs anzuschauen. Durch die intensiven Inhalte empfehle ich, den Kurs mit kleinen Pausen anzuschauen um sich alles gut einzuprägen. Step by Step.

EKOLOGISKA: Warum ist es so entscheidend, seine Haare richtig zu kämmen? Im Alltag achtet man da ja wenig bis gar nicht drauf, ob man irgendetwas richtig oder falsch macht.

UTE: Einmal braucht man die richtige Bürstengröße, um gut durch sein Haar zu kommen. An der Stelle greift vielleicht nicht schon jeder intuitiv zur richtigen Bürste. Dann braucht man die richtige Borstenstärke. Das hängt von Haar, Haartyp und der Kopfhaut ab. Bei der richtigen Bürstentechnik geht es darum, überall gut hin zu kommen und das Haar dabei sanft zu behandeln.

EKOLOGISKA: Und was mache ich, ohne Shampoo, wenn ich mal frisiert werde für einen besonderen Anlass?

UTE: Da ist No-Poo sogar noch besser! Wenn du dir mal eine schicke Frisur gönnst, wirst du merken, wie viel Volumen du eigentlich von Natur aus hast und wie schön ein Haar, auch ohne Berge von Haarspray, liegen bleibt, wo es liegen bleiben soll. 

EKOLOGISKA: Was würdest du jemandem raten, der gerade die No Poo-Methode ausprobiert und unzufrieden mit dem Ergebnis ist, weil er*sie sich nicht wohl fühlt?

UTE: Erstmal wieder waschen! No-Poo soll vor allem auch Spaß machen. Die Reise zum Traumhaar ist so spannend und du kannst so viel neues über dich und deinen Körper erfahren. Wenn du dich nicht wohlfühlst, wasche deine Haare und beginne von Neuem, wenn du wieder offen dafür bist.

In dem Bonusmaterial in meinem Online-Kurs gibt es ein Kapitel über das richtige Haare waschen und wie man dies so schonend wie möglich tun kann. So kann man zu No-Poo auch ganz sanft umsteigen.

Wenn ihr Lust habt, euch von Ute begleiten zu lassen, dann könnt ihr euch im Crowdfunding einen Platz im Online-Kurs von Haarweisheiten sichern.


Dir gefällt, was wir machen? Dann zeig uns das gerne, indem du unser kleines, unabhängiges Redaktionsteam bei Steady unterstützt. Das kostet nicht die Welt – für uns bedeutet das aber ganz viel!

One thought

  1. Ein Kurs zu dem Thema klingt total spannend, ich wusste nicht, dass es so etwas gibt! Das sehe ich mir mal genauer an. Vielen Dank für das interessante Interview

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s