Warum die Kritik am Black Friday nicht zum Armen-Shaming werden darf

Der Black Friday ist der grünen Community zurecht ein Dorn im Auge. Foto von cottonbro von Pexels

Amazon und andere Großhändler bewerben ihn schon seit Wochen: Den berühmt berüchtigten Black Friday, also den Tag nach dem Erntedankfest, an dem es zum Brauch für viele Geschäfte geworden ist, mit Rabatten um sich zu schmeißen. Diese ‘Tradition’ kommt ursprünglich aus den USA, wo die Leute schon in der Nacht vor Einkaufszentren und Läden – meistens Elektronikfachgeschäften – kampieren, um als erste:r die Schnäppchen abzuräumen. Auch in Europa ist der Festtag des Konsums mittlerweile angekommen. Besonders wichtig, vor allem in den letzten Jahren: Der Online Markt.

Bei einer repräsentativen Studie vom Verbraucherportal mydealz. stellte sich heraus, dass die Einkäufer:innen am Black Friday dominant jung und weiblich sind. Fast jede zweite Frau soll den Black Friday demnach zum Shoppen nutzen, bei Männern waren es weniger, aber immer noch rund 39 Prozent. Andere Geschlechter wurden bei der Studie nicht erfasst. Insgesamt betrug der Umsatz alleine am Black Friday im letzten Jahr 2,4 Milliarden Euro.

Der Black Fridays ist also ein riesiger Marketing Coup des Einzelhandels. Aber warum genau funktioniert dieser Feiertag des Konsums so gut? Der Erfolg des Black Friday liegt einerseits an der massiven Werbung, aber auch der Jahreszeit. In den USA beispielsweise werden bis zu 40 Prozent der Umsätze des Jahres in der Weihnachtszeit verzeichnet. Black Friday ist für viele also auch eine Möglichkeit, sich günstig mit Weihnachtsgeschenken einzudecken.

Proteste und Boykottaufrufe werden lauter

Doch mit der Zunahme des Konsums wurde auch der Gegenwind stärker. Unter dem Hashtag #noblackfriday sammeln sich in den Sozialen Medien Tweets, Instagramposts etc. die dazu aufrufen, nicht am Black Friday einkaufen zu gehen, sondern stattdessen das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen. Die grundlegende Argumentation ist dabei die Folgende: Wenn es sich Unternehmen leisten können, ihre Produkte plötzlich bis zu 80 Prozent zu reduzieren, stimmt an diesen Waren etwas im Vorhinein nicht. Die Möglichkeit zu diesen Rabatten lässt eher auf mangelnde Qualität, unethische Bezahlung von Arbeiter:innen und schlechte Materialien schließen.

Dazu gehört auch die aus Schweden stammende Kampagne Circular Monday. Als Henning Gillberg diese Initiative ins Leben rief, wollte er zu bewussten Konsum anregen. Selbst ist er Geschäftsführer des nachhaltigen Unternehmens Repamera – einem schwedischen Kleidungs-Reparatur-Service. Ursprünglich hieß die Kampagne ‘White Monday’ und sollte den Kontrast zu Black Friday verdeutlichen, 2020 entschieden sich die Kampagnenleiter:innen für eine Umbenennung, damit der Hintergrund der Initiative klarer wird: Kreislaufwirtschaft statt Massenkonsum und lineare Herstellungsabläufe.

Shaming von Billigkonsum muss man sich leisten können

Die Initiatoren der Circular Monday Kampagne betonen explizit, dass man Leute nicht dafür verurteilen soll, an diesen Tagen von den Rabatten Gebrauch machen. Ähnlich wie bei der Kritik am Primark Boykott gilt es auch hier zu differenzieren: Bin ich gegen Unnachhaltigkeit oder gegen Menschen mit geringen Einkommen? Denn einige Menschen sind auf diese Rabatte angewiesen.

Wer auf H&M und Co. verzichten kann, sollte dies auch tun, aber es ist wichtig uns weiterhin vor Augen zu halten, dass wir in einer Gesellschaft leben die nach wie vor vielen schlichtweg nicht die Möglichkeit gibt nur nachhaltig einzukaufen. Im Moment sind die meisten ökologischen Produkte für viele schlichtweg unbezahlbar. Das Problem liegt also nicht primär nur an den Käufer:innen, sondern an der Struktur und Ordnung der Gesellschaft, in der wir leben. Was natürlich nicht heißt, dass wir vollkommen von unserer eigenen Verantwortung entbunden sind. Es bedeutet viel mehr zu verstehen, dass billiger Konsum für viele die einzige Möglichkeit ist, überhaupt zu konsumieren. Vielen fehlt es an Ressourcen – ob Geld oder aber auch Zeit – um sich mit der Thematik und möglichen Alternativen auseinander zu setzen. Shaming ist etwas, das primär zum klassischen ‘nach unten treten’ wird. Sonst wären monki, Zara und Co. schließlich genauso boykottiert worden wie Primark. Der inhärente Klassismus muss genauso aufgearbeitet werden, wie das Konsumverhalten. Nur so kann die Nachhaltigkeits-Bewegung auch nachhaltig sein. Und zwar für alle.



Dir gefällt, was wir machen? Dann zeig uns das gerne, indem du unser kleines, unabhängiges Redaktionsteam bei Steady unterstützt. Das kostet nicht die Welt – für uns bedeutet das aber ganz viel!

Kommentar verfassen