Kommentar: Warum Waldbewirtschaftung aktiver Klimaschutz ist

Können wir durch aktive Waldbewirtschaftung etwas für den Klimaschutz tun? Gastautorin Sophia Remler findet: Ja. Foto von Franz Thoma.

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Sophia Remler, die als Projektreferentin beim Deutschen Forstwirtschaftsrat arbeitet. Es wird also eine bestimmte Haltung eingenommen. Am Ende des Artikels findet ihr mehr Informationen zu ihr.

Zugegebenermaßen: Waldbewirtschaftung ist nicht das erste, worauf man kommt, wenn man über ein sich wandelndes Klima und seinen Schutz nachdenkt. Dass Bäume gefällt werden, wird vielleicht auch erstmal kritisch betrachtet. Was aber steckt tatsächlich hinter der Klimaschutzleistung durch Waldbewirtschaftung und der Nutzung unseres nachhaltigen Rohstoffes Holz? Und inwieweit haben wir unbewusst vielleicht schon dieses Thema und Holzprodukten einen Platz in unserem nachhaltigen Lebensstil gegeben, aber bislang nicht in diesem Zusammenhang wahrgenommen? 

Einmal die Basics, bitteschön

Wenn Bäume wachsen und Holz aufbauen, dann betreiben sie Photosynthese. Bei diesem Prozess wird Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre, Wasser aus dem Boden und Sonnenenergie genutzt. Hergestellt werden Traubenzucker (Glucose) und Sauerstoff. Mit einem Teil der Glucose deckt der Baum seinen eigenen Energiebedarf. Der andere Teil wird biochemisch weiterverarbeitet. Der Kohlenstoff aus dem Kohlenstoffdioxid wird bei diesem Prozess im Holz fixiert und Sauerstoff wieder an die Atmosphäre abgegeben. Die Biomasse eines Baumes, also das Holz, macht hier den größten Anteil aus. Es enthält deshalb Kohlenstoff, der sich andernfalls als Bestandteil von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre befinden würde und dort als Treibhausgas wirkt. Man kann sagen, dass etwa die Hälfte der Masse von trockenem Holz Kohlenstoff ist. Der Kohlenstoff im Holz ist so lang fixiert, bis er durch Zersetzung (zum Beispiel eines abgestorbenen Baumes oder eines heruntergefallenen Astes) oder Verbrennen wieder frei wird. Die Verbrennung von Holz, ob im eigenen Ofen oder in einem modernen Heizkraftwerk, unterscheidet sich von fossilen Brennstoffen darin, dass die Emission von Kohlenstoffdioxid temporär ist, da die Wälder nachwachsen und den Kohlenstoff wieder einbauen, während uns der Kohlenstoff aus fossilen Brennstoffen nicht den Gefallen tun wird, sich wieder unter der Erde einzulagern.

Zusätzlich kann Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten, wie Holzgebäuden und Möbeln, sehr lange fixiert und den Kreisläufen von Werden und Vergehen draußen im Wald entzogen werden. Am Ende der Lebensdauer des Produkts kann es dann entweder noch einmal weiterverarbeitet werden oder zur Bereitstellung von Energie verbrannt werden.

Durch Holz sparen wir andere Rohstoffe ein

Durch das Fällen von Bäumen wird übrigens nicht nur Holz als Rohstoff bereitgestellt, der einen großen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Durch die nachhaltige Waldbewirtschaftung wird der Wald gepflegt und Platz für neue, an den Klimawandel angepasste Baumarten geschaffen. Wälder denken im Vergleich zu ihren Bewirtschafter*innen keine 100 Jahre voraus. Die Waldbewirtschafter*innen kennen die Klimaprognosen der Wissenschaftler*innen und können mit diesem Wissen die Anpassungsprozesse im Wald unterstützen. 

Produkte aus hierzulande geerntetem Holz herzustellen sparen zusätzlich die Emissionen aus der Herstellung und Nutzung von Stoffen wie Beton, Stahl, Aluminium, Kunststoffen sowie von importiertem Holz ein. Auch die Natur in den Produktionsländern dieser Rohstoffe kann dadurch geschont werden.

Meine These lautet daher: Die Nutzung des nachwachsenden und nachhaltigen Rohstoffs Holz ist ein wesentlicher Baustein dafür, das Klima zu entlasten, und ist damit Teil der Lösung für mehr Klimaschutz. Jedes Holzmöbelstück, jeder Holzkochlöffel, jedes Holzspielzeug, jedes Holzscheit oder Holzpellet entlastet die Atmosphäre durch die langfristige Speicherung von Kohlenstoff und den Ersatz klimaschädlicher Materialien. Jedes Holzbauprojekt ist zukunftsweisend, jeder Spaziergang im Wald kann den Blick in eine positivere Zukunft schärfen. Bleiben wir optimistisch, tun wir was wir können, nutzen und schützen wir die Wälder hier, um einen Beitrag für alle zu leisten. 

Mal ganz offen nachgedacht ist es kein ehrlicher Klimaschutz, den Menschen und seinen Ressourcenbedarf aus der Gleichung herauszurechnen. In der globalisierten Welt wird die Natur irgendwo genutzt werden; das Privileg, die Natur hier unter kompletten Schutz zu stellen und stattdessen Holz aus Ländern zu beziehen, in denen die Produktion zulasten von Mensch und Natur geht, sollte hinterfragt werden. Es darf nicht zu einer Verschiebung von Verantwortung in Länder kommen, die nicht diese hohen Nachhaltigkeitsstandards besitzen. Sehr wohl können wir aber durch ein gutes Beispiel vorangehen und zeigen, wie nachhaltige Waldbewirtschaftung geht. Im globalen Vergleich nimmt übrigens die Waldfläche in Deutschland seit Jahrzehnten zu! Eine effiziente, biobasierte Wirtschaft muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette gedacht werden, und diese beginnt bei der Produktion der Rohstoffe. Holz wird in Deutschland unter fairen, nachhaltigen Bedingungen für Mensch und Natur erzeugt und verbindet dabei ganz wunderbar die Gedanken der Nachhaltigkeit und der regionalen Wertschöpfung.

Holz alleine natürlich nicht der Heilsbringer

Das soll auch so bleiben, weshalb wir ehrlich sagen müssen, dass die Ressource Holz natürliche Grenzen hat: Die Waldbewirtschaftung und die Nutzung von Holz allein kann den Klimawandel nicht bewältigen! Deshalb gilt weiterhin: Wer aktiv zum Klimaschutz beitragen will, muss sich und seine Lebensgewohnheiten hinterfragen. Jeder von uns ist für einen effizienten Ressourcenumgang und die Reduktion und Vermeidung von Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Ein paar Fakten zur Waldbewirtschaftung

Expert*innen bestätigen, dass die Waldbewirtschaftung 126 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einspart. Entlastung durch…

  • den Holzvorrat im Wald: 46 %
  • Substitution anderer Stoffe: 24 %
  • Substitution anderer Energieträger: 28 % 
  • Holzprodukte: 2 % 

Zusammengerechnet sorgen Wald und Waldbewirtschaftung für eine CO2 Entlastung von 14% der Emissionen in Deutschland. Die Zahlen stammen aus dem Gutachten „Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung“ des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz und des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft von 2016.

Informationen zur Autorin. Sophia Remler ist als Projektreferentin beim Deutschen Forstwirtschaftsrat tätig. Sie arbeitet im Projekt KliWaBe. Das Projekt wird über den Waldklimafonds der Bundesregierung gefördert (Förderkennzeichen: 2218WK04A5). Eines der Ziele ist die verständliche Vermittlung des Wissens zu den Klimaschutzbeiträgen bewirtschafteter Wälder, von denen leider noch nicht so viel in der Öffentlichkeit bekannt ist. Holz- und Waldliebhaberin Sophia setzt sich selbst nicht nur beruflich, sondern auch privat für mehr Klimaschutz ein.

Anmerkung der Redaktion: Das Thema Waldbewirtschaftung und Klimawandel beziehungsweise -schutz ist kompliziert und es gibt unterschiedliche Meinungen dazu. Verbände wie der NABU werfen der Forstwirtschaft vor, durch den Anbau von Monokulturen zum Waldsterben beizutragen und damit die “Kohlenstoffsenke” Wald gefährde. Gegenüberzustellen sind auch Haltungen wie die von Peter Wohlleben, einem bekannten Förster und Verfechter der These, dass Urwälder das beste im Kampf Gegen den Klimawandel sind. Er kritisiert wie der NABU, dass wird zurück zu Mischwäldern müssen, um eine nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben.



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