Montessori Kinderzimmer einrichten: So gehts

Ein Montessori-Kinderzimmer einrichten ist ganz einfach. Foto: Tatiana Syrikova/Pexels.

“Hilf mir, es selbst zu tun” – unter diesem berühmten Leitsatz von Maria Montessori lässt sich das Ziel dieser Pädagogik wohl am besten zusammenfassen. Was theoretisch hinter der Montessori-Pädagogik steckt, das haben wir für euch bereits in einem separaten Artikel ausführlich erklärt und der Waldorf-Pädagogik gegenüber gestellt. In diesem Artikel wollen wir die Theorie nun in die Praxis umsetzen und erklären, wie man einen Raum nach Montessori einrichtet.

Exkurs: Dafür steht Montessori

Bevor wir aber mit der Praxis starten, gibt es einmal einen kleinen theoretischen Exkurs, damit auch diejenigen, die den Vorgänger-Artikel nicht gelesen haben, wissen, wovon wir schreiben. Maria Montessori ging davon aus, dass Kinder einen natürlichen Entdecker-Sinn haben, aber auch Wert auf Ordnung und Ästhetik legen. Deshalb sehen Unterrichtsräume in Montessori-Einrichtungen allgemein sehr aufgeräumt aus. Die Räume sind so vorbereitet, dass die Kinder alles alleine machen und sich bei Problemen selbst helfen können. Wenn die Erziehungspersonen feststellen, dass das nicht der Fall ist und ein Kind Hilfe benötigt, dann werden sie beim nächsten Mal alles so vorbereiten, dass sich das Kind selbst helfen kann, wenn das gleiche Problem nochmal auftritt. Die Erzieher*innen beobachten die Kinder und greifen als Vermittler zwischen Kind und Raum nur dann ein, wenn es notwendig wird.

Montessori ist ein ganzheitlicher Ansatz, der das Kind in den Mittelpunkt stellt. Es wird respektvoll behandelt und seine Bedürfnisse besonders berücksichtigt – gerade in Einrichtungen macht das einen großen Unterschied. Während Technik eher skeptisch gesehen wird, fördert Montessori die Naturverbundenheit der Kinder. Ziel ist es, das lebenslange Lernen der Kinder zu fördern.

Das Zimmer muss zum Machen einladen

Das wichtigste Stichwort in Bezug auf Montessori-Räume lautet: Vorbereitete Umgebung. Wir haben als Eltern die Aufgabe, die Zimmer für unsere Kinder so einzurichten, dass sie altersgerecht, aufgeräumt, einladend und anregend sind. Das Ziel einer Montessori-Umgebung ist es, das Kind zum Machen einzuladen. Es soll merken, dass es selbstwirksam ist. In der Praxis heißt das vor allem, dass das Kind seine Möbel selbst benutzen können sollte. In vielen Kinderzimmern regiert eisern der Blick der Erwachsenen: Bilder werden auf Erwachsenen-Höhe angebracht, Möbel viel zu hoch, als dass Kinder sie selbstständig benutzen können. Das mag bei der Wickelkommode noch Sinn machen, aber spätestens, wenn die Kleinen das Laufen für sich entdecken, sollte ihr Zimmer oder ihre Spielumgebung für sie gestaltet werden. Und eben nicht so, dass es für die Erwachsenen optimal ist.

Das Herzstück eines jeden Montessori-Kinderzimmers ist das berühmte Regal. Welches man nimmt, das ist total egal. Wichtig ist nur, dass es für die Kinder zugänglich ist. Die Spielmaterialien im Regal sind in Körbchen oder auf Tabletts sortiert, sodass das Kind auf einen Blick sieht, welche Materialien zur Verfügung stehen. Wichtig ist, dass alles in Reichweite des Kindes steht. Wenn man zwei Kinder unterschiedlichen Alters hat, dann können die oberen Regalfächer für das große Kind und die unteren Fächer für das jüngere Kind genutzt werden.

Durch die Zuordnung der Spielmaterialien in einzelne Regalfächer und Körbchen wird jedem Spiel ein Platz zugeordnet. Das ist hilfreich, weil so klar ist, was wohin gehört. Am Ende eines Tages/Spieleinheit sollten die Sachen wieder einsortiert werden, damit das Kind beim nächsten Spiel wieder eine vorbereitete Umgebung vorfindet. Damit es nicht langweilig wird, können die angebotenen Spiele immer wieder rotiert oder mit Spielen, die zum Beispiel im Keller lagern, getauscht werden.

Alle Möbel müssen kindgerecht sein

Ob Bett, Stuhl oder Tisch: Auch die Möbel im Raum sollten auf das Alter des Kindes beziehungsweise seine Größe abgestimmt sein. Für Das Bett heißt das beispielsweise, dass man Anfangs eine Matratze auf dem Boden platziert, später ein sehr niedriges Bettgestell wählt. So können Kinder eigenständig entscheiden, im Bett zu verweilen und es sicher wieder verlassen. Gleiches gilt für Tische und Stühle. Ein weiterer Vorteil: Durch größengerechte Möbel können Kinder von Anfang an eine gute Haltung einnehmen, was gut für ihren Bewegungsapparat ist. Möbel wie der Kleiderschrank sollten auch zugänglich sein und den Kindern die Möglichkeit einräumen, sich selbst für Kleidung zu entscheiden. Außerdem sollten sie zu jeder Zeit die Möglichkeit haben, sich zu pflegen. Es bietet sich also an, einen Waschtisch oder Alternativ eine Schüssel mit etwas Wasser anzubieten, die die Kinder selbstständig benutzen kann.

Die richtigen Spielmaterialien auswählen

Maria Montessori selbst hat eine Reihe von Spielmaterialien entwickelt, die man seinen Kindern zur Verfügung stellen kann. Diese lassen sich in insgesamt sieben Kategorien einteilen: SinnesmaterialSprachmaterialMathematisches Material, Übungen des täglichen Lebens, Kosmisches Material, Übungen der Stille, Perlenmaterial und einige weitere Materialien, die nicht direkt gruppiert werden können. Es ist aber nicht notwendig, sich eins zu eins diese Materialien zuzulegen. Vielmehr kann man sich bei der Auswahl der Spielsachen, die ins eigene Kinderzimmer Einzug halten dürfen, an den von Montessori festgelegten Kriterien für Spielsachen orientieren. Montessori beschreibt, dass Spielmaterialien jeweils für sich alleine stehen sollten, robust und bestenfalls aus Naturmaterialien gefertigt sind, die farbliche und haptische Gestaltung sollte auf Kinder ausgerichtet sein und die Spielmaterialien sollten es den Kindern ermöglichen, sich selbst zu kontrollieren.

Passende Materialien findet man zum Beispiel bei Manine Montessori, aber auch bei greenstories und echtkind gibt es Montessori-Spielmaterialien.

Montessori in a Nutshell:

  1. Die Welt mit Kinderaugen sehen: Den Raum so gestalten, dass das Kind sich wohlfühlt und an alle Sachen herankommt.
  2. Alles hat seinen Platz: So wird der Ordnungssinn des Kindes bedient und beim Aufräumen ist klar, wo was hinkommt.
  3. Möbel in Kindergröße: Auch die Möbel sollten für das Kind zugeschnitten sein, damit es eine gute Haltung annimmt.
  4. Spiele, Puzzle & Co. werden unfertig und als Aufgaben präsentiert: Schließlich macht es keinen Spaß, eine Aufgabe, die bereits gelöst ist, zu bearbeiten.

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