So wäschst du deine Wäsche richtig

Waschmittel ist gleich Waschmittel? Denkste! Foto von RODNAE Productions von Pexels

Wir sind in den letzten Wochen über viele (Halb-)Wahrheiten und Aussagen rund um das Thema richtig Wäsche waschen gestolpert. Deshalb haben wir beschlossen, uns den Mythen einmal anzunehmen und aufzuklären. Am Ende wollen wir drei große Fragen beantwortet haben: Wie funktioniert ein Waschmittel? Warum leiern Stoffe wie Modal so oft so schnell aus? Und wie wäscht man Stoffwindeln richtig? Wichtig ist uns dabei, immer auch die Umweltverträglichkeit der einzelnen Waschmittel im Blick zu behalten und hier die beste oder zumindest eine gute Lösung anbieten zu können. Also, los gehts!

Die große Frage bei Waschmitteln: Enzyme – Ja oder Nein?

Waschmittel enthalten eine Vielzahl an Komponenten, darunter Tenside, Konservierungsmittel und Duftstoffe, aber eben auch Enzyme. Enzyme sind Biokatalysatoren. Das heißt, dass sie Reaktionen beschleunigen. Normalerweise werden Reaktionen vor allem durch hohe Temperaturen beschleunigt. Das merken wir zum Beispiel anhand unseres Immunsystems: Wenn ein Krankheitserreger in unseren Körper eintritt, der nicht sofort ausgeschaltet werden kann, dann fährt unser Körper die Temperatur hoch und wir bekommen Fieber. Enzyme ermöglichen es, dass solche Reaktionen auch ohne hohe Temperaturen stattfinden können. Dafür bilden sie mit einem Ausgangsstoff einen Komplex (Enzym-Substrat-Komplex) und bauen ihn um: Neue Stoffe entstehen. Dabei arbeiten Enzyme nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Das heißt, dass nur bestimmte Stoffe in ein Enzym passen und von ihm umgewandelt werden können.

So arbeitet ein Enzym. Grafik: Lernhelfer.de

So weit so gut. Aber wofür braucht man Enzyme nun für unsere Wäsche? Wie man in der Grafik sieht, spalten Enzyme jeweils spezielle Ausgangsstoffe. Diese Eigenschaft wird sich in Waschmitteln zunutze gemacht, um bestimmte Moleküle zu spalten, die unter reiner Zuhilfenahme von Tensiden nicht herausgewaschen werden können. Tenside lösen nämlich hauptsächlich fetthaltige Flecken und sind daher beispielsweise bei Blut keine vielversprechende Waffe. Es gibt drei Hauptgruppen von Enzymen, die in Waschmittel eingesetzt werden:

  • Amylasen wirken gegen Stärke aus Kartoffelbrei, Haferbrei oder Reis.
  • Proteasen schaffen Abhilfe bei Blut und anderen Eiweißen.
  • Lipasen spalten hartnäckige Fette, gegen die Tenside nicht ankommen. Dazu zählen zum Beispiel Sonnencremes.

Der Einsatz von Enzymen ermöglicht es, dass diese Flecken schon bei niedrigen Temperaturen aus der Wäsche herausgewaschen werden können. Ohne Enzyme wären viel höhere Temperaturen pro Wäsche notwendig, die wiederum nicht für jeden Stoff geeignet sind. Deshalb sind Enzyme erst einmal etwas Positives. Allerdings können Enzyme allergische Reaktionen hervorrufen, weil Spuren davon in der Kleidung zurückbleiben – das ist ein Teil der Kehrseite des Ganzen. Abhilfe schaffen bei Rückständen in der Wäsche kann man zum Beispiel, indem man sie nach dem Waschen nochmal ohne Waschmittel durchspült. Zur Wahrheit gehört auch, dass Enzyme die Langlebigkeit bestimmter Stoffe beeinträchtigen. Dazu zählen unter anderem auch Regeneratfasern wie Modal oder Lyocell. Hinzu kommt, dass Enzyme heute fast ausschließlich durch Gentechnik gewonnen werden. Warum das problematisch ist, das beschreibt unter anderem Hersteller Sonett auf seiner Website.

Wie sich Enzyme auf die Langlebigkeit von Fasern wie Modal oder Lyocell auswirken

Modal und Lyocell sind wie Viskose und Cupro ‘Cellulose-Regeneratfasern’ und als solche bei Fair Fashion Brands extrem beliebt. Vor allem auf die Produkte des Herstellers Lenzing, die unter dem Markennamen TENCEL verkauft werden, greifen viele Labels zurück. Bei den Fashion Changers gibt es einen extrem gut recherchierten Artikel von Franziska Uhl zu diesem Thema, auf den wir an dieser Stelle verweisen wollen und aus dem wir die folgende Erklärung zur Produktion von Regeneratfasern haben:

“Cellulose, meist gewonnen aus Holz, wird aufgelöst und dann versponnen. Dabei wird die gelöste Cellulose durch eine runde, mit unzähligen Löchern versehene Platte gepresst und die Spaghetti-ähnlichen Fäden, die so entstehen, verfestigt – ein bisschen wie Nudeln kochen. Zwischen dem natürlichen Rohstoff Holz und dem textilen Fasermaterial am Ende stehen also Energie, Wasser und Chemikalien. Aus diesem Grund zählen diese Fasern auch zu den Chemiefasern, aber auf natürlicher Basis.”

Die Fasern bestehen also in ihrem Ursprung zwar aus Holz, am Ende ist aber relativ wenig davon übrig. Stattdessen sind Modal & Co. ein ziemliches High-Tech-Produkt, das unter Zuhilfenahme vieler Chemikalien entsteht. Im besagten Fashion Changers Artikel hat Franzi übrigens genau erklärt, wo die Unterschiede zwischen den Fasern aus Cellulose liegen und welche die nachhaltigste ist. Kleiner Spoiler: So richtig empfehlenswert ist eigentlich nur TENCEL Lyocell.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Stimmen, die sich kritisch über die Qualität der Produkte von Firmen wie erlich textil oder auch Armedangels geäußert haben. Der Vorwurf: Die Sachen seien nach einem halben Jahr waschen hin. Und genau hier kommen die Enzyme ins Spiel. Erinnern wir uns einmal an die Grafik aus dem Biologieunterricht: Jedes Enzym hat eine spezifische Form, in die ein spezifisches Substrat passt, welches das Enzym in neue Produkte zerlegt. Bei den Regeneratfasern kommt es quasi zu einem Missverständnis zwischen Enzym und Substrat: Die Fasern sind dem eigentlichen Substrat der Enzyme in ihrer Struktur nämlich so ähnlich, dass die Enzyme sich an die Fasern docken und sie angreifen. Das sorgt dafür, dass die Elastizität verloren geht.

Die Lösung: Feinwaschmittel für die Wäsche verwenden

Für Fasern aus Modal, Lyocell, Cupro und Viskose sind daher Feinwaschmittel die bessere Wahl. Diese enthalten nämlich überwiegend keine Enzyme. Am Ende des Artikels gibt es außerdem eine kleine Übersicht zu bekannten (Voll-)Waschmitteln mit und ohne Enzyme. Leider kommunizieren das nicht alle Labels so klar, dass man als Verbraucher:in erkennt, dass man Feinwaschmittel einsetzen sollte. Oft findet man nur den Hinweis “Pflegeleicht” oder “bei 30 Grad waschen”. Dass man Feinwaschmittel verwenden soll, dass kommuniziert von den Labels, die wir uns angesehen haben, nur erlich Textil adäquat.

Stoffwindeln mit Kastanien waschen?

Nun, da wir viel über Enzyme gelernt haben, wollen wir uns einem weiteren, sehr heiß diskutierten Thema widmen: Stoffwindeln. Denn auch dazu, wie man diese richtig wäscht, kurieren einige Gerüchte, die man so eigentlich nicht stehen lassen kann. Die Idee dazu, dieses Thema genauer unter die Lupe zu nehmen entstand aufgrund eines Beitrags vom SWR. In diesem wurde eine Familie portraitiert, die ihre Stoffwindeln mit Kastanien wäscht. Einer bekannten ehemaligen Stoffwindel-Beraterin, mit der wir uns dazu ausgetauscht haben, stellten sich bei diesem Gedanken die Nackenhaare auf. Grund genug, einmal genauer hinzusehen.

Um festzumachen, wie man Windeln waschen sollte, muss man zunächst verstehen, was überhaupt in der Windel landet. Neben Kot und Urin sind das vor allem Reste von Cremes. In Kot wiederum sind Fette enthalten, aber auch Ballaststoffe, Gewebsfasern und Stärke. Eine Übersicht dazu, was in Windeln landet und welche Inhaltsstoffe des Waschmittels dagegen wirken, hat die Windelmanufaktur aus Dresden zusammen gestellt. Tenside allein können das nicht alles zuverlässig entfernen. Deshalb ist es übrigens auch keine gute Idee, mit Kastanienwaschmittel, Waschnüssen oder ähnlichen Mitteln zu waschen. Denn die Windeln werden dadurch nur oberflächlich sauber.

Screenshot: Waschhinweise der Windelmanufaktur.

Deshalb sind Vollwaschmittel grundsätzlich die beste Wahl, um Windeln zu waschen. Wenn man aber Einlagen aus Bambusviskose oder anderen Regeneratfasern nutzt, dann beißt sich die Katze in den Schwanz: Das Vollwaschmittel mit Enzymen sorgt dann nämlich für einen schnelleren Verschleiß. Deshalb sollte man bestenfalls schon beim Kauf der Einlagen darauf achten, dass sie aus Baumwolle oder anderen, weniger empfindlichen Stoffen bestehen. So vermeidet man den Spagat zwischen Waschleistung und Verschleißminderung. Bei einer Windelwäsche sollte man besonders viel Wert darauf legen, die Einlagen nochmal zu spülen, damit eventuelle Enzym-Rückstände nicht an die sensiblen Schleimhäute des Kindes gelangen.

Wenn man die Einlagen allerdings schon da hat, dann kann man beispielsweise auf ein Vollwaschmittel zurückgreifen, das frei von Enzymen ist. Wir haben hier einmal eine kleine Auswahl für Euch zusammengestellt.

Diese Hersteller verzichten auf EnzymeDiese Hersteller setzen Enzyme ein
– Sonnett
– Sodasan
– W. Ulrich
– Ecover (naturidentische Proteasen und Amylasen)
– Almawin (gentechnikfreie Protease)
– Everdrop
So handhaben die Hersteller von Öko-Waschmitteln den Einsatz von Enzymen.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel ein bisschen Klarheit in Bezug auf diese zwei ‘Mythen’ der Green Bubble zum Thema Wäsche waschen schaffen konnten. Es ist nicht leicht, den Überblick zu behalten, wenn überall etwas anderes gesagt wird. Fest steht: Am Ende muss jeder seine eigene Entscheidung treffen. Das sollte aber so informiert wie möglich geschehen. Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel einen Beitrag dazu leisten konnten. Was man beim ganzen Thema Waschmittel nicht vergessen darf ist, dass das beste und grünste Waschmittel nichts hilft, wenn man es falsch dosiert. Es gilt also: Sparsam einsetzen und Alternativen prüfen. Dann steht einer umweltfreundlichen und trotzdem effizienten Wäsche nichts mehr im Weg.

Ein großer Dank geht an die Textil-Ingenieurin Franziska Uhl, mit der ich mich für diesen Artikel ausgetauscht habe. Ihr neustes und sehr spannendes Projekt heißt übrigens Modus Intarsia. Hier wird aus der ausgekämmten Unterwolle von Hunden Garn gesponnen und Kleidung produziert. Mehr Infos gibt es zum Beispiel hier.


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