Wie schlimm ist Palmöl wirklich?

Die Früchte der Ölpalme sind in allen Industriezweigen sehr beliebt. Foto: tk tan von Pixabay.

Palmöl ist definitiv das Öl, das am meisten diskutiert wird: Einige boykottieren es und verurteilen jede Firma, die es in ihren Produkten einsetzt. Andere finden seinen Einsatz vollkommen in Ordnung und wieder andere erkennen die positiven Eigenschaften des Öls an, wünschen sich aber einen Paradigmenwechsel im Anbau der Ölpalme. Wir wollen uns deshalb die Argumente, die für beziehungsweise gegen das Öl sprechen, einmal genauer ansehen und so dazu beitragen, dass jede*r sich eine eigene, fundierte Meinung zu diesem Thema bilden kann. Wer sich sehr ausführlich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, dem legen wir den Palmöl-Kompass ans Herz. Eine ausführliche Rezension findet ihr hier.

Die Mutter des Palmöls: Elaeis guineensis

Elaeis guineensis, besser als Ölpalme bekannt, ist die Pflanze, der wir diesen Artikel hier zu verdanken haben – und die ganzen Diskussionen, die uns dazu bewegt haben, ihn zu schreiben. Sie ist eine sehr beliebte Ölpflanze, weil sie einen sehr hohen Ertrag pro Hektar Anbaufläche liefert. Es gibt zwei entscheidende Faktoren, die die Ölpalme so effizient machen. Einerseits ist es ihr Wurzelwerk: Es kann sich in einem unglaublichen Radius von bis zu 25 Metern ausbreiten, sodass jede Pflanze sich selbst optimal mit Nährstoffen versorgen kann. Hinzu kommt, dass die bis zu 50 Palmwedel, über die jede Pflanze verfügt, viel Sonnenlicht einfangen und durch Photosynthese in Energie umwandeln. Diese beiden Eigenschaften machen die Ölpalme zu einer absoluten Hochleistungs-Pflanze. Das zeigt sich vor allem im Vergleich zu anderen Ölpflanzen.

Daten: Der Palmöl Kompass von Frauke Fischer und Frank Nierula. Grafik: Eigene Darstellung

Damit die Palme ihre volle Leistung entfalten kann, braucht sie allerdings sehr viel Wasser und sehr hohe Temperaturen. Deshalb ist die Fläche, auf der Ölpalmen angebaut werden können, eher beschränkt. Und zwar auf die Regionen um den Äquator. Sie konkurriert daher vor allem mit dem Regenwald um Anbaufläche. Und genau hier liegt eines der größten Probleme, das die inflationäre Verwendung der Pflanze mit sich bringt: Jedes Jahr werden neue Flächen für Palmöl-Plantagen im Regenwald gerodet, denn nach spätestens 30 Jahren sind die Böden, auf denen die Palmen wachsen, ausgelaugt.

Das liegt daran, dass Palmöl-Plantagen mehrheitlich riesige Monokulturen sind – da die Pflanzen immer die gleichen Nährstoffe benötigen, sind die Böden danach runtergewirtschaftet. Außerdem werden die Plantagen mit Pestiziden behandelt, um die Palmen zu schützen. Auch die finden sich im Boden und sorgen dafür, dass die Böden nach der Zucht von Ölpalmen nicht mehr fruchtbar sind. Durch seine Vielseitigkeit wird das Öl außerdem in immer mehr Produkten eingesetzt, sodass der Bedarf steigt.

Warum der Regenwald so wichtig ist

Der Regenwald ist aus unterschiedlichen Gründen wichtig für uns Menschen und unser Umwelt. Einerseits ist er die Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten, die es nur dort gibt. Sinkt die Biodiversität, dann kann das langfristig dramatische Folgen haben, weil das Ökosystem aus dem Gleichgewicht gerät. Pflanzen werden nicht mehr bestäubt und Ernten bleiben aus. Das hat direkte Auswirkungen auf den Menschen. Außerdem werden Zoonosen wahrscheinlicher, also Krankheitserreger, die vom Tier auf den Menschen übergehen. Andererseits spielt der Regenwald eine große Rolle im Weltklima. Er speichert große Mengen an Wasser und CO2. Die vielfältige und natürliche Vegetation und das Dach aus Wolken schützt vor einer stärkeren Aufheizung der Erde. Deshalb sinkt der Kühleffekt auch durch die Zerstörung der Regenwälder.

Der Anbau von Ölpalmen zerstört also eines der wichtigsten Ökosysteme unseres Planeten und verseucht den Boden mit Pestiziden. Hinzu kommt, dass das Abwasser der Ölmühlen klimaschädliches Methan freisetzt. Was sollen wir also tun, um das Problem zu beheben?

Reiner Boykott keine Lösung, so der WWF

Ölpalmen sind verdammt effiziente Pflanzen. Selbst der WWF bekennt vor diesem Hintergrund, dass der eine Boykott von Palmöl nicht zielführend ist, denn ein unkritischer Austausch löse die Probleme nicht, sondern verlagere und verschlimmere sie sogar. Der Umweltverband verweist darauf, dass die Alternativen noch viel mehr Fläche im Anbau benötigen würden. Deshalb führe kein Weg daran vorbei, den Anbau ökologischer zu gestalten. Denn Palmöl ist überall: In Fertiggerichten, Kosmetika, Kraftstoffen und sogar Babynahrung.

Initiativen, die Palmöl vermeintlich nachhaltiger machen wollen, gibt es schon heute. Besonders bekannt ist der RSPO, also der Roundtable for Sustainable Palm Oil. Der wurde 2011 vom WWF gegründet. Mitglieder dieses runden Tischs sind vor allem Produzent:innen von Palmöl, also Bauern, Verarbeitungsbetriebe und Händler:innen. Ziel ist es, dass die beteiligten Produzent:innen eine Reihe an Mindeststandards erfüllen. Dazu zählen:

  • Wahrung der Rechte indigener Völker
  • Beteiligung der Gemeinden
  • Konfliktlösungsstrategien werden etabliert
  • Verbot von Zwangsarbeit
  • Verbot von Kinderarbeit
  • Schutz von Frauen
  • Diskriminierungsverbot
  • Mindestlohn

Es gibt noch einige Kriterien mehr, zu deren Einhaltung sich die beteiligten Unternehmen verpflichten. Allerdings steht der RSPO in der Kritik: Einerseits wird seinen Mitgliedern vorgeworfen, nicht transparent genug zu sein, andererseits seien die Kriterien selbst nicht streng genug. So ist es beispielsweise immer noch erlaubt, genetisch veränderte Organismen und Pestizide einzusetzen.

Darauf sollte man beim Einkauf achten

Weil der RSPO-Standard trotz aller Bemühungen keine ernsthafte Alternative darstellt, empfiehlt die Deutsche Umwelthilfe auf Bio-Zertifizierungen zu achten, und zwar bestenfalls in Kombination mit einem Siegel für fairen Handel, wie Fair for Life, Fairtrade oder Hand in Hand. Die Organisation betont, dass viele Kleinbauern in Ländern wie Malaysia oder Indonesien, wo Ölpalmen angebaut werden, vom Handel mit dem Öl abhängig sind. Einige Zertifizierungssysteme ermöglichen es ihnen, ihr Auskommen zu sichern und gleichzeitig nachhaltiger zu wirtschaften. Vor diesem Hintergrund bezeichnet die Deutsche Umwelthilfe nachhaltig produziertes Palmöl sogar als „wichtiges Hilfsmittel im Kampf gegen Armut und für eine nachhaltige Entwicklung“.

Als Verbraucher:in sollte man also darauf achten, nur solche Produkte zu kaufen, die bio-zertifiziertes Palmöl enthalten, welches bestenfalls aus fairem Handel stammt. Klar ist, dass die globale Nachfrage nach Palmöl sinken muss, um den enormen Druck, der aktuell auf den Landwirt:innen lastet, rauszunehmen. Dahingehend sind wir aber schon auf einem guten Weg: Die Hälfte des Palmöls, welches in die EU importiert wird, wird bisweilen für Kraftstoffe verwendet. Ab 2030 wird das nicht mehr gefördert. Bis dahin findet ein schrittweiser Ausstieg statt. Generell gilt: Als Kund:in sollte man lieber bewusster konsumieren und auf nicht-nachhaltiges Palmöl verzichten. Der WWF empfiehlt sogar, den Konsum von Pflanzenölen pro Kopf insgesamt einzuschränken. Denn die anderen Öle, das haben wir gesehen, brauchen sogar noch mehr Fläche und deren Anbau wäre auch mit Problemen verbunden.

Wenn ihr bewusst nach Palmöl Ausschau halten wollt, dann haben wir hier einmal die gängigsten Namen für Palmöl zusammengefasst. Da es unfassbar viele gibt, konnten wir nicht alle berücksichtigen. Ihr könnt den kleinen Einkaufsführer hier downloaden!


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One thought

  1. Vielen Dank für diesen Einblick! Bisher war ich auch in die Richtung gepolt „Palmöl = schlecht“, wobei es mir auch irgendwie unsinnig vorkam, stattdessen Produkte auf Kokosölbasis zu kaufen. Das kommt ja von genauso weit her. Ich werde das alles mal überdenken – es lässt sich bestimmt ein Mittelweg finden 🙂

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