Nachhaltige Geldanlage: So geht grünes Investment

Wie man Geld nachhaltig anlegt? Wir erklären es euch! Foto von Karolina Grabowska von Pexels

Ein Gastbeitrag von fairzinsung.de

Geld ist wie Dünger; es ist nichts wert, bis es überall auf ermutigende Dinge verteilt wird, um zu wachsen.

– Thornton Wilder

Sie wollen Ihr Kapital nicht in Rüstungskonzerne stecken und keine Kinderarbeit unterstützen, stattdessen aber gezielt in Solaranlagen und Windparks investieren? Dann gehören Sie zu der wachsenden Zahl von Anlegern, die ihr Erspartes nicht nur möglichst gewinnbringend inves- tieren wollen, sondern auch sozial, ökologisch und ethisch vertretbar. Dafür stehen Ihnen inzwischen in allen Anlageformen ethisch-ökologische Alternativen zur Verfügung, egal ob Sparanlagen, Investmentfonds oder Altersvorsorgeprodukte.

Rund 40 Prozent der Deutschen würden ihr Geld gern sozial und ökologisch nachhaltig investieren, wie 2017 das Marktforschungsinstitut GfK* ermittelte. Bei einer e-Base Studie „Nachhaltige Kapitalanlagen 2019“ gaben sogar 55% der Befragten an, bei zukünftigen eigenen Geldanlagen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen zu wollen. Allerdings hatten laut GfK-Studie bislang nur 4,8 Prozent auch tatsächlich entsprechende Produkte gewählt. Also nur theoretisch gut gemeinte Absichten?

Nein, die Gründe für diese Lücke sind vielschichtig; zum einen sind selbst Experten nur mit großen Mühen in der Lage, den Markt der nachhaltigen Geldanlagen zu überblicken; zum anderen fehlt es den Anlegern häufig an Informationen über diesen boomenden Markt und seine Akteure.

Dennoch sind im Jahr 2019 die Privatinvestitionen in nachhaltige Fonds und Mandate um fast das Doppelte gewachsen (96% gegenüber dem Vorjahr): von 9,4 auf 18,3 Milliarden Euro.

Höchste Zeit also, etwas mehr Ordnung in den unübersichtlichen Anlagedschungel zu bringen. Dafür muss zunächst einmal die Frage beantwortet werden, was nachhaltige Geldanlagen eigentlich sind und welche Kriterien für sie gelten können. Außerdem beziehen wir den Faktor Nachhaltigkeit in das bisherige klassische Dreieck der Kapitalanlage ein und bieten am Ende eine Übersicht über wichtige Informationsquellen.

Was sind nachhaltige Geldanlagen? Kriterien für grünes Investment

„Bis in die 1990er-Jahre hinein ließ sich die Frage, was eine nachhaltige Geldanlage ist, ganz einfach beantworten. Wer sein Geld mit gutem Gewissen anlegen wollte, investierte in Windkraft und Solaranlagen“, schrieb Sabine Hildebrandt-Woeckel in einem Artikel der Deutschen Handwerkszeitung.

Die Schwierigkeiten bei der Beurteilung nachhaltiger Finanzprodukte fangen bereits beim Namen an: Nur weil sich ein Fonds nachhaltig, fair, öko oder grün nennt, ist er das noch lange nicht. Das sind nämlich keine geschützten Begriffe, weshalb sie auch vielfältig interpretiert werden. Mittlerweile gibt es bereits eine ganze Reihe von Kriterienkatalogen und Ratingscores für nachhaltige Geldanlagen. Die Unterschiede sind zum Teil sehr groß und manche der Ratings sind durchaus kritisch zu beurteilen.

Nachhaltigkeit-Ratings an der Börse

Klima-Ratings für Finanzprodukte haben sich als neues Bewertungsinstrument entwickelt. Eines davon wurde 2017 an der Deutschen Börse in Frankfurt eingeführt: „Climetrics – das erste Klima-Rating für Investmentfonds.“ Laut eigener Aussage bewertet es „2.800 Aktienfonds und ETFs mit einem Wert von insgesamt zwei Billionen Euro. Private und institutionelle Investoren erhalten mit dem Rating erstmals die Möglichkeit, die Klimaauswirkungen dieser Anlagen zu verstehen und bei ihrer Investitionsentscheidung zu berücksichtigen“. Ein weiteres Rating ist das Globus-Modell der Ratingagentur Morningstar. Fünf Globen erhält hier ein nachhaltiger Fonds, wenn er zu den besten zehn Prozent seiner Kategorie gehört – und nur einen, wenn er unter die schlechtesten zehn Prozent fällt. Zu den verschiedenen Börsenindizes, die ethische Investments abbilden, gehört auch der Natur-Aktien-Index der Stuttgarter Börse, in dem 30 Unternehmen aus aller Welt gelistet sind, die als Öko-Vorreiter gelten.

ESG: Nachhaltigkeitskriterien für Unternehmen

ESG steht für Environment (Umwelt), Social (soziales Engagement) und Governance (Unternehmensführung). Diese Bewertung wird z.B. von der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW verwendet. Die Nachhaltigkeitsbewertung für die Emittenten im Liquiditätsportfolio werden von der Nachhaltigkeitsratingagentur Sustainalytics unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Einzelkriterien erstellt, die in den drei o.g. Kategorien gruppiert werden.

Best-in-Class-Verfahren: die „Besten“ aus einer Branche

Ein weiterer Parameter ist das sogenannte Best-in-Class-Verfahren: Investitionen in die Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Branche am nachhaltigsten arbeiten. Dabei sollten potentielle Anleger aber wissen: Waffen oder Atomkraft sind bei diesem Vorgehen keineswegs tabu, die Konzerne müssen nur nachhaltiger arbeiten als die Konkurrenz. „Überspitzt gesagt“, erklärt der Finanzwissenschaftler Christian Klein von der Universität Kassel, „kann sich in Ihrem Fonds dann auch der Streubombenhersteller mit dem niedrigsten CO2-Ausstoß befinden.“

Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)

Das vom Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) entwickelte Verfahren hat laut eigener Aussage das Ziel, Licht in den Nachhaltigkeitsdschungel zu bringen, indem es einzelne Angebote vergleichbar macht. In der Fachwelt gilt das FNG-Siegel zwar als seriöses Bewertungssystem; als alleiniges Qualitätskriterium für Anleger taugt es aber (noch) nicht; die Teilnahme am Audit ist freiwillig und mit Kosten verbunden. Fonds, die kein Siegel tragen, könnten also durchaus vergleichbar nachhaltig arbeiten. Außerdem sind derzeit (28.11.17) nur knapp 40 Fonds, die im deutschsprachigen Raum vertrieben werden, mit einem FNG-Siegel ausgezeichnet.

UN Global Compact

Ein weiteres Tool für Unternehmen ist der „UN Global Compact“. Dieser bezeichnet sich selbst als „weltweit größte und wichtigste Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung“. Der weltweite Pakt bezieht sich auf Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutz sowie Korruptionsprävention. Die insgesamt zehn Prinzipien des UN Global Compact entsprechen den UN-Leitprinzipien. Der Index soll zeigen, dass Unternehmen mit einem verstärkten Nachhaltigkeits-Engagement und einer ausführlichen ESG-Strategie (s.o.) das Potenzial haben, auf den Finanzmärkten langfristig besser abzuschneiden.

Fonds und Banken im Test: Stiftung Warentest und Verbraucherzentralen

Gemeinsam mit der Stiftung Warentest hat die Verbraucherzentrale Bremen im Jahr 2014 nachhaltige Investmentfonds überprüft. Fazit: „Es gibt keine einheitlichen Mindeststandards. Zu einem Stück weit ist ‚nachhaltig‘ auch ein Marketinginstrument. Die Verbraucher müssen sich da genau informieren“, sagt Monika Pietsch-Hadré von der Verbraucherzentrale.

Negativbeispiele aus der Untersuchung: Selbst ein Fonds der Ethikbank Triodos hat die Spekulation mit Lebensmitteln nicht als Ausschlusskriterium formuliert; ein Allianz-Fonds, der sich Global Sustainability nennt, die Kriterien der Verbraucherzentrale jedoch nur zu einem Prozent erfüllt; zu den zehn größten Positionen des Fonds gehören etwa Nestlé, das wegen der Privatisierung von Wasserressourcen regelmäßig kritisiert wird, und BASF, das beispielsweise Donald Trumps Wahlkampf unterstützt haben soll.

Wer auf Fonds und Aktien verzichten möchte, kann auch eine Nummer kleiner anfangen: Mit einem Girokonto bei einer Bank mit Nachhaltigkeitsstandards. Wenn schon das Geld auf einem Sparbuch liegt, nutzen ökologisch-sozial orientierte Banken es meist sinnvoll und vergeben Kredite für ökologisches Bauen, Bildung oder Pflege. Die Verbraucherzentrale Bremen hat 14 Banken verglichen, die über einen ökologisch-sozialen Standard für alle ihre Produkte verfügen. Vier der insgesamt 14 Banken erfüllen alle von der Verbraucherzentrale Bremen untersuchten Ausschlusskriterien für Eigenanlagen und Kreditvergabe: die Ethikbank, die GLS Bank, die Triodos Bank und die Umweltbank.

Vier grundlegende Ansätze

Unter dem Titel „Ethisch-ökologisch anlegen und vorsorgen – so funktioniert‘s“ präsentiert die Verbraucherzentrale vier grundlegende Ansätze für nachhaltige Geldanlagen:

  • Ausschlusskriterien
  • Gezielte Investitionen (Impact Investment)
  • Best-in-Class und
  • Engagement.

Alle ethisch-ökologischen Anlageansätze haben zum Ziel, die vorhandenen Anlagemöglichkeiten zu filtern. Die Grundlage dafür ist das Nachhaltigkeitsverständnis des jeweiligen Anbieters. Verbraucher sollten daher prüfen, ob dieses zu ihren eigenen Vorstellungen passt. Die Anwendung dieser Ansätze unterscheidet sich je nach Anlageform. Diese Ansätze finden sich auch in der Übersicht folgender Anlagestrategien des FNG-Marktberichts:

Quelle: Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG)

Mehr Informationen rund um das Thema nachhaltige Geldanlage findet ihr bei fairzinsung.de


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