Körperpflege aus der Tüte: So gut sind die Produkte zum Anrühren

Körperpflege zum Anrühren oder Anschütteln liegt im Trend. Foto: Less Waste Club.

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Nachdem im letzten Jahr Hersteller von Putzmittel-Tabs den Markt erobert haben, scheint sich der Trend 2021 in Richtung Körperpflege zu entwickeln. Immer mehr Hersteller produzieren Duschgel, Shampoo, Handseife & Co., die man Zuhause ganz einfach selbst anrühren oder anschütteln kann. Dafür braucht man in der Regel nur das Pulver der Wahl, etwas Leitungswasser und ein geeignetes Gefäß. Aber was können die Duschgel-Pulver zum selbst anrühren? Haben sie das Potenzial, konventionelle Körperpflege-Produkte abzulösen? Wir haben uns das am Beispiel des Start Ups Less Waste Club genauer angesehen.

Die Idee: Eine umweltfreundliche Alternative zu konventionellem Duschgel zu schaffen

Pulver-Produkte für die Körperpflege bieten im Vergleich zum 08/15-Produkt einige Vorteile im Hinblick auf die Ökobilanz. Wenn man sich beispielsweise die Liste der Inhaltsstoffe eines normalen Duschgels ansieht, dann steht an erster Stelle eigentlich ausnahmslos eins: Aqua, also Wasser. Das Wasser ist die Basis des Produkts, in ihm sind alle Inhaltsstoffe gelöst. Deshalb macht Wasser auch hinsichtlich des Gewichtes des Produkts den größten Posten aus. Um das Duschgel von A nach B zu transportieren, werden Lastwagen eingesetzt. Und deren CO2-Ausstoß hängt nicht zuletzt von der Beladung ab. Wenn man das Wasser weglässt und stattdessen nur das Pulver zum Anrühren verkauft, dann kann viel mehr Duschgel bei gleichem CO2-Ausstoß von A nach B transportiert werden. Das Wasser wird derweil CO2-effizient über das Leitungswasser-System zu uns nach Hause transportiert. Hier bietet das Körperpflegeprodukt in Pulverform also ganz klar einen Vorteil.

Durch das geringe Gewicht und Volumen sparen wir in der gesamten Lieferkette bis zu 87% CO2 ein.

– Rosalie & Max, less waste club

Für Rosalie und Max, die Gründer:innen des Less Waste Clubs, war aber ein ganz anderer Punkt ausschlaggebend für die Idee, Körperpflegeprodukte in Pulverform zu entwickeln. “Gerade im Bad stapelten sich bei uns die Einwegplastikflaschen”, erinnert sich Rosalie. Aus diesem Grund beschloss Rosalie 2019, einen Zero Waste-Monat einzulegen, um dem Müll-Problem Herr zu werden. Zu diesem Zeitpunkt sind feste Seifen das, was die Zero Waste-Community bevorzugt verwendet. Aber Rosalie kommt damit nicht klar. “Nachhaltigkeit heißt irgendwie immer verzichten auf den gewohnten Standard. Das wollten wir ändern”, erklären die beiden.

Deshalb beginnen sie, auf dem Thema rumzudenken und kommen schließlich auf die Idee, dass ein Pulver, welches erst am “Point of use” zum Duschgel wird, eine gute Lösung wäre. Schließlich kann man so seine normale Duschgel-Flasche immer wieder nachfüllen und Müll sparen, muss aber trotzdem nicht auf sein gewohntes flüssiges Duscherlebnis verzichten.

Aus Pulver und Wasser wird beim Less Waste Club im Handumdrehen ein Duschgel oder Handseife. Foto: Less Waste Club.

Körperpflege entwickeln ist gar nicht so einfach

Rosalie und Max investieren viel Zeit in eine intensive Recherche zu diesem Thema. Das ist gar nicht so leicht, da beide nicht über einen entsprechenden beruflichen Hintergrund verfügen. In kleinen Mengen ordern sie sich die entsprechenden Inhaltsstoffe nach Hause und experimentieren. “Allerdings hat sich das als schwieriger als gedacht herausgestellt und uns oft verzweifeln lassen”, erzählen die beiden. Anfangs hatten sie sogar geplant, alles selbst zu machen. “Als wir bemerkt haben, dass wir nicht weiterkommen, haben wir uns einen Profi mit ins Team geholt”, so Max.

Das Ergebnis ihrer Tüftelei kann sich wirklich sehen lassen: Die Körperpflege-Pulver der beiden enthalten nur empfehlenswerte Inhaltsstoffe. Lediglich für Menschen, die Probleme mit Duftstoffen haben, könnten die Produkte ein Problem sein. Bisher haben sie ein Duschgel und eine Handseife im Sortiment. Auf ihrer Website klären sie ihre Kund:innen genau darüber auf, was enthalten ist. Das sieht im Fall des Duschgels zum Beispiel so aus:

InhaltsstoffErklärung
Sodium Cocoyl IsethionateSCI ist ein mildes, anionisches Tensid pflanzlichen Ursprungs in Pulverform. Gewonnen wird SCI aus den Fettsäuren von Kokosöl.
Xanthan GumXanthan Gum ist ein natürliches Verdickungs- und Geliermittel in Pulverform.
Zea Mays (Corn) StarchStärke
Aloe Barbadensis Leaf Juice PowderAloe Vera
Caprylhydroxamic AcidKonservierungsmittel biotechnologischen Ursprungs – welches aus Kokosnussöl gewonnen wird. 
HydroxyacetophenoneAnti-Oxidant. Es hemmt Reaktionen, die durch Sauerstoff gefördert werden und verhindert so Oxidation. Dadurch wird das fertig angemischte Duschgel vor mikrobiologischer Belastung und dem damit verbundenen „kippen“ geschützt.
LimoneneDuftstoff
ParfumDuftstoff
Hydrolyzed Wheat ProteinDurch Weizenproteine kann die natürliche Schutzbarriere der Haut gestärkt und Wasserverlust vermindert werden. Durch die Weizenproteine wird häufig eine durchblutungs- und elastizitätssteigernde Wirkung erzielt. 
Sodium PhytateAuch Natrium Phytat genannt, ist ein natürlicher Komplexbildner der die Bildung von feinblasigem Schaum ermöglicht und dadurch gleichzeitig die Reinigungswirkung verbessert.
AquaWasser
LinaloolDuftstoff
GeraniolDuftstoff
CitralDuftstoff

Alle Inhaltsstoffe sind haut- und umweltfreundlich. Das haben sich die beiden zum obersten Credo gemacht. Ohne Konservierungsmittel ging es aber nicht, weil Leitungswasser beigemischt wird. “Da wir Verunreinigungen bei Leitungswasser nicht ausschließen können, müssen wir Konservierungsmittel verwenden”, erklärt Rosalie. Bei der Auswahl ihrer Zulieferer legen sie Bio-Maßstäbe an. Aber sie setzen sich in Einzelfällen auch darüber hinweg, um sich zum Beispiel wie bei der Aloe Vera auf den fairen Handel zu konzentrieren. In Zukunft wollen sie ihre Produkte auf jeden Fall zertifizieren lassen. Sie planen, sich um das Ecocert Siegel, Dermatest und das Peta cruelty free-Label zu bemühen.

Zukunftsmusik: Das wollen Rosalie & Max mit ihrer Körperpflege erreichen

Wir wollen die Masse erreichen und Nachhaltigkeit für jeden zugänglich machen.

– Rosalie & Max, Gründer:innen des less waste clubs

Im Praxistest hat das Duschgel die EKOLOGISKA-Redaktion vollends überzeugt: Es duftet wunderbar und hat eine gute Konsistenz, die auch über mehrere Wochen erhalten bleibt. Der Spender hat trotz Plastikkörper eine hochwertige Optik und ist auch in Familien mit Kleinkindern gefahrlos einsetzbar. In Zukunft wollen Rosalie und Max ihr Sortiment noch mehr erweitern. Sie tüfteln unter anderem schon an einem Shampoo. Mit ihrem Less Waste Club wollen sie noch in diesem Jahr eine Million Einwegflaschen einsparen und so etwas Gutes für die Umwelt tun. “Wir sind der festen Überzeugung: Wenn wir es schaffen alle dazu zu bewegen einen kleinen Schritt zu machen, machen wir gemeinsam einen unglaublich großen Schritt nach vorne. Daher auch die Idee mit dem Club. Nichts elitäres oder besonderes. Nur gemeinsam schaffen wir den Wandel”, erklären die beiden.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sie noch einige Sachets verkaufen. Denn ihren Berechnungen zufolge ersetzen Handseife und Duschgel pro Jahr und Person rund 17 Einwegflaschen. Momentan sind die Produkte außerdem noch relativ teuer. Etwas mehr als 17 Euro kostet ein Dreier-Pack Handseife oder Duschgel. Das liegt daran, dass momentan noch in kleinen Auflagen in Deutschland produziert wird. In Zukunft soll sich aber auch das ändern. Wir finden: Der Less Waste Club hat einen tollen Ansatz mit einer transparenten und ehrlichen Kommunikation nach außen hin. Das finden wir super. Denn viele Unternehmen lassen ihre Kund:innen im Dunkeln tappen, was die Inhaltsstoffe betrifft.


Wenn ihr mehr über den Less Waste Club erfahren wollt, dann schaut doch einmal hier vorbei.

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