Aus alt mach neu: Vier Labels, die Upcycling-Mode anbieten

Aus Altem etwas Neues machen: Upcycling liegt im Trend und ist nachhaltig. Foto von cottonbro von Pexels.

Upcycling liegt im Trend und ist super nachhaltig. Denn die Technik beschreibt einen Prozess, in welchem aus Abfallprodukten neuwertige Artikel geschaffen werden. Und von Abfallprodukten haben wir besonders im textilen Bereich mehr als genug. Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gibt jeder Bundesbürger:in pro Jahr 16 Kleidungsstücke in die Altkleidersammlung. Da kommt eine ganze Menge zusammen, die längst das Maß dessen überschreitet, was Hilfsorganisationen für Menschen in Not benötigen. Deshalb ist in den letzten Jahren ein richtiger Markt rund um Altkleider gewachsen.

Alles für den guten Zweck – oder was passiert mit unseren Altkleidern?

Die meisten Menschen, die aufgetragene Kleidung in die Altkleider-Sammlung bringen, haben wohl das Bild des hilfsbedürftigen Menschen vor Augen, dem sie gerne etwas Gutes tun möchten. Allerdings landen nur zehn Prozent der 1,1 Millionen Tonnen Altkleider tatsächlich in Kleiderkammern oder Second-Hand-Geschäften. 40 Prozent der Textilien werden nach Osteuropa oder Afrika exportiert, wo sie zum Teil die lokale Textilindustrie kaputt machen. Die Hälfte ist sogar gar nicht mehr als Kleidung zu gebrauchen und wird zu Putzlappen oder Dämmmaterial verarbeitet. Ein kleiner Teil davon ist so minderwertig, dass er nur noch verbrannt werden kann.

Kurzum: Wenn wir nachhaltig und achtsam mit unserer Kleidung umgehen wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass sie möglichst lange getragen wird und nicht als Dämmstoff endet oder gar verbrannt wird. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus positiv zu bewerten, dass immer mehr Labels vermeintliche Altkleider für sich als Rohstoff entdecken und daraus etwas Neues machen, indem sie Upcycling betreiben. Ein paar dieser Labels stellen wir euch in diesem Artikel vor.

Karl & Ellen: Upcycling von Erwachsenen-Mode

Aus alt mach neu: Bei Franzi wird aus einem Shirt für Erwachsene im Handumdrehen ein Kleidungsstück für Kinder. Foto: Karl & Ellen.

Hinter dem jungen Label Karl&Ellen steckt Franzi. Die 30-jährige lebt mit ihrer Familie im Bergischen Land und fertigt dort im kleinen Stil Kinderkleidung aus aufgetragener Erwachsenen-Mode. Ihr erstes Upcycling-Projekt war ein Dreiecks-Tuch, welches sie aus alter Kleidung ihres Mannes fertigte. In ihrem kleinen aber feinen Shop findet man heute quasi nur Einzelstücke. Darunter neben Accessoires wie Mützen und Loops auch Kleider, Oberteile und Hosen. Mehr Infos findet ihr hier.

Avenir: Bomberjacken aus ausgetragenen Jeans

Die Denim-Bomber von Avenir machen ordentlich was her. Foto: @debora_brune.

Avenir hat sich vorgenommen, den Lebenszyklus seiner Produkte zu schließen. Besonders sichtbar wird das bei den Bomberjacken des Labels, denn die bestehen aus Upcycling-Jeans: In Kooperation mit der Berliner Stadtmission suchen die Köpfe hinter Avenir die Jeans aus und geben sie dann zur Weiterverarbeitung in ihre Produktion nach Polen. Hier werden sie nach Angaben des Unternehmens unter fairen Bedingungen zu den Bomberjacken verarbeitet. Auch bei ihren anderen Produkten haben sie den Anspruch, den Kreislaufgedanken hoch zu halten. Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Kaschmirkonfetti: Windeln aus Upcycling-Kaschmir

Die Kaschmir hoch zwei Windel besteht innen wie außen aus Upcycling-Kaschmir. Foto: Kaschmirkonfetti.

Bei Kaschmirkonfetti ist der Name Programm: Gründerin Sina näht aus aufgetragenen Kaschmir-Pullovern das Innenleben ihrer Stoffwindeln, nachdem sie diese zerschnitten und so zu “Kaschmirkonfetti” verarbeitet hat. Mit dieser Technik schont sie Ressourcen, denn Kaschmir ist ein tierisches Produkt und der ökologische Fußabdruck daher eher groß. Ihr fesches Aussehen verdanken die Windeln übrigens den Künstlerinnen Eike und Kathinka von Bonnie & Buttermilk. Denn das Design der Stoffe haben die beiden übernommen. Wenn ihr mehr zu den Windeln aus Upcycling-Kaschmir wissen wollt, dann klickt hier.

ForSchur: Aus aufgetragenen Pullovern wird Kinder- und Frauenmode

Die berühmte Hose mit der Falte von ForSchur. Foto: ForSchur.

Hinter ForSchur stecken Nina und Tabea. Die beiden haben ForSchur mit der Intention gegründet, besonders nachhaltige Mode zu produzieren. Dabei wollten sie aber nicht auf hochwertiges Material und einen hohen Tragekomfort verzichten. Der Kompromiss, den sie gefunden haben, heißt Upcycling: Aus aufgetragenen Pullovern aus Wolle und Kaschmir fertigen sie ihre Designs. Wer will, der kann die beiden auch in ihrem eigenen Showroom in Berlin besuchen und ihnen bei der Produktion über die Schulter schauen. Besonders bekannt ist das Label übrigens für seine besonderen Kinderschnitte, wie die “Hose mit der Falte”. Mehr Informationen zu ForSchur findet ihr hier.

Ihr wollt mehr Artikel zum Thema faire Mode lesen? Dann schaut doch mal in unserer Rubrik vorbei. Die haben wir euch hier verlinkt.


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