Planeatary Health Diet: Gesunde und nachhaltige Ernährung per App

Die Planeatary App will User:innen helfen, sich entsprechend der Planeatary Health Diet zu ernähren. Foto von cottonbro von Pexels.

Die Planeatary Health Diet geht von folgendem Szenario aus: Im Jahr 2050 sollen 10 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben. Und jeder dieser Menschen will genug zu Essen haben und sich gesund ernähren können. Wenn man sich die Erde und die Herausforderungen, vor denen die Menschheit schon heute steht ansieht, dann scheint es utopisch, 10 Milliarden Menschen satt zu kriegen. Schließlich hungern heute schon 690 Millionen Menschen (Stand 2019) und der Verlust der Artenvielfalt und der Klimawandel stellen die Nahrungsmittelproduktion auf die Probe.

Gut für die Gesundheit und den Planeten: Planeatary Health Diet

Eine Lösung für dieses Problem könnte die Planeatary Health Diet (kurz: PHD) sein, die 2019 im Rahmen des Meta-Reports “Food in the Anthropocene: The EAT-Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems” zuerst veröffentlicht wurde. Um diesen Ernährungsplan zu entwickeln haben sich 37 Wissenschaftler:innen des “EAT Forum” zusammengetan. Ihre Mission: Einen Plan entwickeln, mit welchem man 10 Milliarden Menschen gesund ernähren kann, ohne die planetaren Grenzen zu überschreiten. Aber wie sieht diese Ernährung aus?

Darüber haben wir mit Torben und Eva gesprochen. Die beiden haben eine App entwickelt, mit welcher man sein Essverhalten gemäß der PHD tracken kann.

EKOLOGISKA: Eine Grundannahme, auf der diese Ernährungsform basiert bzw. weshalb sie überhaupt notwendig erscheint ist ja, dass die Gesundheit des Menschen und des Planeten zusammenhängen. Inwiefern ist das der Fall?

EVA: Die ökologischen Folgen unserer Ernährung sind beträchtlich: Mehr als 40 Prozent aller Treibhausgasemissionen weltweit resultieren aus Produktion, Transport, Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln. Gleichzeitig bestimmen die Lebensmittel, die wir zu uns nehmen, maßgeblich unsere Gesundheit. In Deutschland gehen laut der “Global Burden of Disease Study” circa 14 Prozent aller Tode auf mangelhafte Ernährung zurück.

Viele Lebensmittel, die uns schaden, sind auch für den Planeten nicht gut

Dabei fällt auf, dass viele Lebensmittel, die für uns ungesund sind, auch dem Planeten schaden. So zählt beispielsweise Rindfleisch, aufgrund des hohen Flächen- und Wasserverbrauchs sowie hoher Treibhausgasemissionen, zu den klimaschädlichsten Lebensmitteln. Gleichzeitig ist rotes Fleisch auch für den Menschen nicht gesund und wurde in wissenschaftlichen Analysen zum Beispiel mit einem höheren Risiko für Schlaganfälle und Diabetes Typ 2 in Verbindung gebracht.

EKOLOGISKA: Welche globalen Probleme können denn durch die richtige Ernährung gelöst werden?

EVA: David Attenborough, ein bekannter Umweltschützer aus Großbritannien, beschreibt den Klimawandel als “the major challenge facing the world”. Diese Herausforderung beeinflussen wir maßgeblich durch unsere Ernährung. Dabei geht es nicht nur um Treibhausgasemissionen, sondern auch um die Überschreitung anderer planetarer Grenzen. So ist etwa die Landwirtschaft hauptverantwortlich für das weltweite Artensterben. Deshalb widmet sich die “Planetary Health Diet” auch weiteren Umweltproblemen wie Überfischung, Flächen- und Wasserknappheit, Überdüngung, Entwaldung und Wüstenausbreitung.

Abgesehen davon haben wir auch das Problem des Welthungers: Während von den 7,8 Milliarden Menschen auf unserem Planeten aktuell circa 2 Milliarden übergewichtig sind, sind circa 800 Millionen Menschen unterernährt. Dabei leben auch Menschen, die genügend Essen bekommen, nicht unbedingt gesund. Fehlernährung ist daher auch im globalen Norden ein Thema. Dort wird zum Beispiel mehr Zucker, rotes Fleisch und Fett gegessen als je zuvor.

Die Planeatary Health Diet ist keine Diät, sondern eine Ernährungsempfehlung

EKOLOGISKA: Die Forscher*innen, die die PHD entwickelt haben, sind ja von folgenden Rahmenbedingungen ausgegangen, als sie ihr Konzept entwickelt haben: Es ist 2050, auf der Erde leben 10 Milliarden Menschen und alle müssen gesund ernährt werden. Außerdem soll der Planet nicht ausgebeutet werden. Das klingt erst einmal ziemlich utopisch, vor allem wenn man den Status Quo kennt. Wie sieht die entwickelte PHD denn aus?

EVA: Die “Planetary Health Diet” sieht täglich 2.500 kcal pro Person vor und ist damit keine “Abnehm-Diät” sondern eine allgemeine Ernährungsempfehlung. Sie gliedert Lebensmittel in verschiedene grundlegende Kategorien, wie beispielsweise Obst oder Nüsse. Für jede Kategorie wurde dann festgelegt, wie viel Gramm durchschnittlich täglich davon verzehrt werden sollten. Dabei ist vorgesehen, den Fleisch- und Zuckerkonsum drastisch zu reduzieren und dafür den Anteil an Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten stark zu erhöhen. Die “Planetary Health Diet” versucht für alle Menschen anwendbar zu sein und möglichst wenig zu fordern. Erreicht wird dies unter anderem durch eine leicht erhöhte Kalorienmenge sowie eine gewisse Flexibilität in den Mengen der einzelnen Kategorien.

EKOLOGISKA: Interessanterweise ist ja durchaus Fleisch auf dem Speiseplan vorgesehen, wenn auch in kleinen Mengen. Wie passt das mit dem Claim der Veganer:innen zusammen, dass Veganismus die nachhaltigste Ernährungsform ist?

EVA&TORBEN: Auch wir waren zunächst überrascht. Es ist völlig unbestreitbar, dass tierische Produkte sehr problematische Auswirkungen auf unsere Umwelt und Gesundheit haben. Die “Planetary Health Diet” sieht trotzdem einen geringen täglichen Fleischkonsum vor, da dieser ökologisch und gesundheitlich “verkraftbar” ist. Zudem soll sie global anwendbar sein, doch nicht überall ist die Umstellung von tierischen auf pflanzliche Proteine so einfach wie in den Industrienationen. Es ist also gerade so viel Tierisches eingeplant wie der Planet verkraften kann. Der Fleischkonsum in Deutschland liegt aktuell bei circa 246 Gramm pro Tag und Person, die “Planetary Health Diet” sieht hingegen nur 48 Gramm vor.

48 Gramm Fleisch pro Person und Tag sind verkraftbar, so die Planetary Health Diet

Wir halten es für unrealistisch, dass sich die ganze Welt demnächst vegan ernähren wird. Und egal ob man diese Auffassung teilt oder nicht, ist es für die meisten Menschen einfacher, ihre Ernährung schrittweise umzustellen. Dennoch ist eine vegetarische oder vegane Ernährung natürlich umweltfreundlicher als eine omnivore oder pescetarische. Daher bietet unsere App PLANEATARY auch vegetarische und vegane Ernährungspläne an, die tierische Proteine ganz oder teilweise durch pflanzliche ersetzen.

EKOLOGISKA: App ist ein gutes Stichwort. Warum habt ihr euch dazu entschieden, in eurer Freizeit eine App aus dem Ernährungskonzept zu machen? 

EVA: Anfang 2019 wurde nicht nur der Meta-Report veröffentlicht, sondern wir haben uns auch wenig später auf einem Design-Meetup kennengelernt. Wir waren von der “Planetary Health Diet” begeistert, diese hatte allerdings ein großes Problem: Sie ist toll in der Theorie, aber im Alltag viel zu kompliziert und daher kaum anwendbar. Als die “Planetary Health Diet” veröffentlicht wurde, war sie in den Medien sehr präsent und wurde viel geteilt. Diese anfängliche Aufmerksamkeit hat schnell abgenommen, denn wer weiß schon wie viel Gramm Gemüse oder Nüsse man pro Tag isst?

Wir alle kennen diverse Apps, die dabei helfen sollen die Ernährung anzupassen, um ab- oder zuzunehmen, Muskelmasse aufzubauen oder gesünder zu leben. Was es noch nicht gab war eine App, die dabei hilft nachhaltige Ernährung ganzheitlich zu betrachten und auch die menschliche Gesundheit zu berücksichtigen. Unser Ziel mit PLANEATARY ist es, eine solche Ernährung einfacher und zugänglicher zu machen und damit, so gut wie wir es können, die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Per App tracken, wie nachhaltig und gesund die eigene Ernährung ist

EKOLOGISKA: Was können User:innen mit eurer App machen? 

EVA: PLANEATARY ist seit Ende Januar kostenlos für iOS und Android erhältlich. Unser Prinzip ist dabei einfach: Nutzer:innen können aus einem großen Angebot an Lebensmitteln (und dazu passenden Einheiten wie einem Apfel oder einer Portion Müsli) auswählen, was sie gegessen haben. Die App gibt dann basierend auf den wissenschaftlichen Grundlagen der “Planetary Health Diet” Feedback zum Essverhalten. So kann man die eigene Ernährung anpassen und langfristige Fortschritte erzielen. Mir hat PLANEATARY zum Beispiel nach relativ kurzer Nutzung aufgezeigt, dass ich, seit ich mich vegetarisch ernähre, viel zu viele Milchprodukte esse. Seitdem probiere ich mich munter durch vegane Käsealternativen und bin schon auf einige neue Lieblinge gestoßen.

Zudem lässt sich PLANEATARY auf individuelle Wünsche und Bedürfnisse anpassen. Es kann zum Beispiel die tägliche Kalorienmenge eingestellt werden, oder man kann sich diese bequem berechnen lassen. Außerdem bieten wir neben dem omnivoren Ernährungsplan der “Planetary Health Diet” jeweils einen pescetarischen, vegetarischen und veganen Plan an.

Mehr Informationen zur App von Eva und Torben findet ihr hier. Weitere Apps, die euren Alltag nachhaltiger machen, findet ihr hier.


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One thought

  1. Bravo ! Tagtäglich entscheiden wir beim Einkauf unserer Lebensmittel. Darüber ob die Discount Multis noch mehr Milliarden auf ihren Privatkontos häufen, während all ihre Zulieferer am Hungertuch nagen, um Geiz ist geil zu finanzieren.
    Oder ob wir Fair Trade und regionale Bioprodukte bevorzugen und gegen die Überernährung auch mal demütig ne`Mahlzeit ausfallen lassen und dafür vielleicht mal ein Hungerprojekt unterstützen.
    Diese App. werde ich mir unbedingt downloaden, um mich tagtäglich daran erinnern – “Nit zu vergesse, was ich esse !”

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