Nachhaltige Sonnencremes im Vergleich

Sonnencreme ist wichtig. Aber worauf sollte man beim Kauf achten? Foto von RF._.studio von Pexels

Die Tage werden länger, die Sonneneinstrahlung intensiver: Langsam aber sicher gehen wir auf den Sommer zu und es wird Zeit, sich für eine Sonnencreme zu entscheiden. Diesbezüglich hat man in der Drogerie inzwischen die Qual der Wahl und es fällt einem als Konsument:in gar nicht so leicht, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Schließlich gibt es eine ganze Reihe an Inhaltsstoffen und Faktoren, die man in seine Entscheidung miteinbeziehen kann. Um euch die Entscheidung ein bisschen leichter zu machen, haben wir uns durch die INCI-Listen einiger Hersteller von Naturkosmetik-Sonnencremes gewühlt. Das Ergebnis ist eine Tabelle, die ihr am Ende des Artikels findet. Wir haben alle Sonnencremes im Hinblick auf ihren UV-Filter, Lichtschutzfaktor, die Darreichungsform, Mikroplastik und sonstige Zusatzstoffe gecheckt.

Tipp: Wir haben zur Recherche unter anderem das Sonnenschutz ABC von Annis bunte Wissenschaft gelesen und für absolut empfehlenswert befunden. Anni ist Biologin und hat sich sehr tiefgehend mit diesem Thema auseinandergesetzt. Das eBook kostet 9,99 Euro und ist jeden Cent wert. An dieser Stelle: Ganz große Empfehlung! Ihr findet es hier.

Darauf kann man beim Kauf von Sonnencreme achten

Sonnencreme kaufen klingt einfach und im Prinzip ist es das auch – wenn man sich einmal informiert und eine fundierte Kaufentscheidung getroffen hat. Denn Sonnencremes können nicht nur Stoffe enthalten, die für uns und die Umwelt schädlich sind, sondern im schlimmsten Fall kann die falsche Sonnencreme auch Hautkrebs begünstigen. Deshalb lohnt es sich, sich einmal die Mühe zu machen und genau hinzusehen. Denn davon profitiert man in der Regel langfristig.

Wann schadet Sonnencreme Korallen?

Die Chemikalien, die in Sonnencremes enthalten sind und für das Korallensterben sorgen, sind primär Octinoxat und Oxybenzon, aber auch diverse Parabene. Octinoxat und Oxybenzon sind chemische UV-Filter, die dafür sorgen, dass sich die Korallen nicht mehr vermehren können und schließlich absterben. Dass diese beiden Stoffe nicht nur der Umwelt, sondern auch uns Menschen schaden, das bestätigte der Toxikologe Joe Dinar gegenüber der Tagesschau. Demnach wirken die UV-Filter wie Hormone und können Krebs auslösen.

Die Qual der Wahl: Chemische oder mineralische UV-Filter?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen chemischen und mineralischen UV-Filtern. Chemische Filter wirken, indem sie UV-Strahlung in Wärme umwandeln. Damit das funktioniert, dringen sie in die oberste Hautschicht ein. Je nachdem, welcher Filter genau eingesetzt wird, wird die Strahlung in einem bestimmten Spektrum absorbiert und umgewandelt. Weil es in diesem Bereich keine Eierlegende Wollmilchsau gibt, also einen Filter, der Strahlung entlang des gesamten Spektrums absorbiert, werden in der Regel verschiedene chemische Filter oder auch chemische und mineralische Filter kombiniert, um einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten. Beispiele für chemische UV-Filter wären zum Beispiel Oxybenzone oder Butyl Methoxydibenzoylmethane.

Mineralische UV-Filter hingegen wirken physikalisch. Sie enthalten eine große Menge sehr kleiner Partikel, die durch das Auftragen der Sonnencreme auf der Haut verteilt werden und die Strahlung reflektieren, streuen oder absorbieren. Umso mehr Partikel in einer Sonnencreme enthalten sind, umso höher ist der Lichtschutzfaktor. Besonders mineralische Sonnencremes neigen dazu, zu weißeln. Das Weißeln zeigt an, dass die entsprechende Stelle geschützt ist. Insofern ist das nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen – auch wenn das gemeinhin so gedeutet wird. Mineralische Sonnencremes, die nicht weißeln, enthalten oft Nano-Partikel. Diese sind extrem klein und können in die oberste Hautschicht eindringen. Ein Beispiel für einen mineralischen Filter ist beispielsweise Zinkoxid. Untersuchungen haben gezeigt, dass Zinkoxidnanopartikel in der Lunge und den Nervenzellen zell- und gentoxisch wirken können. Die Partikel werden zwar so bearbeitet, dass die Zink-Ionen nicht migrieren können, aber Bedenken bleiben trotzdem bestehen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Allergiker:innen, Menschen mit Akne und Neurodermitiker:innen davon ab, die Sonnencremes mit Nanopartikeln ohne Absprache mit ihrem Facharzt zu benutzen.

Chemische UV-FilterMineralische UV-Filter
– Wirken erst nach rund 30 Minuten
– Bieten nur in bestimmten Strahlungsbereichen
einen Schutz
– Können Korallen schaden und hormonell wirksam sein
– Weißeln nicht
– Sind zum Teil nicht photostabil
– Dringen in die obere Hautschicht ein
– Wirken sofort
– Decken das ganze Strahlungsspektrum ab
– Sind unbedenklich für Korallen
– Können Nanopartikel enthalten, die in die obere Hautschicht eindringen
– Weißeln
– Photostabil (lichtbeständig)
Chemische und mineralische UV-Filter im Vergleich.

Stick, Creme oder Spray: So trägt man Sonnencremes auf

Ob Creme, Milch, Lotion oder Stick: Sonnencremes gibt es heute in unterschiedlichen Darreichungsformen und jede ist für den einen besser und für den anderen schlechter geeignet.

Sonnencreme im wahrsten Sinne des Wortes, also in Form einer Emulsion aus Fett und Wasser, ist bei uns am weitesten verbreitet. Mischungen, bei denen der Fett- und Wasseranteil ausgeglichen sind oder aber der Ölanteil überwiegt, eignen sich besonders bei trockener Haut. Sie sollten aber nicht bei Menschen angewandt werden, die eine Sonnenallergie haben. Mischungen, bei denen der Wasseranteil überwiegt, eignen sich gut bei fettiger Haut. Gele sind frei von Fett und eignen sich daher besonders gut für Menschen mit einer Sonnenallergie oder unreiner Haut. Bei Sprays sollte man darauf achten, dass keine Nanopartikel enthalten sind – die kann man sonst nämlich schnell einatmen. Sonnensticks haben meist eine Wachs- oder Fettbasis und eignen sich eigentlich für jede:n.

Lichtschutzfaktor ermitteln: So funktionierts

Der Lichtschutzfaktor (kurz LSF) gibt an, wie lange man sich in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Um die Zeit bis zum Nachcremen zuverlässig zu bestimmen, sollte man zunächst in Erfahrung bringen, welchen Hauttypen man hat. Seiten wie das Deutsche Grüne Kreuz bieten hierfür eine erste Orientierung. Das DGK unterscheidet insgesamt sechs Hauttypen. Jeder dieser Typen hat eine individuelle Eigenschutzzeit, die für die Ermittlung des Lichtschutzfaktors eine Rolle spielt. Mit Eigenschutzzeit ist die Zeitspanne gemeint, die man die Haut pro Tag ungeschützt der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen.

Typ ITyp IITyp IIITyp IVTyp VTyp VI
Haut: besonders empfindlich, sehr hell, neigt zu Sommer-sprossen und zu Sonnen-
brand, bräunt kaum

Eigenschutzzeit: 5 bis 10 Minuten
Haut: hell und empfindlich, Sonnen-brand häufig, schwache Bräunung

Eigenschutzzeit: 10 bis 20 Minuten
Haut: wenig empfindlich, wirkt stets leicht gebräunt, höchstens schwacher Sonnen-brand

Eigenschutzzeit: 20 bis 30 Minuten
Haut: oliv getönt, unempfindlich, bräunt schnell und tief

Eigenschutzzeit: mehr als 30 Minuten
Haut: braun, sehr selten Sonnen-brand

Eigenschutzzeit: mehr als 60 Minuten
Haut: dunkelbraun bis schwarz, Sonnen-brand extrem selten

Eigenschutzzeit: mehr als 90 Minuten
Die unterschiedlichen Pigmenttypen im Vergleich. Quelle: Deutsches Grünes Kreuz.

So weit so gut – aber was, wenn ich meinen Pigmenttypen kenne? Wie finde ich nun die richtige Sonnencreme? Die Formel lautet wie folgt: Eigenschutzzeit x Lichtschutzfaktor = Zeit, die ich draußen verbringen kann, ohne einen Sonnenbrand zu befürchten, und zwar bei einem angenommenen UV-Index von 8, wie man ihn in der Regel auf Bergen vorfindet. Daraus ergibt sich, dass hellere Hauttypen tendenziell zu einem höheren LSF greifen sollten, während dunklere Hauttypen zu einem niedrigeren LSF greifen können.

Mikroplastik und andere Zusatzstoffe in Sonnencremes

Neben der Trägersubstanz und dem UV-Filter enthalten Sonnencremes sehr oft weitere Zusatzstoffe, die wir im folgenden einmal auflisten.

Polymere werden Sonnencremes zugesetzt, um sie wasserfest zu machen. Sie sind zwar für uns erst einmal nicht schädlich, landen aber im Abwasser, sobald wir die Sonnencreme abwaschen und so letztlich auch in der Umwelt. Denn Polymere sind oftmals nur schwer biologisch abbaubar. Im Laufe der Zeit zerfallen sie zu Mikroplastik und kommen über unsere Nahrung zurück in unseren Körper.

Duftstoffe werden den Cremes oft zugesetzt, um sie angenehmer in der Anwendung zu machen. Allerdings haben einige Duftstoffe das Potenzial, Allergien auszulösen. Aus diesem Grund sind 26 Duftstoffe in der EU deklarationspflichtig.

Konservierungsstoffe erfüllen den Zweck, die Haltbarkeit der Sonnencreme zu verlängern, indem sie die Vermehrung von Mikroorganismen hemmen. Auch hier liegt das Problem im teils allergieauslösenden Potenzial der Stoffe. Über Nanopartikel haben wir weiter oben schon ausführlicher geschrieben. Sie müssen mit dem Zusatz (NANO) kenntlich gemacht werden. So kann man Produkte, die Nanopartikel enthalten, gezielt meiden.

So schneiden die von uns getesteten Sonnencremes im Vergleich ab

Wir haben uns sechs Sonnencremes, die in der Grünen Community hochgelobt werden, einmal genauer angesehen und auf die aufgeführten Punkte hin geprüft. Das Ergebnis findet ihr hier.


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