Nachhaltiger Schmuck: Beliebte Labels im Vergleich

Wie nachhaltig arbeiten Labels, die nachhaltigen Schmuck anbieten, wirklich? Wir haben’s gecheckt! Foto von Oleg Zaicev von Pexels

Was macht Schmuck eigentlich nachhaltig? Sind es die eingesetzten Materialien oder vielleicht doch eher die Arbeitsbedingungen? Ist recyceltes Gold besser als faires Gold? All das sind Fragen, die wahrscheinlich jede*r, der oder die Schmuck herstellt, ein wenig anders beantwortet. Uns ist aufgefallen, dass momentan viele Labels aus dem Boden schießen, die vermeintlich fairen und/oder nachhaltigen Schmuck anbieten. Weil auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen ist, ob und inwiefern das Unternehmen wirklich nachhaltig agiert, haben wir uns dazu entschieden, die bekanntesten Labels einmal zu checken und hinter die Kulissen zu schauen.

Die Frage nach der Herkunft der Edelmetalle

Klar ist: Eine entscheidende Rolle spielen die Edelmetalle, die eingesetzt werden. Vor allem der Abbau von Gold ist mit vielen Problemen behaftet, und zwar für Mensch und Umwelt. Der Goldabbau findet heute überwiegend in Minen statt. Diese werden gesprengt, damit das Material, in dem sich womöglich Gold befindet, zerkleinert wird. Dieses zerkleinerte Material wird zermahlen und dann für eine offene Laugung aufgeschüttet und wochenlang mit Zyanid behandelt, um die Goldspuren aus dem Gestein zu lösen. Aus einer Tonne Gestein kann man in der Regel ein bis zwei Gramm Gold lösen.

Für die Umwelt und die Arbeiter*innen ist dieses Verfahren sehr gefährlich. Das liegt daran, dass die Becken, in denen das Gestein mit Zyanid beträufelt wird, oft nicht gut genug befestigt sind und brechen können. Außerdem atmen die Arbeiter*innen permanent die giftige Flüssigkeit ein, was ebenfalls ein gesundheitliches Risiko darstellt. Nach der Behandlung des Gesteins bleiben riesige Mengen an giftiger Schlacke zurück, die in einigen Regionen der Welt einfach in Flüsse oder das Meer gekippt werden, was ein riesiges Problem darstellt. Für den Goldabbau werden außerdem Wälder abgeholzt und Menschenrechte insbesondere der indigenen Bevölkerungen verletzt. Mehr zum Abbau von Gold und den damit verbundenen Problemen könnt ihr zum Beispiel hier nachhören:

Wer mehr zum Abbau von Silber erfahren möchte, der kann im Blogbeitrag von Tatjana bei InCapitalLetters.de vorbei schauen.

Wegen dieser langen Liste an Problemen, die mit dem Abbau von Gold und anderen Edelmetallen verbunden sind, sollte man genau hinsehen, woher die Materialien für den Schmuck kommen, den man kauft.

Die Alternative: Schmuck aus Recycling- & fairem Gold

Faires Gold gibt es aus unterschiedlichen Quellen. Zum einen gibt es Fairtrade Minen. Die Techniken sind hier weitestgehend die gleichen, wie im konventionellen Anbau – mit dem großen Unterschied, dass die Arbeiter*innen nicht ausgebeutet werden, Kinderarbeit verboten ist, die Umwelt geschont wird und es Mindestpreise für die Abnahme gibt, sodass alle Beteiligten fair vergütet werden können. Es gibt aber auch finnisches Waschgold und das sogenannte Rheingold – beides wird aus Flüssen gewaschen, also ganz natürlich und ohne den Einsatz von Chemikalien. Das Flussgold ist aber nur in kleinen Mengen verfügbar und reicht alleine nicht aus, um den weltweiten Goldhunger zu stillen.

In Deutschland gibt es außerdem diverse Scheideanstalten, die Gold und Silber recyceln. “In der westlichen Welt wird einfach unglaublich viel recycelt, weil wir hier schon lange Zeit sehr privilegiert leben und viel alten Schmuck besitzen”, sagt Goldschmiedin Julia Fellner. Sie verarbeitet in ihrer Manufaktur nur recyceltes oder faires Gold. “Allein was in Tresoren rumliegt ist beträchtlich. Studien zufolge besitzen Privatpersonen Gold im Wert von 235 Milliarden Euro”, erklärt sie. Recyceltes Gold ist übrigens nicht teurer, obwohl es eine nachhaltige Alternative ist. “Recyceltes Material ist in der Schmuckbranche schon immer gängig gewesen und entspricht dem regulären Marktpreis. Es ist für Unternehmen also kein Mehraufwand recyceltes Material zu benutzen. Schmuck kann IMMER recycelt werden”, so Fellner weiter.  

Wie viel Hand steckt in Handmade?

Neben nachhaltigen Materialien werben viele junge Hersteller vor allem damit, per Hand gefertigten Schmuck anzubieten. Handmade bedeutet allerdings nicht immer gleich Handarbeit, wie sie sich die meisten wahrscheinlich vorstellen: Nämlich mit einem Goldschmied, der in seiner Werkstatt steht und jedes Stück von Hand formt. So geht es heute in den wenigsten Betrieben zu, wie Julia Fellner erklärt. Die meisten Firmen drucken ihre Designs 3D in Wachs und gießen den Schmuck dann. “Handmade wird trotzdem dran stehen, weil sie danach per Hand noch die Stücke überprüfen und feine Angleichungen machen”, sagt Julia Fellner. “Man wird hier wirklich in fast jedem Unternehmen angelogen, dass es vermeintlich handmade ist, was es den Goldschmied*innen extrem schwer macht, konkurrenzfähig zu bleiben.”

Was die Nachhaltigkeit betrifft, ist das aber kein Ausschlusskriterium – es gibt bestimmt nachhaltige Unternehmen, die maschinell in die Produktion gehen und das ist auch völlig legitim, denn es kann sich nicht jeder Schmuck bei Goldschmieden leisten. Dennoch fehlt mir hier die Transparenz und die Fairness gegenüber echtem Handwerk und Massenproduktion.

– Julia Fellner, goldschmiedin

Die Schmuck-Labels im direkten Vergleich

So weit so gut. Aber was zeichnet die einzelnen Labels nun aus und wie nachhaltig sind sie wirklich? Das fassen wir in den Kategorien Materialien, Produktion und Transparenz zusammen. Außerdem haben wir als Vergleichswert für euch den Preis für den günstigsten Ring im Sortiment hinzugezogen, weil sich viele von Euch immer wieder nach Preisvergleichen erkundigen.

BRUNA the Label

BRUNA entstand nach eigenen Angaben deshalb, weil die Gründerin des Labels auf einer Reise Keshi-Perlen auf einem Markt entdeckte. Diese sind ein Ausschuss-Produkt der konventionellen Perlenzucht und als solche nicht viel wert. Das gefiel der Gründerin nicht und so kam sie auf die Idee, ein Label zu gründen, das nachhaltigen Schmuck fertigt. Auch heute arbeitet das Label noch mit den speziellen Perlen.

Materialien: BRUNA setzt recyceltes 18K Gold und 925er Sterling Silber ein. Letzteres beziehen sie von Zulieferern und Mitgliedern der Responsible Jewellery Council. Perlen beziehen sie nach eigenen Angaben von familiengeführten Farmen. Dabei kaufen sie den Ausschuss, die sogenannten Keshi-Perlen, auf. Die verwendeten Edelsteine stammen unter anderem aus den USA, Australien, Brasilien und Indien. Ob und inwiefern diese unter nachhaltigen Bedingungen beschafft werden, ließ das Unternehmen offen. Allerdings gibt BRUNA an, nur konfliktfreie Edelsteine einzusetzen.

Produktion: Die Produktion der Stücke erfolgt in kleinen Manufakturen. BRUNA gibt an, dass Wachsdruck eingesetzt werde – allerdings nur bei bestimmten Schmuckstücken, die überwiegende Arbeit werde von Hand verrichtet.

Transparenz: Insgesamt mittelmäßig. Positiv ist, dass BRUNA angibt, dass es seine Materialien von Zulieferern der Responsible Jewellery Council bezieht. Das ermöglicht es den Verbraucher*innen, die Kriterien einzusehen. Bei den Edelsteinen beispielsweise bleiben viele Fragen offen, die man nur durch gezielte Nachfragen klären kann. Hier könnte von Anfang an transparenter kommuniziert werden, zumal nicht klar ist, was mit “nachhaltig” in diesem Zusammenhang gemeint ist.

Vergleichs-Preis: Tuscany Ring, 69 Euro

Makaro Jewelry

Makaro wirbt vor allem damit, eine besondere Vergoldung entwickelt zu haben. Die soll besonders lange halten, um genau zu sein 100 mal länger, als andere Techniken wie Vermeil oder Gold Plated. Außerdem wird die Vergoldung ohne den Einsatz von Chemikalien aufgetragen. Auch das macht sie einzigartig. Makaro repariert außerdem alle seine Produkte, um maximale Langlebigkeit zu erreichen.

Materialien: Das Gold für die Makaro-Vergoldung stammt zu 50 Prozent aus Recycling, die andere Hälfte stammt aus Minen in Nordamerika. Makaro gibt an, dass hier unter fairen Bedingungen gearbeitet und auf den Einsatz von Zyanid verzichtet wird. Ein Zertifikat o.ä. gibt es dafür nicht. Die eingesetzten Keshi-Perlen und Edelsteine stammen Makaro zufolge von Zulieferern für die sie faire Arbeitsbedingungen und eine umweltfreundliche Praxis garantieren können.

Produktion: Laut Makaro kommt kein Guss zum Einsatz – alles werde 100 Prozent von Hand gefertigt, bestätigt das Unternehmen. Dafür arbeiten sie mit Goldschmiede-Werkstätten in Europa zusammen.

Transparenz: Insgesamt verbesserungsbedürftig. Es ist toll, dass die Zulieferer Makaro gegenüber ihre fairen und umweltschonenden Arbeitsbedingungen bestätigen müssen – dem Endverbraucher bleibt aber ohne Nachweise nur übrig, dem Unternehmen zu vertrauen. Da es keine Siegel gibt, besteht keine Kontrollmöglichkeit und die Aussagen dazu, was fair und nachhaltig heißt, sind sehr vage. Positiv ist aber, dass Makaro eigene Werkstätten unterhält.

Vergleichs-Preis: Pontey Ring, 29 Euro

Stilnest

Stilnest steht nach eigener Aussage für nachhaltigen Schmuck, der auf Bestellung produziert wird und den man bei Bedarf in den unternehmenseigenen Reparaturservice geben kann. Außerdem bietet das Label seinen Kund:innen mit “Atelier” die Möglichkeit, ein Set nach Hause zu bestellen, mit dessen Hilfe man seinen eigenen Ring designen kann. Dafür schnitzt man einen Wachsrohling zurecht, der dann von Stilnest zu einem echten Ring verarbeitet wird.

Materialien: Stilnest arbeitet überwiegend mit recycelten Materialien. Aber das ist für das Unternehmen nach eigener Aussage nicht die beste Lösung. Seit Kurzem gibt es deshalb auch erste Produkte aus fairem Gold und ganz aktuell testen sie die Verarbeitung von fair-gefördertem Silber an. Als Gründe gibt CEO Tim an, dass trotz hohem Recycling-Anteil weiter Gold und Silber gefördert würden, und zwar unter schwierigen Bedingungen. “Die Frage ist daher nicht ob Gold gefördert wird, sondern unter welchen Bedingungen”, erklärt er. Deshalb wollen sie den fairen Abbau unterstützen.

Produktion: Die Produktion der Schmuckstücke findet in Deutschland und Italien statt. Mithilfe eines 3D-Druckers wird das Urmodell eines Designs erstellt und die Schmuckstücke dann gegossen. In der Goldschmiede werden die Rohlinge dann bearbeitet.

Transparenz: Ausbaufähig. Als Kund:in muss man auf der Website alle Informationen zum Produktionsprozess durchstöbern, um sich ein Bild zu machen. Es wäre schöner, wenn man als Verbraucher:in auf einen Blick sehen könnte, woher die Materialien kommen und wo sie unter welchen Bedingungen verarbeitet werden. Außerdem könnten die Ausführungen zum Thema Verantwortung und was das für das Unternehmen bedeutet, ausführlicher sein.

Vergleichs-Preis: Starling Ring, 44 Euro

Luisateresa

Luisateresa brachte seine erste Kollektion 2017 auf den Markt. Die Gründerin, Luisa Teresa Bol, sei von Techniken wie Drahtwicklung oder Macramé begeistert, schreibt das Unternehmen über seine Geschichte auf der Homepage. Heute fertigen sie neben Produkten aus Sterling Silber auch mit Vermeil vergoldete Schmuckstücke.

Materialien: Die Manufaktur arbeitet mit recyceltem 925er Sterling Silber und 18k Gold. Details dazu, ob es sich um recyceltes oder fair-mined Material handelt, sind für das Gold nicht zu finden.

Produktion: Die limitierten Kollektionen und Sonderanfertigungen werden von der Gründerin persönlich in Deutschland gefertigt, der Rest kommt aus einer Partner-Manufaktur aus Bali, wo nach Angaben des Unternehmens unter fairen Bedingungen gearbeitet wird.

Transparenz: Da wir trotz mehrmaliger Nachfrage keine Rückmeldung vom Unternehmen bekommen haben, mussten wir mit den Informationen arbeiten, die die Website her gibt. Es wird mit fair, Sustainable und Handmade geworben, richtig aufgeschlüsselt wird das für den Kunden*die Kundin aber aus unserer Sicht nicht. Vor allem die Herkunft des Goldes bleibt unklar.

Vergleichs-Preis: Gaia Ring Silber, 49 Euro

Insgesamt scheinen die Firmen einen guten Job zu machen. Schade ist, dass man als Kund:in dabei größtenteils auf die Aussagen der Firmen vertrauen muss und selten transparent gemacht bekommt, aus welcher Scheideanstalt das recycelte Material kommt. Es wäre wünschenswert, wenn es hier Siegel von unabhängigen Stellen gäbe, die die Kontrollarbeit übernehmen. Bis dahin liegt es an den Unternehmen, offen und glaubwürdig zu kommunizieren. An dieser Stelle sehen wir noch Verbesserungsbedarf – die Unternehmen könnten den ganzen Produktionsprozess noch anschaulicher darstellen.


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