Rezension: ‘Du darfst auf meine Haut’ von Barbara Hoflacher über Naturkosmetik

Barbara Hoflachers Buch dreht sich um Naturkosmetik. Foto von Karolina Grabowska von Pexels

Bis zu 40 Euro kann man im Drogeriemarkt für Gesichtscreme ausgeben. Aber ohne Garantie für gut verträgliche Inhaltsstoffe. Generell werden sich immer mehr Verbraucher:innen bewusst, wie viel Schädliches eigentlich in unseren alltäglichen Kosmetik- und Pflegeprodukten steckt. Parabene, Aluminiumsalze, Benzophenon, Formaldehyd und viele andere Dinge, die ich eigentlich mit dem Chemieunterricht schon lange hinter mir lassen wollte. Jetzt sind sie in meinem Alltag dauerpräsent. Meistens starre ich Ewigkeiten die Inhaltsstoffe von Cremes, Deos und Shampoos an, bis ich zugeben muss: Ich habe keinen blassen Schimmer ob Guar Hydroxypropyltrimonium Chlorid überhaupt wirklich existiert. Naturkosmetik soll hier Abhilfe schaffen – findet zumindest Autorin Barbara Hoflacher.

Die Autorin des Buches: Barbara Hoflacher. © Nadja Hudovernik

Naturkosmetik statt Chemie

Aus geteilter Frustration und auch dem Bewusstsein für die potenziellen Schadstoffe in unserem Alltag hat sich der Natural Beauty Trend entwickelt. Sowohl im Netz, wie auch in Magazinen und Büchern: Überall teilen Menschen ihre Rezepte für selbstgemachte Deos, Body Scrubs und andere Naturkosmetik. Selbst machen ist tatsächlich einfacher, als der Chemie-Bachelor, den man gefühlt braucht um eine einfache Tagescreme auszusuchen, die nicht krebserregend ist. Die Autorin und Kräuterexpertin Barbara Hoflacher stand vor genau demselben Problem und hat ihr ganzes Wissen jetzt in ihrem Buch „Du darfst auf meine Haut” festgehalten.

Mache die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher.

– Barbara Hoflacher, Autorin

„Du darfst auf meine Haut“ ist ein ganzheitlich angelegtes Buch. Statt mit Rezepten überschüttet zu werden, führt es langsam an Naturkosmetik heran. Zunächst bekommt man eine (ehrgeizige!) Einführung in die üblichen Zutaten, oder auch: einen Sprachkurs in „kosmetisch“. Dazu gehören Inhaltsstoffe, die wir auch in unseren gängigen Produkten wiederfinden. Anschließend auch eine Liste von Ölen, Bienenwachs, Alkohol, Backnatron & Co. Also allen Stoffen, die sie für die Herstellung von Naturkosmetik als wichtig ansieht. Alles mit Ausführungen, Anwendungen und Wirkungen. „Du darfst auf meine Haut“ möchte viel mehr inspirieren als diktieren. Das spiegelt sich auch in der spielerischen Gestaltung und den ausgewählten Bildern (ihr Enkel lächelt einem manchmal aus den Seiten entgegen).

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Was darf auf meine Haut? – Inhaltsstoffe von Naturkosmetik

Der Chemie-Unterricht sollte doch passé sein. Ist er auch, zumindest fast. In der Aufschlüsselung der verschiedenen Zutaten versteht es Hoflacher nicht zu fachsimpeln, sondern verständlich die Bedeutung des Wissens zu vermitteln. Die Rezepte sollen nicht einfach stur befolgt werden, stattdessen zielt sie auf ein Verständnis für ihre Wirkung ab. Ein Bewusstsein für die Dinge zu entwickeln, die wir uns auf die Haut schmieren und damit ein Bewusstsein für den Konsum generell. Ihre Einstellung zu Naturkosmetik nimmt Abschied vom passiven Verbrauch und plädiert für eine zugewandte Einstellung. Die Erklärungen sind in mundgroße Happen geschnitten und auch nicht zu ausufernd. Es ist perfekt, um sich ein Bild davon zu machen, was man wie und warum zusammen mischt. Für Einsteiger empfiehlt Hoflacher: „Gutes Olivenöl, Sonnenblumenöl und kaltgepresstes Kokosfett.”

Für Anfänger gilt: Möglichst klein Einsteigen und sich erst Einarbeiten.

– Barbara Hoflacher, autorin

Das Internet ist doch schon voller Rezepte für Naturkosmetik!

Ein weiterer Punkt, der für das Buch spricht, ist die Heranführung und Verschränkung der Rezepte. Während sich im Internet hunderte von Rezepten tummeln, die alle verschiedene Zutaten haben (von denen die Hälfte im Mülleimer landet, weil man es nicht schafft sie aufzubrauchen) findet sich in „Du darfst auf meine Haut“ eine übersichtliche Anzahl an Zutaten. Und genügend Rezepte, um sie auch tatsächlich zu verwenden. Die Rezepte orientieren sich an vier Punkten:

  • Nachhaltigkeit
  • Zugänglichkeit
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Was man bereits in der Küche hat

Naturkosmetik bedeutet für mich nicht nur, dass alles natürlich ist, sondern dass die Zutaten auch nachhaltig und zugänglich sind.

– Barbara Hoflacher, Autorin

Im Interview sagt sie EKOLOGISKA: „Es geht nicht nur darum, irgendwelche Zutaten selbst zusammen zu mischen, sondern eben auch darauf zu schauen, wo sie herkommen. Wenn etwas extrem teuer ist oder erst aus Südamerika eingeflogen werden muss, dann versuche ich es zu meiden“. Das Konzept des Buches ist pro Nachhaltigkeit und entschieden gegen übermäßigen Konsum. Auch bei der Wahl der Zutaten gilt es, aufmerksam zu sein. Zum Beispiel beim vermeintlich guten Kokosöl. So können die Leser:innen sich genau überlegen welche Seifen, Cremes und Salben sie auswählen, um nicht zig angebrochene Zutaten Zuhause zu haben.

Lieber Fertigprodukt statt Naturkosmetik: Sonnencreme

In dem Buch findet sich auch eine Anleitung für selbstgemachte Sonnencreme. Obwohl Zinkoxid einen nachgewiesenen Schutz vor UV-Strahlung bietet, raten Expert:innen trotzdem davon ab, Sonnenschutz selbst herzustellen. Die Begründung ist einfach: Fertigprodukte werden auf ihre Wirksamkeit getestet. Wer Sonnencreme selbst macht, dem können auch Fehler unterlaufen und beim Sonnenschutz empfehlen wir ganz klar lieber auf Nummer sicher zu gehen.

Fazit: We like!

„Du darfst auf meine Haut“ von Barbara Hoflacher können wir definitiv weiterempfehlen. Es achtet auf Nachhaltigkeit und ist gerade für Einsteiger perfekt geeignet. Die Rezepte sind übersichtlich und leicht nachzumachen. Hinten findet sich, wichtig für Allergiker:innen, ein Index der verschiedenen Zutaten, damit man gleich weiß, welche der Naturkosmetik in Frage kommt und welche nicht. Die Autorin selbst rät: „So langsam wie möglich umsteigen“. Das Buch verbindet Naturkosmetik mit ihrem Lebensstil: Bewusst, Nachhaltig und Zugänglich. Es bietet eine wunderbare Tür für alle, die weg von der herkömmlichen Kosmetikindustrie wollen aber bis jetzt noch zu überwältigt oder frustriert waren, sich durch das Internet und tausende von verschiedenen Rezepten durch zu kämpfen. Eine klare Empfehlung der Redaktion!

Zum Löwenzahn Verlag

„Du darfst auf meine Haut“ erscheint im Löwenzahn Verlag. Ein nachhaltiger Verlag dessen Bücher alle kompostierbar sind. Hauptsächlich von Frauen geführt und sehr an Naturschutz und Nachhaltigkeit orientiert. Deswegen freuen wir uns auch sehr, dass uns der Löwenzahn Verlag drei Exemplare zur Verlosung zur Verfügung gestellt hat! Auf unserer Instagram Seite mehr dazu.


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