Garantiert plastikfrei: Das Flustix-Siegel erklärt

Ob ein Produkt plastikfrei ist oder nicht, lässt sich gar nicht so einfach erkennen. Das Flustix-Siegel hilft dabei. Foto von Tara Winstead von Pexels

Immer mehr Menschen wollen plastikfrei oder zumindest plastikfreier leben. Bei vielen Produkten steckt der Teufel allerdings im Detail. Zum Beispiel bei Tampons, die mit Plastik beschichtet sind. Das kann man als Verbraucher:in nicht erkennen, weil keine Kennzeichnungspflicht besteht. Auch bei Kosmetikprodukten sind Verbraucher:innen oft aufgeschmissen, weil sie das Plastik auf der INCI-Liste schlechtweg nicht erkennen. Plastikfreie Produkte zufällig zu erkennen kann aber ganz einfach sein, versprechen zumindest die Macher:innen des Flustix-Siegels. Flustix ist nämlich das erste Siegel, das gezielt plastikfreie Produkte auszeichnet.

Zuverlässig plastikfrei trotz INCI-Wirrwarr

Einen Überblick über die FLUSTIX-plastikfrei-Siegel bekommt man zum Beispiel auf der Homepage des Unternehmens. Screenshot.

Das Flustix-Siegel findet man schon heute auf unterschiedlichen Produkten, wie zum Beispiel Putzmittel-Tabs, Lippenbalsam, Deo oder Einweg-Tellern aus nachwachsenden Rohstoffen. Es gibt insgesamt sechs unterschiedliche Varianten des Siegels, die alle etwas anderes zertifizieren. Grob unterteilen lassen sich die Siegel in zwei Gruppen: Plastikfrei und recyclet bzw. recyclebar. Wie viel jeweils plastikfrei oder recycelt ist, das kann man dann am Siegel selbst ablesen.

Neben plastikfreien Gesamtprodukten zertifiziert Flustix auch separat eine plastikfreie Verpackung oder auch nur den Inhalt eines Produktes, was sich zum Beispiel bei Kosmetika anbietet. Weil Flustix der Überzeugung ist, dass jedes Plastik, das wirklich recycelt wird, ein Erfolg ist, zertifizieren sie auch Produkte mit einem Recycling-Anteil. Auf dem Siegel ist dann vermerkt, wie hoch der Anteil an Kunststoff ist, der durch das Produkt wieder in den Kreislauf gebracht wird.

Warum brauchen wir ein Siegel für plastikfreie Produkte?

Warum es das Siegel braucht, darüber haben wir mit FLUSTIX-Gründer Malte Biss gesprochen. Er verrät außerdem, wie genau die Zertifizierung abläuft.

EKOLOGISKA: Wie kamst du auf die Idee, Flustix zu gründen?

MALTE BISS: Die Idee zu Flustix kam mir als ich angefangen habe unseren Plastik-Konsum zu reflektieren. Da fiel mir auf, wie viel Plastik wir allein innerhalb unserer sechsköpfigen Familie konsumieren. Selbst bei fachgerechter Entsorgung bleibt nur ein kleiner Teil im Kreislauf, der Rest landet in der Verbrennung oder sogar in der Umwelt. Das dürfen wir den zukünftigen Generationen nicht so hinterlassen.
Den Verbraucher:innen fehlt es in beinahe allen Bereichen noch an nachhaltigen Alternativen oder schlichtweg an der notwendigen Transparenz, diese erkennen zu können und entsprechend zu handeln und bewusster einzukaufen. Flustix zielt nicht darauf ab, Plastik zu stigmatisieren, sondern soll unseren Umgang mit dem wertvollen Werkstoff sensibilisieren.
Aus dem Wunsch heraus etwas nachhaltig zu verändern und eine langfristige Lösung für das aktuell weiterwachsende Plastik-Problem zu finden entstand die Flustix-Initiative.

Nachhaltiges Plastik gibt es so noch nicht

EKOLOGISKA: Ihr wollt die „Plastik-Nachhaltigkeit“ für Verbraucher*innen ersichtlich machen. Was heißt für euch Nachhaltigkeit im Kontext von Plastik?

BISS: Nachhaltigkeit in Bezug auf Plastik bedeutet für uns ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem. In erster Linie ist das die Reduktion von Plastik, wo es nicht notwendig ist. Aber auch eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe, die dennoch in Umlauf gebracht werden oder bereits im Umlauf sind. Nachhaltiges Plastik ist jenes, das bereits mehrere Leben durchlebt hat. Zum Beispiel als Verpackung, als Plastikflasche, als Gartengerät. Eine nachhaltige Lösung für „Frischmaterial“ gibt es per se noch nicht, denn das so genannte Bioplastik und biologisch abbaubare Kunststoffe sind und bleiben Kunststoffe, verursachen dieselben Probleme wie bisherige fossile Kunststoffe und bringen noch neue hinzu.

EKOLOGISKA: Wie funktioniert der Zertifizierungsprozess, wenn ich für mein Produkt das Flustix-Siegel möchte?

BISS: Die Prüfung und Zertifizierung erfolgt durch unsere Prüf- und Lizenzpartner DIN CERTCO (TÜV Rheinland) und die Wessling Gruppe. Bei einer Plastikfrei-Zertifizierung untersucht das Prüflabor von Wessling das Produkt durch Materialanalysen auf Kunststofffreiheit. Wenn keine Kunststoffe nachgewiesen werden können, kann durch unseren Lizenzpartner DIN CERTCO das entsprechende Flustix-Siegel vergeben werden. 

Bei einer Zertifizierung mit dem Recycled-Siegel erfolgt eine Auditierung der gesamten Supply-Chain durch unseren Partner DIN CERTCO. In den vor-Ort-Audits wird die gesamte Lieferkette vom Granulat-Hersteller bis zum Produzenten nachvollzogen, sowie Produktproben entnommen. Nach positiver Bewertung kann ein Zertifikat ausgestellt werden. 

Nach einer Zertifizierung erfolgen dann wiederkehrende Kontrollprüfungen. 

Eine Orientierungshilfe für Verbraucher:innen, die plastikfrei einkaufen wollen

Ekologiska: Warum brauchen wir Zertifizierungen wie eure?

BISS: Die Flustix-Siegel geben Konsument:innen eine Orientierung und ermächtigen sie nachhaltige Kaufentscheidungen treffen zu können. Leider nutzen viele Unternehmen das Vertrauen der Verbraucher:innen aus und täuschen mit leeren Werbeversprechen nachhaltige Absichten vor. Unter dem Stichwort Greenwashing standen ja zuletzt mehrere Großkonzerne in der Kritik. Viele Konzerne zeichnen sich selbst aus mit Plaketten oder so genannten plastikfrei- oder mikroplastikfrei „Versprechen“ und prüfen intern. Eine Prüfung ist aber nur dann glaubwürdig und seriös, wenn diese unabhängig stattfindet. Das ist ungefähr so, als wenn man sich selbst einen Pass ausstellt. Man braucht eine Geburtsurkunde. Alle Daten sind hinterlegt und 100 Prozent nachvollziehbar. So muss das auch mit Zertifizierungen laufen.


Die Nachfrage ist da, jetzt muss das Angebot glaubwürdig und transparent nachziehen. Das bieten wir mit den Flustix-Siegeln zuverlässig und sauber an. Flustix bietet die Transparenz, die notwendig ist um ein nachhaltiges Produkt als solches zu identifizieren, auf den ersten Blick. Ab Sommer kommt das Einwegplastik-Verbot, auch hier muss klargestellt werden: Plastik drin oder plastikfrei – das bietet derzeit ausschließlich Flustix glaubwürdig und unabhängig geprüft an. Oder die Einhaltung der kommenden Recyclingquoten, Flustix hat das unabhängige und zuverlässige System, um deren Einhaltung zu überprüfen.

Auch die Großen interessieren sich für das Siegel

EKOLOGISKA: Welche Produkte tragen euer Siegel schon heute?

BISS: Wir konnten bereits viele unterschiedliche Produkte zertifizieren. Zum Beispiel das erste zertifiziert plastikfreie T-Shirt von Muntagnard und der erste tatsächlich plastikfreie Papp-Becher von BVO. Zudem tragen Geschirrspültabs von Claro, die Reinigungs- und Waschmitteltabs von Biobaula und das Sportgel von myvaay das Siegel für Mikroplastikfreiheit. Mit dem Flustix Recycled-Siegel konnten wir unter anderem die rPET Flaschen von teefee, erste Henkel-Produkte oder Tesa-Tape aus Rezyklaten wie auch Verpackungen von Kneipp zertifizieren. Das sind nur einige unserer Kunden und jetzt nimmt es so langsam richtig Fahrt auf, viele weitere Produkte sind in der Prüfung.


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