Nachhaltig heiraten: Blumen aus zweiter Hand

Mit Blumendeko heiraten, die schon mal benutzt wurde? Auf der Plattform Second flowers von Alexandra Endres kann man seine Blumen anbieten und Angebote finden. Foto: Anna Mardo/Blumen: Jasmin Siebenhofer von Blumenstil München

Wer seine Hochzeit nachhaltiger gestalten will, der hat 2021 viele Stellschrauben, an denen er oder sie drehen kann. Da wären zum Beispiel die Ringe, das Kleid, das Catering und eben die Blumen. An dieser Stelle konnte man bis vor Kurzem eigentlich nur empfehlen, Slow Flowers zu beziehen. Also solche Blumen, die unter biologischen Bedingungen erzeugt wurden. Ab sofort gibt es aber eine weitere nachhaltige Alternative: Nämlich Blumen aus zweiter Hand. Was erst einmal unfassbar kompliziert klingt, das wird durch die Plattform Second flowers zum Kinderspiel gemacht. Wir haben uns die Plattform einmal genauer angesehen und mit Gründerin Alexandra Endres gesprochen.

So wird nachhaltig heiraten leicht gemacht

Second flowers kann man sich vorstellen wie ein digitales “Gesucht-gefunden”-Brett, wie man es zum Beispiel aus dem Supermarkt kennt. Nur eben, dass auf der Plattform ausschließlich Blumenkonzepte für Hochzeiten angeboten werden. Paare, die sich für das Konzept interessieren, haben mehrere Möglichkeiten, wie sie an die Planung herangehen können. entweder arbeiten sie mit einem der Partnerflorist:innen der Plattform zusammen oder suchen sich einen Floristen*Floristin in ihrer Nähe aus und stellen den Kontakt zu Second flowers her. “Schon alleine deswegen, weil Second flowers ein Start-up ist und daher noch gar nicht in ganz Deutschland flächendeckend Partner hat, bieten wir das an. Wir sprechen dann gerne mit den bis dahin unbekannten Florist:in darüber, welche Infos wir brauchen”, erklärt Second flowers-Gründerin Alexandra Endres.

Eine klassische Win-Win-Situation!

– alexandra endres über ihr Konzept “second flowers”

Seit Dezember 2020 leistet Gründerin Endres viel Vernetzungsarbeit und kann daher ein breit aufgestelltes Netz an Partner:innen in ganz Deutschland vorweisen. Ein bisschen dünn sieht es in den neuen Bundesländern aus – aber was noch nicht ist, das kann ja noch werden.

Die Vorteile des Second Hand-Konzeptes

Aber warum sollte man sich überhaupt für ein Second Hand Blumenkonzept entscheiden? Für Alexandra Endres gibt es neben dem nachhaltig heiraten mindestens einen weiteren, entscheidenden Vorteil. “So haben die Paare die Chance, der Blumendeko ein zweites Leben zu schenken, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und gleichzeitig Kosten zu senken. Denn das zweite Brautpaar löst die Blumendeko beim ersten Brautpaar ab. Beide Paare sparen sich dabei Geld und entlasten die Umwelt. Eine klassische Win-Win-Situation!”, erklärt sie. Die Ersparnis liegt bei rund 40 Prozent für das erste Paar und rund 34 Prozent für das zweite Paar. Außerdem kann sich für das zweite Paar der Planungsaufwand enorm verringern, weil man die Dekoration des ersten Paares übernimmt.

Echte Second Flowers. Dass sie schon mal in Benutzung waren, das sieht man ihnen gar nicht an. Foto: Anna Mardo/Blumen: Jasmin Siebenhofer von Blumenstil München

Bei Second flowers geht es übrigens primär um die Tischdekoration – persönliche Stücke wie der Brautstrauß oder Kopfschmuck sind nicht zum Weitergeben angedacht. “Der Brautstrauß ist das Zentrum der Blumendeko und gehört zur Braut, da geht kein Weg daran vorbei”, so Alexandra Endres, “Zudem wird der Brautstrauß vom Florist:in auch ganz individuell an die Braut angepasst.  Und dennoch passt er dann für beide Bräute zur Tischdeko, wenn sich Farben und Blüten wiederholen.” Diese Passungsarbeit zu leisten, das ist Arbeit der Florist:innen. Nicht zuletzt deshalb spielen sie eine zentrale Rolle im Second flowers-Konzept, denn sie bilden gewissermaßen den Dreh- und Angelpunkt.

Stressfrei nachhaltig heiraten: Übergabe durch Mithilfe der Florist:innen

Damit die Blumen auch bei der zweiten Hochzeit in voller Blüte stehen, werden sie am Tag nach der Hochzeit abgebaut. Das kann entweder durch die Abnehmer:innen selbst, oder aber durch die Florist:innen erfolgen. Dann ist die Weitergabe für alle Beteiligten am entspanntesten. “Die meisten unserer Partnerflorist:innen werden dabei die Gelegenheit nutzen und nochmals über die Blumendeko schauen, damit das zweite Paar es auch sicher schön hat”, erklärt Alexandra Endres.

Ihre eigene Hochzeit inspirierte Alexandra Endres übrigens schon vor drei Jahren, das Second flowers-Konzept zu entwickeln. “Wir haben im Jahr 2017 geheiratet und genau so ging es mir am Tag nach unserem großen Fest. In der Ansprache an unsere Gäste haben wir schon darum gebeten, dass jeder, der die Feier abends verlässt, die Deko von seinem Tisch mitnehmen darf. Das haben einige getan, die Meisten aber nicht”, erinnert sie sich. Und so kommt ihr der Gedanke in den Sinn, dass man seine Dekoration ganz einfach teilen kann. Aber erst drei Jahre später fühlt sich die Umweltingenieurin schließlich bereit, das Konzept auch umzusetzen.

Nachhaltig heiraten und gleichzeitig Geld sparen – das klingt eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Mit Second flowers wird das aber Realität, wenn auch Schritt für Schritt. Denn Partnerflorist:innen gibt es, wie bereits beschrieben, noch nicht überall. Da Alexandra Endres aber den Eindruck macht, vieles möglich machen zu wollen, kann man sich wohl trotzdem in jedem Teil des Landes mit ihr gemeinsam darum bemühen, seiner Blumendekoration ein zweites Leben zu geben. Wir finden: Solche Ideen braucht das Land! Das zu nutzen, was ohnehin schon da ist, ist das Nachhaltigste, was man machen kann.

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Teil 2 – Das Catering für deine Hochzeit

Teil 3 – Das Kleid

Teil 4 – Details

Spezial – Nachhaltige Hochzeitsfotografie


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