Trachom: So sieht der Kampf gegen die Krankheit aus

Gizachew Abebe (52, red shirt) is an ophthalmic male nurse and community worker of CBM partner GTM in Ethiopia. Part of his job is to identify people with Active Trachoma/Trachoma Trichiasis like Asgedech and her grandchildren in order to provide eye examination and treatment/referral for TT surgery Asgedech lives in Southern Ethiopia and has Trachoma Trichiasis in both eyes as well as Active Trachoma. According to herself she is 55 years old – and takes care of 5 grandchildren. Most of the kids have already contracted Trachoma. ©CBM

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Trachom – dieses Wort haben die meisten Menschen in Deutschland wahrscheinlich noch nie gehört. Das ist kein Wunder, denn bei uns erkrankt quasi niemand mehr daran. Trachom ist eine bakterielle Augeninfektion, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann. Dabei schaffen schon aus westlicher Sicht einfachste Hygiene-Maßnahmen präventiv Abhilfe. Und Antibiotika und eine simple Operation können die Krankheit heilen. In den Ländern, in denen Trachom noch häufig vorkommt, ist beides nicht selbstverständlich. Die Christoffel Blindenmission (CBM) engagiert sich daher schon seit Jahren dafür, den Betroffenen zu helfen. Denn Trachom lässt sich leicht behandeln, wenn man weiß wie. Wir haben einen Einblick in ihre Arbeit bekommen. Am Ende des Artikels erfahrt ihr außerdem, wie ihr die Arbeit der CBM unterstützen könnt.

Trachom ist eine Belastung für die Betroffenen

Asgedech lebt mit ihren fünf Enkelkindern im Süden Äthiopiens. Es ist schwer abzuschätzen, wie es ihr jetzt gehen würde, wenn sie nicht in einem Projekt der CBM untersucht worden wäre. Die 55-jährige wohnt damals in einer kleinen Hütte ohne Strom und fließendes Wasser. Eigentlich ging sie regelmäßig auf den Markt, um dort ihre Waren zu verkaufen. Doch als sie Probleme mit den Augen bekommt, traut sie sich ihre Arbeit nicht mehr zu. Ihre Augen jucken und sind rot, nach einiger Zeit kommen Schmerzen beim Blinzeln hinzu und letztlich nimmt ihre Sehkraft ab. Die Diagnose: Fortgeschrittenes Trachom.

Mit dieser Diagnose ist Asgedech nicht alleine. Knapp 137 Millionen Menschen in 44 Ländern sind bedroht. Trachom gilt als die häufigste Erblindungsursache in diesen Ländern, die eigentlich vermeidbar ist. Die Ursache für die Infektion ist ein Bakterium: Clamydia trachomatis. Clamydia? Das klingt doch wie – richtig, die Geschlechtskrankheit. Es sind die gleichen Bakterien, die auch bei uns als Chlamydien immer wieder Thema sind. Nur eben, dass die Infektionen in tropischen Ländern oft schlimmere Folgen haben, weil sie zu spät erkannt werden. Übertragen werden sie vor allem durch direkten Kontakt der Schleimhäute, aber auch durch Fliegen.

Trachom ist eine fiese Krankheit. Die meisten infizieren sich schon im Kindesalter. Was mit den Symptomen einer Bindehautentzündung beginnt, führt durch immer wiederkehrende Infektionen zu Narben auf der Innenseite der Augenlider, die dich dadurch verkürzen und die Wimpern nach innen drehen. Die Folge: Die Wimpern scheuern über die Hornhaut, welche eintrübt und vernarbt. So verlieren die Betroffenen ihr Augenlicht.

Wie die SAFE-Strategie wirkt

Asgedech hätte fast ihr Augenlicht verloren – fast, weil ihr durch die CBM eine Operation ermöglicht wurde. Auch ihren Enkeln, die allesamt an Trachom litten, wurde geholfen: Sie bekamen Antibiotika, die die Infektion abklingen ließen. Diese beiden Maßnahmen sind Teil der SAFE-Strategie der WHO, um Trachom zu bekämpfen. S steht dabei für Surgery, also Operation, A für Antibiotics (Antibiotika), F für Clean Faces (Gesichtshygiene) und E für Environmental Improvement (Verbesserte Umweltbedingungen). Vor allem die letzten beiden Punkte sind präventiv enorm wichtig, weil so die Infektionen effektiv verhindert werden können. Der Zugang zu sauberem Wasser, regelmäßiges Hand- und Gesichtwaschen, der Bau von Sanitäranlagen und auch Aufklärung sind wichtige Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen, um den Infektionen zuvorzukommen.

Die Christoffel Blindenmissionen unterstützt die WHO durch ihre Arbeit bei der Umsetzung der SAFE-Strategie, und zwar in allen Bereichen. Die Haupteinsatzgebiete liegen in Äthiopien, Burundi, Nigeria, Kenia, Tschad, Pakistan, dem Südsudan und dem Kongo. Durch die Arbeit der CBM konnten Länder wie Ghana (2018) und Myanmar (2020) in den letzten Jahren offiziell für trachomfrei erklärt werden.

Nachhaltig gegen Trachom kämpfen

Das mit am stärksten von Trachom betroffene Land ist Äthiopien. Deshalb arbeitet CBM hier mit dem Gesundheitsministerium zusammen, das eine nationale Task Force gegründet hat, um Trachom nachhaltig zu bekämpfen. Außerdem kooperiert CBM mit vielen anderen Partnern vor Ort, um nicht nur bereits Erkrankte zu heilen, sondern vor allem auch die Ursachen zu bekämpfen. In der besonders betroffenen Amhara-Region im Norden Äthiopiens beispielsweise möchte die CBM mit ihren Partnern bis 2023 mehr als 60 “Anti-Trachom-Klubs” an Schulen ins Leben rufen.

Misganaw ist Teil des “Anti-Trachom-Klubs” an seiner Schule. Mit seinen 15 Jahren ist er verantwortlich für ein von der CBM gefördertes Hygiene-Projekt. Zu seinen Aufgaben gehört es deshalb unter anderem, regelmäßig die Schultoiletten zu reinigen. Denn so werden die Fliegen, die die Bakterien übertragen, gar nicht erst angelockt und das Infektionsrisiko sinkt. Bevor er Teil des Programms wurde, habe er keine Ahnung gehabt, was Trachom überhaupt ist, erklärt Misganaw, in dessen Heimat 60 Prozent der Bevölkerung unter Trachom leiden.

Dabei ist die Prävention so einfach. Oder?

Und es hat mich erstaunt, dass diese Krankheit mit einfachen Hygieneregeln vermieden werden kann.

– misganaw, teil des “Anti-trachom-klubs” an seiner schule

Die Kinder übernehmen in diesem Konzept eine wichtige Rolle, denn sie gehen als Botschafter:innen in ihre Familien und vermitteln dort, was zur Bekämpfung von Trachom nötig ist. Vor allem das regelmäßige Gesicht waschen mit Wasser ist eine sinnvolle Präventionsmaßnahme. Aber da, wo Wasser knapp ist, überlegt man sich eben ziemlich gut, was man mit dem Wasser, was man zur Verfügung hat, macht. Und oft fällt diese Entscheidung zugunsten der Grundversorgung mit Trinken und Lebensmitteln aus. So einfach, wie die Prävention aus unserer westlichen Sicht scheint, ist es mitunter für die Betroffenen nicht. Umso wichtiger ist es, dass neue Quellen für Wasser im Rahmen der Projektarbeit vor Ort erschlossen werden.

An der Wasserknappheit in Ländern wie Äthiopien sind wir übrigens nicht unschuldig. Vor allem der zunehmende Konsum von Gütern, die in ihrer Produktion sehr wasserintensiv sind, tragen zur globalen Wasserknappheit bei. Das scheint uns wichtig zu erwähnen, weil viele auf Länder wie Äthiopien und deren Probleme mitleidig herabschauen, ohne zu hinterfragen, wie die eigene Rolle aussieht. Mehr Infos zu den Ursachen der Wasserknappheit findet ihr zum Beispiel hier.

Die Arbeit von CBM unterstützen: Die Spenderseife macht es möglich

Klar ist: Die Arbeit von Organisationen wie der Christoffel Blindenmission ist extrem wichtig. Alleine 2019 hat CBM mehr als 11 Millionen Menschen gegen Trachom behandelt. Um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen, kooperiert die Organisation nun mit dem Naturkosmetikhersteller i+m. Gemeinsam haben sie eine Spenderseife auf den Markt gebracht, die für die Arbeit der CBM in Äthiopien einen Euro pro verkaufter Flasche spendet. Mit deinem Händewaschen kannst du also nicht nur dich und die Menschen in deinem Umfeld gegen Krankheiten schützen, sondern auch Projekte gegen die Krankheit Trachom unterstützen.

Die Spenderseife ist 100 Prozent vegan und cruelty free, außerdem frei von Mikroplastik und besteht – wo möglich – aus Rohstoffen, die aus fairem Handel stammen.

Hier könnt ihr die Spenderseife kaufen und damit Betroffene wie Asgedech unterstützen.


Hier kommt ihr zum Shop von i+m Berlin, die die Spenderseife produziert.

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