Wenn Frauen das Klima schützen und Männer davon profitieren

Frauen sind die Basis der Klimabewegung. Aber wer profitiert finanziell davon? Foto von Karolina Grabowska von Pexels.

Redaktioneller Hinweis: Uns ist gendersensible Sprache wichtig. Trotzdem schreiben wir in diesem Artikel von Männern und Frauen sowie den Eigenschaften männlich und weiblich. Damit sind all diejenigen gemeint, die sich als Mann oder Frau identifizieren. Das hat den Hintergrund, das sie zitierten Studien Menschen abseits des binären Spektrums nicht berücksichtigen.

Stellen wir uns einmal die folgende Konstellation vor: Eine ganze Generation von jungen, gebildeten Frauen leistet hervorragende Arbeit. Sie forschen, sie teilen wissen und sie sind politisch. Das, was sie machen, begeistert viele Menschen. Aber am Ende verdienen daran mehrheitlich Männer. Es klingt ein bisschen nach einem Drama, das man thematisch in den 50er Jahren verorten würde, die Nase darüber rümpfend, wie man sich das früher nur gefallen lassen konnte. Aber die Wahrheit ist: Wir alle sind diese Frauen. Und wir alle lassen uns gerade vor den Karren eine Industrie spannen, die vor allem Männer reich macht. Ich spreche von der grünen Industrie, die uns immer wieder und für jedes noch so überflüssige und umweltschädliche Produkt eine nachhaltige Alternative anbietet.

Die Klimabewegung ist weiblich. Oder?

Zumindest könnte der Eindruck entstehen, wenn man sich an die Medien hält. Seit rund zwei Jahren ist das Klima-Thema unter anderem durch Fridays for Future extrem präsent. Initiiert wurde die Bewegung durch die Schwedin Greta Thunberg, die man seitdem auf zahlreichen Magazineinschlägen sieht. In Deutschland ist Luisa Neubauer das Gesicht von Fridays for Future. Aber das wars noch nicht mit Frauen in der Berichterstattung rund um das Klima: Die Journalistin und Aktivistin Tonny Nowshin klärt zum Thema Rassismus in der Klimabewegung auf, Vanessa Nakate hat “Youth for Future Africa” gegründet, Angela Merkel gilt als “Klimakanzlerin” (debateable!) und Ursula von der Leyen hat den New Green Deal initiiert. Diese Liste könnte man noch lange weiterführen, aber das muss man gar nicht, denn Studien wie die des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung untermauern die These, dass die Klimabewegung mehrheitlich weiblich ist, mit Zahlen: Rund 60 Prozent der Teilnehmenden der Fridays for Future-Demo zum Internationalen Klimastreik am 15. März 2019 waren weiblich.

Auch ein Blick in die sozialen Medien festigt dieses Bild: Wenn man sich umsieht, dann teilen vor allem junge Frauen Tipps für einen nachhaltigeren Alltag. Es gibt zwar ein paar männliche Blogger zu diesem Thema, aber sie sind eher rar gesät. Das Kümmern um unseren Planeten, das scheint Frauensache zu sein. Zumindest im öffentlichen Narrativ. So, wie die restliche Care-Arbeit in unserer Gesellschaft auch.

Das Narrativ der sich kümmernden Frauen passt gut in das vorherrschende Bild von Weiblichkeit

Die Rolle der Klimaschützerin scheint Frauen wie auf den Leib geschneidert, schließlich ist der Mutter-Mythos in unserer Gesellschaft immer noch tief verankert. Mädchen werden dazu erzogen, emphatisch und mitfühlend zu sein. Ihnen wird die Care-Arbeit quasi anerzogen. Das beginnt mit Puppenspielen im Kindergarten und geht spätestens dann weiter, wenn eigene Kinder vorhanden sind. Dann nämlich greift der alte Trick des Patriarchats und Frauen wird genau vorgegeben, wie sie sich ab sofort verhalten müssen. Die gesellschaftliche Vorstellung davon, wie eine Mutter zu sein hat, wird Müttern wie ein Korsett übergestülpt. Und auch, wie sie als solche fühlen müssen ist klar definiert. Wer nicht grenzenlose Dankbarkeit für seine Fruchtbarkeit empfindet, der wird geächtet. Frauen, die erst gar nicht Mutter werden wollen, haben wiederum mit Vorwürfen zu kämpfen. Denn in unserer vermeintlich modernen Gesellschaft scheint es unausweichlich, dass eine Frau sich über ihre Mutterschaft definiert. Wird das abgelehnt, scheint das als Verrat an der biologischen Bestimmung verstanden zu werden.

Insgesamt sind die Anforderungen an Mütter in unserer Gesellschaft ziemlich hoch: Sie sollen sich aufopfern, kreativ sein, die eigenen Bedürfnisse zurückstellen und immer verfügbar sein. Neuerdings kommt noch die Anforderung dazu, Karriere zu machen. Sich nur um die Kinder zu kümmern, das gilt gemeinhin nicht als Arbeit. Selbstlos zu sein und sich kümmern – das scheint Müttern und damit Frauen, von denen wir erwarten, dass sie diese Rolle ausfüllen, in die Wiege gelegt. Kein Wunder also, dass auch das Kümmern um unseren Planeten zumindest an der Basis in weiblicher Hand ist.

Mit Kaufentscheidungen von Frauen werden vor allem Männer reich

Aber wie ist das, wenn man weiter nach oben schaut, die Basis verlässt? Gesamtgesellschaftlich betrachtet ist das Bild eindeutig. Während unter den Hochschulabsolvent:innen noch 51 Prozent Frauen sind, bekleiden Frauen nur 31 Prozent der Führungspositionen allgemein. Und mit jeder Stufe, die man die Karriereleiter weiter nach oben steigt, wird der Anteil an Frauen geringer. Im mittleren Management liegt der Frauenanteil bei 15 Prozent, in Aufsichtsräten sind Frauen zu zehn Prozent vertreten und in Vorständen liegt die Frauenquote bei nur noch drei Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einmal sind Frauen Studien zufolge weniger risikofreudig, andererseits definieren Männer seit Jahrzehnten die Führungskultur und wählen auf dieser Basis weitere Führungskräfte aus. Dabei fällt ihre Wahl oft auf andere Männer, von denen sie annehmen, den etablierten Führungsstil am ehesten zu treffen.

Die Allbright Stiftung spricht vom “Thomas-Kreislauf”: Demnach wählen die Männer in Führungspositionen oft andere Männer in Führungspositionen, die ihnen von Alter, Ausbildung und anderen Merkmalen her ähnlich sind. So fallen übrigens nicht nur Frauen, sondern auch andere marginalisierte Gruppen durchs Raster.

Aber kann man diesen Trend auch in der nachhaltigen Bubble beobachten, die überwiegend aus Frauen besteht?

Mini-Auswertung legt nahe, dass das auch in der grünen Bubble so ist

Ich habe bei Instagram eine Umfrage gemacht. Das ist alles nicht repräsentativ, das möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen. Aber ich wollte wissen, welche grünen Unternehmen meinen Follower:innen als erstes einfallen. Denn mich hat interessiert, hinter wie vielen dieser Unternehmen weibliche Unternehmerinnen stecken. Der Männeranteil liegt auf meinem Profil übrigens bei zwölf Prozent. Insgesamt wurden 70 Unternehmen vorgeschlagen. Ich habe mir dann angesehen, wer in der Geschäftsführung der Unternehmen sitzt. Nur 15 Prozent der Unternehmen werden alleine von Frauen geführt. Nimmt man die gemischten Geschäftsführungen dazu, dann haben insgesamt 41 Prozent der Unternehmen zumindest eine weibliche Beteiligung oder werden ganz von Frauen geführt. Das heißt aber auch, dass 59 Prozent nur von Männern geführt werden. Diese kleine Auswertung deutet darauf hin, dass an nachhaltigen Produkten, die mehrheitlich Frauen ansprechen, vor allem Männer verdienen.

Und jetzt?

Für mich ist das ein klarer Weckruf, noch einmal genauer zu prüfen, bei wem ich kaufe – und vielleicht nicht die erst beste Firma zu wählen, nur, weil sie die größten Marketing-Geschütze auffährt. Denn es ist bewiesen, dass die (oft männlichen) Investoren häufiger und mehr in von Männern geführte Unternehmen investieren. Dementsprechend werde ich versuchen, Frauen zu empowern, indem ich gezielt bei ihnen kaufe. Das soll kein Boykott-Aufruf für Produkte männergeführter Unternehmen sein. Sondern ein Aufruf, Frauen und ihre kreativen Leistungen sichtbarer zu machen und auch monetär zu unterstützen.


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