Rezension: „Spür den Wald“ von Gerda Holzmann

wood light dawn landscape
Der Wald ist wichtig für den Menschen, dort könne wir zur Ruhe kommen und uns erholen.
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Der Wald ist immer stärker gefährdet. Deshalb kämpfen in Deutschland viele Initiativen darum, die Wälder zu erhalten. Es gibt auch viele Ansätze dazu, wie Naturschutz aussieht. Kein Wunder, denn der Wald ist für uns Menschen enorm wichtig. Bereits 1982 prägte der japanische Arzt Dr. Qing Li den Begriff shinrin yoku. Auf Deutsch heißt das in etwa „Waldbaden“. In Japan wird Waldbaden als Therapie für z.B. Burnout-Patienten verwendet. In Deutschland wird diese Therapieform auch immer beliebter. Vor allem in der Corona-Krise haben die Menschen diese Möglichkeit gerne genutzt – ob bewusst oder unbewusst. Um nicht von der Einsamkeit überwältigt zu werden, ist es für viele naheliegend sich zur Natur hinzuwenden. Genau dafür gibt Gerda Holzmann in ihrem Buch „Spür den Wald“ eine Anleitung.

Vorfreude auf den Wald

Das Buch beginnt gewissermaßen mit einer Einladung. Holzmann versteht sich darauf, den:die Leser:in gespannt zu machen auf den Inhalt. Was sie aber noch viel gekonnter macht, ist Lust auf den Wald zu machen. Beim Lesen habe ich das Buch fast schon weglegen müssen, um den nächsten Ausflug in den Wald zu planen. Der war auch gleich am Folgetag. Die ersten Seiten von „Spür den Wald“ machen aber nicht nur neugierig, sondern verursachen auch eine Art Vorfreude auf die Natur.

Der Wald stellt sich vor

Wer jetzt glaubt, dass Gerda Holzmann nur leeren „Hippie Talk“ von sich gebe, liegt aber falsch. Denn „Spür den Wald“ meint seinen Titel ganz wörtlich. Man soll ihn wirklich kennenlernen nicht einfach nur auf einen Spaziergang durch watscheln. In den ersten Kapiteln finden sich viele spannende Informationen. So erfährt man vom ältesten Baum der Welt (eine Gemeine Fichte in Schweden mit stolzen 9.500 Jahren) oder auch vom Kommunikationssystem der Bäume, dem Myzel. Das ist ein Pilzgeflecht von Mykorrhizapilzen, die es Bäumen nicht nur ermöglichen Nährstoffe auszutauschen, sondern auch sich gegenseitig über Schädlinge zu informieren. Was auch spannend ist: Bäume versorgen eher den eigenen Nachwuchs mit Nährstoffen als fremden. Ich wusste bis dato nicht einmal, dass Bäume wirklich so etwas wie Nachwuchs haben.

Arten, Rezepte und nützliche Infos

Holzmann stellt im Buch auch die häufigsten Baumarten vor. „Speeddating“ nennt sie das Kapitel, in dem sich die Bäume selbst vorstellen dürfen. Man erfährt viel über Artenbesonderheiten aber auch Verwendungsmöglichkeiten. Welche Blätter eigenen sich für Tee (Tipp: Esche!) und wessen Nadeln besonders gut für Öle? Abgerundet wird das ganze später noch mit Rezepten für Sirup, Raumsprays, Tees und vielem mehr. Denn wer den Wald gern hat, sollte sich auch darauf verstehen, ihn mit zu sich nach Hause zu nehmen.

Willkommen bei Doktor Wald – natürliche Medizin

Meine Urgroßmutter war eine Kräuterhexe. Also, nicht wirklich eine Hexe, aber eine Kräuterkundige. Sie hat in einem kleinen Dorf gewohnt, wo es kaum Zugang zu medizinischer Versorgung gab. Sie hatte eine kleine Hütte, ein Gartenhäuschen sozusagen, in dem sie etliche Kräuter trocknete, Tees und Salben zubereitete und damit Leuten im ganzen Dorf half. Das Wissen ist leider verloren gegangen. Aber ich hatte schon immer ein großes Interesse an natürlichen Heilmethoden und auch eine riesige Portion Skepsis. Deswegen war ich besonders gespannt auf das Kapitel „Willkommen bei Doktor Wald“. Diese Kapitel sind für mich immer der ausschlaggebende Faktor, ob ich ein Buch guten Gewissens weiter empfehlen kann, oder aufgrund potenziell gefährdenden Falschinformationen davon abraten muss. „Spür den Wald“ von Gerda Holzmann fällt glücklicherweise in erstere Kategorie.

Holzmann informiert zunächst über die wissenschaftlich bestätigten Vorzüge des Waldes. Was spannend ist, sie sagt nicht nur Was, sondern erklärt auch das Wie. Zum Beispiel warum genau sich der Wald positiv auf das Immunsystem auswirkt. Welche Wildpflanzen sich gut auf die Psyche auswirken und was man beachten sollte, wenn man sie sammeln möchte. Ein Satz, der immer wieder auftaucht im Buch ist: „Nur das aufsammeln, von dem du dir hundertprozentig sicher bist, dass es genießbar ist“. Ein Satz, den man eigentlich nicht oft genug sagen kann.

Das größte Geschenk, das man der Natur machen kann, ist vermutlich, nicht zu viel zu nehmen.

Gerda Holzmann

„Spür den Wald“ – Einladung zum Abenteuer

Für die Abenteuerlustigen hält Holzmann ebenfalls etwas bereit. Im letzten Kapitel von „Spür den Wald“ finden sich Anleitungen für das perfekte Lagerfeuer und das Aussuchen für Übernachtungsmöglichkeiten. Sie klärt auch kurz über die rechtliche Lage auf und was es generell bei dem Aufenthalt zu beachten gibt. Ganz wichtig: Es gibt auch eine Sektion über Wildtiere. Wie man erkennen kann, ob irgendwo Luchse oder sogar Wölfe sind. In den meisten deutschen Wäldern ist das nicht relevant, aber wenn man beispielsweise im Bayerischen Wald unterwegs ist, ist es wichtig auf diese Dinge ein Auge zu haben. Wer sich im Wald aufhält sollte auch darauf achten, wie er sich der Natur gegenüber verhält. Dafür ist die Einführung ins „Wald Knigge“ sehr praktisch, wo es Ratschläge gibt aber auch absolute No Gos genannt werden.

Eine Anleitung für’s Waldfühlen gibt Gerda Holzmann in „Spür den Wald“ © Rupert Pessl

Fazit: „Spür den Wald“ von Gerda Holzmann ist lesenswert!

Die EKOLOGISKA-Redaktion empfiehlt das Buch sehr gerne. „Spür den Wald“ von Gerda Holzmann ist voller spannender Infos und macht Lust auf Wald und Natur. Gerda Holzmann hat einen weichen und leicht folgbaren Schreibstil, der für diese Art Literatur sehr passend ist. In dem Buch gibt es ab und an Stellen, die sich mehr wie Lückenfüller anfühlen. Jedoch ist alles mit sehr schönen Impressionen und Bildern, wie auch liebevollen Illustrationen gespickt, sodass man darüber gerne hinweg sieht. „Spür den Wald“ ist im Löwenzahn Verlag erschienen. Wie alle Bücher des Verlags ist es deswegen komplett biologisch abbaubar und nachhaltig produziert.


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