Spielmaterial mieten statt kaufen: Diese Start Ups machen es möglich

Gehört mir, gehört mir nicht: Spielmaterial mieten ist mit diesen Start Ups aus Berlin ganz einfach. Foto: Tara Winstead/Pexels

Sharing is caring: Dieser Spruch, der einem in den sozialen Medien immer wieder begegnet, hat einen sehr wahren Kern. Denn wer auf Besitz verzichtet und stattdessen mit anderen teilt, der spart Ressourcen und tut etwas für die Umwelt. Kein Wunder, dass die Sharing Economy nun auch im Kinderzimmer ankommt. Darüber, dass man Kindermode mieten kann, haben wir schon an anderer Stelle berichtet. Damit ist aber lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, denn auch Spielmaterial kann man heute mieten. Wie die Zukunft-Konzepte fürs Kinderzimmer aussehen, das machen zwei Berliner Start Ups vor.

Tribu Box: Altersgerechtes Spielmaterial, das von Montessori inspiriert ist

Tribu wurde von zwei Müttern und Freundinnen gegründet, die wie sie selbst sagen einen Hang zur Nachhaltigkeit haben. Als Daniela Illanes und Cilia Laug bei Spielmaterial an ihre Grenzen stoßen, da gerade in den ersten beiden Lebensjahren sehr schnell neues, förderndes und forderndes Spielmaterial her muss, beschließen sie, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Die Tribu Box ist ein Abonnement für hochwertiges und nachhaltiges Kinderspielzeug – jeweils angepasst an die spezifische Altersgruppe, in der sich das Kind gerade befindet. „Nachhaltiges Spielzeug ist für die Ewigkeit gemacht. Nachhaltiges Spielzeug wird von Kind zu Kind weitergegeben. Sie sind diejenigen, die nur eine kleine Reparatur benötigen, um fünf, zehn oder 20 Mal verwendet zu werden. Nachhaltiges Spielzeug wird ebenfalls nachhaltig beschafft und produziert“, erklären die Gründerinnen ihre Definition von Nachhaltigkeit.

Wir verwenden die Montessori-Philosophie als Inspirationsquelle, weil sie praktisches, selbstbestimmtes, kooperatives, freudiges Lernen fördert und die natürliche Entwicklung des Kindes unterstützt. 

– Daniela illanes & cilia laug, gründerinnen tribu

Acht Boxen haben die beiden inzwischen im Sortiment, von 0-24 Monate. Alle Spielmaterialien wurden vorab von Expertinnen auf ihre Eignung hin geprüft und werden mit einer Anleitung geliefert. Als Kund:in hat man die Möglichkeit, ein Abonnement über einen, sechs oder zwölf Monate abzuschließen. In diesem Zeitraum kann man seine Box umtauschen – wie oft, das hängt vom gewählten Abo ab.

Liebgewonnenes Spielzeug kann man kaufen

Auch, wenn das Konzept der beiden Gründerinnen es eigentlich anders vorsieht: Wenn ein Kind ein Spielzeug besonders lieben gelernt hat, dann kann es das natürlich behalten. Nachdem die Rücksendung eingetroffen ist, wird die Box auf ihre Vollständigkeit hin überprüft und das, was fehlt, im Kundenkonto als Rechnung hinterlegt. Alles, was unbeschadet zurück zu Tribu kommt, wird desinfiziert, aufbereitet und an andere Familien geschickt. So wird sichergestellt, dass das Spielzeug so lange wie möglich bespielt wird.

Preislich gibt es die Tribu Box ab 9,99 Euro im Monat, wenn man ein Jahresabo abschließt. Hier darf man dann vier Boxen bestellen und über das Jahr verteilt austauschen, wie es zum Tempo des eigenen Kindes passt. Übrigens: Tribu kauft auch ausgewähltes Spielzeug an! Mehr Infos zur Tribu Box findet ihr hier.

Wurde Spielmaterial lieb gewonnen? Kein Problem. In diesem Fall kann man die Sachen unkompliziert kaufen. Foto: Tara Winstead/Pexels

nomadi: Spielmaterial und -bedarf für Kinder individuell zusammenstellen

Auch Kristina und Manuel, die Gründer:innen von nomadi, glauben fest daran, dass Besitz ein veraltetes Konzept ist, das nicht mehr in unsere Zeit passt. Die Idee zu nomadi entsteht im Herbst 2020, mitten im Lockdown. „Wie viele Eltern genossen wir die gewonnene Zeit als Familie, standen aber auch vor der Herausforderung, die Kinder tagsüber beschäftigen und unsere jeweiligen Jobs bewältigen zu müssen“, erinnern die beiden sich, „Da wir eher minimalistisch und auf kleinem Raum leben, waren alle Spiele zügig durchgespielt und es war klar, dass wir Abwechslung im Kinderzimmer brauchten.“ Mit ihrem Verleih für Kinderbedarf haben sie eine Alternative geschaffen, die Besitz in dem Sinne überflüssig macht, als dass man alles leihen kann: Vom Fahrradsitz, übers Laufrad bis hin zum Tipi.

Wir abonnieren Musik, Räder und Technik. Kinderprodukte waren einfach der nächste logische Schritt. 

– Kristina & Manuel, gründer:innen nomadi

Im Shop der beiden findet man nur hochwertige Produkte, wie zum Beispiel den Spielwürfel Baubau, den wir hier bei EKOLOGISKA schon einmal vorgestellt haben. Den kann man beispielsweise ab 25 Euro pro Monat mieten. Aber auch die beliebten Stapelsteine und anderes Spielmaterial kann man bei nomadi finden und unkompliziert ausprobieren. „Hochwertig sind Produkte für uns dann, wenn Fragen der Nachhaltigkeit, wie z.B. Herkunft und Verbrauch von Ressourcen und Recyclingfähigkeit, entweder schon bei der Produktion berücksichtigt wurden oder das Produkt als besonders langlebig konzipiert ist, z.B. weil jedes Einzelteil ersetzt werden kann“, erklären die beiden. Der Preis, den man für die Miete zahlt, hängt davon ab, wie lange man einen Artikel mindestens mieten will, und vom Laden-Preis des Mietartikels. Auch hier gilt natürlich, dass besonders lieb gewonnene Teile behalten werden dürfen. Mehr Infos zu nomadi gibt es hier.

Nachhaltiger gehts kaum

Hochwertiges, langlebiges Kinderspielzeug, das durch das Teilen mit anderen eine maximal lange Nutzungsdauer bekommt – nachhaltiger gehts kaum. Und flexibler auch nicht, denn schließlich weiß man nicht, ob das eigene Kind die Schaukel oder die Trage lieber mag. „Den größten Vorteil einer Miete sehen wir deshalb darin, Dinge ausprobieren zu können, ohne zu riskieren, dass ein Bewegungsspielzeug ein Dasein im Keller fristet oder ein Kinderwagen und die darin gebundenen Ressourcen ungenutzt herumsteht und an Wert verliert“, sagen Kristina und Manuel. Sowohl Tribu als auch nomadi stellen mit ihren Konzepten die Weichen für die Zukunft. Einziges Manko: Die Bezahlbarkeit. Gerade für Familien, die wenig Geld zur Verfügung haben, sind 25 Euro Miete pro Monat womöglich schon zu viel. Kristina und Manuel streben daher an, das Konzept Spielzeug neu zu denken. Lieber nur ein bis zwei hochwertige Spielzeuge auf Zeit zusätzlich zu Lieblingspuppe & Co. „Und so, das ist unsere ehrliche Hoffnung, ist es auch für Eltern in einkommensschwächeren Familien leistbar, ihren Kindern, das Spiel mit hochwertigen Spielzeugen für eine gewisse Zeit zu ermöglichen“, sagen die beiden.


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