Crowdinvesting: Wie funktioniert das?

Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung von Projekten. Foto von Karolina Grabowska von Pexels

Crowdfunding kennt inzwischen fast jede:r: Plattformen wie Startnext und Kickstarter haben schon einigen Unternehmen den Weg in die Gründung bereitet. Crowdinvesting ist noch nicht so populär, aber es gibt immer mehr Plattformen, die genau das anbieten. Die Idee: Ein Schwarm von Menschen (die “Crowd”) investiert ihr Geld in einen Finanzpool, der zur Finanzierung größerer Projekte gedacht ist. Die durch das Projekt erwirtschaftete Rendite wird an die Anleger:innen bzw. die Crowd jährlich ausbezahlt. Ist das eine gute Möglichkeit, um nachhaltig fürs Alter vorzusorgen? Und mit welchen Risiken ist das verbunden? Wir haben mit Gunter Greiner von der nachhaltigen Crowdinvesting Plattform WIWIN über genau diese Fragen gesprochen. Er ist Head of Investment und Portfolio Management bei WIWIN und Fondsmanager vom Aktienfonds.

Beim Crowdinvesting wird investiert, nicht gespendet

EKOLOGISKA: Wo liegt der Unterschied zum Crowdfunding?

GREINER: Beim Crowdfunding wird gespendet. Die Beträge werden beim Crowdinvesting investiert, nicht gespendet – das heißt, die Geldgeber:innen werden am wirtschaftlichen Erfolg des Projekts beteiligt. Häufig passiert das in Form von Zinszahlungen. In der Unternehmensfinanzierung findet man aber auch viele Angebote, die eine erfolgsabhängige Vergütung in Abhängigkeit von Firmen-Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn oder Unternehmenswert anbieten. Das kann von Projekt zu Projekt variieren.

EKOLOGISKA: Warum ist Crowdinvesting aus Eurer Sicht ein sinnvoller Weg, um Bürger:innen an der Energiewende zu beteiligen?

GREINER: Zum einen kann man sich an Crowdinvestments schon mit recht kleinen Beträgen beteiligen und ein Projekt, das einen wirklich überzeugt, unterstützen – gerade, wenn man als Anleger:in Wert auf Impact legt. Wir finden: Die Nachhaltigkeitswende geht uns alle an. Und auch mit der Unterstützung kleinerer nachhaltiger Projekte und grüner Ideen kann man seinen Teil dazu beitragen.
Zum anderen werden beim Crowdinvesting meist konkrete Projekte unterstützt – das unterscheidet sie von anderen Finanzprodukten wie z. B. Fonds oder ETFs. Bei uns kann man sich als potenzielle:r Anleger:in gut informieren, ob das Vorhaben wirklich nachhaltig ist und der eigenen Überzeugung entspricht. Bei anderen Anlageprodukten wird das schon schwieriger, denn es gibt noch immer keine einheitlichen Nachhaltigkeitsstandards.

Gunter Greiner arbeitet bei WIWIN und ist Experte fürs Crowdinvesting. Foto: WIWIN.

Mit Crowdinvesting fürs Alter vorsorgen?

EKOLOGISKA: Welche Projekte bietet ihr denn beispielsweise zum crowdinvesten an?

GREINER: Obwohl unser Fokus auf der Nachhaltigkeit liegt, achten wir sehr darauf, dass unsere Projekte gleichzeitig auch wirtschaftlich rentabel sind. Das schließt sich nämlich nicht aus – auch wenn viele das immer noch glauben! Häufig kooperieren wir mit nachhaltigen Start-ups, fördern Projekte aus dem Bereich erneuerbare Energien oder unterstützen nachhaltige Immobilienvorhaben.

EKOLOGISKA: Mit welchen Risiken ist das verbunden?

GREINER: Viele Crowdinvestments sind so genannte Nachrangdarlehen. Das heißt, sollte es zu einer Insolvenz des Projektgebers kommen, bekommen zuerst alle anderen Kapitalgeber:innen ihr Geld zurück. Die Rückzahlung an die Crowd wird also nachrangig behandelt. Dadurch steigt natürlich das Risiko, das angelegte Geld zu verlieren. Diese Risikobereitschaft wird aber mit einer höheren Rendite belohnt.

EKOLOGISKA: Eignet sich das Crowdinvesting also als Altersvorsorge?

GREINER: Ich möchte da ganz ehrlich sein und würde sagen: eher nicht! Das Risiko, das eigene Kapital zu verlieren, besteht – egal, wie ausgiebig wir unsere Projekte vorher prüfen. Gerade beim Thema Altersvorsorge ist Sicherheit ein großes Thema – davon hängt die eigene Existenz ab! 
Crowdinvesting ist eher als mittelfristige anstatt als langfristige Geldanlage zu empfehlen. Viele Projekte haben auch nur eine begrenzte Laufzeit – danach wird das investierte Kapital wieder zurückgezahlt. Crowdinvesting kann häufig jedoch ein sinnvoller Baustein beim Vermögensaufbau sein. Dabei sollte darauf geachtet werden nicht nur in eines, sondern möglichst in viele verschiedene Vorhaben zu investieren, um die Risiken zu minieren.

Nicht nur auf ein Pferd setzen, so die Devise

EKOLOGISKA: Womit kann ich im besten Fall rechnen, wenn ich smart investiere?

GREINER: Naja, konkrete Zahlen kann ich da nicht nennen – aber wenn die Projekte, in die ich investiere, alle erfolgreich verlaufen, dann kann ich mittelfristig Gewinn machen – mehr als mit der Investition in ETFs beispielsweise.
Dabei ist es besonders wichtig, nicht alles auf ein Pferd zu setzen, sondern zu diversifizieren – wie in anderen Portfolios auch. Man sollte also beispielsweise nicht nur in Unternehmen aus dem Sektor erneuerbare Energien investieren. Denn: kommt es aus irgendwelchen Gründen zu einer Krise dieses Sektors, wären in diesem Fall alle damit verknüpften Investitionen betroffen. Man ist also besser beraten, wenn man sein Geld streut.

EKOLOGISKA: Wie prüft ihr, ob die Investments wirklich nachhaltig sind?

GREINER: Wir nehmen unsere potenziellen Partner:innen genau unter die Lupe. Wir schauen auf den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens, aber auch auf den ökologischen Handabdruck seiner Produkte – also was passiert bei deren Benutzung und Entsorgung? Außerdem wollen wir Unternehmen unterstützen, die einen wirklich nachhaltigen Impact verfolgen – die also aktiv darauf hinarbeiten, etwas zum Positiven zu verändern. 

So erkennt man nachhaltige Finanzdienstleister

EKOLOGISKA: Wie kann man WIWIN als Institution benennen bzw. einordnen? Eine Bank seid ihr ja zum Beispiel nicht.

GREINER: Unser Job ist es, Kapital zwischen nachhaltig orientierten Anleger/innen und nachhaltigen Unternehmen zu vermitteln. Das machen wir über unsere Plattform WIWIN.de. Rechtlich gesehen sind wir ein „vertraglich gebundener Vermittler“ von Finanzanlagen.

EKOLOGISKA: Vor kurzem habt Ihr einen eigenen, aktiv gemanagten Aktienfonds gelauncht. Was zeichnet den Fonds aus? 

GREINER: Wenn man sich auf dem Finanzmarkt umschaut, sieht man eine deutliche Nachhaltigkeitsentwicklung. Das ist auch gut so! Nur leider wird das von vielen Finanzanbietern nicht konsequent umgesetzt – sie waschen Produkte grün, die es eigentlich gar nicht sind.
Wir wollen das anders machen. Deswegen ist der WIWIN just green impact! Aktienfonds kompromisslos grün aufgelegt – mit einer sogenannten Impact-Strategie. Soll heißen: Im Fonds sind nur Anteile von Unternehmen vertreten, die sowohl nachhaltig wirtschaften, als auch ein nachhaltiges Ziel, einen Impact verfolgen. Dabei handelt es sich zum größten Teil um kleine bis mittelständige Unternehmen. Solche also, die von vielen Finanzanbietern keine Beachtung geschenkt bekommen, wenn es um die Erstellung von Portfolios geht. In Summe können sie – unserer Meinung nach – aber sehr viel bewegen.

EKOLOGISKA: Was ist das Problem bei bestehenden „nachhaltigen“ Finanzprodukten? Wie kann ich als Verbraucher Nachhaltigkeit erkennen?

GREINER: Da liegt häufig das Problem, denn es gibt keine einheitlichen Nachhaltigkeitsstandards in der Finanzbranche! Deshalb sollten Verbraucher immer einen genauen Blick auf die Auswahlkriterien werfen, nach denen der Fonds investiert. 
Die Kennzeichnung „ESG“ ist beispielsweise ein Hinweis auf Nachhaltigkeit. Die Abkürzung steht für Environment, Social und Governance. Finanzprodukte mit ESG-Kennzeichnung gehen also schon einmal in eine nachhaltige Richtung. Aber: Unternehmen mit dieser Bezeichnung werden zwar regelmäßig geprüft, oftmals genügt jedoch schon ein kleiner, nachhaltig arbeitender Unternehmensbereich, um das ganze Unternehmen mit dieser Auszeichnung zu versehen. So kann es durchaus sein, dass auch Konzerne mit Bezug zu fossilen Brennstoffen oder zur Rüstungsindustrie in solchen ESG-Fonds vertreten sind. Wirkliche Nachhaltigkeit, so wie es sich der/die Verbraucher/in auch vorstellt, wird allerdings durch Impact Investing erreicht. Also durch Investitionen in Unternehmen, die einen direkten positiven Beitrag zu einer grüneren Welt leisten. 

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