Schluss mit „Das macht man so“: Wildling zeigt, wie New Work funktioniert

New Work ist bei Wildling Standard.
Wildling Shoes sorgt nicht nur für freie Füße, sondern auch für freie Köpfe. New Work wird hier groß geschrieben. Foto: Wildling Shoes/Nora Tabel.

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Vierzig Stunden arbeiten, ein fester Arbeitsplatz, geregelte Arbeitszeiten: So funktioniert Arbeit in unserer Gesellschaft überwiegend. Eine Vorstellung, die ziemlich veraltet scheint, im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung. Das sehen auch Verfechter des New Work-Ansatzes so. Diese Unternehmen wehren sich gegen „Das macht man so“-Mantras und schreiben Werte wie Freiheit, Selbständigkeit und Teilhabe an der Gemeinschaft groß. Dazu gehört auch der Minimalschuh-Hersteller Wildling Shoes. Das Unternehmen denkt nicht nur das Konzept Schuh neu, sondern auch die Arbeitsstrukturen innerhalb der Firma. Aber wie sehen diese Strukturen aus? Wir haben uns New Work bei Wildling genauer angesehen.

New Work: Über die Ursprünge des Konzeptes

Das New Work-Konzept stammt ursprünglich von dem Österreicher Frithjof Bergmann und wurde schon in den 1980er Jahren entwickelt. Er ging der Frage nach, wie man Arbeit zu etwas Positivem, Energie gebenden machen kann. „Arbeit, die man wirklich, wirklich will“ heißt das bei Bergmann. Und das sei vor allem solche, die den eigenen Stärken und Interessen entspreche. Das Konzept Bergmanns geht aber weit über Homeoffice und flexible Arbeitszeiten hinaus. Vielmehr fordert er ein grundsätzliches Umdenken in Bezug auf Arbeit. New Work stellt den Kapitalismus und die Konsumgesellschaft in Frage und postuliert eine Abkehr vom reinen Gewinn-Streben. Insofern haben viele Firmen, die sich mit New Work schmücken, zwar Ideen von Bergmann übernommen – ganz in seinem Sinne handeln aber die Wenigsten von ihnen.

Auch Wildling hat viele Konzepte des New Work-Ansatzes in seine Unternehmenskultur aufgenommen, darunter Homeoffice, flexible Arbeitszeiten und das gemeinsame Festlegen von Zielen. „Eine wertschätzende und freiheitsorientierte Unternehmenskultur war bei uns von Beginn an Basis allen Handelns“, schreibt Wildling auf seiner Seite, „dadurch hat sich ganz natürlich eine Arbeitsumgebung entwickelt, die heute unter dem Begriff New Work steht.“ Dafür verantwortlich war laut Gründerin Anna Yona vor allem der Entstehungskontext des Unternehmens, wie sie im Interview mit Futurzwei verrät.

Wildling steht für Freiheit. Freiheit für unsere Füße. Und für Freiheit in unseren Köpfen

– „welcome to wildling“

So entstand die Idee, Minimalschuhe zu produzieren

New Work wird bei Wildling groß geschrieben.
Anna & Ran haben Wildling Shoes 2015 gegründet, nachdem sie selbst auf der Suche nach Schuhen für ihre Kinder waren und nicht fündig wurden. Foto: Wildling Shoes/Sarah Pabst.

Wildling wurde 2015 von Anna und ihrem Mann Ran gegründet. Das Paar lebte gemeinsam zwölf Jahre lang in Israel. Hier kamen auch ihre drei Kinder zur Welt, die von Anfang an barfuß liefen. 2013 zieht das Paar mit seinen Kindern nach Deutschland. „Im Herbst mussten die ersten Schuhe gekauft werden, aber wir konnten – auch unter den teuersten Kinderschuhen – kein Paar finden, mit dem unsere Kinder weiterhin natürlich laufen konnten und das sie mit ihren Freiheit gewohnten Füßen tragen wollten. Es schien etwas grundlegend falsch zu sein mit herkömmlichen Kinderschuhen“, beschreiben Anna und Ran ihre damalige Situation. Und die Statistik gibt ihrem Gefühl Recht: Obwohl die meisten Menschen mit gesunden Füßen geboren werden, haben die wenigsten Erwachsenen später noch gesunde Füße. Für das Paar ist klar: Das muss am falschen Schuhwerk liegen. Die Idee für Wildling ist geboren.

Was sind Minimalschuhe?

Unter dem Motto „So wenig Schuh wie möglich, so viel Schuh wie nötig“ designt Wildling Minimalschuhe. Das sind Schuhe, die eine sehr dünne Sohle haben (rund 2,5 mm) und extrem flexibel sind. Die Designs basieren auf der natürlichen, anatomischen Fußform und lassen den Füßen so genug Platz, statt sie in Form zu pressen. Die Schuhe legen sich wie eine zweite Haut über den Fuß und schützen ihn so vor Kälte und Verletzungen, ohne den natürlichen Bewegungsablauf zu stören.

Von Anfang an arbeitet Wildling remote – auch, weil die Arbeit so für Anna und Ran am besten stemmbar war, mit drei Kindern Zuhause. Inzwischen ist das Unternehmen enorm gewachsen. Das Team besteht aus rund 200 Mitarbeitenden. Der Großteil arbeitet remote, verteilt in ganz Deutschland. Wie das funktioniert? Für Anna Yona spielt Vertrauen eine entscheidende Rolle. „Ich vertraue darauf, dass wir alle das gleiche Ziel verfolgen“, sagt sie dazu im Interview mit Futurzwei.

Vertrauen als Basis der Zusammenarbeit bei New Work

Aber wie kann Anna Yona sich sicher sein, dass ihre 200 Mitarbeitenden die gleichen Ziele verfolgen? Das Zauberwort lautet OKR-Methode, was für „Objectives & Key Results“ steht. Die Methode wurde vor allem durch Google bekannt, wurde aber eigentlich bei Intel erfunden. Das besondere an der Methode ist, dass alle Mitarbeitenden eines Unternehmens die Ziele und Visionen, für die sie arbeiten, mitbestimmen. Und so funktioniert es: In einem bestimmten Intervall (zum Beispiel quartalsweise) kommen die Mitarbeitenden zusammen und arbeiten gemeinsam ihre Ziele und die zugehörigen Schlüsselergebnisse aus. Mit Schlüsselergebnissen sind die Etappenziele gemeint, die es zu erreichen gilt, um das übergeordnete Ziel zu erreichen. Wichtig: Es handelt sich dabei im Fall von Wildling Shoes nicht um finanzielle Ziele. Vielmehr werden Wünsche für das Arbeitsklima oder die Vision der Marke formuliert. Qualitative statt quantitative Ziele eben.

Nach Ablauf des Intervalls werden die Ziele ausgewertet – und jede:r kann sehen, was erreicht wurde und was nicht. Dann werden gemeinsam neue Ziele definiert. Die OKR-Methode sorgt für flache Hierarchien, denn jeder und jede kann mitbestimmen.

New Work Unternehmen sehen sich nicht als Maschine, sondern als lebendigen Organismus, in dem alles ineinandergreift und gemeinsam wächst.

– „Work bei wildling“

„Familienfreundlichkeit ist Teil der DNA“

Wildling will die Talente und Fähigkeiten all seiner kreativen Köpfe bestmöglich fördern, und das bei maximaler Freiheit. Deshalb dürfen die Mitarbeitenden bei Wildling selbst bestimmen, wann sie arbeiten. „Unsere Frühaufsteher:innen müssen nicht darauf warten, dass das Büro aufgeschlossen wird und die Nachteulen können sich, wenn das trubelige Tagesgeschäft zur Ruhe kommt, noch mal fokussiert an den Schreibtisch setzen“, schreiben Anna und Ran auf ihrer Website. Ehrenamtliches Engagement und die Teilnahme am Weihnachtsmarkt-Basteln in der Kita sind bei Wildling nicht nur möglich, sondern erwünscht. Außerdem bietet das Unternehmen individuelle Lösungen für Teilzeit-Stellen jeder Art an.

Wir finden: Der Erfolg gibt Anna und Ran Recht. Von zwei zu 200 Mitarbeitenden in knapp sechs Jahren, das ist ein ziemlich großer Familien-Zuwachs. Viel mehr Unternehmen könnten viel mehr für die Zufriedenheit ihrer Mitarbeitenden tun, machen das aber nicht. Woran das liegt? Vielleicht ist es die Eingefahrenheit, vielleicht ein Mangel an Innovations-Geist. Fest steht, dass Unternehmen wie Wildling zeigen, wie Arbeit in Zukunft funktionieren kann. Denn nur, wer seine Mitarbeitenden nicht als Zahnräder einer Maschine, sondern als wichtigen Teil des ganzen versteht und behandelt, wird langfristig Fachkräfte und motivierte Mitarbeitende finden. Wenn ihr euren Traumarbeitsplatz beschreiben müsstet – Wie würde er aussehen?

Mehr zu Wildling Shoes erfahrt ihr hier.


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