Alles grün? So arbeitet ein nachhaltiger Verlag

Das Team des himmelblau Verlages. Foto: Lena Kirchner

Wer gerne liest, der steht früher oder später vor der Frage, wie nachhaltig das eigene Hobby eigentlich ist. Spätestens, wenn sich die Bücher auch außerhalb des designierten Regals stapeln, stellt man das Konzept des gedruckten Buches in Frage und zieht eBook-Reader & Co. als Alternative in Betracht. Die lohnen sich ökologisch betrachtet aber tatsächlich erst ab rund 60 Büchern pro Jahr – und auf diese Zahl muss man erst einmal kommen. Drunter sind gedruckte Bücher das Mittel der Wahl. Mal abgesehen davon, dass Bücher für viele Menschen einfach mehr sind, als der Text, der in sie rein gedruckt ist.

Zum Glück haben auch die Verlage verstanden, dass ihr Handwerk nachhaltiger werden muss. Aber an welchen Stellschrauben kann ein Verlag drehen? Darüber haben wir mit Daniela Tepper gesprochen. Sie hat den himmelblau-Verlag gegründet. Im himmelblau-Verlag erscheinen liebevoll illustrierte Kinderbücher. Tepper und ihr Team haben sich außerdem auf die Fahne geschrieben, besonders nachhaltig zu agieren. Was das bedeutet, das verrät Daniela Tepper im Interview mit EKOLOGISKA.

EKOLOGISKA: Der himmelbau Verlag hat sich auf die Fahne geschrieben, seiner Verantwortung gerecht zu werden. Was bedeutet das für euch als Verlag?

DANIELA TEPPER: Der himmelbau-Verlag macht “nachhaltige Kinderbücher”. Nachhaltigkeit ist für uns viel mehr als ein Modebegriff, sondern der Begriff steht für das, was wir in einem Atemzug mit gesellschaftlicher Verantwortung nennen. Alles, was wir als Menschen tun, hinterlässt Spuren; viele davon sind leider nicht wirklich gut. Nicht gut für unsere Mitlebewesen, nicht gut für den Planeten, letzten Endes auch nicht gut für uns selbst. Wenn man – wie wir – Produkte für Kinder, für Jugendliche, für Familien macht, dann kann man das unserer Ansicht nach nur so tun, dass möglichst wenig Schaden angerichtet und möglichst viel Gutes damit bewirkt wird. Denn es wäre ja völlig widersinnig, Dinge für kleine (und auch größere) Menschen in die Welt zu setzen und genau die gleiche Welt damit Stück für Stück weniger lebenswert zu machen. Der ganz normale Konsum-Wahnsinn! 

Der Verantwortung umfassend gerecht werden

An dem wollen wir uns auf keinen Fall beteiligen. Deshalb leben wir Nachhaltigkeit in unserem Unternehmen in jeder nur möglichen Hinsicht. Wir lassen unsere Bücher und auch die anderen in den nächsten Monaten und Jahren entstehenden Produkte nach höchsten Umwelt- und Qualitätsstandards in Deutschland herstellen. Wo immer es möglich ist, tragen sie das Umweltsiegel “Blauer Engel”. Unsere Bücher werden nicht in Plastik eingeschweißt, wie das leider bei vielen anderen Produkten immer noch passiert, und wir versenden plastikfrei. Es ist uns wichtig, dass die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, nicht nur klimaneutral arbeiten, sondern auch hohe soziale Werte leben und ihre Beschäftigten fair bezahlen. Das ist gelebte soziale und ökonomische Nachhaltigkeit, die anderen beiden, ebenso wichtigen Säulen neben der ökologischen Nachhaltigkeit.

Und letzten Endes ist eines besonders wichtig: der nachhaltige Gedanke, überhaupt Bücher für Familien zu machen. Mit Geschichten, die generationenverbindend wirken und von Generation zu Generation weitergegeben werden.

EKOLOGISKA: Ist das ein Gedanke, der langsam in eurer Branche ankommt? Oder ist das vielen Betrieben noch egal?

TEPPER: Wir haben schon den Eindruck, dass viele herstellende Betriebe in unserer Branche gern umdenken würden. Allerdings ist es tatsächlich sehr schwierig, wirtschaftlich zu handeln, wenn man diese hohen Standards durchgängig halten will. Es gibt in Deutschland die sogenannte Buchpreisbindung. Das heißt, dass ein Buch zu einem festen, vom Verlag bestimmten Preis im Handel angeboten wird, und zwar unabhängig davon, ob das Buch online oder offline verkauft wird. Diesen Preis kann man als Verlag aber auch nicht beliebig in die Höhe schrauben, denn dann werden Bücher einfach nicht mehr gekauft. Das heißt, die Gewinnspanne erhöht sich beispielsweise dadurch, dass man die Herstellungskosten nach unten drückt. In unserem speziellen Fall würden wir für ein haptisch und optisch vergleichbares Produkt ungefähr die Hälfte zahlen, wenn wir es in Osteeuropa herstellen ließen. In China gedruckt, würde es sogar nur ein Drittel kosten.

Die Verlockung, solche Angebote anzunehmen, sind schon sehr groß, keine Frage. Aber welchen CO2-Fußabdruck hinterlässt man allein durch die Transportkosten? Und wer hat die Bücher unter welchen Bedingungen hergestellt? Schwierig zu kontrollieren. Für uns kommt dieser Weg deshalb einfach nicht infrage.

Die Crux bei einem Verlag: Wirtschaftlichkeit vs. Umweltschutz

EKOLOGISKA: Welche Probleme gibt es im Verlagswesen? 

TEPPER: In Sachen Nachhaltigkeit: Wirtschaftlichkeit contra Umweltschutz. Wobei die Druckprozesse nur das eine sind. Andererseits spielt natürlich auch das Umwelt- und Sozialbewusstsein in den (größeren) Verlagen selbst auch eine entscheidende Rolle. Auch da ist dann oft die Frage: Wieviel Umweltbewusstsein können – und wollen! – wir uns als Unternehmen leisten? Bei uns als noch sehr kleinem Verlag ist die Frage schnell beantwortet, denn wir haben extrem kurze Entscheidungswege und sind uns alle einig, dass wir Nachhaltigkeit in all ihren Facetten ganz oben auf unserer Liste stehen haben. Wir arbeiten nach den Standards, die uns essentiell wichtig sind und an denen wir selbst auch Produkte messen, die wir kaufen. Ohne Kompromisse.

EKOLOGISKA: Eine Stellschraube, um ein Buch nachhaltiger zu machen, ist das Papier, auf dem gedruckt wird. Worauf kommt es hier an?

TEPPER: Klassisch hergestelltes und nicht recyceltes Papier hat einen sehr hohen Energie- und Ressourcenverbrauch verursacht, bevor es in den Kreislauf kommt. Das kommt für uns einfach nicht infrage. Mittlerweile gibt es qualitativ so hochwertig produziertes Recyclingpapier, dass die Wahl mehr als leicht fällt. Außerdem haben Qualitätspapiere aus Recyclingmaterial eine unserer Ansicht nach noch viel schönere Haptik und Optik. Deshalb würden wir gar nicht erst auf die Idee kommen, “weißes”, neues Papier zu verwenden, für das Bäume gefällt werden müssen. Im Gegenteil, wir pflanzen sogar Bäume mit einem Teil unserer Gewinne, um einen weiteren Klimaausgleich zu schaffen.

Recyclingpapier, mineralölfreie Farben: Ein Verlag hat viele Stellschrauben

Die Recyclingpapiere, die wir verwenden, tragen das Umweltsiegel “Blauer Engel”, das für höchste Standards in Deutschland steht. Gibt es übrigens schon seit 1978 und ist eines der am strengsten überwachten Gütesiegel hier bei uns.

Gerade prüfen wir Alternativen zu Recyclingpapier – und lassen uns Angebote für den Buchdruck auf Graspapier und Steinpapier machen. Vor allem letzteres hat eine echt interessante Haptik und eine wirklich überzeugende Ökobilanz. Einziger Nachteil: die größten und erfahrensten Produzenten von Steinpapier sitzen in Taiwan. Das ist leider nicht wirklich um die Ecke.

Tipp: Wir haben uns neulich nachhaltige Notizbücher genauer angesehen. Darunter war auch ein Hersteller, der Steinpapier nutzt. Hier kommt ihr zum Artikel.

EKOLOGISKA: Man liest außerdem oft von mineralölfreien Druckfarben als Alternative. Worauf setzen diese Farben, wenn nicht auf Mineralöl?

TEPPER: Die Beschaffenheit und Herkunft der Druckfarben ist tatsächlich ein sehr wichtiger Aspekt! Denn Papier kann durchschnittlich sechs Mal recycelt werden (Steinpapier übrigens bis zu 200 Mal!), bevor es für den Papierkreislauf nicht mehr zu gebrauchen ist. Um aber das Papier wieder in Umlauf bringen zu können, muss erst einmal die Druckfarbe entfernt werden. Das geht mit Farben auf Mineralöl-Basis deutlich schlechter als mit umweltfreundlicheren Alternativen.

In den herkömmlichen Druckfarben sind nämlich umwelt- und auch gesundheitsschädliche Bindemittel und Additive enthalten, die das Entfernen und Entsorgen kompliziert gestalten. Anders bei alternativen Druckfarben. Sie bestehen oft aus Bestandteilen, die in der Natur vorkommen und basieren beispielsweise auf Pflanzenölen. Soja, Hanf, Leinen oder auch Harz bilden das Fundament. Wichtig für die Wiederaufbereitung von Druckerzeugnissen ist, dass die Inhaltsstoffe der Farben auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, leicht abbaubar und wasserlöslich sind. Das ist auch ein wichtiger Punkt, auf dem wir bei der Auftragsvergabe an die mit uns kooperierenden Druckereien bestehen.

Wir danken Daniela Tepper herzlich für das Interview! Mehr Informationen zum himmelblau-Verlag findet ihr hier.


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