Faire Lingerie speziell für kleine Brüste

Kleine Brüste
AIKYOU produziert seit 10 Jahren Lingerie für kleine Brüste. Foto: AIKYOU.

Weiblich gelesene Personen mit kleinen Brüsten werden oft damit konfrontiert, dass ihre Oberweite nicht genug ist. Zum Beispiel, wenn ihnen im Dessous-Shop Super Push Up Bras angeboten werden. Aber auch die Popkultur suggeriert, dass bei Brüsten gilt: Mehr ist mehr. Kein Wunder also, dass Brustvergrößerungen die beliebteste Schönheits-OP bei Frauen in Deutschland ist. 2019 wurden mehr als 60.000 solcher OPs bei uns durchgeführt. Das Unterwäsche-Label AIKYOU hat sich auf BHs für kleine Brüste spezialisiert und feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Grund genug, die vergangenen Jahre mit Co-Gründerin Gabriele Meinl Revue passieren zu lassen.

Kleine Brüste sind wunderbar!

EKOLOGISKA: Der Unterwäsche-Markt suggeriert Menschen mit kleinen Brüsten permanent, dass sie ein Problem haben. Super-Push-Up hier, Mega-Dekolleté da: Eine kleine Brust scheint nicht erwünscht, die gelte es zu verstecken, so scheint es. Mit Aikyou habt ihr ein Label geschaffen, das sich speziell an Personen mit kleinen Brüsten wendet. Wie ist die Idee dazu entstanden?

GABRIELE MEINL: Unserer Erfahrung nach gelten A-Körbchen vielen als “zu klein”, und damit als „weniger attraktiv“. Daher rührt die Idee, dass man sie irgendwie größer machen muss. Wie kann das sein? Wir finden, kleine Brüste sind wunderbar, so, wie sie sind! Sie brauchen nur BHs mit Schnitten, die speziell für sie gemacht sind und in denen sie auf ihre eigene Art super zur Geltung kommen. Aber auf dem Unterwäschemarkt gab es dafür kaum etwas. Deshalb haben wir vor genau 10 Jahren AIKYOU gegründet, als Lingerie-Label nur für kleine Oberweiten. Wir entwerfen BHs, die wirklich anders sind und in denen man sich mit kleinen Brüsten feminin und einfach toll fühlt. Und das eben ganz ohne Bügel oder Push-ups. 

Gabriele Meinl und Bianca Rennender haben aIKYOU vor zehn Jahren gemeinsam gegründet. Foto: AIKYOU.

EKOLOGISKA MAG: Womit sind Personen mit kleinen Brüsten beim BH-Kauf konfrontiert?

MEINL: BH-Shoppen mit kleinem Busen kann mega-nervig sein. Häufig hört man „gutgemeinte“ Ratschläge, wie z.B. „Oh, ich habe da eine Lösung für Ihr Problem, einen süßen 200-%-Push-up-BH!“. Ein Busen ist aber an sich kein „Problem“ und auch nicht „falsch“. Ein BH, der nicht richtig passt, weil er nur eine starre Form auf die Brust legt und sich nicht anpassen kann, dagegen schon.

Kleine Brüste haben andere Bedürfnisse als ein D-Körbchen

EKOLOGISKA MAG: Welche Bedürfnisse muss ein BH erfüllen, der einer kleinen Brust dient? 

MEINL: Die meisten Unterwäschehersteller entwerfen einen Schnitt für einen mittleren Cup-Bereich und gradieren den für alle Größen. Bei kleinen Körbchen wirkt das dann aber häufig „oversized“: Sie brauchen nämlich weniger Stoff zur Abdeckung und kommen auch mit viel leichteren, feineren Trägern, Unterbrustbändern und Verstellerchen aus. Und weil man nicht so viel stützen muss, braucht es auch nicht all diese Bügel und Seitenstäbchen. Für uns bei Aikyou ist die Lösung ein Schnitt, der speziell auf die Bedürfnisse von kleinen Busen zugeschnitten ist und die eigene Schönheit unterstreicht: puristisch und zeitlos schön, weniger Stoff, mehr Haut – das ist feminin und sexy.

Außerdem gleicht kein Busen dem anderen. Es gibt viele A-Cups mit einer großen Unterbrustweite. Deshalb verwenden wir sehr flexible Materialien wie unsere herrlich weiche Bio-Baumwolle und dehnbare, zarte Unterbrustbänder, damit sich unsere BHs an unterschiedliche Oberweitenformen anpassen können. Richtig ist ein BH dann für uns, wenn man ihn gar nicht mehr spürt und sich frei und unbeschwert damit fühlt.

EKOLOGISKA MAG: Euch gibt es jetzt schon zehn Jahre – herzlichen Glückwunsch! Was hat sich für euch in den zehn Jahren am meisten verändert?

MEINL: Vielen Dank! Die zehn Jahre sind wirklich rasend schnell vorbeigegangen. Um einmal anders herum anzufangen: Was sich nicht verändert hat, ist immer noch die gefühlte Einschätzung zu kleinen Brüsten. Darum machen wir nach wie vor weiter darauf aufmerksam, dass jeder Busen wunderbar ist, so, wie er ist, ganz ohne Bügel und Push-ups. Dass es in den letzten Jahren die Body-Positivity-Bewegung oder Aktionen gegen Bodyshaming und für Selbstakzeptanz gab, hat unsere Message aber weiter unterstützt.

Die Message von AIKYOU kam schon immer gut an

EKOLOGISKA MAG: Waren die Reaktionen auf eure Idee am Anfang anders als jetzt?

MEINL: Eigentlich nicht. Wir haben von Beginn an tolles Feedback erhalten. Was wir anbieten, ist für viele offenbar eine langerwartete Bestätigung. Wir hören oft den Satz: „Nach so etwas habe ich schon immer gesucht“ oder „Damit fühle ich mich nun endlich mit meinem Busen wohl“. Das freut uns natürlich sehr, weil es zeigt, dass unsere Arbeit geschätzt wird. Das Feedback und die Fragen, die wir erhalten, sind immer sehr persönlich. Wir glauben, das kommt daher, dass wir kleine Brüste so offen thematisieren. Jede Brust ist anders, und deshalb gibt es dazu großen Gesprächsbedarf. Wir beraten alle, die sich an uns wenden, mit Leidenschaft, und es begeistert uns jedes Mal, wenn wir jemandem weiterhelfen können.

EKOLOGISKA MAG: Warum diskutieren wir heute überhaupt noch so viel über die Brust? 

MEINL: Brüste und BHs sind Symbole für Weiblichkeit. Wir wachsen alle mit Schönheitsidealen auf und werden davon beeinflusst, ob wir wollen oder nicht. Schon Teenager lernen heute, wie ein Busen auszusehen hat, und das bedeutet im Moment immer noch „größer“. Die Vorstellung, dass z.B. Männer vor allem große Busen schön finden, hält sich bis heute in den Köpfen, gerade von Frauen – während Männer damit meist viel entspannter umgehen. Aber das ist nur ein Klischee. Denn Weiblichkeit hat bestimmt nichts mit der Cupgröße zu tun. ob jemand als attraktiv wahrgenommen wird, das beschränkt sich niemals nur auf die Brust, selbst wenn die ein Hingucker ist, sondern beruht immer auf dem Gesamteindruck. Und ob man seine Brüste betonen möchte oder nicht, bleibt natürlich eine ganz persönliche Sache. Wenn ja, ist ein BH das modische Accessoire dafür, um sie schön in Szene zu setzen. Und das soll sich gut anfühlen!

AIKYOU bedeutet Liebe und Respekt

EKOLOGISKA MAG: Was macht eure Produktion nachhaltig?

MEINL: Unsere Unterwäsche ist nach Fairtrade-Standards (für die Biobaumwolle), STANDARD 100 by OEKO-TEX® und PETA-Approved Vegan zertifiziert und wird in Deutschland und Kroatien hergestellt. Nachhaltigkeit war für uns grundsätzlich nie ein Marketingtrend, und dazu gehört auch noch mehr als nur Siegel. Wir denken lieber zweimal nach, z. B. über unsere Verpackungen. Die sind bei uns minimiert, wir nutzen Second-Hand-Kartonagen, unser Packaging ist recyclebar, alles aus Papier kommt aus zertifizierter Waldwirtschaft. Natürlich beziehen wir Grünstrom, versenden mit DHL GoGreen und achten auch im persönlichen Leben auf Nachhaltigkeit. Und wir hinterfragen immer wieder kritisch – auch was nachhaltig zu wirtschaften eigentlich heißt. Rabattschlachten, die durch Preisdruck das System der Fast Fashion befördern, gehören für uns nicht dazu. Inspiriert von einem japanischen Frauennamen steht unser Label genau für diese Haltung. Denn AIKYOU bedeutet „Liebe und Respekt“.

EKOLOGISKA MAG: Inwiefern hat sich das Umfeld “fair Fashion” in den letzten zehn Jahren gewandelt? 

MEINL: Unsere Hauptidee war immer, Dessous für kleine Oberweiten zu entwerfen. Aber es war von Anfang an klar, dass eine nachhaltige Arbeitsweise als völlig normal und nicht einmal erwähnenswert angesehen werden sollte. Das sollte der Standard sein. Am Anfang war das gar nicht so leicht, es gab z.B. nur wenig für uns geeignete, nachhaltig produzierte Materialien. Diesem Bedürfnis kommt der Markt jetzt etwas besser entgegen. Gleichzeitig beobachten wir, wie unter den weltwirtschaftlichen Entwicklungen erschreckenderweise immer mehr in Europa ansässige Herstellerunternehmen aufgeben. Dafür achten jetzt viel mehr Menschen auf eine nachhaltige Produktion der Unterwäsche, die sie tragen. Und so haben wir jetzt nach zehn Jahren das Gefühl, dass wir unserem Ziel von Nachhaltigkeit als Selbstverständlichkeit doch einen guten Schritt näher gekommen sind.

Vielen Dank für das Gespräch.


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