Weleda, demeter, Waldorf: Wie viel Anthroposophie ist in Ordnung?

Anthroposophie
Wie viel Anthroposophie ist okay? Marisa Becker versucht, dafür eine Antwort zu finden. Foto von Pete Linforth auf Pixabay.

Unsere Autorin liebt die Produkte von Wala und Weleda, bedient sich für die Erziehung ihrer Tochter einigen Elementen der Waldorf-Pädagogik. Als sie herausfindet, wofür die Anthroposophie, also die Weltanschauung, auf der diese Firmen und Ansätze fußen, steht, kommt sie ins Grübeln. Kann sie die Produkte noch guten Gewissens kaufen? Für EKOLOGISKA dokumentiert sie ihre Recherche.

Anthroposophie. Ein kompliziertes Wort, hinter dem sich eine noch viel kompliziertere Weltanschauung versteckt. Hätte man mich vor einem Jahr gefragt, was ich damit zu tun habe, hätte ich vermutlich mit “nichts” geantwortet. Denn damals wusste ich nicht, dass Weleda, Wala, Dr. Hauschka und die Waldorf-Pädagogik auf der Anthroposophie basieren. Aber nicht nur das: Auch Alnatura, dm und demeter, die zumindest für meine Begriffe echte Institutionen in unserer Gesellschaft darstellen, sind anthroposophisch. Diese Weltanschauung hat es offenbar in die Mitte unserer Gesellschaft geschafft. Als ich zu dieser Erkenntnis komme, bin ich baff. Schließlich läuft mir die Anthroposophie erstmals im Kontext der Querdenker-Demonstrationen im letzten Hochsommer über den Weg.

Die Anthroposophie bietet eine ideologische Grundlage zum “querdenken”

Damals machen gleich zu Beginn Waldorflehrer:innen und Anthroposophen von sich reden, indem sie die Proteste der Querdenker unterstützen. In den Medien wird der Kampf innerhalb der Waldorfschulen um die Deutungshoheit in Sachen Corona-Pandemie publik. Die einen verweigern die Maßnahmen, leugnen gar das Virus. Die anderen setzen sich dafür ein, dass die Maßnahmen eingehalten werden. Expert:innen, die sich schon länger mit den Ideen der Anthroposophie beschäftigen, sind davon wenig überrascht: Schließlich mache der ideologische Überbau anfällig für Verschwörungstheorien. Aber wie sieht der genau aus?

Die Anthroposophie wurde von Rudolf Steiner begründet. Steiner wird 1861 geboren und das nationalistische, um nicht zu sagen nationalsozialistische, Gedankengut wird ihm seit früher Kindheit näher gebracht. In seiner Midlife-Crisis wagt er einen Schritt, der sein späteres Leben entscheidend beeinflussen wird: Er tritt der Theosophischen Gesellschaft bei. Die Überzeugung, dass es eine geistige Welt gibt, die man kennenlernen und sogar nutzen kann, wird zum Kern seiner Weltanschauung. Die Anthroposophie ist also gewissermaßen ein Kind der Theosophie, allerdings hat er im Laufe der Jahre vieles neu interpretiert. Und so ist die Anthroposophie untrennbar mit ihrem Urvater Rudolf Steiner verbunden, der noch heute von vielen Anhänger:innen verehrt wird.

Die geistige Welt erkennen – die Basis der Anthroposophie ist das Hellsehen

Aber was genau zeichnet sie nun aus, die Anthroposophie? Die Grundzüge erklärt Helmut Zander in “Die Anthroposophie” mit einem Dreisatz. Demnach sei sie erstens eine Weltanschauung, die davon ausgeht, dass es eine “geistige Welt” gibt. Also dass das Materielle nicht das einzige ist, was es wahrzunehmen gilt. Zweitens sagt Steiner, dass man diese geistige Welt erkennen könne, wenn man durch persönliche Schulung das “Hellsehen” erlerne. Und drittens könne man diese Erkenntnisse in die Praxis umsetzen und so ihre Wirkungen erkennen. Aus Steiners Hellsehungen ergeben sich beispielsweise die Waldorf-pädagogischen Ansätze oder auch die Richtlinien für anthroposophische Mediziner.

Was sich dahinter verbirgt wird deutlich, wenn man sich beispielsweise die Entwicklung des Menschen nach anthroposophischem Verständnis ansieht. Steiner ging davon aus, dass Menschen sich ab Geburt in “Jahrsiebten”, also sieben-Jahres-Intervallen, entwickeln. In jedem dieser Intervalle entwickelt sich eines der sieben “Wesensglieder” des Menschen. In den ersten sieben Lebensjahren bilde sich der physische Leib des Kindes aus, so Steiner. Dieser ist weitestgehend mit dem Körper des Menschen gleichzusetzen, das Kind lebt in diesen Jahren vor allem durch Nachahmung.

Krank sein bedeutet, dass die Wesensglieder nicht harmonieren

Danach beginnt die Ausbildung der übersinnlichen Wesensglieder. Im Alter von sieben bis 14 Jahren wird der Ätherleib geboren. Er ist an das Konzept der Lebenskraft angelehnt, in dieser Zeit brauchen Kinder Steiner zufolge Autorität. Bis zum 21. Lebensjahr bilden Jugendliche schließlich den Astralleib aus, in den physischer Leib und Ätherleib eingebettet sind. Gemeint sind alle Triebe, Emotionen und Gefühle, die der Mensch entwickelt. Es handelt sich gewissermaßen um die Seele. Mit 28 Jahren ist die Entwicklung des “Ich” abgeschlossen, welches das Zentrum der Persönlichkeit bildet. Danach folgen weitere Entwicklungsstufen, die ich an dieser Stelle ausspare. Denn mit diesen vier Stufen sind die zentralen Wesensglieder entwickelt.

Aus diesem Verständnis der menschlichen Entwicklung ergibt sich, wie Krankheiten nach anthroposophischer Auffassung entstehen: Harmonieren die vier zentralen Wesensglieder, ist der Mensch gesund. Besteht eine Disharmonie, entstehen Krankheiten. Diese sind also immer auch ein seelisches Problem, dessen Lösung Chancen bietet. Die Behandlung von Krankheiten erfolgt demnach, indem man den ganzen Menschen betrachtet und versucht, die Wesensglieder wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Das, was Anthroposophen propagieren, ist im Kern wissenschaftsfeindlich

Vor diesem Hintergrund leuchtet es ein, dass Anthroposophen keine Angst vor dem Corona-Virus haben bzw. dessen Existenz leugnen. Schließlich sind Krankheiten ihrer Auffassung nach nicht von Viren verursacht, sondern das Ergebnis einer Disharmonie der Wesensglieder. Eine andere Erklärung lautet, dass Krankheiten die Folge schlechten Karmas in einem früheren Leben sind. Eine Haltung, die mich persönlich ins Schaudern bringt. Schließlich ist sich die Wissenschaft einig, wie Krankheiten entstehen. Dass Anthroposophen diesen Konsens leugnen, ist Ausdruck der Wissenschaftsfeindlichkeit, die dieser Weltanschauung innewohnt. Vor allem im Kontext der Corona-Pandemie wurde das mehr als deutlich: Auf etlichen Bühnen argumentierten bekennende Anthroposophen, dass Corona lediglich ein Produkt der Angst sei, die vor dem Virus geschürt würde. Oder dass Epidemien entstünden, weil das Immunsystem der Menschen durch die Einschränkung der Freiheit geschwächt sei.

Das ist natürlich völliger Schwachsinn, aber das Werk Steiners füttert diese wissenschaftsfeindliche Haltung mit seinen zutiefst esoterischen Ausführungen. Was mir wichtig zu erwähnen ist: Natürlich teilt nicht jeder, der sein Kind auf die Waldorfschule schickt oder bei Alnatura einkauft (sofern man sich des anthroposophischen Hintergrundes überhaupt bewusst ist) diese Haltungen. Aber sie sind und bleiben eben die Basis, der Kern dieser Unternehmen und Institutionen. Und ich frage mich, inwiefern ich Unternehmen wie Weleda, demeter oder Wala mit dieser Erkenntnis guten Gewissens mein Geld geben kann.

Alles okay, solange die Produkte stimmen?

Warum ich mir diese Frage stelle, ist eigentlich relativ einfach: Ich versuche, möglichst umweltbewusst und nachhaltig zu leben. Und viele anthroposophische Firmen bieten dafür passgenaue Lösungen an. Die Produkte von Weleda beispielsweise sind Naturkosmetik und erfüllen auch sonst quasi alle Ansprüche, die ich an Kosmetik habe. Die Kriterien für biologisch-dynamische Landwirtschaft von demeter sind mit die strengsten, die es am Markt gibt. Und trotzdem bleibt bei mir ein maues Gefühl zurück, denn wann immer ich eine Babycreme von Weleda kaufe, finanziere ich die Sparte für anthroposophische “Medizin” mit. Eine Medizin, die auf den Lehren Rudolf Steiners fußt und nicht dem gängigen wissenschaftlichen Konsens entspricht.

Anthroposophie: Kosmische Kräfte statt Wissenschaft

Die Frage ist: Kann ich das mit meinem Gewissen vereinbaren? Zwar haben sich Unternehmen wie Weleda öffentlich dazu geäußert, dass sie die Corona-Maßnahmen ernst nehmen würden. Aber selbst in diesem Statement betont das Unternehmen, dass man “verschiedene wissenschaftliche Perspektiven” zulassen müsse. Bei anderen Unternehmen hätte ich das wahrscheinlich überlesen, im Kontext der Anthroposophie aber kann man an dieser Stelle nicht weghören. Heißt wissenschaftlich hier wirklich wissenschaftlich? Schließlich sind Anthroposophen bemüht, der Wissenschaft weitere, nicht-nachprüfbare Aspekte hinzuzufügen. Sie glauben etwa, dass es kosmische Kräfte gibt. Wie die wirken, das hat Helmut Zander in einem Interview mit dem Deutschlandfunk beschrieben:

“Also Steiner glaubt, dass es kosmische Wirkkräfte gibt, die vom Himmel, vom Kosmos in die Erde kommen, die man auffangen kann, die man in Demeter-Tomaten sozusagen konzentrieren kann, und dann sind sie eben nicht mehr mit Stickstoff bearbeitet, sondern mit kosmischer Energie gewachsen.”

All das lässt sich wissenschaftlich nicht beweisen – und trotzdem vergraben demeter-Landwirte mit Kuhdung gefüllte Hörner im Boden, um die kosmischen Energien zu bündeln. Viele der Praktiken, die anthroposophische Unternehmen auszeichnen, entbehren sich also jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Und irgendwie fällt es mir schwer zu verstehen, wie überzeugte Anthroposophen die Dissonanz, die zwischen der wissenschaftlichen und anthroposophischen Weltsicht herrscht, handhaben.

Welche Folgen hat es, wenn wir wissenschaftsfeindliche Haltungen tolerieren?

Zumindest für überzeugte Anthroposophen scheint diese Dissonanz einen eben so großen Knoten im Kopf zu erzeugen wie bei mir. Nur, dass diese sich dafür entscheiden, den Ausführungen Steiners zu folgen und nicht der Wissenschaft. Dass die Ideen Steiners bis heute einen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft haben, dafür tragen Unternehmen wie Weleda & Co. eine große Verantwortung. Schließlich machen sie Profit mit dieser Weltanschauung, ob das nun von den Kund:innen mehr oder weniger bewusst wahrgenommen wird.

Fakt ist: Der Verschwörungsglaube, der durch die Anthroposophie gefüttert wird, ist eine Bedrohung für unsere Demokratie. Dr. Jens Soentgen, Leiter des Wissenszentrums Umwelt an der Universität Augsburg, erklärt den Zusammenhang in einem Artikel folgendermaßen:

“Unsere Demokratie fußt darauf, dass die Politik ihre Entscheidungen an rationalen Kriterien ausrichtet. Kritik an Wissenschaft und ihren Erkenntnissen ist dabei nicht nur erlaubt, sondern sogar essentiell – sie ist ein Motor, der Forscherinnen und Forscher zu neuen Erkenntnissen antreibt. Wenn diese Kritik dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn aber insgesamt die Legitimation abspricht, wenn sie Wissenschaftler pauschal unter Verdacht stellt, wird sie zu einer elementaren Bedrohung für unsere Gesellschaft und Demokratie.”

Verschwörungstheorien zerstören die Demokratie

Genau das beobachten wir aktuell im Kontext der Corona-Pandemie. Diese Legitimation wird der Wissenschaft oft durch Menschen abgesprochen, deren Weltanschauung auf Rudolf Steiner basiert. Anthroposophische Unternehmen wie demeter boten in der Vergangenheit solchen Stimmen sogar in ihrem Magazin eine Plattform. Aber die Anthroposophie hat diese wissenschaftsfeindlichen Haltungen schon vor Corona gefüttert, wenn auch weniger lautstark. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen, dass Steiners Werk viele rassistische Passagen enthält. Details erspare ich euch an dieser Stelle. Wer sich dazu belesen möchte, dem empfehle ich André Sebastianis Buch “Anthroposophie – Eine kurze Kritik”.

Nach der Recherche stehe ich den genannten Unternehmen und der Anthroposophie sehr kritisch gegenüber. Trotzdem gibt es eine Stimme in mir, die sagt: Boykott und Ignoranz sind nicht die Lösung. Wir müssen miteinander im Gespräch bleiben, aber gleichzeitig aufklären und Probleme benennen. Das mache ich, dieser Artikel ist der Anfang. Ich sehe immer noch, dass anthroposophische Unternehmen viele Ansätze haben, die ich – wenn auch aus ganz anderer Motivation heraus – teile. Sogar meine Bank ist anthroposophisch, finde ich während der Recherche heraus. Und die tut viel Gutes. Ich werde also vorerst bei ihr bleiben. Aber: Ich will in Zukunft genauer prüfen, wie viel Anthroposophie in welchem Unternehmen steckt. Und wer hier durchfällt, der wird in Zukunft keinen Platz in meinem Leben haben.


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6 thoughts

  1. Vielen Dank für Deinen Beitrag zur Diskussion. Zum Thema Demeter (=bio-dynamische) Landwirtschaft ist folgendes zu sagen:

    https://www.fibl.org/de/infothek/meldung/dok-versuch-zeigt-biolandbau-mindert-klimawandel

    “Biologisch-dynamisch mit den niedrigsten Lachgaswerten
    Das Ergebnis: Die biologisch bewirtschafteten Flächen wiesen pro Hektar rund 40 Prozent niedrigere Lachgasemissionen auf als die konventionell bewirtschafteten. Bezogen auf die Erträge wies das Verfahren “biologisch-dynamisch” die niedrigsten Lachgasemissionen auf, das Verfahren “Nulldüngung” die höchsten. Beim Maisertrag zeigten sich keine Unterschiede in den Lachgasemissionen zwischen biologischer und konventioneller Bewirtschaftung.

    “Dies belegt, dass nicht allein der Düngerverzicht, sondern eine gezielte Bewirtschaftung mit vielfältiger Fruchtfolge und Hofdünger wie Mist und Gülle zur Aufrechterhaltung wichtiger Bodenfunktionen zur Emissionsminderung im Pflanzenbau führt”, so die Autoren. Dieser Befund wird dadurch gestützt, dass wichtige Indikatoren für Bodenfruchtbarkeit wie pH-Wert, organische Substanz in Form von Humus sowie die mikrobielle Biomasse im Boden negativ mit den Lachgasemissionen korrelierten.”

    Außerdem folgender Beitrag:
    Wissenschaft ist zentral und absolut wichtig und hat uns als Menschen essenziell weiter gebracht in unserem alltäglichen Leben. Gerne möchte ich jedoch die These aufstellen, dass Wissenschaft immer nur eine Momentaufnahme ist und der Versuch von Menschen im Rahmen ihres menschlichen Denkens und der ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente, unsere Erde zu verstehen.
    Beispielsweise wurde in den 1970er Jahren Landwirt*innen von der Wissenschaft propapiert, dass die Düngung mit Phosphat unglaublich wichtig sei. Landwirt*innen sind dieser Empfehlung gefolgt.
    Heute wissen wir, dass diese Art der Düngung große Umweltschäden hinterlassen hat und die Landwirt*innen sehr viel Geld gekostet hat.

    Wissenschaft als allwissend zu verstehen kann daher nicht der Ansatz sein! Daher hat auch Politik stets die Aufgabe Erkenntnisse aus der Wissenschaft einzuordnen und darauf basierenden und unter Einbeziehung sozialer, gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Aspekte Entscheidungen zu treffen.

    1. Liebe Theresa,

      erstmal danke für deinen Kommentar! Gerade auf Social Media haben uns viele respektlose Nachrichten erreicht, weswegen wir uns sehr freuen, dass wir auch diskussionsbereite Leser:innen haben!

      Zum Thema Landwirtschaft von Demeter: Marisa schreibt ja in dem Artikel, dass gerade die Kriterien von Demeter für sie etwas sehr positives sind. Und das sie eben lieber zu diesen Produkten greift, als welche, die nicht biologisch sind.

      Die „Wissenschaft“ ist natürlich keine einheitliche, allwissende Entität. Aber bereits in den 1970er Jahren wurde das exzessive Düngen und unnachhaltige Bewirtschaftung von vielen Forscher:innen bemängelt und kritisiert. Wir müssen uns bei Forschungsergebnis immer damit auseinander setzen woher die Ergebnisse kommen und kritisch hinterfragen. Das ist ein super wichtiger Punkt, den du bringst. Wenn wir gerade in deutschen Kontext daran denken, wo „Rassentheorie“ ja auch „wissenschaftlich“ belegt wurde. Was natürlich, wie wir heute wissen, falsch und nach wie vor abscheulich ist.

      Wir hoffen unsere Antwort ist dir entgegen gekommen!
      Liebe Grüße

  2. Puh ich finde das gerade sehr schwer zu lesen. Ich habe das Gefühl, dass hier alle Anthroposophen in einen Topf gesteckt werden. Sicher gibt es immer extreme aber die gibt es in jeder Gruppe die eine Meinung vertritt.

    Die Vereinigung der Anthroposophen hat sich klar gegen Äußerungen bezüglich Impfungen gestellt. https://damid.de/presse/pressmitteilungen/1011-impfen-solidarisch-entscheiden.html
    Daher finde ich es schade, dass „die Anthroposophen“ hier als Impfgegner dargestellt werden.

    Rudolf Steiner hat vor 100 Jahren gelebt. Er hat damals Dinge aufgeschrieben mit Worten die damals genutzt wurden. Es ist schade, dass dies 100Jahre später noch genutzt wird um ihn als rassistisch dar zu stellen. Ich sage nicht, dass es alles gut und richtig war, was er beschrieben hat. Es wäre nur toll wenn man das ganze mit etwas Abstand sehen würde. Immerhin hat die Anthroposophie uns sehr viele tolle Sachen und Erfahrungen beschert – Weleda, Waldorf etc.

    Ich mag eure Arbeit wirklich sehr. Habe die Tage erst eure Magazine erhalten. Diesen Artikel habe ich mit gemischten Gefühlen gelesen und hatte mir wohl eine etwas modernere Denkweise erwartet.

    1. Liebe Pauline!

      Erstmal: Wie cool, dass du unsere Magazine gekauft hast. Wir freuen uns sehr darüber. Wenn du Nachhaltigkeit mit Kindern reingelesen hast, hast du bestimmt gesehen, dass sich Marisa auch über die Vorzüge der Waldorf-Pädagogik bewusst ist und auch wie in diesem Artikel steht, gerne Elemente davon bei der Erziehung ihres eigenen Kindes anwendet.

      Das alle Anthroposoph:innen Impfgegner:innen sind, steht so nicht im Artikel, trotzdem lässt es sich nicht leugnen, dass es dennoch viele aus dieser Gruppe gibt, die sich damit identifizieren. Das muss kritisch hinterfragt und beleuchtet werden.

      Zu den rassistischen Schriften von Rudolf Schreiner: Er hat nicht nur rassistische Begriffe genutzt, die damals üblich waren. Er hatte auch rassistische Denkweisen. Er war zum Beispiel auch immer anfällig für die Rassenlehre, die damals keineswegs jeder geglaubt hat. Natürlich gab es mehr als heute, aber die Frage ist doch: Wenn jemand, der an so etwas glaubt, eine Philosophie begründet, dann wird er auch seine Einstellungen darin verweben. Und da müssen wir sagen, das geht für uns einfach nicht.

      https://www.deutschlandfunkkultur.de/rudolf-steiner-und-die-anhaenger-der-waldorfschule-auf-dem-100.html

      Zum Thema Weleda: Ist das wirklich toll? Weleda hat während der NS-Zeit bspw. Menschenversuche an Häftlingen in Konzentrationslagern durchgeführt – und sich bis heute nicht entschuldigt. Klar, es gibt wirklich gute Produkte: Aber sollten wir uns nicht dafür engagieren, dass es Unternehmen mit solchen Produkten ohne eine solche Vergangenheit gibt?

      Dazu:

      http://www.akdh.ch/ps/ps_05.html

      Wir müssen uns fragen: Wollen wir gute Elemente einer Philosophie nehmen und weiterentwickeln? Oder wollen wir lieber an ihr festhalten?

      Liebe Grüße

      1. Liebe Jona,

        Danke für deine Antwort. Aber steht in dem 2.Link nicht, dass sie sich entschuldigt haben?

        Klar, wäre es toll, wenn diese Firmen diese Vergangenheit nicht hätten. Aber trägt nicht ganz Deutschland diese Vergangenheit? Und ist es nicht wichtiger, dass man draus gelernt hat und nicht mehr solche Dinge tut? Es gibt so viele andere Menschen die jetzt für diese Firmen arbeiten und sie weiter entwickelt haben.

        Gleiches denke ich gilt für die Gedanken von Rudolf Steiner. Klar man kann sie so für sich nutzen wie man das gern hätte – leider auch in unserem Sinne negativ. Aber nicht jeder Anthroposoph tut dies.
        Hier hat doch auch eine Weiterentwicklung stattgefunden.
        Gefühlt werden die negativen Punkte von damals immer wieder ausgekramt und das Gute kommt etwas zu kurz.

        Danke für eure Arbeit.

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