alpakas: Berlins erster Zero Waste-Lieferdienst im Interview

Zero Waste Lieferdienst
Bei alpakas zieht sich Nachhaltigkeit durch das gesamte Konzept. Geliefert wird im e-Lastenrad. Foto: alpakas.

Keine Zeit für den Unverpackt Laden, aber trotzdem Zero Waste einkaufen? In Berlin ist das seit einiger Zeit dank einem ziemlich innovativem Konzept möglich: Der Lieferdienst alpakas versorgt seine Kund:innen mit Lebensmitteln in Mehrwegverpackungen – und zwar noch am Tag der Bestellung. Dabei kommen vor allem Gläser und Stoffbeutel zum Einsatz. Die werden dann mithilfe eines E-Lastenrads zu den Kund:innen nach Hause geliefert. Wie das hinter den Kulissen funktioniert, wollen wir von Alpakas-Gründer Simon Chorzelski wissen. Im Interview mit EKOLOGISKA erklärt er außerdem, ob man bald schon im Berliner Umland Zero Waste Lebensmittel bestellen kann.

Alpakas setzt auf Großgebinde für Zero Waste

EKOLOGISKA MAG: Bei euren Kund:innen kommen die Waren ja in Mehrwegbehältnissen an. Aber wie kommt die Ware davor zu euch ins Lager?

SIMON: Wir bestellen Großgebinde, die überwiegend in Papiersäcken geliefert werden, und füllen die jeweiligen Lebensmittel in Gläser um. Dadurch sparen unsere Kund:innen bei jedem Einkauf circa 5-10 Einwegverpackungen und mehr. Bei der Auswahl der liefernden Unternehmen achten wir genau auf Nachhaltigkeit.

EKOLOGISKA MAG: Nach einer Lieferung habe ich viele Gläser und andere Mehrweg-Behältnisse von euch daheim. Wie kommen die Gläser am Ende wieder zu euch?

SIMON: Wir liefern in einer praktischen Jute-Tasche. All Dein Leergut, was Du zurückgeben möchtest, kannst du uns bei der nächsten Bestellung einfach in die Hand drücken. Die kleinen Pfandbeträge erstatten wir dann direkt zurück. Wenn Du nicht wieder bestellen willst, ist das auch kein Problem. Wir kommen auch so vorbei und nehmen jegliches Leergut mit.

Simon Chorzelski ist der Gründer von alpakas. Foto: alpakas.

“Jeden Tag passieren unerwartete Dinge”

EKOLOGISKA MAG: Das klingt ziemlich unkompliziert! Gab es etwas, was nicht sofort geklappt hat?

SIMON: Wir erleben jeden Tag Dinge, die so nicht vorhergesehen wurden. Direkt am ersten Tag brach bei einem unserer vollgeladenen Lastenräder das Pedal ab. Im operativen Geschäft gibt es jeden Tag Überraschungen. Wir verbessern unseren Service jeden Tag und sind stolz darauf den Kund:innen ihren Wocheneinkauf zu bringen.

EKOLOGISKA MAG: Und gibt es auch Produkte, die eure Kund:innen bisher nicht bei euch kaufen können?

SIMON: Bisher bieten wir noch keine gefrorenen Lebensmittel oder Fleischprodukte an. Diese Produkte erfordern zusätzliche Logistische Vorbereitungen, die wir bald angehen werden. Aktuell suchen wir für diese Produkte gerade noch die idealen Mehrwegverpackungen.

Werden wir in Zukunft alle unser Essen geliefert bekommen?

EKOLOGISKA MAG: Warum braucht es überhaupt einen Zero Waste Lieferdienst? Man könnte ja auch einfach in den Unverpackt Laden fahren. Gerade in Berlin gibt es da ja einige Anlaufstellen.

SIMON: Wir finden Unverpackt-Läden super. Über die letzten Monate hat sich gezeigt, dass es eine große Kund:innengruppe gibt, für die Liefermodelle interessant sind, die aber auf eine nachhaltige Alternative warten. Wir stehen hier am Anfang einer massiven Veränderung des Einkaufsverhaltens. In Europa geht es gerade erst los, einige Länder liegen bereits bei einem Lieferanteil von rund 30 Prozent. Während der Coronapandemie haben wir gesehen, dass Lieferdienste für viele Menschen, die sehr lange arbeiten, Beruf und Familie vereinbaren müssen oder einfach körperlich beeinträchtigt sind, eine große Erleichterung im Alltag darstellen. Der große Vorteil bei einem Lieferdienst ist einfach, dass die Kund:innen bestellen und sehr zeitnah ihre Bestellung erhalten, ohne viel planen zu müssen. Schlussendlich finde ich es genau richtig, dass es anfangs viele Experimente und Modelle gibt. Am Ende entscheiden die Kund:innen. Das ist doch gut!

EKOLOGISKA MAG:  Plant ihr aktuell, das Liefergebiet zu erweitern? Gerade im ländlichen Bereich, wo Unverpackt Läden rar sind, wäre das definitiv eine coole Alternative. 

SIMON: Wir haben auf jeden Fall die Ambition, den Service schnell in vielen deutschen Städten anzubieten. Um einen Lieferdienst anzubieten, der am Bestelltag liefert, ist eine gewisse Bevölkerungsdichte essentiell, daher konzentrieren wir uns zuerst auf die städtische Bevölkerung. Ich bin mir sicher, dass es im Markt viel tun wird. Wir freuen uns dabei zu sein. 

Andere Ideen zum Thema Zero Waste stellen wir zum Beispiel hier vor


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