Die wichtigsten Textilsiegel im Überblick

Es gibt sehr viele Textilsiegel. Sie alle versprechen das gleiche: Nachhaltige Kleidung. Allerdings legen alle Siegel ihre Standards selbst fest, sodass man immer genau hin schauen sollte, welche Siegel das begehrte Kleidungsstück trägt (oder auch nicht). Ich habe hier einmal die gängigsten, strengsten und besten Siegel für euch zusammen getragen und versucht, das, was die Siegel aus macht, kurz und knackig zusammen zu fassen.

Better Cotton Initiative

Better_Cotton_Initiative_logo.svgDas Ziel der Better Cotton Initiative ist es, den Baumwollanbau sozial- und umweltgerechter zu gestalten. Hersteller*innen, die das Siegel auf ihre Textilien bringen wollen, müssen nachweisen, dass sie gewisse Standards bereits erfüllen und im Laufe der Partnerschaft die Bedingungen weiter verbessern. Aktuell wird der Standard überarbeitet. Ich werde den Artikel updaten, sobald es weitere Informationen zu den neuen Richtlinien gibt.

Bluesign

BluesigntechnologieslogoBei Bluesign stehen die eingesetzten Chemikalien bei der Herstellung von Textilien im Vordergrund. Das Siegel deckt dabei die Bereiche Konsumentenschutz, Abwasser, Abluft, Arbeitssicherheit und Ressourcenproduktivität ab. Textilien, die das Siegel tragen, wurden also möglichst schadstoffarm produziert. Die Einhaltung der Richtlinien wird regelmäßig kontrolliert, die Basis der Richtlinien bilden Negativ- sowie Positivlisten über Chemikalien die (nicht) eingesetzt werden dürfen.

Cradle to Cradle

DRUCK_C2CeV_LOGO_3Maerz15Der Grundgedanke bei Cradle to Cradle lautet, Produkte zu kreieren, die “von der Wiege zur Wiege” geführt werden, also keinerlei Müll verursachen. Die Produkte werden nach verschiedenen Kriterien beurteilt, darunter Materialgesundheit, Wiederverwendung, erneuerbare Energien, soziale Fairness und Wasser. Alle eingesetzten Substanzen werden dabei nach 23 toxikologischen Kriterien bewertet. Am Ende werden die Produkte stufenweise zertifiziert: Es gibt Basic, Bronze, Silber, Gold und Platin.

Der Blaue Engel

BE_Logo_JuryUmweltzeichen_MenschUmwelt.svgDer Blaue Engel ist eines der ältesten Siegel, welches jeder bereits in der Schule kennen lernt. Im textilen Bereich hat es sich allerdings nicht durchgesetzt, es gibt nämlich keine Lizenznehmer. Und das, obwohl das Siegel die gesamte textile Kette zertifiziert und auch grundsätzlich alle Faser-Arten. Nur toxische Rückstände in Recyclingfasern sind ausgeschlossen. Die Anforderungen sind etwas lascher als bei GOTS oder Made in Green.

Fairtrade

FairTrade-Logo.svgBei Fairtrade steht der Schutz der Arbeiter*innen im Vordergrund. Häufig findet sich das Siegel “Fairtrade certified Cotton” auf einem Produkt. Das Siegel garantiert, dass Textilien zu einhundert Prozent aus fairtrade-zertifizierter Baumwolle bestehen. Die Baumwolle-Bauern haben in diesem Fall einen Mindestpreis für ihre Ware erhalten. Synthetische Dünger und Pestizide sind nur eingeschränkt erlaubt. Allerdings hat Fairtrade 2016 umgestellt und setzt inzwischen auf eine Kombination aus Textilstandard und -programm. Der Standard ist langfristig angelegt und hat verschiedene Ziele. Auf der einen Seite sollen die Arbeiter*innen gestärkt werden. Sie sollen ihre Rechte kennen und diese auch durchsetzen können. Auf der anderen Seite stehen Vereinbarungen mit Arbeitgeber*innen, welche sich verpflichten, existenzsichernde Mindestlöhne zu zahlen. Das Programm erarbeitet gemeinsam mit den Unternehmen Aktionspläne. In ihnen wird festgehalten, wie Unternehmen Schritt für Schritt Maßnahmen in Richtung Fairtrade ergreifen, zum Beispiel das Umsetzen von Arbeitsschutzbedingungen.

Fair Wear Foundation

19.de.jpgDas Siegel der Fair Wear Foundation zertifiziert eine sozialverträgliche Fertigung. Textilien, die dieses Siegel tragen, wurden also frei von Zwangs- und Kinderarbeit, Diskriminierung, unbegrenzter Arbeitszeit uvm. hergestellt. Anforderungen an den Umweltschutz sind hier nicht eingeschlossen. Unternehmen, die das Siegel der Fair Wear Foundation auf ihre Kleidung drucken wollen, müssen mindestens ein Jahr Mitglied der Foundation sein und im jährlichen Performance-Check mit “Bestnote” abschneiden.

Global Organic Textile Standard

Bildschirmfoto 2019-04-23 um 11.33.47Das Siegel des Global Organic Textile Standards (GOTS) findet man auf verhältnismäßig vielen Produkten. Das liegt daran, dass anders als bei IVN Best neben biologisch angebauten Naturfasern auch bis zu 30% Recyclingfasern beigemischt werden dürfen. Diese Fasern dürfen dann auch synthetisch sein. GOTS umfasst neben Anforderungen an das Endprodukt und die Fasern auch soziale Standards, die allerdings weniger streng sind als beispielsweise diejenigen von Fairtrade. Der GOTS wird aber allgemein als sehr zuverlässiges Siegel betrachtet und ist deshalb eine gute Orientierungsmöglichkeit.

Grüner Knopf

Der Grüne Knopf ist das erste staatliche Textilsiegel. Da es im Juli erst in seine Pilotphase startet, kann ich bislang nur auf die Ausführungen von Dr. Andreas Jacobs stützen, der das Siegel im Namen des BMZ bei der Greenstyle in München vorgestellt hat. Der Grüne Knopf zertifiziert neben dem Produkt selbst auch das Unternehmen. Für die Bewertung des Unternehmens müssen die Hersteller Anforderungen in Kategorien wie Transparenz erfüllen. Bei dem Grünen Knopf handelt es sich für die Zertifizierung der Produkte um ein Meta-Siegel. Das bedeutet ganz konkret: Das Ministerium hat mit Herstellern wie GOTS zusammengearbeitet und die wichtigsten Kriterien von einzelnen Siegeln übernommen. Wenn ein Kleidungsstück nun ein gültiges GOTS Siegel trägt, überprüft das Ministerium die von GOTS zertifizierten Anforderungen nicht ein zweites Mal. Für alle Kriterien, die der Grüne Knopf fordert, welche aber durch GOTS nicht abgedeckt werden, müssen Hersteller dann weitere Siegel vorweisen. Erst dann kommt der Grüne Knopf auf das Kleidungsstück.

IVN Best

IVN-BEST-logoDieses Siegel wird von Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft vergeben. Zertifiziert wird die gesamte Fertigung eines Produktes: Vom Anbau der Materialien bis zum fertigen Kleidungsstück. Es ist ökologisch betrachtet das strengste Siegel. Die Richtlinien für Chemikalien sind an den GOTS-Standard angelehnt, das IVN Best Siegel ist aber strenger bei Material- und Sozialstandards. Produkte, die das IVN Best Siegel tragen, bestehen aus 100 Prozent Naturfasern aus biologischem Anbau (pflanzlich) oder biologischer Tierhaltung. Synthetikfasern sind somit ausgeschlossen. Deshalb sieht man das Siegel auch sehr selten, denn heute enthalten fast alle Stoffe Fasern wie Elasthan.

oeko tex

Oeko-Tex_STeP_LogoVon Oeko-Tex findet man mindestens zwei verschiedene Siegel auf Textilien: Einmal den “Standard 100” und “Made in Green”. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn Oeko-Tex ist in dem Fall nicht gleich Oeko-Tex. Der Standard 100 ist das ältere Siegel. Es prüft die Schadstoffrückstände im Endprodukt und ist damit ein Verbraucherschutz-Siegel. Die textile Kette wird nicht bewertet. Bei Made in Green ist das anders. Fabriken, die Oeko-Text Made in Green zertifizierte Stoffe produzieren, unterliegen dem sog. Sustainable Textile Production-Programm. Teilnehmende Fabriken müssen strenge Anforderungen erfüllen, die von Arbeitssicherheit bis Qualitätsmanagement reichen. Hier werden alle Faserarten zertifiziert.

PETA approved vegan

PETAapprovedveganLOGO-11Der Name ist hier Programm: Was „PETA approved vegan“ zertifiziert ist, enthält keinerlei tierische Bestandteile/Inhaltsstoffe. Dafür müssen Lizenznehmer einen Fragebogen ausfüllen, eine Zuverlässigkeitserklärung unterzeichnen und sich auf einen Lizenzvertrag einlassen.

 

Eine großartige Seite, die ich euch wirklich ans Herz legen kann, wenn ihr mehr zum Thema (Textil-)Siegel lesen möchtet, ist Siegelklarheit. Die Seite wurde durch eine Initiative der Bundesregierung geschaffen, um Verbraucher*innen zu helfen, sich im Siegeldschungel zu orientieren. Hier werden auch Siegel für andere Branchen kurz und knackig erklärt.

 

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