Nachhaltig heiraten – Teil 2: Das Catering

Photo by Mat Brown from Pexels

Im Sommer 2020 will Redakteurin Marisa ‚Ja‘ sagen. Die Hochzeit soll möglichst nachhaltig sein: Von der Location, über das Catering bis hin zum Kleid und anderen Details wird alles möglichst umweltfreundlich gestaltet. So zumindest der Plan. Bei EKOLOGISKA dokumentiert sie ihren Weg zur Öko Hochzeit und zeigt, dass es gar nicht so schwer ist, bei der Hochzeitsplanung an die Umwelt zu denken. Teil 2 des Dossiers zum nachhaltigen Heiraten widmet sich der Suche nach einem nachhaltigen Caterer.

Warum wir eine andere Messlatte anlegen wollen und sollten

Konventionelle Caterings sollen eine große Menge an Menschen möglichst unkompliziert und kostengünstig satt machen. Es soll für jeden etwas dabei sein, weshalb die Auswahl groß ist. Wenn man sich an einem (guten) Buffet bedienen darf, schwingt immer ein Gefühl von Luxus mit, weil man seinen Teller mit allerlei unterschiedlichen Gerichten überlädt. Und genau das ist ökologisch gesehen auch das Problem an Caterings: Das Essen verliert seinen Wert. Man kann so viel nehmen, wie man will, es wird ständig nachgelegt, damit alles schön voll aussieht, und am Ende landet oftmals ganz viel im Abfall, weil für den guten Look immer neu aufgeschichtet wurde.

Hinzu kommt, dass für Buffets meist konventionelle Waren verwendet werden. Wenn besonders nachhaltige Lebensmittel verarbeitet werden, dann wird in der Regel auch genau damit geworben, es gibt aber natürlich auch Ausnahmen. Die Verwendung und Verschwendung von konventionellen Lebensmitteln wirkt sich auf alle Fälle deutlich negativer auf die Umwelt aus, als das beispielsweise bei Bio-Lebensmitteln der Fall ist. Trotzdem dürfen Lebensmittel generell nicht verschwendet werden, weshalb das Konzept „Catering“ auch gerne hinterfragt werden darf. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Kriterien, auf die man achten kann, wenn man einen Caterer für seine Hochzeit bestellt. Dazu zählt beispielsweise die Regionalität, die Saisonalität, die Philosophie des Unternehmens und die fleischlos-Frage.

Warum und auf was achten: die Kriterien

Worauf soll und kann man achten, wenn man ein nachhaltiges Catering für seine Hochzeit ausrichten will? Mit dieser Frage haben sich schon einige Institutionen auseinander gesetzt, unter anderem die Stadt Leipzig. Deshalb wurde in Kooperation mit „Leipzig handelt fair“ eine Handreichung für nachhaltiges und faires Catering herausgegeben. Die hier festgelegten Kriterien bilden die Basis für unsere Kriterien, wurden aber durch einige weitere Kriterien ergänzt bzw. auch teils zusammen gefasst.

Biologisch produzierte Lebensmittel – Wenn ein Caterer hauptsächlich bio-zertifizierte Produkte verwendet, dann trägt das beim Anbau von Obst und Gemüse auf jeden Fall zu einer gesünderen Umwelt bei, denn hier wurden keine schädlichen Pestizide und Düngemittel eingesetzt, die ins Grundwasser wandern. Außerdem wird der Boden wegen der durchdachten Fruchtfolgen geschont. Im Fall von tierischen Produkten bedeutet bio mehr Platz und eine bessere Behandlung der Tiere. Über den Grad der Besserung wird bei den Siegeln (insbesondere beim EU-Biosiegel) zwar gestritten, aber es ist allemal besser als bei konventionellen tierischen Produkten.

Regionalität – Dieses Kriterium sorgt vor allem dafür, dass der CO2-Fußabdruck des Lebensmittels reduziert wird, weil es nicht so weit transportiert werden musste. Allerdings ist regional nicht gleich regional. Das beweist schon der Blick in den Supermarkt, wenn im „Regional-Regal“ Kaffee steht, der in Deutschland geröstet, aber in Chile geerntet wurde. Hier kann man erfragen, ob es spezielle Verträge mit Erzeugern aus der Region gibt.

Saisonalität – Auch das wirkt sich vor allem auf den CO2-Fußabdruck aus und geht häufig mit Regionalität einher. Denn das, was gerade Saison hat, kann man auch aus der eigenen Region bekommen. Ansonsten muss es ggf. importiert werden. Viele Caterer, die Wert auf Saisonalität legen, passen ihr Speisenangebot dann entsprechend an die Jahreszeit, in die eure Hochzeit fällt, an. Also: Wer Spargel zur Hochzeit will, der sollte im Mai oder Juni heiraten, nicht im August.

Fair Trade – Siegel für fairen Handel gibt es eigentlich nur auf Produkte, die von weit her reisen müssen (zum Beispiel Kaffee), weil sie hier schlichtweg nicht gedeihen. Meist ist es so, dass der Anbau dieser Lebensmittel mit Leid und Ausbeutung verbunden ist, Kinderarbeit spielt auch eine Rolle. Deshalb sollte man gerade bei exotischen Produkten darauf achten, dass sie als fair zertifiziert wurden (oder von einer sehr transparenten, kleinen Firma kommen). Nur so kann man sicher gehen, dass die Menschen, die für diesen Genuss gearbeitet haben, auch fair bezahlt worden sind.

Fleischlos – Die vegetarische, vor allem aber die vegane Ernährung bietet ökologisch gesehen viele Vorteile, weil nicht abertausende von Quadratkilometern Feld für den Anbau von Tiernahrung genutzt werden müssen, sondern Lebensmittel für Menschen produziert werden könnten. Außerdem haben besonders Rinder einen sehr hohen Methan-Ausstoß, was den Klimawandel befördert. Deshalb lohnt es sich beim Caterer nachzufragen, ob er ein vegetarisches/veganes Angebot hat (natürlich abseits von Pommes und Rosenkohl ohne Soße).

Verpackungen – Wer in großen Mengen bio, regional und saisonal einkauft, der hat in der Regel auch die Möglichkeit, Verpackungen zu sparen. Fragt nach, welche Maßnahmen in dieser Richtung ergriffen werden. Aus Gesprächen mit nachhaltigen Caterern weiß ich, dass man da einiges tun kann. Das fängt bei dem Bezug von Kaffeebohnen im Pfandeimer an und endet bei Kaffeesahne in 5 ml Abpackungen, die man getrost durch größere Gebinde ersetzen kann.

Einweg-Geschirr – Leider gibt es immer noch Caterer, die beispielsweise Vorspeisenplatten aus Einweg-Aluminium verwenden. Sowas muss nun wirklich nicht sein. Gleiche gilt für Geschirr, falls der Catering-Dienstleister dieses mitbringt.

Umgang mit Lebensmittel-Resten – Bei einer Hochzeit bleibt in der Regel immer etwas Essen über. Die Frage ist, was der Caterer damit macht oder was man selbst damit machen darf. Denkbar wäre, die Reste einzupacken (im Mehrweg-Behältnisse) und am nächsten Morgen einen Brunch mit den Resten auszurichten.

Anreise – Das hat nichts mit den Lebensmitteln zu tun, ist aber trotzdem zentral: Sucht einen Caterer in eurer Nähe. Ich habe es auch schon mitbekommen, dass Caterina-Unternehmen aus Leipzig Caterings in Nürnberg ausrichten, das muss wirklich nicht sein und es spart auch CO2 und Anfahrtskosten, wenn man lokal bleibt.

Wie kriege ich’s raus?

Ob ein Caterer ein nachhaltiges Angebot machen kann, dazu findet man meist schon einige Hinweise auf den Websites der Unternehmen, da sich der Catering-Dienstleister dort natürlich inklusive seiner Werte und Leistungen präsentieren will. Wenn ihr euch nicht sicher seid, könnt ihr auch einfach beispielsweise die Handreichung der Stadt Leipzig, die wie eine Checkliste aufgebaut ist, oder aber einen eigenen Fragenkatalog an den Caterer schicken um herauszufinden, ob die Werte an dieser Stelle übereinstimmen.

Sehr geehrter Catering-Dienstleister XY,

mein Verlobter und ich wollen im September 2020 heiraten und suchen aktuell nach einem Catering für unsere Hochzeit. Bei unserer Suche sind wir auf Ihr Angebot aufmerksam geworden. Weil wir einen nachhaltigen Lebensstil pflegen, wollen wir von vorne herein abklopfen, ob unsere Werte zueinander passen. Deshalb würden wir Sie bitten, uns folgende Fragen zu beantworten:

1. Ist es möglich, für das Catering ausschließlich Bio-Lebensmittel zu verwenden?

2. Verwenden Sie Fair Trade-Produkte? Wenn ja, welche?

3. Wie handhaben Sie den Umgang mit Lebensmittel-Resten? Wäre es möglich, dass wir diese Einpacken? (…)

– So könnte eine Mail an euren potentiellen Caterer aussehen

Qualität kostet – geht es auch günstiger?

Es ist klar, dass ein nachhaltiges, bio-faires Buffet mehr kostet als eines, welches mit Waren aus dem konventionellen Großhandel vorbereitet wurde. Weil wir persönlich nicht bei der Qualität der Lebensmittel sparen wollen, haben wir uns überlegt, weniger Dienstleistung in Kauf zu nehmen und mehr selbst bzw. durch Freunde und Bekannte abzudecken. Wir haben beispielsweise nicht vor, Personal von unserem potentiellen Caterer kommen zu lassen, sondern wollen stattdessen Bekannte fragen, ob sie uns (natürlich bezahlt) ein paar Stunden unterstützen. Außerdem lassen wir (so der Plan aktuell) nur die kalten Lebensmittel vom Catering-Dienstleister bringen und schmeißen für die Hauptkomponenten den Grill an. So muss nicht ewig lange etwas warm gehalten werden und wir hauen wirklich nur so viel auf den Grill, wie tatsächlich auch verbraucht wird.

Ansonsten könnte man natürlich auch einen anderen Weg gehen: Nämlich alles, was kalt ist, von Freunden zubereiten lassen. Das heißt, man wünscht sich beispielsweise zur Hochzeit von der besten Freundin eine leckere Salatschüssel fürs Buffet. Dann lässt man lediglich die warmen Speisen kommen – und schon ist man wieder günstiger dabei. Eine weitere Variante wäre (je nach Location): Einfach a la Carte bestellen. Dann bleibt auch garantiert nicht so viel über wie beim Buffet.


Weiterlesen im Dossier…

Teil 1 – Die Location

Teil 2 – Das Catering für deine Hochzeit

Teil 3 – Das Kleid

Teil 4 – Details

Spezial – Nachhaltige Hochzeitsfotografie

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