Nachhaltig heiraten – Teil 4: Die Details

Photo by Emma Bauso from Pexels

Im Sommer 2020 will Redakteurin Marisa ‚Ja‘ sagen. Die Hochzeit soll möglichst nachhaltig sein: Von der Location, über das Catering bis hin zum Kleid und anderen Details wird alles möglichst umweltfreundlich gestaltet. So zumindest der Plan. Bei EKOLOGISKA dokumentiert sie ihren Weg zur Öko Hochzeit und zeigt, dass es gar nicht so schwer ist, bei der Hochzeitsplanung an die Umwelt zu denken. Teil 4 und damit der letzte Teil des Dossiers zum nachhaltigen Heiraten widmet sich den Details.

Die Qual der Wahl

Neben der Location, dem Essen und einem Kleid bzw. Kleidung gehört zum Heiraten heutzutage eine ganze Menge mehr. Da man das, was eine Hochzeit vermeintlich ausmacht, sehr weit dehnen kann, wollen wir uns auf die Basics beschränken, also quasi die Klassiker. Dazu gehört für uns der Brautstrauß, die Dekoration, die Eheringe aber auch die Einladung. Und mit genau der fangen wir an, da ohne sie niemand kommt. Oder?

Muss es immer postalisch sein?

Ja, der Druck von Einladungskarten frisst erst einmal ganz nüchtern betrachtet Ressourcen, die man sich im digitalen Zeitalter definitiv sparen könnte, nämlich, indem man Online-Einladungskarten verschickt. Das ist auch problemlos möglich, beispielsweise durch Anbieter wie Greenvelope. Inzwischen kann man diese sogar echt schön gestalten, sodass sie vom Design her definitiv mit den gedruckten Karten mithalten können. Aber es ist auch irgendwo verständlich, dass sich noch nicht jeder mit diesem Gedanken anfreunden kann, schließlich befinden wir uns aktuell in einer Zeit, in der sowohl Digital Natives als auch eine (gänzlich) nicht-digitale Generation mit Einladungskarten erreicht werden müssen. Außerdem ist es auch schön, etwas in den Händen zu halten, was man sich ggf. ins Regal stellen kann. Vor allem, wenn es sich um ganz enge Verwandte und Freunde handelt.

Der (Gedanken-)bruch mit physischen Karten ist also noch nicht vollzogen und bis das der Fall ist, kann man zumindest darauf achten, dass die Karten nachhaltig produziert werden. Das geht zum Beispiel, indem man die Karten bei einer nachhaltigen Druckerei wie der Umweltdruckerei bestellt. Hier wird zu 100 Prozent Recyclingpapier verwendet und klimaneutral versandt und produziert, die Farben sind auf Pflanzenölbasis. Wichtig: Neumodische Geschichten wie Save-the-Date-Karten kann man sich sparen und stattdessen seine Familie und Freunde in persönlichen Gesprächen über den Termin auf dem Laufenden halten, bis die Karten fertig sind. Hierfür sollte man nicht noch zusätzlich Karten drucken lassen.

Der Ehering als wichtigstes Symbol der Ehe

Auch heute sind Eheringe immer noch das wichtigste Symbol einer Ehe. So wichtig, dass sie sogar im Rahmen der staatlichen Trauung ausgetauscht werden. Oftmals wird das Edelmetall Gold als Material für die Ringe eingesetzt. Auch, wenn dessen Gewinnung häufig mit gesundheitlichen Folgen für die Arbeiter*innen und Umweltzerstörung sowie Ausbeutung einher geht. Um das zu vermeiden hat man prinzipiell drei Möglichkeiten:

  • Man kann sich Second Hand Ringe kaufen. Dieses Gold wurde dann zwar ebenfalls unter wahrscheinlich schlechten Bedingungen produziert, man verwendet damit aber einen wertvollen Rohstoff wieder
  • Es gibt Ringe, die aus fairem Gold gefertigt sind. Das Edelmetall stammt dann entweder aus Fair Trade zertifizierten Minen oder aber es handelt sich um Rheingold (welches in Deutschland aus dem Rhein gewaschen wird) beziehungsweise finnisches Waschgold. Die letzteren werden aus Flüssen gesiebt, sodass keine schädlichen Chemikalien zum Einsatz kommen.
  • Meine Lieblingsvariante ist das Einschmelzen von Altgold beider Familien, sodass ein ganz eigener Goldmix entsteht. Den Gedanken, dass die Ringe dann aus Stücken gefertigt sind, die für Menschen, die man lieb hat, eine besondere Bedeutung hatten oder haben, finde ich einfach sehr schön.

Wir haben uns für die letzte Variante entschieden und lassen unsere Ringe von der lieben Julia Fellner fertigen. Julia arbeitet als Goldschmiedin in Berlin und legt bei ihrer Arbeit sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit. In meinem Podcast Fairquatscht habe ich mit ihr über das Thema „Gold“ gesprochen. Hört da also gerne einmal rein, wenn ihr wissen wollt, was es mit dem Edelmetall auf sich hat.

https://cdn.podigee.com/podcast-player/javascripts/podigee-podcast-player.js

Schön soll es sein

Ob Platzkarten, Sitzpläne, das Buffet oder gar der ganze Saal – die Dekoration darf für viele bei ihrer Hochzeit nicht fehlen. Auch wir wünschen uns ein wenig Dekoration, damit der Raum nicht so karg aussieht. Wir werden uns auf selbstgemachte Dekoration aus Naturmaterialien beschränken, die anschließend auf den Kompost kann. Aber auch für diejenigen, die es etwas besonderer mögen, gibt es die Möglichkeit, die Dekoration nachhaltiger zu gestalten. Nämlich, indem sie geliehen wird. Das kann man zum Beispiel beim Dekoverleih mit Herz tun. Wir haben mit Gründerin Veronika über ihren Verleih gesprochen.

EKOLOGISKA: Wie kamt ihr auf die Idee, einen Dekoverleih zu eröffnen?

VERONIKA: Als Hochzeitsfotografin für natürliche Hochzeiten habe ich bereits viele Paare begleitet, die wahnsinnig viel Zeit und Nerven aufgewendet haben, um ihre Hochzeitsdekoration selber zu basteln, oder die einfach mit den Unmengen an Ideen komplett überfordert waren. So entstand langsam die Idee unseres Dekoverleihs. Unser Sortiment ist so gestaltet, dass Paare sowohl Zeit als auch Geld sparen und sich nicht alle Einzelteile selbst zusammensuchen oder basteln müssen, sondern neben Einzelteilen auch ein komplettes und aufeinander abgestimmtes Set bekommen, zum Beispiel speziell für freie Trauungen, Boho Hochzeiten, Vintage Hochzeiten und so weiter. Auch für moderne Industrial/Urban Weddings sind wir gerade in der Set-Planung. Das Beste dabei ist, dass alle unsere Artikel (soweit irgendwie möglich) von uns und unseren Partnern selbst in der Heimat produziert sind und aus heimischen Naturmaterialien bestehen.

EKOLOGISKA: Wie funktioniert der Verleih?

VERONIKA: Aktuell haben wir einen Online-Setkonfigurator, bei dem man sich sein eigenes Deko-Set zusammenstellen kann. Wir arbeiten außerdem gerade an einem Shop, der das komplette Sortiment beinhaltet und alle Artikel übersichtlich darstellt. Wir empfehlen natürlich, gleich ein komplettes Set zu buchen, aber es ist selbstverständlich auch möglich, nur bestimmte Einzelteile zu mieten. Das Sortiment umfasst eigentlich alles, was man braucht: Traubogen, Lichterketten, Wegweiser, Schilder, Zubehör für eine Gin/Limo Bar, Makramee, und so weiter.

EKOLOGISKA: Was ist dein Lieblingsteil?

VERONIKA: Mein persönliches Lieblingsteil sind unsere Lichterketten, denn sie sind so einfach, und doch so mächtig! Ein paar schöne Lichterketten mit warmweißem Licht, richtig platziert, schaffen einfach eine wundervolle und einzigartige Stimmung und (und das ist für mich als Fotografin natürlich ein super Vorteil) sie schaffen eine tolle Lichtatmosphäre für wunderschöne Fotos am Abend! 

EKOLOGISKA: Wie teuer ist es, Dekoration zu leihen? Gerade im Vergleich dazu, wenn man Dekoration kaufen würde.

VERONIKA: Viel günstiger! Allein die Lichterketten neu zu kaufen ist eine Investition von knapp 500 Euro, das ist fünfmal so viel wie bei uns im Verleih. Viele unserer Artikel wie unsere Traubögen oder Schilder sind außerdem im Handel gar nicht erhältlich, da sie selbst gestaltet und gebastelt sind. Hier müsste man sich alle Einzelteile kaufen, die auch deutlich mehr kosten als der Verleihpreis, und hinzu kommt eben noch die eigene Zeit fürs Recherchieren, Planen und Basteln. 

EKOLOGISKA: Warum sollte man aus deiner Sicht leihen statt kaufen?

VERONIKA: Das ist einfach! Man sollte leihen statt kaufen aus den folgenden Gründen: Erstens ist Leihen viel zeitsparender, denn durch unser übersichtliches und umfassendes Sortiment ist die Hochzeitsdekoration in kurzer Zeit zusammen gestellt – ohne tagelanges Suchen, Ausprobieren und Zeit „verschwenden“. Zweitens sind Mietartikel wiederverwendbar, das heißt nach der Hochzeit muss nicht der ganze Keller mit der Hochzeitsdeko belagert werden, sondern die Deko wird einfach wieder zurückgegeben und man kann ganz entspannt und ohne weiteren Stress in die Flitterwochen starten! Drittens bekommt man beim Leihen aufeinander abgestimmte Artikel und Set-Vorschläge und muss dadurch nicht lange überlegen, sondern hat direkt ein harmonisches Konzept für die Hochzeitsdekoration. Viertens ist Leihen nachhaltig und kommt ganz ohne Plastik, Müll und Einmal-Verwendung aus. Nicht zuletzt ist Leihen auch wirtschaftlich und sparsam, denn wie bereits oben erwähnt ist der Mietpreis deutlich günstiger als der Kaufpreis, und somit bleibt mehr Budget für z.B. eine gute Band, eine tolle Fotografin oder eine unvergessliche Hochzeitsreise.

Blumen aus nachhaltigem Anbau

Von einer Gärtnerei haben viele ein mindestens genau so romantisches Bild wie von einem Bauernhof. Dabei kommt der absolut größte Teil der Blumen, die bei unseren Floristen angeboten werden, von großen Farmen aus dem Ausland, wie beispielsweise Holland oder Südafrika. Beim Anbau werden – ähnlich wie in der Landwirtschaft – Pestizide, Herbizide und Fungizide eingesetzt, was sich auf den Boden auswirkt. Der Anbau von schönen Blumen kann also schnell zu einer dreckigen Sache werden.

Allerdings geht der Trend aktuell in eine andere Richtung. Es eröffnen immer mehr Slow Flotter Gärtnereien. Also solche, die nachhaltig, lokal und saisonal Blumen anbauen. Denn auch in unseren Breitengraden können ganzjährig Blumen gezüchtet werden, zumindest, wenn man flexibel ist, was die Arten betrifft. So hat es mir zumindest Chantal, die Gärtnerin meines Vertrauens aus dem Erna Primula Blumenstudio in Leipzig erklärt. Sie selbst betreibt nämlich eine Slow Flower Gärtnerei und beweist so, dass nachhaltige Blumen möglich sind. Schaut einfach nach, ob es eine solche Gärtnerei auch in euerer Nähe gibt! Mit Chantal habe ich übrigens auch eine Folge Fairquatscht aufgezeichnet. Wenn euch dieses Thema interessiert, könnt ihr hier reinhören:

https://cdn.podigee.com/podcast-player/javascripts/podigee-podcast-player.js

Es gibt also viele Stellschrauben, an denen man drehen kann, um seine Öko Hochzeit nach den eigenen ethischen Vorstellungen zu gestalten. Am besten ist es, man speckt das Tamtam, was heutzutage um Hochzeiten gemacht wird, ein wenig ab und kann dafür einen Teil des Budgets frei machen, um den „wahren Preis“ der Dinge zu zahlen. Wenn man bereit ist, Freunde einzuspannen und selbst Hand anzulegen, kann eine nachhaltige Hochzeit mitunter sogar günstiger sein, als eine konventionelle Hochzeit. Also: Nur Mut! Jedes Paar muss hier seinen eigenen Weg finden und festlegen, worauf es besonders viel Wert legt. Sobald das geklärt ist, kann die Planung losgehen. Ich wünsche euch allen einen magischen Hochzeitstag!


Weiterlesen im Dossier…

Teil 1 – Die Location

Teil 2 – Das Catering für deine Hochzeit

Teil 3 – Das Kleid

Teil 4 – Details

Spezial – Nachhaltige Hochzeitsfotografie

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s