Nachhaltig heiraten – Teil 3: Das Brautkleid

Im Sommer 2020 will Redakteurin Marisa ‚Ja‘ sagen. Die Hochzeit soll möglichst nachhaltig sein: Von der Location, über das Catering bis hin zum Kleid und anderen Details wird alles möglichst umweltfreundlich gestaltet. So zumindest der Plan. Bei EKOLOGISKA dokumentiert sie ihren Weg zur Öko Hochzeit und zeigt, dass es gar nicht so schwer ist, bei der Hochzeitsplanung an die Umwelt zu denken. Teil 3 des Dossiers zum nachhaltigen Heiraten widmet sich der Suche nach einem möglichst nachhaltigen Kleid.

Brautkleid oder kein Brautkleid?

Wenn man plant, eine nachhaltige Hochzeit auszurichten, steht man zunächst einmal vor folgender Entscheidung: Kaufe ich ein Brautkleid oder kaufe ich keins? Ehrlicherweise wäre es am nachhaltigsten, sich gar kein Kleid für einen Tag anzuschaffen, weil das rein rational betrachtet Irrsinn ist – nicht nur finanziell. Es werden Ressourcen aufgewendet für ein sehr aufwändiges Kleidungsstück, das nur ein paar Stunden getragen wird. Bei einer Hochzeit spielen aber nicht nur rationale, sondern auch emotionale und ideelle Argumente eine Rolle. Ob man ein Kleid möchte, ist also eine persönliche Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Es gibt auch Wege, ein Kleid nachhaltig(er) zu beschaffen. Aber am ökologisch sinnvollsten wäre es, in einem (weißen) Alltagsoutfit zu heiraten, welches danach noch unzählige Male getragen wird, zum Beispiel ein schlichtes Kleid oder ein Jumpsuit. Auch beliebt sind spezielle Hochzeits-Kombinationen aus Kleid und Rock. Zusammen getragen ist es ein Brautkleid, für sich stehend sind die Stücke allerdings alltagstauglich wie eine Jeans. Man hat hier also sehr viel Spielraum, wenn es darum geht, ein passendes Outfit zu finden.

Egal ob man sich für oder gegen ein Kleid entscheidet – wichtig ist auf jeden Fall, woher man das Outfit bekommt. Hier hat man prinzipiell drei Möglichkeiten: Leihen, Second Hand oder Fair Fashion.

Das Kleid leihen

Leihen kann eine sehr unkomplizierte Sachen sein – vorausgesetzt, die Konditionen stimmen! Die variieren aber leider sehr stark, denn jeder Laden macht hier seine eigenen Regeln. Wenn es gut läuft, dann zahlt ihr zwischen 300 und 500 Euro für euer Kleid, inklusive Endreinigung. Es gibt aber auch Läden, die ein Kleid für mehr als 1000 Euro für ein Wochenende verleihen. Hier sollte man also auf jeden Fall die Preise vergleichen. Wichtig oder zumindest empfehlenswert ist aus meiner Sicht auch danach zu fragen, ob man das Kleid abändern lassen kann. Denn ansonsten sitzt es ggf. nicht richtig und man hat keinen Spaß mit seinem Kleid. Sollte es aber verhältnismäßig günstig und eine Abänderung erlaubt sein, dann ist das Leihen eines Kleides definitiv eine super Sache. Man muss sich um kaum etwas kümmern und kann das Kleid nach der Trauung ganz unkompliziert zurück geben! Außerdem wird es zahllose weitere Male getragen – also super für die Umwelt.

Second Hand Kleid finden

Normalerweise bin ich ein riesiger Fan von stationären Second Hand Läden – beim Brautkleid ist das aber etwas anders, denn: Man hat ja doch seine Vorstellungen und die Auswahl (auch der Größen) ist Second Hand natürlich eingeschränkt. Hier ist es definitiv leichter, direkt online nach seinem Traumkleid zu suchen. Aber auch das hat seine Tücken, weil man die Kleider nur schlecht anprobieren kann, wenn das Traumkleid am anderen Ende von Deutschland hängt. Hier muss man also abwägen. In Leipzig haben wir einen genialen Laden – Brautkleid sucht Braut – dessen Besitzerin sich für ihre Kunden online auf die Suche begibt und dann die Kleider in ihren Laden ordert. Das ist ein wie ich finde sehr schöner Kompromiss. Eine andere, wenn nicht ganz saubere Variante wäre es, sich in einem Geschäft beraten zu lassen zwecks Größe/Schnitt (aber nur, wenn man wenigstens auch eine Beratungsgebühr für die Zeit der Mitarbeiter*innen zahlt) und dann im Anschluss online schaut, ob man ein ähnliches Kleid findet. Wichtig ist, dass man früh genug anfängt, nach einem passenden Second Hand Kleid zu suchen, sonst wird es schwierig. Und was passiert nach der Hochzeit mit dem Kleid? Entweder, du verkaufst es ebenfalls weiter und machst eine andere Braut glücklich, oder aber du nähst es um, beispielsweise zu einem Taufkleid, einem Rock, etc. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Hier findest du Second Hand Brautkleider im Netz:

  • Kleiderkreisel
  • Mädchenflohmarkt
  • Wunsch-Brautkleid.de
  • Die Zweite Braut
  • Brautkleider.online

Ein Faires Brautkleid kaufen

Faire Brautkleider werden in der Regel unter guten sozialen und ökologischen Bedingungen produziert, die Produktion frisst aber natürlich trotzdem Ressourcen. Darüber sollte man sich generell im Klaren sein, wenn man sich für ein neues Kleidungsstück entscheidet. Wenn du es danach weiter verkaufst, kannst du die Ökobilanz des Kleides auf jeden Fall verbessern. Wir stellen dir einige faire Brautmoden-Labels vor.

Elementar Brautmoden

Rike Winterberg Design für Elementar Brautmoden faire Bio-Brautkleider. Produziert wird ausschließlich in Deutschland, die Materialien können aber auch aus dem europäischen Ausland stammen. Eingesetzt werden Bio-Naturmaterialien wie Baumwolle, Bambus und Remie. Die Kleider der Bio-Kollektion sind außerdem vegan. Es gibt auch Zweiteiler, die man später getrennt voneinander als Alltagsoutfit tragen kann. Ein besonderes Angebot der Designerin ist es, alte Hochzeitskleider von der Mutter, Großmutter etc. umzuarbeiten, was ziemlich cool ist. Der Sitz ist in Hannover.

Indiebride London

Indiebride ist ein Label aus London, welches bevorzugt Naturmaterialien wie Seide und Baumwolle verwendet. Dabei achten sie darauf, dass im Gegensatz zu anderen Ateliers kein bisschen Stoff verschwendet wird. Entweder nutzen sie die Stoffreste für kleinere Accessoires wie Gürtel, oder aber sie werden an Organisationen gespendet, die die Reste gebrauchen können. Sie wollen nicht, dass unnötig Material verschwendet wird, weshalb die Kleider auch ausschließlich auf Bestellung gefertigt werden, und zwar von der ersten bis zur letzten Naht im Londoner Atelier. 

Therese und Luise

Bei Therese und Luise bekommt man handgefertigte Kleider made in Bavaria. Dabei nehmen sie wann immer es geht auch Stoffe in Bio-Qualität. Auch bei den Details versuchen sie so gut wie möglich auf Fairness zu achten, weshalb es beispielsweise GOTS zertifizierte Knöpfe gibt. Das Portfolio des Ateliers umfasst neben bodenlangen Kleidern auch eine Kollektion für kurvige Frauen und Zweiteiler, die danach super im Alltag getragen werden können. 

Luna Bride

Bei Luna Bride wird darauf Wert gelegt, dass nichts verschwendet wird. Deshalb werden sämtliche Stoffreste entweder recycelt oder zu Unterwäsche weiterverarbeitet. Die verwendeten Stoffe werden von dem Atelier sorgfältig ausgewählt, so hat es beispielsweise auch GOTS zertifizierte Peace Silk ins Sortiment geschafft. Diese Seide wird gewonnen ohne dass den Motten etwas passiert. Alle Kleider und Zweiteiler werden in England per Hand gefertigt. 

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Simplicity and femininity 💕

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Weitere faire Brautmoden-Ateliers:

  • Yoora Studio
  • Schleifenfänger
  • Noni
  • Larimeloom
  • Mother of Pearl
  • Akjumji
  • Leila Hafzi
  • Celia Grace

Die Auswahl an fairen Labels ist auf jeden Fall enorm. Allerdings ist es gerade bei den kleinen, lokalen Labels schwierig, ohne lange Reise an die Kleider ranzukommen. Vielleicht kooperiert ein lokales Atelier und näht dir auch ein Second Hand Kleid nach deinen Vorstellungen um und verwendet dafür faire Bio-Stoffe. So hat man viele Ressourcen gespart, aber trotzdem das dahinter stehende Handwerk unterstützt, was auf jeden Fall auch eine schöne und wichtige Sache ist. Ich werde mein Brautkleid sehr wahrscheinlich stationär Second Hand kaufen und dann ein wenig umarbeiten lassen. Ich glaube, dass ich damit sowohl meinen persönlichen Vorstellungen vom Kleid als auch von der Ausgestaltung ökologischer Gesichtspunkte am nächsten komme.


Weiterlesen im Dossier…

Teil 1 – Die Location

Teil 2 – Das Catering für deine Hochzeit

Teil 3 – Das Kleid

Teil 4 – Details

Spezial – Nachhaltige Hochzeitsfotografie

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