Nachhaltige Konkurrenz für Amazon? Das kann der neue Marktplatz FairFox

Könnte bald der Geschichte angehören: Einmal verwendete Pappkartons für den Online-Versand. Foto von Artem Podrez von Pexels

Eigentlich könnte man meinen, dass es mit dem Avocadostore bereits eine ausreichend bekannte, nachhaltige Alternative zum Online-Shopping-Riesen Amazon gibt. Wer aber schon einmal beim grünen Pendant eingekauft hat, der wird schnell festgestellt haben, dass es einen entscheidenden Unterschied gibt: Der Avocadostore ist ein reiner Marktplatz im klassischen Sinn, hier werden Angebote nur aggregiert. Das heißt, dass Händler*innen ihre Produkte dort anbieten und dann selbst verschicken. Wenn man Produkte unterschiedlicher Hersteller kauft, dann zahlt man nicht nur mehrfach Versand, sondern bekommt auch mehrfach Päckchen, was mehrfach Verpackungsmüll bedeutet.

FairFox will genau hier ansetzen und das besser machen. Der neue grüne Marktplatz will selbst Produkte einlagern und dann zentral verschicken – und zwar in Mehrweg-Boxen. Wie genau das funktioniert und wie die Zukunftspläne des Start-Ups aussehen, das hat uns Gründerin Mika Wippel im Interview verraten.

EKOLOGISKA: Liebe Mika, wer steht denn eigentlich genau hinter Fairfox?

MIKA WIPPEL: Die fairen Füchse sind ein kleines Team von ganz unterschiedlichen Menschen, die auf verschiedenen Wegen zueinander gefunden haben. Gegründet wurde FairFox von meinem Mann Patrick und mir. Wir beiden lieben nachhaltige Marken und Unternehmen, die den Status Quo einer Wegwerfgesellschaft nicht einfach hinnehmen, sondern Produkte neu denken! Und als wir mit unserer Idee von einem nachhaltigen Marktplatz um die Ecke kamen, schloss sich der Rest des Teams gleich begeistert an: Thomas, der unsere Plattform quasi im Alleingang hochgezogen hat und sein Allround-Talent kannte Patrick schon aus seinem vorherigen Unternehmen. Mit Patricia wiederum bin ich seit fast 20 Jahren befreundet. Tamara, deren Chef Patrick vor rund 10 Jahren war, machte das Dreamteam dann perfekt!

EKOLOGISKA: Was hat euch dann dazu veranlasst, euren Marktplatz FairFox zu gründen?

WIPPEL: Die Idee, einen grünen Marktplatz zu gründen, auf dem man nachhaltige Produkte aus allen Lebensbereichen finden kann, kam in der Nacht. Patrick hatte gerade sein altes Unternehmen verkauft und war auf der Suche nach einer neuen Idee. Fest stand für uns nur: es muss nachhaltig sein! 

Bestimmt zwei Wochen hat er mich mit seiner Grübelei und immer schlechteren Laune wahnsinnig gemacht. Bis ich dann selbst abends im Bett gegrübelt habe und mir dachte: “Es ist doch Wahnsinn, wieviele Menschen immer noch bei Amazon einkaufen. Warum gibt es dafür eigentlich keine grüne Alternative?!” Das habe ich Patrick dann auch beim Frühstück gefragt. Und schon wenige Wochen später gab es ihn: FairFox, den ersten nachhaltigen One-Stop Online Marktplatz!

EKOLOGISKA: Es gibt ja durchaus Konkurrenz in diesem Bereich. Warum wolltet ihr ausgerechnet hier eine Alternative schaffen?

WIPPEL: Wir wissen alle, wie bequem der Einkauf bei Amazon und Co. ist. Es gibt alles an einem Ort, die Versandkonditionen sind unschlagbar, Bestellungen sind super schnell da – Nachhaltig ist es aber null. Und was viele nicht wissen: Für die Händler ist es absolut unfair. Und das wollten wir nicht mehr akzeptieren. 

Wir selbst haben uns deshalb schon vor einiger Zeit entschieden, nicht mehr auf Amazon zu bestellen. Und immer wieder hörten wir auch von anderen, dass ‚man da ja eigentlich nicht mehr bestellen dürfte‘. Geändert haben aber die wenigsten etwas. Denn es gab bisher leider keine vergleichbare nachhaltige Alternative. Das wollen wir mit FairFox ändern. 

Ein Marktplatz, auf dem man alle seine (materiellen) Wünsche erfüllen kann – und das mit gutem Gewissen. Aber mit ähnlich coolen Konditionen und vor allem einem ähnlich breiten Angebot! FairFox soll dabei nicht nur für die sein, die eh schon umweltbewusst leben und einkaufen, sondern auch für die, die es noch nicht tun! Wir möchten keinen “Nischenmarktplatz” machen, sondern einen nachhaltigen Marktplatz, der möglichst viele Menschen anspricht und sie dazu ermutigt, einfach mal eine nachhaltige Alternative zu ihren Alltagsprodukten auszuprobieren. 

EKOLOGISKA: Wo wollt ihr langfristig mit eurem Konzept hin?

WIPPEL: Wir wollen das, was Amazon & Co. gut machen, übernehmen und dabei das, was sie schlecht machen, sehr viel besser machen! 

Ein tolles Beispiel dafür ist unser FoxBox-Versand. Er vereinigt tollen Service, dazu zählt ein super schneller Versand, ein zentraler Kundenservice und nur einmal Versandkosten, und Nachhaltigkeit: Mit der FoxBox haben wir eine wiederverwendbare Versandbox herausgebracht, die zu 100% recycelt und fast 1:1 wieder recycelbar ist. Damit verursachen wir keinerlei Verpackungsmüll mehr und verwerten Müll aus der Gelben Tonne. Und das Beste: Die FoxBox muss nie leer an uns zurückgeschickt werden, da sie auch als Ressourcenbox genutzt werden kann! Das heißt, dass du deine alten Wertstoffe einfach in der Box an uns zurückschickst und wir sie passenden Sammelaktionen oder Recycling zuführen. Und wir arbeiten auch schon an der nächsten Verpackung für alle kleineren Bestellungen: der FoxBag, einer wiederverwendbaren Versandtasche. 

Wir wollen zeigen, dass Onlineshopping und Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen! Ganz im Gegenteil: wir glauben, dass ein Großteil der Menschheit nicht mehr auf Onlinebestellungen verzichten wird – also ist es unser Ziel, den bequemen Onlineeinkauf so nachhaltig wie möglich zu machen! 

EKOLOGISKA: Habt ihr auch Kriterien dafür festgelegt, welche Produkte ihr in euren Shop aufnehmt?

WIPPEL: Wir haben 12 verschiedene Kriterien festgelegt, von Bio-zertifiziert bis Zero Waste. Jedes Produkt auf FairFox muss davon mindestens zwei Kriterien erfüllen. Bevor ein Anbieter seine Artikel aber überhaupt bei uns einstellen darf, muss er unseren Nachhaltigkeitscheck ausfüllen. Dabei treffen wir schon mal eine erste Auswahl, ob der Anbieter zu uns passt. Anbieter, die zum Beispiel mit Nestlé oder anderen großen Umweltsündern unter einem Dach sitzen, würden wir von vornherein ablehnen. Als nächstes lernen wir jeden Anbieter bei einem Call persönlich kennen. Denn der nahe und oft auch sehr freundschaftliche Kontakt sowie der faire Umgang mit unseren Verkäufern ist uns genauso wichtig, wie der mit unseren Kunden. Sobald der Anbieter seine Produkte eingestellt hat, kontrollieren wir jedes Angebot und löschen teilweise auch Angaben, die offensichtlich irreführend oder unpassend sind. Im Endeffekt sind wir aber natürlich auf die wahrheitsgemäßen Angaben unserer Anbieter angewiesen, ein Restrisiko besteht also immer. Klar ist aber auch: Sollten wir einen Betrug feststellen, greifen wir hart durch und sperren den Anbieter ggf. auch. Wir leben schließlich davon, dass Kunden uns und unseren Anbietern vertrauen.

Wir finden: Toll, wenn es weitere Alternativen zu großen Firmen gibt. Man kann sich zwar nicht grün konsumieren, aber durch ein breites Portfolio an besseren Alternativen erreicht man eventuell bald auch endlich den Mainstream.


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