Futurewoman: So vernetzt Janine Steeger Frauen, die eine nachhaltige Zukunft schaffen

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In der Plattform „Futurewoman“ steckt genau das drin, was auch drauf steht. Die Zukunft der Frauen und eben auch die Frauen der Zukunft. Die Plattform vernetzt Frauen*, die sich für eine nachhaltigere Zukunft einsetzen und ist gleichzeitig eine Suchmaschine, mit der Veranstalter:innen beispielsweise Panels diverser besetzen können und interessante Speakerinnen finden. Janine Steeger hat Futurewoman zusammen mit ihren Mit-Gründerinnen Dr. Saskia Juretzek und Sandra Broschat gestartet, um Frauen, die sich um nachhaltige Themen kümmern, eine Plattform zu geben und diese zu unterstützen. Im Interview mit EKOLOGISKA erklärt sie, was sie dazu bewegt hat, Futurewoman zu gründen und auch, wie sie so die Welt ein bisschen besser machen will.

EKOLOGISKA: Frau Steeger, Sie haben ein Manifest für die Frauen der Zukunft geschrieben. Darin steht unter anderem „ICH MACHE KLEINE SCHRITTE, ABER AUCH GROSSE SPRÜNGE.“ Was waren Ihre ersten kleinen Schritte und großen Sprünge?

JANINE STEEGER: Mein Change begann 2011, als ich schwanger die Fukushima-Katastrophe beobachtet habe. Vorher war Klimaschutz für mich kein Thema. Ich war eine richtige Umweltsünderin. Diese Stunden vor dem Fernseher haben mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mit ganz kleinen Schritten angefangen, mein Leben zu ändern. Die Kapselkaffeemaschine ging zeitgleich kaputt. Also kaufte ich eine neue, in die wir seitdem Fairtrade-Bohnen einfüllen. Wir haben den Stromanbieter gewechselt, einige Bankkonten, sind uns bewusst geworden, wie viele Lebensmittel wir wegschmeißen und haben das abgestellt. Der private vorläufige Höhepunkt war die Abschaffung des eigenen Autos. Beruflich habe ich die ganz große Keule ausgepackt und meinen einstigen Traumjob als RTL-Moderatorin gekündigt. Weil der Sender die Themen 2014 noch nicht relevant genug fand, um mir dazu eine eigene Sendung zu geben. Das war dann eher ein großer Sprung ins vorläufige Nichts. Aus dem Nichts ist dann aber Green Janine geworden. 

EKOLOGISKA: Es gibt Menschen die würden sagen, „Es gibt doch auch Männer, die sich für die Zukunft einsetzen.“ Warum geht es bei Futurewoman explizit um Frauen?

STEEGER: Weil wir in der Nachhaltigkeit das gleiche Dilemma haben, wie in vielen anderen Fachbereichen auch: Die vielen tollen Expertinnen, die es dort gibt, werden aus unterschiedlichsten Gründen weniger wahrgenommen und finden weniger statt. Außerdem ist es wichtig Räume zu schaffen, in denen Frauen sich untereinander auch mal über Probleme unterhalten können, Dinge anzusprechen, die man in Gegenwart von Männern ungern anspricht. Diesen Raum schaffen wir mit unserem Netzwerk. 

EKOLOGISKA: Männer sollen bzw. dürfen sich dennoch beteiligen und sich über die Plattform vernetzen. Warum ist Ihnen das wichtig?

STEEGER: Weil wir nicht ein vorhandenes Problem, nämlich die Unterrepräsentanz von Frauen in der Nachhaltigkeit, mit quasi gleichen Mitteln behandeln wollen. Uns ist völlig klar, dass wir den Planeten nur gemeinsam retten können. Und auch wollen. Es geht darum, Teams an allen Stellen diverser zu machen. 

EKOLOGISKA: Wie entscheiden Sie, wer eine Futurewoman ist? Gibt es da bestimmte Kriterien?

STEEGER: Es gibt keinen Kriterienkatalog und wir machen auch keine Bewerbungsgespräche. Wir gehen auf Frauen zu oder die melden sich bei uns, die sich auf unterschiedlichste Weise der Nachhaltigkeit verschrieben haben und in bestimmten Bereichen dieses großen Feldes wertvollen Input liefern können. Wenn Sie bei uns auf der Plattform in Erscheinung treten möchten, ist die einzige Voraussetzung, dass Sie ihre Fachexpertise öffentlich einbringen möchten. Als Panelist, Speakerin, Workshopleiterin oder Moderatorin beispielsweise. 

EKOLOGISKA: Auf der Website werden die Frauen auch als „Grüne Heldinnen“ bezeichnet. Laut Definition ist ein Held oder eine Heldin „eine Person, die eine Heldentat, also eine besondere, außeralltägliche Leistung vollbringt.“ Wird es in Zukunft sehr viel mehr grüne Held*innen geben? Oder denken Sie, dass der Einsatz für eine bessere Welt irgendwann alltäglich wird?

STEEGER: Ich würde mir wünschen, dass ein nachhaltiges Verhalten das neue Normal wird. Aber das ist noch ein weiter Weg zu gehen. Aktuell erfordert es immer noch Mut, in die Veränderung zu gehen. Privat und beruflich. Weil Veränderung anstrengend ist, weil man aushalten muss, dafür vielleicht nicht von allen Seiten Zuspruch zu bekommen und weil man Ausdauer haben muss, um seine eigenen Vorstellungen inspirierend unterzubringen. 

EKOLOGISKA: Gibt es auch Momente, in denen die Teilnehmer*innen denken „Reicht das überhaupt aus, was wir tun, um wirklich eine Veränderung zu erreichen“?

STEEGER: Ich kenne das von mir selbst und kann mir vorstellen, dass ich an der Stelle für viele von uns sprechen kann: Natürlich gibt es Tage der Verzweiflung, auch gekoppelt mit der Frage: Was kann ich wirklich ausrichten? Ich komme aber immer wieder zu dem Schluss, dass wir unsere Vorbildrolle nicht unterschätzen dürfen. Wenn wir etwas ändern, einen zukunftsfähigen Lebensstil propagieren, dann ziehen andere nach. Das gilt im privaten Bereich genauso wie für Unternehmen, oder auch Staaten. Davon bin ich – gemeinsam mit vielen Expert*innen – überzeugt. Und daran halte ich mich auch an schlechten Tagen fest. 

EKOLOGISKA: Was hat Sie bisher am meisten an ihrer Arbeit bei Futurewoman beeindruckt?

STEEGER: Die unglaubliche Kraft und Stärke, die von Frauen ausgeht, die ein Ziel verfolgen. Ich finde das so unglaublich inspirierend. Und es treibt mich selbst zu Höchstleistungen. Ich kann mich zwar selbst auch schon sehr gut motivieren, wenn mir Dinge bzw. Überzeugungen und Werte wichtig sind. Aber die Futurewomen um mich rum vervielfältigen das und ich möchte das nicht mehr missen. 

EKOLOGISKA: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

STEEGER: Ich wünsche mir für die Zukunft mehr globale Empathie und weniger Egoismus. Der menschengemachte Klimawandel wird vor allem von den reichen Ländern verursacht. Zu spüren ist er schon jetzt am stärksten im Globalen Süden. Und während sich hier in Deutschland Menschen über ein Schnäppchen freuen, fragen sich nur die wenigsten, wer das T-Shirt für drei Euro eigentlich unter welchen erbärmlichen Bedingungen produziert hat. Und an der Stelle sei erwähnt, dass ein teures T-Shirt nicht automatisch bedeutet, dass die Produktionsbedingungen besser waren. Wir sollten nicht ständig mit Scheuklappen rumlaufen, sondern uns intensiv mit den 17 SDGs auseinander setzen, den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN. 

EKOLOGISKA: Welche Tipps haben Sie für Menschen, die sich jetzt erst mit dem Thema beschäftigen?

STEEGER: Sucht Euch kleine, leichte Veränderungen für den Anfang. In meinem Buch „Going Green“ beschreibt eine Psychologin es so: Mit der Nachhaltigkeit ist es wie mit einer Diät. Wenn man es zu krass und zu streng angeht, verliert man viel zu schnell die Lust. Und das stimmt. Im Übrigen gibt es keine Anleitung oder eine Antwort auf die Frage, was die ersten Schritte sind. Das kann nur jeder für sich allein entscheiden. Es muss nur absolut niedrigschwellig sein. Für den einen ist das der Mehrwegbecher für den Coffee to go, für die andere direkt die Abschaffung des eigenen Autos, weil man schon so oft darüber nachgedacht hat, dass das Ding ja eigentlich nur rumsteht. Fühlt Euch frei, Eure eigenen Entscheidungen zu treffen. Nur so macht es auch Spaß. Und es kann verdammt viel Spaß machen. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. 

Credits: oekom Verlag

Über Janine Steeger:
Janine Steeger ist Journalistin, Moderatorin, Speekerin und Autorin. Sie setzt sich mit Leidenschaft für die Themen Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung ein und kombiniert diese Themen bei Futurewoman.
Außerdem hat sie das Buch „Going Green“ geschrieben. In dem sie nicht nur von ihrem eigenen Weg in ein nachhaltiges Leben erzählt, sondern anhand ihrer Geschichte auch zeigt, dass kleine Schritte ein guter Anfang sind und dass wir nicht perfekt sein müssen, um die Welt zu schützen.

Janine Steeger über Futurewoman:

„Futurewoman ist ein Unternehmen, das Frauen in der Nachhaltigkeit auf unterschiedlichsten Wegen fördert und sichtbarer macht. Zum einen sind wir eine Suchplattform, auf der Veranstalter und Redaktionen gezielt nach Frauen in der Nachhaltigkeit suchen können, um ihre Panel, Sendungen etc. divers zu besetzen. Darüber hinaus bieten wir Unternehmen mit unseren Futuretalks die Möglichkeit, sich zum Thema Nachhaltigkeit und Diversity zu positionieren. Futuretalks sind Netzwerktreffen, mit einem Unternehmen als Gastgeber, bei denen wir immer ein aktuelles Thema der Nachhaltigkeit in den Fokus nehmen. Und mit unserer Futurewoman Academy begleiten wir Frauen bei ihren Karrieren in der Nachhaltigkeit, durch Coaching und Mentoringprogramme. Gleichzeitig bieten wir ihnen Medientrainings an, um ihnen Sicherheit auf Bühnen und vor Kameras zu geben. Schlussendlich führt auch das zu mehr Sichtbarkeit von Women in Sustainability.“


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